Leo Tolstoi: Anna Karenina

Tolstoi: Anna KareninaEiner der bekanntesten Romane der Weltliteratur mit einem der bekanntesten Anfangssätze: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Obwohl ich das Buch schon vor längerer Zeit einmal gelesen habe, war mir der Sinn dieses Beginns noch nie so richtig deutlich. Nach dem Wiederlesen des Romans wird er mir zum ersten mal etwas klarer. Damit eine Ehe und Familie glücklich sein kann, müssen viele Faktoren zusammen kommen. Weil so vieles passen muss, ähneln sich die glücklichen Ehen. Für eine unglückliche Ehe und Familie genügt es aber, dass nur ein Faktor nicht erfüllt ist. Es kann viele verschiedene Ursachen haben, die zu einer unglücklichen Ehe führen. Insofern ist jede unglücklich Familie auf ihre eigene Weise unglücklich. Leo Tolstoi: Anna Karenina weiterlesen

Hermann Hesse: Roßhalde

Wie der Roman „Gertrud“ wieder ein Buch, das vor allem für Hesse selbst wichtig ist. Er spielt hier in Gedanken seine eigene gescheiterte Ehe durch und kommt zu der Konsequenz, dass er sich um der Kunst willen von seiner Familie befreien muss – was er dann einige Jahre später auch tut.

In dem Roman geht es um den Maler Veraguth, der auf dem schönen Anwesen Roßhalde mit seiner Frau und ihrem jüngsten Sohn Pierre lebt. Aber eigentlich leben sie gar nicht mehr zusammen: der Maler arbeitet und schläft in seinem Atelier, welches sich ein Stück entfernt vom Haupthaus befindet. Das einzige was die Eheleute noch zusammen hält, ist der von beiden sehr geliebte Sohn Pierre. Veraguth liebt ihn über alles und kann sich nicht dazu durchringen, seine Frau zu verlassen, weil er damit auch seinen Sohn verlieren würde. Hermann Hesse: Roßhalde weiterlesen

Hesekiel 23 Gott als Opfer

Ein häufiges Bild bei den Propheten: Gott als liebender Ehemann und seine Volk als Ehefrau, die ihren Mann mit anderen Männern betrügt. In diesem Kapitel wird das Volk durch zwei Frauen symbolisiert: eine steht für das Nordreich Israel, das zu Zeit des Hesekiel schon von den Assyrern erobert wurde und die andere steht für das Südreich Juda, das kurz davor steht, von den Babyloniern erobert zu werden.

Spannend an diesem Kapitel finde ich die Frage, welches Bild hier von Gott vermittelt wird. Hesekiel beschreibt hier nicht einen allmächtigen und in sich ruhenden Gott, sondern einen zornigen und enttäuschten Ehemann. Gott ist nicht derjenige, der als unparteiischer Richter das Urteil fällt, sondern er ist das Opfer, das betrogen wurde. Er leidet an der Untreue seines Volkes. Sein Volk hat sich selbst das Urteil gesprochen, indem sie sich anderen Mächten und Göttern zugewandt haben als ihm. „Da übergab ich sie in die Hand ihrer Liebhaber.“ (V.9) „Weil du mich vergessen und mich verworfen hast, so trage nun auch du deine Unzucht und deine Hurerei!“ (V.35)

Das ist ein Grundmotiv durch die ganze Bibel hindurch: Gott will (und kann?) unsere Liebe und Treue nicht erzwingen. Er wartet darauf, er hofft darauf, er schafft die Voraussetzungen dafür – aber wir haben die Freiheit uns von ihm abzuwenden. Dann müssen wir allerdings auch die Konsequenzen dafür tragen.

In Jesus Christus geht Gott noch einmal einen Schritt weiter: Er nimmt selbst die Konsequenzen für die Untreue seiner Ehefrau auf sich. Er wird auf doppelte Weise Opfer. Er leidet darunter, dass sich seine Geschöpfe von ihm abwenden und er nimmt selbst die Konsequenz für diese Abkehr vom Schöpfer auf sich: den Tod! Unglaublich!

