Römer 12, 3-8: Nimm dich nicht zu wichtig!

Paulus ist in Kapitel 12 beim dritten Haupteil seines Briefes angelangt. Nach den grundsätzlichen theologischen Überlegungen geht es jetzt um Folgerungen für das konkrete Leben als Christ. In V.1f formuliert er das allgemein: Wir sollen uns selbst Gott hingeben und ein Leben führen, das ihm entspricht. Und was ist jetzt die erste konkrete Ermahnung und Ermutigung? Was stellt Paulus an die prominente erste Stelle? „… dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte.“ (V.3)

Tja, schon damals war das wohl ein Hauptproblem der Menschen (inklusive der Christen!): dass wir uns selbst zu wichtig nehmen. Paulus kennt die Gemeinde nicht genauer, es ist keine seiner selbst gegründeten Gemeinden. Und trotzdem, oder gerade deswegen, warnt er als erstes davor, dass die Christen nicht zu viel von sich selbst halten sollten. Auch wenn jemand Christ ist, wird sein Ego nicht automatisch abgeschaltet. Er muss immer wieder daran erinnert werden, dass er nicht der Mittelpunkt der Welt ist. Schon damals entstanden wohl an diesem Punkt die drängendsten Probleme im konkreten Leben und Miteinander der Christen. Es hat sich da wenig geändert…

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Römer 9, 1-5: Keine fromme Nabelschau

Nach diesem inhaltlichen Höhepunkt am Ende von Kapitel 8 setzt Paulus nun zu einem neuen Thema an. Er beschäftigt sich jetzt ausführlich mit der Frage nach Israels Errettung. Nirgends im NT wird diese  Frage so intensiv behandelt, wie hier. Inhaltlich passt es an diese Stelle, weil es auch vorher um Erwählung und Errettung gegangen ist und auch darum, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann. Trotzdem ist es erstaunlich, dass Paulus sich so viel Zeit für dieses Thema nimmt. Es scheint ihm selbst sehr am Herzen  zu liegen und vielleicht ist es auch für die römische Gemeinde ein wichtiges Thema.

Gleich zu Beginn macht Paulus zwei Dinge deutlich: Seine persönliche Verbundenheit mit Israel und Gottes grundsätzliche Stellung zu Israel. Paulus selbst würde zugunsten seiner Brüder und Schwestern alles geben und Gott hat Israel in eine besondere Stellung auserwählt. Gerade deswegen ist es für Paulus so schmerzlich, dass die große Mehrheit seines Volkes, Jesus nicht als den Messias anerkennen will.

Das schätze ich bei Paulus: dass er sein Leben und Denken nicht an seinem Ego ausrichtet, sondern dass es ihm wirklich um das Beste für Andere geht. Er war sicher auch nicht perfekt, aber er hat sich wirklich mit allem ganz in den Dienst für andere hinein gegeben. Ich merke bei mir selbst, wie ich mich auch in meinem Glauben sehr oft um mich selbst drehe und mit meinen Problemen und Sorgen beschäftigt bin. Es ist tragisch, dass wir in einem Land, in dem es uns materiell ziemlich gut geht und in dem wir unseren Glauben in Freiheit leben dürfen, viel zu oft mit frommer Nabelschau beschäftigt sind und uns auch als Gemeinden viel zu oft mit unseren eigenen Problemchen beschäftigen. Ich weiß dass das nur menschlich ist – aber es wäre schön, wenn wir ab und zu einen Blickwechsel vornehmen könnten.

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Richter 18 Religiöses Beiwerk

In diesem Kapitel geht es um den Stamm Dan. Er hat bei der Landverteilung eigentlich ein Gebiet nordwestlich von Juda bekommen. Aber offensichtlich konnten sie dort nicht dauerhaft Fuß fassen und wurden von den Philistern und Kanaanitern bedrängt. Deswegen suchen sie ein neues Siedlungsgebiet im äußersten Norden, am Fuß des Hermon.

