Johannes 7,53 – 8,11 Jesus liebt den Sünder, aber hasst die Sünde

Ein wundervolles Beispiel dafür, wie Jesus mit Sünde und Sündern umgeht. Die Frau ist beim Ehebruch ertappt worden (wobei wir heute zurecht fragen: Wo bleibt dann der Mann? Warum wird nur die Frau des Ehebruchs angeklagt?). Jesus zieht sich geschickt aus der Affäre: Er verharmlost nicht die Sünde (V.11: „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr“), aber zugleich verurteilt er die Frau auch nicht (V.11: „So verurteile ich dich auch nicht“). Wir bringen das heute oft auf die einfache Formel: „Jesus liebt den Sünder, aber hasst die Sünde“.

Soweit so gut. Aber was passiert, wenn die Frau ein zweites mal beim Ehebruch erwischt wird? Vergibt Jesus dann genauso wie beim ersten mal? Oder gibt es dann keine Vergebung mehr? Wie sieht es aus beim dritten, vierten, fünften mal? Muss nicht auch Jesus irgendwann mal sagen: Jetzt ist Schluss! Gibt es irgendwann einen Punkt, an dem keine Vergebung mehr möglich ist?

Wie ist das mit unseren „Lieblingssünden“, mit Fehlern, die wir immer wieder neu machen und einfach nicht davon loskommen? Fallen wir irgendwann aus der Gnade Gottes heraus, auch wenn wir unsere Fehler immer wieder aufrichtig bedauern und darunter leiden? Oder können wir auf der anderen Seite gedankenlos und bequem immer wieder die gleichen Fehler machen, weil wir ja aus der Vergebung leben? Was bedeutet in solchen Fällen die einfache Formel „Jesus liebt den Sünder, aber hasst die Sünde“?

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Leo Tolstoi: Anna Karenina

Tolstoi: Anna KareninaEiner der bekanntesten Romane der Weltliteratur mit einem der bekanntesten Anfangssätze: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Obwohl ich das Buch schon vor längerer Zeit einmal gelesen habe, war mir der Sinn dieses Beginns noch nie so richtig deutlich. Nach dem Wiederlesen des Romans wird er mir zum ersten mal etwas klarer. Damit eine Ehe und Familie glücklich sein kann, müssen viele Faktoren zusammen kommen. Weil so vieles passen muss, ähneln sich die glücklichen Ehen. Für eine unglückliche Ehe und Familie genügt es aber, dass nur ein Faktor nicht erfüllt ist. Es kann viele verschiedene Ursachen haben, die zu einer unglücklichen Ehe führen. Insofern ist jede unglücklich Familie auf ihre eigene Weise unglücklich. Leo Tolstoi: Anna Karenina weiterlesen

Jeremia 5, 1-14 Deftig, deftig!

Jeremia ist nicht gerade eine entspannende Lektüre. Kein christlicher Wohlfühlratgeber, um sich selbst glücklicher und zufriedener zu fühlen. Bei Jeremia geht’s richtig zur Sache. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er spricht ganz klar und deutlich die Sünden seiner Zuhörer an.

Nicht nur auf religiösem Gebiet betreiben sie Hurerei, indem sie fremde Götter anbeten, nein auch im zwischenmenschlichen Bereich sieht es nicht besser aus: „Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus. Ein jeder wiehert nach seines Nächsten Frau wie die vollen, müßigen Hengste.“ (V.7b.8) Deftig, deftig! Man kann sich denken, dass Jeremia sich mit solchen Predigten nicht nur Freunde gemacht hat…

Ich bewundere seinen Mut und seine Klarheit. Wobei das frustrierende ja war, dass die Leute ihn trotzdem nicht ernst genommen haben. Die haben einfach so weiter gemacht wie bisher und haben sich gesagt: Naja, so schlimm wird’s ja nicht werden. Wir haben doch einen netten und gütigen Gott. Der wird schon Verständnis für uns haben (vgl. V.12: „Sie verleugnen den Herrn und sprechen: Das tut er nicht; so übel wird es uns nicht gehen“). Diese Reaktion ist eigentlich noch deftiger und heftiger als die Worte des Jeremia…