Julien Green: Leviathan

Warum heißt dieser Roman Leviatan? Gute Frage! Der Leviathan kommt ursprünglich aus der Bibel und ist dort ein Ungeheuer des Meeres. Für den Hebräer war schon das Meer an sich eine bedrohliche und unheimliche Macht, sehr viel mehr dann dieses schattenhafte Ungeheuer aus der Tiefe. In der jüdisch-christlichen Tradition wird der Leviathan manchmal mit dem Teufel selbst in Verbindung gebracht, kann aber auch einfach für Chaos und Unordnung stehen.

In dem Roman von Julien Green geht es um wilde, chaotische und letztendlich unbeherrschbare Triebe und Gefühle, die Menschen unter der Oberfläche bestimmen und antreiben. Alle Hauptpersonen, die in dem Buch vorkommen werden nicht von Vernunft oder einer höheren ethischen Gesinnung gelenkt, sondern sind bestimmt von Gefühlen, die wie ein Seeungeheuer unter der Wasseroberfläche lauern und die bei einem Sturm auf dramatische Weise zum Vorschein kommen.

Zur Handlung: Es geht um einen Hauslehrer, der von seinem Leben und seiner Ehe enttäuscht ist. Er verliebt sich in ein wunderschönes achtzehn-jähriges Mädchen. Als er jedoch erfährt, dass sie schon mir mehreren Männern ein Verhältnis gehabt hat, brennen bei ihm die Sicherungen durch. In seinen Strudel aus triebgesteuerter Gewalt und blinder Liebe zieht er noch andere Personen mit in den Abgrund.

Vom Stil her merkt man dem Buch natürlich seine Entstehungszeit an – es wurde 1929 erstveröffentlicht. Den heutigen Lesegewohnheiten entspricht diese Sprache und auch die Dramaturgie nicht mehr. Aber ich mag diese Sprache, den linearen Verlauf der Geschichte und den genauen Realismus, den man bei Green findet. Er beobachtet und beschreibt die Gefühle seiner Figuren sehr genau und steuert die Geschichte zielbewusst auf das Ende hin.
Als Leser muss man sich nach der Lektüre fragen: Stimmt dieses Menschenbild? Sind wir wirklich so? Steckt unter der dünnen Oberfläche der Zivilisation in jedem von uns ein Monster? Was ist der Leviathan in mir? Wie sehr bestimmen mich Triebe und Gefühle unter der Oberfläche?

Zitate:

„Sie sank … in die tödliche Langeweile zurück, die die Verdammnis der Reichen ist.“ (S. 218)

„… nichts quält, nichts versklavt so sehr wie die Hoffnung auf irdisches Glück.“ (S. 231)

1. Petrus 3, 1-7 – Unterordnung der Frau?

Unterordnung der Frau… hmm… schwieriges Thema. Da kochen schnell die Emotionen hoch. Die entscheidende Frage für mich ist dabei: Inwieweit können wir diese Mahnungen, die damals in eine patriarchalische Gesellschaft hinein gesprochen wurden auf heute übertragen? Die zwei Extrempositionen: Gottes Wort ist Gottes Wort und es ist heute genauso gemeint wie damals (die zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe spielen keine Rolle). Das andere Extrem: Das ist alles zeitgebunden und hat uns heute nichts mehr zu sagen, weil wir in einer anderen Gesellschaft leben. Mit beiden Extrempositionen fühle ich mich nicht wohl…

Zu beachten ist, dass der Abschnitt ausdrücklich auf die vorherigen Abschnitte Bezug nimmt: Er beginnt mit dem Wort „ebenso“ (Elberfelder). Vorher geht es um die Unterordnung unter menschliche Ordnungen (2,13; damit sind staatliche Ordnungen gemeint), die Unterordnung der Sklaven unter ihre Herren 2,18 und um die Begründung für diese Unterordnung: Jesus selbst hat sich in gewisser Weise den Menschen untergeordnet: Er hat für uns gelitten und uns somit ein Vorbild hinterlassen (2,21). Diese Unterordnung unter andere betrifft also nicht nur die Frauen, sondern im Grunde alle Christen.

