Jesaja 39 – Menschlich, allzu menschlich

Gerade eben (in Kap. 38) wurde der König Hiskia noch als vorbildlicher Beter geschildert: Gott hat sein Gebet erhört und ihm Heilung von einer schweren Krankheit geschenkt. Und jetzt? Jetzt wird auch seine menschlich, allzu menschliche Seite offenbar. Jerusalem wurde durch Gott vor den Assyrern bewahrt, aber Jesaja sagt Hiskia voraus, dass Jerusalem einmal von Babel erobert wird. Und was tut Hiskia? Er freut sich, weil er richtig kombiniert, dass das erst nach seinem Tod geschehen wird. Solange er leben wird, gibt es „Friede und Sicherheit“ (Jes. 39,8). „Solange es mir gut geht, juckt’s mich wenig, was mit anderen passiert…“

Menschlich, allzu menschlich… Ich bin froh, dass auch diese Dinge in der Bibel stehen. Denn so sieht auch mein Glaubensleben aus: An dem einen Tag noch vorbildlich und ganz erfüllt von Gottes Nähe und Gegenwart. Und am nächsten Tag, dann schon wieder nur an mich selbst denkend. So sind wir, so bin auch ich. Lieber steh ich dazu, als anderen was Tolles vor zu spielen, was gar nicht stimmt. Wär nur schön wenn mit der Zeit die Tage der Begeisterung und der Gewissheit von Gottes Nähe etwas mehr werden würden…

Jesaja 8 – Das tut mir, mir, mir gut

„Doch es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind.“ Das ist der Vers, der mich in Jesaja 8 angesprochen hat. Das Kapitel wimmelt nur so von Gerichtsworten, Aufforderungen und Warnungen. Und natürlich such ich mir den schönsten und angenehmsten Vers heraus (ein bisschen so wie es Toby Faix in seinem Blog geschrieben hat: Neigen wir zur geistlichen Onanie?). Das tut nicht weh, das klingt schön, dieser Zuspruch tut gut.

Wahrscheinlich geht’s mir genau so wie den Zeitgenossen Jesajas. Die wollten auch nicht die Gerichtworte hören. Die wollten nichts von Umkehr wissen. Die haben lieber auf die Verheißungen und Beschwichtigungen anderer Propheten gehört (die es ja zur Zeit Jesajas auch gab).

Vielleicht ist mein Christsein (bzw. unser Christsein heutzutage ganz allgemein) darum so schwächlich und langweilig, weil wir viel zu oft fragen: Was tut mir gut?