Apostelgeschichte 24 Egoistische Gleichgültigkeit

Ähnlich wie beim Prozess Jesu wird Paulus zerrieben zwischen dem fanatischen Hass einiger Juden und der egozentrischen Gleichgültigkeit römischer Politiker. Nachdem der Statthalter Felix die Vorwürfe gegen Paulus und auch Paulus selbst gehört hat, ist ihm eigentlich klar, dass Paulus kein politischer Aufrührer ist, sondern dass es um religiöse Streitigkeiten geht (vgl. V.22). Aber er kann sich nicht durchringen, Paulus freizugeben. Stattdessen zieht er die Sache einfach in die Länge (nach V.27: zwei Jahre!), um sie seinem Nachfolger zu überlassen. Die gleiche unentschiedene Haltung zeigt er gegenüber der Botschaft des Paulus. Er hört ihn gerne an, aber sobald Paulus persönliche Konsequenzen anmahnt, zieht er sich ängstlich zurück (V.24f).

Da fragt man sich, was schlimmer ist: der fanatische Hass der jüdischen Eiferer oder diese egoistische Gleichgültigkeit eines Menschen, der nur an sich selbst und seine Bequemlichkeit denkt? Die jüdischen Gegner des Paulus haben zumindest den Wunsch, Gott zu gefallen. Sie haben erkannt, dass Gott für ihr Leben zentral ist. Aber sie meinen mit ihrem menschlichen Fanatismus Gott selbst schützen zu müssen. Wir leben heute in Deutschland eher in einer Situation der egoistischen Gleichgültigkeit. Solange niemand dem anderen schadet, darf jeder glauben, was er will. Solange die Christen mich und mein Leben nicht in Frage stellen, dürfen sie gerne ihren Glauben haben. Solange es mir selbst gut geht und ich glücklich bin, darf jeder seine eigene Wahrheit haben bzw. darf jede Wahrheit gleich gültig sein.

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Lukas 22, 24-30 Erschreckend realistisch

Ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Jesus macht im Abendmahl deutlich, dass er sein Leib für die Jünger gibt und sein Blut für sie vergießt. Aber einer von ihnen ist ein Verräter und die anderen streiten kurz darauf, wer von ihnen der Größte sei. Ja geht’s denn noch?!

Aber leider ist das bis heute ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Welcher Christ macht im Lauf seines Lebens nicht früher oder später in Gemeinden ähnliche Erfahrungen? In diesen Gefahren stehen wir bis heute: Dass wir das Wesentliche aus dem Blick verlieren und uns in Streitereien verwickeln. Dass wir nicht auf Jesus schauen, sondern auf uns selbst und auf Andere. Dass unser Ego sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, Anderen zu dienen.

Von daher bin ich froh über diesen ehrlichen Bericht des Lukas. Schon damals, in Jesu leiblicher Gegenwart, war es nicht viel anders. Und trotzdem konnte er seine Jünger gebrauchen, um sein Reich zu bauen…

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Lukas 9, 46-50 Beruhigend und verstörend

Wie beruhigend, dass auch die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, auch nur Menschen waren. Sie waren nicht perfekt und auch unter ihnen gab es ganz menschliche Gedanken und Wünsche. Jeder von ihnen wollte der Größte sein. Sie haben noch nicht begriffen, was wahre Größe im Reich Gottes ist: anderen zu dienen. Wie beruhigend, dass die Jünger zur Zeit Jesu mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, wie wir heute. Und Jesus hat sie doch gebrauchen können.

Wie verstörend, dass selbst die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, sich zu solch menschlichem Konkurrenzdenken und Machtspielchen verleiten ließen. Und wie verstörend finde ich es auch heute immer wieder, wenn ich unter uns Christen ähnliche Machtspiele und Egoismen entdecke. Wie verstörend, wenn nicht einmal die Christen miteinander in den Gemeinden klar kommen und sich all zu oft gegenseitig das Leben schwer machen. Ich hoffe, dass Jesus uns trotzdem irgendwie gebrauchen kann.