Zu beachten ist weiterhin die Zielrichtung dieser Unterordnung: Es sollen „auch die, die nicht an das Wort glauben, durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden“ (3,1). Durch das bleiben in damals üblichen gesellschaftlichen Rollen sollen also die ungläubigen Ehemänner davon überzeugt werden, dass der christliche Glaube gar nicht so abwegig ist.

Und noch eine weitere Beobachtung: Auch diese Unterordnung hat ihre Grenzen. Die Frauen sollen sich „durch nichts beirren“ lassen (V.6). D.h. dass die Frau sich nicht von ihrem ungläubigen Mann vom Glauben abbringen lassen soll. Damals war es durchaus normal, dass die Unterordnung der Ehefrau bedeutete, dass sie auch den Gott ihres Mannes anbeten musste. Petrus sagt: Unterordnung ja, aber der Glaube an Gott ist wichtiger!

So ein richtiges Fazit hab ich nicht. Ich weiß nur für mich selbst, dass ich von meiner Frau nicht verlange, dass sie sich mir auf diese Weise unterordnet, wie es vor 2000 Jahren in Palästina ganz normal und gewünscht war. Ich bin froh und dankbar, dass wir nicht mehr in solch einer extrem patriarchalischen Gesellschaft leben. Ich sehe beim Thema „Unterordnung“ beide Ehepartner: Wir sollen einander lieben, einander dienen und uns einander unterordnen: „In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“ (Phil.2,3).
Bibeltext

Ian McEwan: Am Strand

Ein traurig-melancholisches Buch über das Scheitern einer Liebe. Edward und Florence sind ein Herz und eine Seele, sie verstehen sich prächtig und sie lieben sich von Herzen. Sie haben nur ein Problem: Sie leben in den prüden 60ern. Über Sex wird nicht gesprochen und jeder hat so seine geheimnisvollen Vorstellungen und Vermutungen, wie das denn nun funktioniert.
Florence kann mit der körperlichen Liebe gar nicht viel anfangen, aber sie findet keine Worte, um ihre Ängste Edward deutlich zu machen. Edward sehnt sich nach Sex, respektiert aber die Zurückhaltung seiner großen Liebe. In der Hochzeitsnacht kommt es dann aber unweigerlich zum großen Showdown und zur großen Katastrophe…
Wie in vielen anderen Büchern zeigt McEwan auch in diesem sein großes erzählerisches Können. Im richtigen Tempo und mit genauen Beobachtungen beschreibt er das Gefühlschaos dieser zwei Menschen. Sehr eindringlich arbeitet er das Gefangensein in die Konventionen der damaligen Zeit heraus.
Aber es geht um mehr als um die prüde Verklemmtheit der 60er. Es geht auch um das erschrockene Staunen darüber, wie ein einziges Ereignis das Leben zweier Menschen grundlegend verändern kann. Wenn sie nur ein klein wenig offener für den anderen gewesen wären, wenn sie nur ein klein wenig mehr Verständnis für den anderen gehabt hätten, wäre alles ganz anders gekommen.
Ich fand es ein sehr interessantes und spannendes kleines Buch. Und ich weiß auch nicht, ob sich wirklich so wahnsinnig viel geändert hat seit den 60ern. Wir werden heute zwar ständig mit Sex bombardiert und jeder redet darüber. Es scheint kaum noch Tabus zu geben. Aber dafür gibt es heute andere Erwartungen und andere Konventionen. Wie ist das, wenn der Sex nicht so romantisch-elegant abläuft wie in den Hollywoodfilmen? Wie ist das wenn es nicht so gekonnt-lässig abläuft wie in so manchen Schmuddelfilmen? Auch heute noch ist es nicht leicht, wirklich ehrlich über seine Ängste und Enttäuschungen zu reden.
Insofern ist das Buch – unabhängig von der Zeit in der wir leben – ein Plädoyer für einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Es ist auch eine Ermutigung, die Chance zur Vergebung und Versöhnung nicht leichtfertig verstreichen zu lassen. Es kann sein, dass es schon kurz darauf zu spät ist und unser Leben dadurch einen anderen Gang nimmt.