So wie es hier erzählt wird, spielt Gott und Glaube dabei nur noch die Rolle eines religiösen Beiwerks. Nach Gott wird zwar gefragt, aber er soll nur bestätigen, ob der Weg, den sie gehen, auch zum Ziel führt (V.6). Auf dem Weg in ihre neue Heimat führen sie sich auf wie Räuber: sie stehlen die Götterfigur von Micha (vgl. Kap. 17) und werben auch sein Priester ab. Mit beidem gründen sie ihr eigenes Heiligtum (V.30f).

„Himmlischer Vater, lass mein Glaube nicht zum religiösen Beiwerk verkommen. Du weißt wie wir auch in Gemeinden schnell in der Gefahr sind, unsere eigenen Ziele zu verfolgen und unsere eigenen Heiligtümer zu bauen. Schenke mir ein Herz, das wirklich auf Dich sieht und auf Dich hört.“

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Exodus 37-38 Spiegel zu Altären

Auch hier wieder eine Wiederholung der genauen Bestimmungen, wie das Wüstenheiligtum und seine Gerätschaften hergestellt werden sollten und wie es dann auch tatsächlich genauso ausgeführt wurde. Diese ganze Angaben sind recht öde zum Lesen, vor allem weil sie an dieser Stelle schon zum zweiten Mal auftauchen. Aber ein Vers ist mir dann doch ins Auge gefallen: Ex. 38,8. Das Kupfer von Spiegeln der Frauen, die vor der Stiftshütte Dienst taten, wurde für das Gestell des kupfernen Beckens verwendet.

Warum wird das erwähnt? Für mich ist das ein wundervolles und aussagekräftiges Beispiel dafür, was passiert, wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen. Ein Spiegel dient dazu, sich selbst anzuschauen. Aus diesen Spiegeln (die damals noch nicht aus Glas, sondern aus Metall waren) werden Geräte für das Heiligtum gefertigt. Das, was zur Selbstspiegelung diente, wird eingeschmolzen und es wird daraus etwas zur Ehre Gottes hergestellt!

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Markus 2, 1-12 – Fromme Egoisten

Zwei Gedanken von Douglass zu diesem Text die (zumindest mich) ins Herz treffen: Da wollen vier Freunde einen Gelähmten zu Jesus bringen, damit er ihn heilt. Aber sie kommen nicht durch. Jesus ist im Haus und die Menschenmenge drängt sich in und um das Haus, um Jesus zu sehen und hören. Das erschreckende an dieser Geschichte ist, dass gerade diejenigen, die nahe bei Jesus sein wollen, das größte Hindernis sind! Warum macht niemand Platz für diesen Gelähmten, der ganz offensichtlich zu Jesus kommen möchte und seine Hilfe braucht?!?! Das ist eine echte Katastrophe: Menschen, die nahe bei Jesus sein wollen und die durch ihr Verhalten andere davon abhalten, zu Jesus zu kommen. Fromme Egoisten, denen ihr eigenes religiöses Erlebnis wichtiger ist, als die Heilung anderer. Eine ganz ähnliche Beobachtung lässt sich auch in dem Text Mt. 20,29-34 machen.

Die andere faszinierende Beobachtung an diesem Text: Jesus vergibt dem Gelähmten seine Schuld, ohne dass er vorher die Beichte abnimmt. Jesus vergibt einfach so! Ohne Sündenerkenntnis, ohne erkennbare Buße! Bei ihm lief es oft anders herum, als wir das heute normalerweise sehen und praktizieren: Er hat zuerst einmal die Menschen angenommen und ihnen vergeben und erst danach kam die Sündenerkenntnis und die Beichte. Mir fällt dazu auch der Zachäus ein: Auch ihn hat er erst einmal zu sich gerufen, ihn akzeptiert, war bereit mit ihm zu feiern – und erst auf diese Annahme hin war Zachäus bereit zur Umkehr.