Mein Gebet dazu: „Herr, lass mich erkennen, wo ich selbst daneben liege und wo ich so verblendet bin, dass ich meine eigenen Fehler nicht einsehe und erkenne.“
Bibeltext

Matthäus 19, 1-12 – Wenn Ehen scheitern

Schon damals war das ein Streitthema: Ehescheidung. Darf man das? Darf man das nicht? Wenn es erlaubt ist, unter welchen Umständen und wann nicht? Und schon damals gab es unterschiedliche Meinungen: eher strenge Auslegungen oder eher liberale Auslegungen. Schon damals war es so: egal was man zu dem Thema sagt – irgendjemand wird auf jeden Fall unzufrieden sein und eine andere Meinung haben.

Ich find’s ja zunächst mal interessant, dass es schon damals so war, dass das ein Problem war. Ehe war schon immer etwas wundervolles wenn es gut läuft – aber eben auch extrem schwierig, wenn es schlecht läuft. Schon damals sind Ehen zerbrochen und gescheitert, nicht erst heute in unser ach so gottlosen und verderbten Zeit.

Was sagt Jesus dazu? Er bezieht sich auf Gottes Schöpfungsabsichten: Eine Ehe ist untrennbar. Was Gott zusammengefügt hat, kann man nicht auseinander reißen. Jede Ehescheidung ist also ganz klar gegen Gottes guten Schöpferwillen. An dieser Aussage gibts nichts zu rütteln. Ich denke das gilt nicht nur für eine äußerliche Trennung von Ehepaaren, sondern auch für eine innere Entfremdung und Trennung. Jede kaputte Ehe (äußerlich sichtbar oder verborgen im Herzen) ist gegen Gottes guten Schöpferwillen.

Was aber, wenn es trotz aller guten Absichten doch schief geht? Wenn in einer Ehe nur noch Feindschaft, Hass und Verletzungen regieren? Soll man dann äußerlich so tun, als ob die Ehe weiterhin Gottes guten Schöpfungsabsichten entspricht? Soll man zusammenbleiben, auch wenn man sich innerlich schon längst getrennt hat? Oder soll man die Konsequenz ziehen und das Scheitern auch öffentlich zugeben? Ist nicht auch in diesem Fall Vergebung und ein Neuanfang möglich? Was ist in einem solchem Fall das kleinere Übel?

Matthäus 5, 27-32 – Du bist der Mann!

Tja, nachdem ich gestern feststellen musste, dass ich ein Mörder bin, reibt mir Jesus heute unter die Nase, dass ich ein Ehebrecher bin („Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen). Und auch in diesem Abschnitt wird die Ernsthaftigkeit dieser Feststellung untermauert durch die Androhung der Hölle für alle Ehebrecher.

Damit hab ich wohl null Chance auf einen Platz an der Sonne in Gottes Ewigkeit. Es wird wohl etwas dunkler und heißer werden… Es sei denn – es sei denn, dass es auch für Mörder und Ehebrecher noch einen Weg gibt, Gottes Gnade zu finden. Es sei denn, dass jemand anders meine Schuld auf sich nimmt und mich rein vor Gott stehen lässt…

Und dann die Sache mit der Ehescheidung. Eieiei, Jesus, wenn ich dich nicht besser kennen würde, könnt ich an solchen Aussagen verzweifeln. Warum so hart und kompromisslos? Warum scheint an dieser Stelle absolut nichts von Gottes Gnade gegenüber unserem Scheitern durch? Was würdest du denn heute, ganz konkret Menschen sagen, deren Ehe in Trümmern am Boden liegt, die sich jeden Tag auf’s neue nur gegenseitig verletzen und deren gegenseitiges Vertrauen am Nullpunkt ist? „Bleibt zusammen, sonst kommt ihr in die Hölle!“???