Matthäus 19, 1-12 – Wenn Ehen scheitern

Schon damals war das ein Streitthema: Ehescheidung. Darf man das? Darf man das nicht? Wenn es erlaubt ist, unter welchen Umständen und wann nicht? Und schon damals gab es unterschiedliche Meinungen: eher strenge Auslegungen oder eher liberale Auslegungen. Schon damals war es so: egal was man zu dem Thema sagt – irgendjemand wird auf jeden Fall unzufrieden sein und eine andere Meinung haben.

Ich find’s ja zunächst mal interessant, dass es schon damals so war, dass das ein Problem war. Ehe war schon immer etwas wundervolles wenn es gut läuft – aber eben auch extrem schwierig, wenn es schlecht läuft. Schon damals sind Ehen zerbrochen und gescheitert, nicht erst heute in unser ach so gottlosen und verderbten Zeit.

Was sagt Jesus dazu? Er bezieht sich auf Gottes Schöpfungsabsichten: Eine Ehe ist untrennbar. Was Gott zusammengefügt hat, kann man nicht auseinander reißen. Jede Ehescheidung ist also ganz klar gegen Gottes guten Schöpferwillen. An dieser Aussage gibts nichts zu rütteln. Ich denke das gilt nicht nur für eine äußerliche Trennung von Ehepaaren, sondern auch für eine innere Entfremdung und Trennung. Jede kaputte Ehe (äußerlich sichtbar oder verborgen im Herzen) ist gegen Gottes guten Schöpferwillen.

Was aber, wenn es trotz aller guten Absichten doch schief geht? Wenn in einer Ehe nur noch Feindschaft, Hass und Verletzungen regieren? Soll man dann äußerlich so tun, als ob die Ehe weiterhin Gottes guten Schöpfungsabsichten entspricht? Soll man zusammenbleiben, auch wenn man sich innerlich schon längst getrennt hat? Oder soll man die Konsequenz ziehen und das Scheitern auch öffentlich zugeben? Ist nicht auch in diesem Fall Vergebung und ein Neuanfang möglich? Was ist in einem solchem Fall das kleinere Übel?

Matthäus 5, 27-32 – Du bist der Mann!

Tja, nachdem ich gestern feststellen musste, dass ich ein Mörder bin, reibt mir Jesus heute unter die Nase, dass ich ein Ehebrecher bin („Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen). Und auch in diesem Abschnitt wird die Ernsthaftigkeit dieser Feststellung untermauert durch die Androhung der Hölle für alle Ehebrecher.

Damit hab ich wohl null Chance auf einen Platz an der Sonne in Gottes Ewigkeit. Es wird wohl etwas dunkler und heißer werden… Es sei denn – es sei denn, dass es auch für Mörder und Ehebrecher noch einen Weg gibt, Gottes Gnade zu finden. Es sei denn, dass jemand anders meine Schuld auf sich nimmt und mich rein vor Gott stehen lässt…

Und dann die Sache mit der Ehescheidung. Eieiei, Jesus, wenn ich dich nicht besser kennen würde, könnt ich an solchen Aussagen verzweifeln. Warum so hart und kompromisslos? Warum scheint an dieser Stelle absolut nichts von Gottes Gnade gegenüber unserem Scheitern durch? Was würdest du denn heute, ganz konkret Menschen sagen, deren Ehe in Trümmern am Boden liegt, die sich jeden Tag auf’s neue nur gegenseitig verletzen und deren gegenseitiges Vertrauen am Nullpunkt ist? „Bleibt zusammen, sonst kommt ihr in die Hölle!“???

1. Korinther 7, 10-16 – Wieviel Gesetzlichkeit verlangt Jesus?

Ehescheidung ist heute auch unter Christen fast schon normal. Auch in den frömmsten Gemeinden kommt es vor. Keiner freut sich darüber und doch wird es voller Verständnis geduldet. Wie gehen wir jetzt aber mit solchen eindeutigen Geboten um, wie sie hier Paulus in Berufung auf Jesus selbst weiter gibt: Verheiratete Christen sollen sich nicht scheiden lassen? Jesus begründet dieses Verbot mit dem Ausspruch: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden (Matthäus 19,6).

Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle immer wieder von neuem ratlos bin. Ich kenne natürlich viele Argumente und theologische Kniffe, mit denen man dieses Gebot entschärfen kann. Aber werden wir damit dem Anspruch Jesu gerecht? Das Gebot Jesu ist eigentlich klar und eindeutig. Da gibt es nicht viel zu interpretieren: Ehescheidung ist ganz einfach nicht okay. Andererseits haben diejenigen Christen meine volle Unterstützung, die nach vielen Verletzungen und Kämpfen eingestehen müssen, dass eine Scheidung das kleinere Übel für alle Beteiligten darstellt. Warum zwei Menschen aneinanderketten, wenn sie täglich von neuem tödliche Stiche ins Herz des anderen verstetzen und es aussichtslos erscheint, dass sie jemals wieder ein „normales“ Zusammenleben erreichen werden?

Wieviel Gesetzlichkeit verlangt Jesus von uns? Das Gebot ist klar. Aber müssen wir jedes Gebot auf Biegen und Brechen erfüllen? Andererseits lässt sich im Namen der Liebe (bzw. der Bequemlichkeit die oft dahinter steckt), so ziemlich jede Herausforderung und Anforderung der Bibel irgendwie kleinreden. Interessant bei der Stelle im Korintherbrief ist ja, das Paulus das Gebot Jesu weitergibt, aber dann auch gleich eine Einschränkung von seiner Seite hinzufügt: Wenn man mit einem Ungläubigen verheiratet ist und der will sich scheiden lassen, dann ist das in Ordnung. Da durchbricht er ja selbst die kompromisslose Gesetzlichkeit dieses Gebotes. Dürfen auch wir einfach weitere Einschränkungen hinzufügen, die uns heute angemessen erscheinen, oder durfte das nur der Apostel und Bibelschreiber Paulus?

1. Korinther 7, 1-9 – Let’s talk about sex

Seltsames Völkchen diese Korinther! Die Einen denken, sie sind mit ihrem Geist schon so in den Himmel entrückt, dass es völlig egal ist, was ihr Körper tut (ob er nun mit einem Schnitzel seinen Hunger befriedigt oder mit einer Hure seine Geilheit kommt für sie auf’s gleiche raus – vgl. dazu den Artikel gestern zu 1.Kor.6,12-20). Und die Anderen sind auch total geistlich, aber ziehen den völlig gegenteiligen Schluss daraus, dass sie am besten gar nichts mit dem Leiblichen zu tun haben wollen und schon gar nichts Sexuelles. Aus den Versen des Paulus kann man heraus lesen, dass es offenbar die Meinung bei manchen gab, dass man auch in der Ehe enthaltsam (also ohne Sex) leben sollte.

Paulus sagt: Naja, es wär mir am liebsten, wenn alle so leben würden wie ich (nämlich unverheiratet, ohne die Sorge für eine Familie und natürlich ohne Sex – die Gründe gibt er dann ein wenig später in den V.29-31 an), aber nicht jeder hat diese Gabe (1.Kor.7,7). Deswegen ist es für manche besser zu heiraten, anstatt in die Gefahr von Unzucht zu geraten. Und diejenigen die schon vereiratet sind, die sollen auch Sex miteinander haben und sich nur mit gegenseitigem Einverständnis eine Zeit lang enthalten.

Erstaunlich wie offen und direkt Paulus in einem offiziellen Brief an die Gemeinde über solche Fragen redet. Heute schaffen wir das ja oft nicht einmal im vertrauten Freundeskreis unter Christen. Über Sex reden wir am liebsten gar nicht. Ich finde auch erstaunlich, wie nüchtern er die Sache sieht. Sex wird weder verteufelt, noch wird es zum Zentrum des gesamten Denkens und Wollens gemacht (so wie das heute manchmal den Anschein hat). Es gehört einfach zum Menschsein dazu und wir sollen darauf achten, dass wir verantwortlich damit umgehen. Und für Paulus heißt das ganz klar: Sex hat seinen Platz in der Ehe. 1.Kor.7,2: „Um Unzucht zu vermeiden, soll jeder seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann.“ (Man beachte die betont gleichberechtigte Formulierung bezüglich Mann und Frau! – Und das in einem Text der ein paar Jährchen vor der ganzen Emanzipationsbewegung geschrieben wurde… 😉 ).