Matthäus 20, 17-28 – Nix kapiert?

KroneJesus muss von seinen Jüngern manchmal ganz schön angenervt gewesen sein. Da hat er ihnen immer wieder deutlich gemacht, dass sie einander dienen sollen, dass es nicht darauf ankommt, größer, toller und wichtiger zu sein als die anderen, er hat ihnen Kinder als Vorbild hin gestellt und betont, dass der Kleinste der Größte im Himmelreich sein wird – und dann sowas! Er erzählt seinen Jüngern, dass sie nach Jerusalem gehen, dass er dort sterben wird und nach drei Tagen wieder auferstehen wird. Und was geht den Jüngern durch den Kopf? Für sie ist das wichtigste Problem, wer den mal mit Jesus im Himmel regieren darf: Die Mutter von Jakobus und Johannes fragt bei Jesus an und bittet, dass ihre beiden Söhne den Ehrenplatz neben Jesus bekommen sollen. Leiden, Kreuz und Schmerz scheint sie gar nicht zu interessieren – stattdessen starren sie ganz gebannt auf die himmlische Königskrone und wollen selbst möglichst viel davon abbekommen.

Das ist doch krank, oder? Nix kapiert?!? Aber sind wir, bin ich wirklich so viel besser? Hab ich das drauf: mich klein zu machen und anderen ohne Hintergedanken zu dienen? Schaff ich das: Von mir selbst weg zu schauen und mich selbst nich so wichtig zu nehmen? Gibt es nicht auch bei uns – oft unter manchem scheinbar frommen Deckmantel – sehr viel Egoismus und Selbstzentriertheit?

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Foto: Helga / pixelio.de

Matthäus 16, 24-28 – Absolute Freiheit

Wer tut das schon? Sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen? Das Kreuz war damals das Zeichen für den Tod. Als Christen sollen wir dieses Todesurteil auf uns nehmen und bereit sein, für Jesus zu sterben. Für manche Märtyrer bedeutet das bis heute ganz wörtlich: um des Glaubens willen sterben. Für uns Wohlstandschristen der westlichen Gesellschaft heißt es, dass uns nichts wichtiger sein soll als Jesus Christus. „Wer sein Leben verliert um Jesu willen, der wird’s finden.“

In meiner Erklärungsbibel steht zur Parallelstelle bei Markus: „Was also Jesus von jedem erwartet, ist die absolute Freiheit von sich selbst, wie sie jemand hat, der zum sterben bereit ist und sich selbst ganz loslassen kann.“ Diese absolute Freiheit habe ich nicht, bei weitem nicht. Und ich kenne auch keinen anderen Christen, der sie wirklich in absoluter Weise hat. Bei manchen kann ich ansatzweise diese Freiheit sehen (und das ist beeindruckend). Aber bei den meisten Christen (inklusive mir selbst) drückt das Ego immer noch durch alle Poren.

Trotzdem sehne ich mich nach dieser absoluten Freiheit von mir selbst, die eine absolute Abhängigkeit von Jesus ist. Ich möchte mich immer mehr verlieren, um von Gott gefunden zu werden. Ich möchte mein altes Ego loswerden, damit Gott das Ich in mir zu Tage bringt, wie es eigentlich von ihm gemeint und erschaffen ist. Das wird nur punktuell gelingen. Aber besser ein paar Funken neues Leben, als ein Universum voll vergehender Dunkelheit.

1. Korinther 12, 4-11 – Wem nützen die Geistesgaben?

Nach der grundsätzlichen Aussage zur Frage, wer den Heiligen Geist hat, nun eine grundsätzliche Aussage zu den unterschiedlichen Gaben des Geistes. Paulus betont, dass es unterschiedliche Gaben gibt, dass dahinter aber der eine Gott steht. Der eine Geist Gottes wirkt sich nicht bei jedem gleich aus, sondern gerade in der Vielgestaltigkeit der Gaben.

