2. Timotheus 4, 16-22 Gute Ratschläge

Am Ende macht Paulus noch einmal deutlich worauf es – auch für Timotheus – ankommt: am Evangelium festhalten, gerade gegen Widerstände und wenn man von anderen verlassen wird. Das Beeindruckende bei Paulus ist, dass er das nicht nur als schlauen Rat weitergeben kann, sondern dass er das an seinem eigenen Beispiel deutlich machen kann.

Solche Ratschläge sind überzeugend. Wenn man beim Anderen sieht, dass er selbst danach lebt und handelt, dann wirkt es gleich ganz anders. Wie schnell sind wir Christen dabei, von anderen zu fordern, was wir selbst nicht überzeugend leben! Das wird dann schnell überheblich und heuchlerisch. Für mich als Pastor gilt das in besonderer Weise – wir Pastoren sollen ständig anderen Ratschläge geben und dabei selbst überzeugende Vorbilder sein. Aber das gilt für uns alle: mehr Demut und Ehrlichkeit würde uns gut tun.

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Exodus 14, 1-14 Erfrischende Ängstlichkeit

Gott befreit hier nicht die selbstsicheren Glaubenshelden, die nie die geringste Spur des Zweifels und der Angst haben. Nein, er befreit einen wankelmütigen Haufen von Angsthasen aus der Gefangenschaft. Kaum sehen die Israeliten das Heer der Ägypter, bekommen sie es mit der Angst zu tun und sie fangen an zu zweifeln und zu fragen. Gleich zu Anfang denken sie schon, dass es doch einfacher und ungefährlicher gewesen wäre, weiterhin in Ägypten als Gefangene zu dienen (V.12).

Man mag über die ängstlichen Israeliten den Kopf schütteln. Aber ich finde es sehr erfrischend, dass hier in der biblischen Erzählung die Gemütslage des Volkes so offen und schonungslos dargelegt wird. Wenn Gott die ängstlichen Israeliten befreien konnte, die gleich zu Beginn schon ihr Vertrauen in Gott verloren hatten, dann kann er vielleicht auch was mit mir anfangen…

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Jeremia 20 Biblischer Realismus

Ähnlich wie in Jer. 15,10-21 wird in diesem Kapitel das Leiden und die Verzweiflung des Jeremia deutlich. Er leidet an seiner schweren Aufgabe, er leidet darunter, dass er Gericht ankündigt, dass keiner ihn hören will und dass Gott das, was Jeremia immer wieder androht, scheinbar nicht vollzieht. Er leidet körperliche Schmerzen, die ihm andere zufügen, aber viel schlimmer sind die psychischen Schmerzen: Er wird wie ein Ausgestoßener und Volksfeind behandelt. Er ist so verzweifelt, dass er sich wünscht, nie geboren worden zu sein, dass er den Tag seiner Geburt verflucht.

Nun gibt es in der Bibel genügend Aussagen, die uns zur Freude, Dankbarkeit, Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen in Gott auffordern. Es gibt genügend Verheißungen in dieser Art: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jes. 40,1) Und es gibt genügend Christen, die anderen in Notzeiten mit einem seligen Lächeln im Gesicht sagen: „Freue dich in dem Herrn allezeit und sei dankbar für alles!“

Das ist ja alles gut und richtig. Aber selbst bei einem solch großen Propheten wie Jeremia, der ein Leben voller Hingabe an Gott und voller Hingabe an seinen Auftrag lebt, gibt es Situationen, in denen auch ihm das Vertrauen und die Hoffnung schwindet.

Mir tut es gut, dass die Bibel hier nicht verschämt schweigt über diese dunkle Stunde des Jeremia. Ich erlebe es zur Zeit nicht so. Ich weiß mich getragen, bin voller Hoffnung und Vertrauen auf Gott. Aber diese Stelle zeigt mir, dass dieses Vertrauen ein großes Geschenk ist. Ich weiß: Es kann auch anders kommen. Es können auch bei mir Zeiten der Verzweiflung und Dunkelheit kommen.

Aber Jeremia macht mir auch deutlich: Selbst da lässt Gott nicht los. Selbst da fängt Gott einen auf – auch wenn wir das nicht merken. Wichtig ist bei Jeremia, dass er sich in seiner Verzweiflung nicht von Gott abwendet, sondern dass er weiß: er darf mit seiner Verzweiflung zu Gott kommen, er muss vor Gott nicht so tun als ob alles in Ordnung wäre, als ob er voller Freude und Zuversicht sei. Er darf ganz realistisch und nüchtern mit seiner Verzweiflung zu Gott kommen.
Bibeltext

Jeremia 15, 10-21 Leiden an Gott

Dieser Realismus und diese Ehrlichkeit tun mir gut. Jeremia kämpft mit Gott. Er klagt und jammert. Er ist frustriert und deprimiert. Er leidet unter einem massiven Burn-out und wäre am liebsten nie geboren worden. Ein heutiger Psychiater würde ihn wahrscheinlich mit Anti-Depressiva voll pumpen. Die Bibel schweigt darüber nicht. Sie versucht nicht, diese schweren Erfahrungen schön zu reden.

