Hebräer 12, 25-29 Kein Kuschelgott

Auch hier wieder: Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite lockt der Hebräerbrief die müden Christen damit, dass sie ein unerschütterliches Reich empfangen werden (V.29) wenn sie im Glauben treu bleiben. Andererseits droht er mit der Heiligkeit Gottes: „Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ (V.29)

Wie schon vorher, stellt der Hebräerbrief Gott nicht als harmlosen Kuschelgott dar. Er ist ein verzehrendes Feuer. In Hebr. 10,31 wird gesagt: „Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Ich beschäftige mich gerade mit biblischen Aussagen zum Thema Hölle. Auch die Hölle wird häufig mit dem Bildwort vom Feuer verbunden. Feuer ist gefährlich, es kann schmerzhaft und qualvoll sein. Der Hebräerbrief warnt uns eindringlich davor, Gott und seine Heiligkeit zu verharmlosen.

Allerdings kann berechtigte Ehrfurcht vor diesem Gott der so anders, so viel größer und heiliger ist, als wir uns das vorstellen können, auch schnell umschlagen in Angst. Ich denke nicht, dass echter Glaube und tiefes Vertrauen in Gott, auf Angst basieren kann. Mir selbst ist als sinnvolle biblische Ergänzung und Korrektur dieser Aussagen des Hebräerbriefes das Gleichnis vom verlorenen Sohn eingefallen. Auch Jesus stellt Gott nicht als Kuschelgott dar. Auch er spricht von Gottes Heiligkeit und seinem Zorn gegenüber der Sünde. Aber er zeigt ihn auch als den liebenden Vater, der den Sünder nicht in heiligem Feuer vernichten will, sondern der sehnsüchtig, mit offenen Armen und mit einem offenen Vaterherz auf die Umkehr des Verlorenen wartet. Dieses Bild ermutigt mich sehr viel mehr, Gott treu zu bleiben, als das Bild vom verzehrenden Feuer.

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Josua 9 Gibeonitische Hinterlist

Nachdem die Israeliten im letzten Kapitel die Bewohner von Ai mit einem Hinterhalt überlistet hatten, werden sie nun selbst herein gelegt. Die Gibeoniter spielen ihnen vor, von weit her zu kommen und wollen einen Bund mit ihnen schließen. Josua schließt einen Friedensbund mit ihnen und erst danach merken die Israeliten, dass die Gibeoniter ganz in der Nähe zu Hause sind. Ich mag das, dass die Bibel so unspektakulär auch von den weniger rühmlichen Erfahrungen schreibt. An dieser Stelle spürt man fast schon ein Augenzwinkern der Schreiber: Schaut her, auch die Bewohner von Kanaan sind auch nicht auf den Kopf gefallen und wenn Israel sie überlistet, dann können sie es auf ähnliche Weise zurück zahlen.

Was mir aufgefallen ist bei dieser Geschichte ist, dass die Israeliten sich trotz der List der Gibeoniter an ihren Bund halten. Als sie bemerken, dass sie herein gelegt wurden, halten sie sich trotzdem an die Abmachung – denn sie haben den Bund mit den Gibeoniter im Namen Gottes geschworen. Unser heutiges Rechtsempfinden würde sagen: An einen Vertrag, der unter unlauteren Bedingungen zustande kam, bin ich nicht gebunden. Aber die Israeliten haben im Namen Gottes geschworen und sie haben solch große Ehrfurcht vor Gott, dass sie es nicht wagen, dieses Versprechen vor Gott wieder zurück zu nehmen. Es zählt nicht mein menschliches Rechtsempfinden, sondern es zählt mein Versprechen gegenüber Gott!

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Hesekiel 2 Von Gottes Geist aufgerichtet

Auffällig ist die Anrede „Menschenkind“. Sie kommt bei Hesekiel gehäuft vor (insgesamt 93 mal; sonst im AT nirgends so oft). Wörtlich übersetzt steht da: Sohn des Menschen. Auch Jesus hat sich ja als Menschensohn bezeichnet, doch bei ihm war es auf dem Hintergrund des Buches Daniel ein Hoheitstitel. Hier bei Hesekiel macht es eher die Zugehörigkeit des Propheten deutlich: er gehört auf die Seite der Menschen, er ist Geschöpf und steht in der Linie von „Adam“ (welches das hebr. Wort für Mensch ist). Im Buch Hesekiel wird in besonderer Weise Gottes Macht und Herrlichkeit betont. Hesekiel wird mit der Anrede immer wieder vor Augen geführt, dass Gott ganz anders ist, dass er der Heilige ist, dass es einen Abstand zwischen den vergänglichen Menschen und dem ewigen Gott gibt. Das Faszinierende ist, dass Gott dennoch sein Volk nicht aufgibt und dass er nicht aufhört, durch Propheten um sein Volk zu werben.