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Exodus 10 Gekränkter Egoismus

Irgendwie kann ich den Pharao auch ein Stück weit verstehen. Mose hat ihm von Anfang an eine Lüge aufgetischt: Er hat gesagt sie wollen in der Wüste ein Opferfest feiern – dabei hatten sie vor mit Sack und Pack aus Ägypten zu fliehen. Der Pharao war zurecht von Anfang an misstrauisch. In diesem Kapitel stellt sich nun heraus, dass sein Misstrauen zu Recht bestand.

Es wird deutlich, dass nicht nur die Männer in die Wüste wollen, um dort zu opfern, sondern dass auch die Frauen und Kinder mitkommen sollen. Im ganzen Alten Orient war das Opfern aber eine Angelegenheit der Männer (vgl. z.B. 2.Mo.23,17). Und Mose will auch nicht nur ein paar einzelne Opfertiere mitnehmen, sondern den gesamten Viehbestand (V.26). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Der Pharao hat den Braten ganz richtig gerochen, er wollte sich nicht so einfach überlisten lassen. Wobei im Nachhinein gesehen das Nachgeben wohl schlauer gewesen wäre. Er hat die Wahrheit erahnt, er hat auch eine Ahnung von der Macht Gottes gehabt, aber er hat dann aus gekränktem Egoismus heraus die falschen Schlüsse gezogen.

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Philipper 1, 18b-26 Christus verherrlichen

Wenn wir in Schwierigkeiten stecken (seien es Krankheit, Leiderfahrungen, zwischenmenschliche Probleme, finanzielle Schwierigkeiten oder was auch immer…), dann beten wir normalerweise: „Gott, hol mich hier raus! Egal wie, aber hol mich hier raus!“ Anders Paulus. Er sitzt unschuldig im Gefängnis und weiß nicht, ob er lebend wieder heraus kommt. Er betet darum, dass „Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder Durch Tod.“ (V.20)

Wir wollen normalerweise um jeden Preis von Gott gerettet, geheilt und glücklich gemacht werden. Anders Paulus. Er würde am liebsten sterben, um bei Christus zu sein (V.23) und nur widerwillig will er sich von Gott retten und aus dem Gefängnis befreien lassen, weil er weiß, dass dadurch „Christus Jesus größer werde“ (V.26). Was für eine Einstellung! Da wird mir deutlich, dass vieles bei mir selbst im Vergleich dazu, nur fromm überkleisterte Selbstsucht ist. Bibeltext

Philipper 1, 15-18 Gute Früchte von einem schlechten Baum?

Unglaublich, was Paulus hier schreibt! Ich hab den Abschnitt schon öfters gelesen, aber ich staune jedes mal wieder neu über die Gelassenheit und das große Herz des Paulus. Paulus sitzt im Gefängnis und es gibt wohl einige Prediger, die diese Situation für ihren Vorteil ausnützen. Sie „predigen Christus aus Neid und Streitsucht“ (V.15), sie „verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir [Paulus] Trübsal bereiten.“ (V.17) Und was sagt Paulus? Er sagt: Was soll’s? Solange inhaltlich Christus verkündigt wird, ist mir die Motivation egal, ja er freut sich sogar darüber! (V.18)

Ich finde das schon hart an der Grenze. Geht das überhaupt? Christus verkündigen aus eigennütziger Motivation? Also ich wäre nicht glücklich über einen Prediger, der zwar ein korrektes Evangelium verkündigt, es aber tut, um selbst daraus Vorteile zu ziehen oder um anderen zu schaden. Man denke nur an manche Prediger, die eine große Show abziehen, sich selbst im Applaus baden und sich selbst bereichern.

Es geht dem Paulus hier nicht um theologische Beliebigkeit. Inhaltlich argumentiert er immer sehr scharf gegenüber Leuten, die ein anderes Evangelium verkündigen als er. Aber ich frage mich – im Bild eines Gleichnisses von Jesus: Kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen?
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