So ist das Leben nun mal – auch als Christ. Es läuft nicht alles glatt. Gott schickt nicht immer ein Wunder vom Himmel, so dass man glücklich, zufrieden und ohne Probleme vor sich hin leben kann. Jeremia erlebt im Gegenteil Gott als denjenigen, der ihn einsam macht und der ihn nieder beugt (V.17). Daneben darf er immer wieder auch die Erfahrung machen, dass Gott ihn stärkt, dass er ihm Freude und Trost schenkt. Beides steht nebeneinander: Die Klage über einen Gott, der „ein trügerischer Born“ geworden ist, „der nicht mehr quellen will“ (V.18) und die Freude über den Gott, der durch sein Wort satt macht (V.16). In diesem Spannungsfeld spielt sich auch mein Leben als Christ ab.

Gott löst die Verzweiflung des Jeremia nicht einfach auf, indem er ein Wunder zelebriert, das endlich die störrischen Israeliten überzeugt und das Leiden des Jeremia beendet. Er gibt ihm einfach nur die Zusage, dass er sich zu Jeremia halten will (V.19). Wenn Jeremia weiterhin ein treuer Prediger Gottes bleibt, dann wird er ihn beschützen, ihm helfen, ihn erretten.
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Psalm 99 – Lobpreisfloskeln

Noch ein Psalm, in dem es um Gott als König geht. So langsam wird mir dieses Thema etwas zu viel: Gott als König taucht schon in den vorherigen Psalmen mehr als genug auf (Ps. 93,1; 95,3; 96,10; 97,1; 98,6). Diese Häufung zeigt auf jeden Fall, dass die Psalmen nicht wahllos zusammen gestellt wurden, sondern dass sie zumindest an dieser Stelle inhaltlich zusammen geordnet wurden.

Im Gegensatz zu den anderen Psalmen, in denen es um Gott als König geht, kommt mir dieser Psalm ziemlich blass vor. Ich hab das Gefühl hier werden eher Phrasen gedroschen, als wirkliche Ehrfurcht vor dem König ausgedrückt (kann aber auch an mir und meiner Stimmung liegen 😉 ). So als ob man halt vor den König kommt, sich protokollarisch richtig verhält (mit Niederwerfen und so Zeugs…) und die üblichen Lobhudeleien und Höflichkeitsfloskeln los wird.

Aber das ist ja wohl immer ein Problem beim Lob Gottes: Wie soll man Gott loben, wenn es einem gerade gar nicht danach ist? Soll man es dann lieber bleiben lassen, weil das Lob ja nicht von Herzen kommt und gar nicht so richtig ernst gemeint ist? Oder soll man sich überwinden, Gott trotzdem loben, halt die üblichen Lobpreisfloskeln verwenden und hoffen, dass die innere Einstellung sich dann schon noch ändert?
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Psalm 40 – Keine Privatangelegenheit

Zu diesem Psalm steht in der Stuttgarter Erklärungsbibel eine interessante Bemerkung: „In Israel waren Krankheit und Not keine Privatangelegenheit, sondern etwas, das alle anging.“ Deshalb wurden sowohl Klage und Bitte als auch der Dank in der Gemeinde angesprochen. Die Psalmen sind ein deutlicher Beleg dafür, wie Krankheit und Not auch in der Öffentlichkeit angesprochen wurden.

Ich empfinde heutzutage eher die Tendenz, dass wir über Not und Krankheit schweigen. Zumindest über die eigene Not. Über die anderen kann man viel leichter reden. Z.B. über Promis: Da sind die Klatschspalten voll mit persönlichen Notsituationen und wir reden auch gerne mit entsetztem Schaudern über so manchen Skandal. Und Im persönlichen Umfeld reden wir gern hinter vorgehaltener Hand über die Not der anderen. Da wird getuschelt und gelästert.

Aber über die eigene Not: da wird oft hartnäckig geschwiegen. „Das ist ja peinlich. Das offenbart ja meine Schwäche und Hilflosigkeit. Das lässt mich ja in schlechtem Licht erscheinen!“ Schade eigentlich: Gerade als Christen müssten wir doch ehrlich mit unser Schwachheit umgehen können und bereit sein, uns gegenseitig zu helfen (und helfen zu lassen!).
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Matthäus 5, 33-37 – Damit hab ich vielleicht kein Problem

Also mit dem Schwören hab ich kein Problem. Ich gehör nicht zu denen, die dauern sagen müssen: „Hey, Alder! Ich schwöööör dir!“ 😉 Jesus sagt, dass wir überhaupt nicht schwören sollen. Das war damals wohl ein aktuelleres Problem, als bei mir heute. Im Judentum wurde beim Schwören zur Bekräftigung der Name Gottes angerufen. Und um den Namen nicht zu entweihen, hat man irgendwann angefangen diesen Namen Gottes zu umschreiben. Dann hieß es z.B.: „Ich schwör beim Himmel.“

Für Jesus ist das Schwören überflüssig, da wir immer die Wahrheit sagen sollen – nicht nur bei Schwören. Unsre Rede sei: Ja, ja oder nein, nein. Da wird’s bei mir schon schwieriger, denn ich liebe das vielleicht. Ja und Nein sind mir oft zu extrem, zu festgelegt und ich fliehe ins vielleicht. Und so halt ich mir alle Optionen offen. Aber vielleicht ist das im Umgang mit anderen auch nicht immer so toll, wenn man statt ja oder nein ständig vielleicht sagt…