Was mich besonders angesprochen hat bei diesem Abschnitt ist V.2: „Und als er [Gott] so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße.“ Hesekiel hatte sich vor Ehrfurcht nieder geworfen (Hes.1,28). Was Luther hier mit „Leben“ übersetzt hat, kann man auch mit „Geist“ übersetzen. Hesekiel wirft sich also vor dem heiligen Gott nieder, aber Gott redet mit ihm und Gottes Geist richtet ihn wieder auf. Obwohl Hesekiel ein Sohn des Menschen ist, obwohl der Abstand zwischen Mensch und Gott so groß ist, will Gott mit ihm reden, will er ihn als Gegenüber! Gott will nicht, dass der Prophet vor ihm im Staub kriecht, sondern dass er mit erhobenem Haupt Gott zuhört.

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Psalm 99 – Lobpreisfloskeln

Noch ein Psalm, in dem es um Gott als König geht. So langsam wird mir dieses Thema etwas zu viel: Gott als König taucht schon in den vorherigen Psalmen mehr als genug auf (Ps. 93,1; 95,3; 96,10; 97,1; 98,6). Diese Häufung zeigt auf jeden Fall, dass die Psalmen nicht wahllos zusammen gestellt wurden, sondern dass sie zumindest an dieser Stelle inhaltlich zusammen geordnet wurden.

Im Gegensatz zu den anderen Psalmen, in denen es um Gott als König geht, kommt mir dieser Psalm ziemlich blass vor. Ich hab das Gefühl hier werden eher Phrasen gedroschen, als wirkliche Ehrfurcht vor dem König ausgedrückt (kann aber auch an mir und meiner Stimmung liegen 😉 ). So als ob man halt vor den König kommt, sich protokollarisch richtig verhält (mit Niederwerfen und so Zeugs…) und die üblichen Lobhudeleien und Höflichkeitsfloskeln los wird.

Aber das ist ja wohl immer ein Problem beim Lob Gottes: Wie soll man Gott loben, wenn es einem gerade gar nicht danach ist? Soll man es dann lieber bleiben lassen, weil das Lob ja nicht von Herzen kommt und gar nicht so richtig ernst gemeint ist? Oder soll man sich überwinden, Gott trotzdem loben, halt die üblichen Lobpreisfloskeln verwenden und hoffen, dass die innere Einstellung sich dann schon noch ändert?
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Psalm 89 – Ehrfurcht und Respektlosigkeit

Interessant fand ich bei diesem Psalm, wie mit Gott argumentiert wird. Da wird zunächst mal Gott gelobt und groß gemacht. Dann wird Gottes Bund mit David beschrieben und betont wie treu und gnädig Gott ist. Und selbst wenn die Nachkommen Davids Gottes Gesetz verlassen (V.31), so wird Gott doch treu bleiben und seinen Bund mit dem Haus David nicht aufgeben (V.34f). Es folgt die Beschreibung, dass es nun doch so aussieht, als ob Gott diesen Bund gebrochen hat (V.40) – wahrscheinlich hat wohl ein israelitischer König eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Das ganze gipfelt in der Klage, dass Gott sich doch bitte wieder zeigen soll und sich an seine Gnade und Treue erinnern soll (V.50).

Ich find’s cool, dass wir vor Gott nicht einfach in Ehrfurcht erstarren müssen und es gar nicht wagen dürfen auch nur andeutungsweise sein Handeln in Frage zu stellen. Der Psalm bekennt sich ganz klar zu Gottes Größe und Majestät. Aber zugleich fängt er an mit Gott zu diskutieren und will ihn förmlich zum Handeln überreden: „He Gott, du hast da doch mal versprochen, dass du David und seine Nachkommen beschützen willst! Wie sieht das jetzt aus? Warum verbirgst du dich? Ich weiß: Wir haben auch Mist gebaut – aber du bist doch schließlich Gott. Könntest wenigstens du deine Versprechen einhalten?“ Schön, wie sich hier Ehrfurcht und Respektlosigkeit mischen.
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Psalm 76 – Furchtbarer Gott

Drei mal wird Gott in diesem Psalm als „furchtbar“ bezeichnet (V.8.12.13). Natürlich ist uns sofort klar, dass es hier nicht um eine erschreckende und angsteinflössende Furcht geht, sondern um die Ehrfurcht. Und natürlich ist es falsch und schrecklich, wenn Menschen im Namen Gottes Angst gemacht wird, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Glaube soll nicht Angst machen, sondern von Angst und Furcht befreien. Mit diesen Gedanken können wir uns dann wieder entspannt zurück lehnen und uns in Gottes barmherziger Liebe sonnen… 😉