Was mich besonders angesprochen hat war der Satz: „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller“ (1.Kor.12,7). Zum Nutzen aller – ich muss zugeben, wenn ich an den Heiligen Geist denke, dann bin ich sehr schnell bei dem Gedanken, was mir denn Gott Gutes tun könnte durch den Geist. Da bin ich schnell dabei mir tiefere geistliche Erfahrungen für mich selbst und für mein Glaubensleben zu wünschen. Aber der Heilige Geist hat da eine andere Perspektive: Frag nicht danach welche Geistesgaben dir gut tun, sondern was allen anderen nützt!


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Jesaja 53 – Dumme Schafe

„Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jes. 53,6)

Ich hab mal gehört, dass Schafe einen ziemlich schlechten Orientierungssinn haben. Wenn sie keinen Hirten haben oder nicht eingezäunt sind, dann verlaufen sie sich garantiert und finden nicht wieder zurück. Deswegen macht z.B. die Geschichte vom verlorenen Schaf in Lukas 15 Sinn: Ein Schaf findet nicht alleine wieder zurück zur Herde. Ähnlich sind wir Menschen, zumindest auf geistlichem Gebiet. Ohne Hirten verirren wir uns hoffnungslos. Da schaut jeder nur nach dem nächsten Stückchen grünem Gras und irgendwann weiß keiner mehr wo er eigentlich ist und wie es wieder zurück nach Hause geht. Nach Hause – an den Ort des inneren Friedens, den Ort der Geborgenheit, den Ort der Sicherheit.

Hier sagen die Israeliten von sich selbst, dass sie in die Irre gegangen sind wie Schafe – und das obwohl sie doch den „guten Hirten“ kannten, obwohl sie doch schon seit Generationen an Gott glaubten, obwohl sie immer wieder erlebt haben, dass Gott da ist und den Weg weist. Trotz allem haben sie wieder angefangen nur auf sich selbst zu starren, nur zu fragen: Was will ich? Was tut mir gut? Was soll Gott für mich tun? Wie werde ich glücklich? – Kommt mir alles irgendwie bekannt vor…

Jesaja 47 – Ein kleiner Babylonier

Also, es kommt doch noch mal ein „Gerichtskapitel“ im Jesajabuch, hatte gehofft, dass ich das hinter mir hätte…;) Natürlich gelten die Gerichtsworte den bösen Babyloniern, die Jerusalem zerstört und die viele Israeliten ins Exil geführt haben. Aber dafür können sie ja nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil das Gottes Wille war: „Als ich über mein Volk zornig war und mein Erbe entheiligte, gab ich sie in deine Hand.“ (Jes.47,6) Der Vorwurf lautet, dass die Babylonier den Gefangenen keine Barmherzigkeit erwiesen und dass sie sich zu selbstherrlich sahen. Babylon spricht in seinem Herzen: „Ich bin’s, und sonst keine.“ (Jes. 47,8)

Ich fürchte, dass ich oft auch so ein kleiner Babylonier bin. Nicht dass ich irgendwelche Leute im Keller gefangen halte (Schrecklicherweise geschieht das ja auch noch heute: welche Abgründe stecken in uns Menschen, dass so etwas möglich ist?), nein, das nicht, aber dieser Gedanke: „Ich bin’s und sonst keiner“, der steckt doch in jedem von uns. Jeder steht im Mittelpunkt seines eigenen kleinen Universums. Das muss ein Stück weit auch so sein und kann gar nicht anders sein, weil ich die Welt nur aus meiner Perspektive wahrnehmen kann. Aber wohl dem, der immer wieder auch etwas anderes in den Mittelpunkt stellen kann, der sich nicht nur um sich selbst dreht, sondern der sich um die Liebe drehen kann, der Gott in den Mittelpunkt stellen kann.