Aber sind wir nicht manchmal zu schnell dabei, die „Furcht“ aus unserem Glauben zu streichen? Auch in der Ehrfurcht steckt noch die Furcht drin. Wo bleibt das erschrockene Staunen über Gott, der so mächtig und unbegreiflich ist, dass es fast schon unheimlich ist? Wo bleibt das Kribbeln in der Begegnung mit dem Geheimnisvollen und Göttlichen? Wo bleibt das aufgeregte Zittern, wenn wir vor dem König der Welt stehen? Mir fällt dazu ein christliches Kinderlied ein: „Aber der Herr ist immer noch größer, größer als ich denken kann.“ – Ich hab Gott nie „im Griff“. Ich kann ihn nicht klein falten mit meiner menschlichen Theologen-Logik. Er bleibt immer ein Stück weit größer. Und er bleibt immer auch ein Stück weit „furchtbar“.
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Psalm 47 – Kumpel oder König?

So, nach dem etwas seltsamen Psalm 45 kommt jetzt ein biblisch korrekter 😉 Psalm, in dem es um den einzig wahren König geht. Ps. 45 sagt: der König ist Gott – Ps. 47 sagt: Gott ist König. Ein gravierender Unterschied: Nicht der irdische König ist Gott ähnlich, sondern Gott selbst ist der wirkliche König, der Lob und Anbetung verdient.

Ich musste bei diesem Psalm daran denken, dass wir oft in der Gefahr stehen, Gott sehr kumpelhaft und harmlos zu sehen. Jesus ist der liebe, nette Freund, der uns zärtlich in den Arm nimmt, wenn wir uns schlecht fühlen. Aber Gott ist viel größer: er ist nicht nur der nette Freund, er ist auch der König, dem Ehrfurcht gebührt. Dem König nähern wir uns mit Respekt und er erwartet Gehorsam von uns. Ganz intensiv fordert Ps. 47 diesen König zu Loben: „Lobsinget Gott!“ Er sitzt auf seinem heiligen Thron und dementsprechend sollen wir uns ihm gegenüber auch verhalten.

Jesus mit DornenkroneIn meinem Büro hängt ein Ausdruck von diesem Bild. Beim Lesen des Psalmes ist mein Blick darauf gefallen: Jesus mit der Dornenkrone. Auch so kann dieser König aussehen. Nicht herrlich und strahlend auf dem Thron, sondern leidend und blutverschmiert am Kreuz. Aber auch da ist er nicht einfach der nette Kumpel, sondern der König, der alles, wirklich alles tut, um sein Königreich zu erlösen und retten.
Bibeltext
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Foto: Edith Ochs / pixelio.de

Begeisterung, Liebe, Ehrfurcht

Gestern Abend bei Stefan Raab: Bud Spencer war zu Gast. Stefan hat mal wieder ein ziemlich plattes Interview geführt. Bud Spencer dagegen hat echte Größe und Gelassenheit ausgestrahlt. Ich erinnere mich noch dass mein allererster Kinofilm, den ich gesehen habe, eine der typischen Bud Spencer und Terence Hill Schlägerkomödien waren (wenn ich die Filme heute sehe kann ich meine damalige Begeisterung nicht mehr ganz nachvollziehen… 😉 ).

Was ich echt klasse fand war ein Bud Spencer Fan, der im Publikum saß und der die Ehre einer persönlichen Begegnung mit seinem Idol bekam. Dieser Mann hatte ein Tatto von Bud Spencer auf der Brust und er war total hin und weg, weil er Bud Spencer so nahe kommen durfte. Aber seht selbst:

Bud Spencer mit Fan
Bei youtube wurde das Video inzwischen aus copyright-Gründen gelöscht. Hier >>> bei ProSieben-tvtotal ist es zu sehen. Der Fan taucht ungefähr bei Minute 7:30 auf.

Was mich fasziniert hat, war seine Begeisterung, die leuchtenden Augen, das strahlende Lächeln – er schien es kaum fassen zu können, was er da erleben durfte . Er hat sich Bud Spencer mit Liebe und Ehrfurcht genähert. Wenn man ihn so sieht, dann spürt man formlich seine Verehrung gegenüber diesem Schauspieler. Und jeder im Publikum (und auch Bud Spencer selbst) haben sich gedacht: Naja, ein bisschen durchgeknallt ist das schon, wenn man sich Bud Spencer auf die Brust tätowiert…

Es wäre schön, wenn wir Christen auch eine ähnliche Begeisterung, Liebe und Ehrfurcht ausstrahlen können – aber natürlich nicht für Bud Spencer, sondern für Jesus Christus. Auch wenn manche uns dann für ein bisschen durchgeknallt halten… 😉