Johannes 13, 12-20 Überforderung

Das überfordert mich! Jesus wäschst seinen Jünger die Füße und deutet damit seine eigene Lebenshingabe für sie an. Jetzt fordert er seine Jünger auf, sich auch gegenseitig die Füße zu waschen. Natürlich müssen wir unterscheiden zwischen Jesu Sühnetod für uns und dem, was wir für andere tun können. Wir brauchen für andere keine Erlösung zu erwirken, das hat Jesus am Kreuz getan. Aber Jesus fordert uns nachdrücklich zum Dienst am anderen auf – und dabei sollen wir uns Jesus selbst als Beispiel und Vorbild nehmen.

Wie soll das gehen? Wie sollen wir uns den, der von keiner Sünde wusste, zum Vorbild nehmen? Wie sollen wir je so perfekt, liebend und hingegeben werden wie Jesus? Wenn wir das wirklich ernst nehmen, dann kann man verstehen, dass so manche Christen an diesem Anspruch von vornherein scheitern und sich dauernd als Versager fühlen. Wer kann das schon erreichen? Je länger ich Christ bin, desto deutlicher spüre ich mein Unvermögen. Diesen Anforderungen kann ich nicht gerecht werden. Ich brauche selbst diesen Jesus, der mir immer wieder die Füße wäscht – wie sollte ich dann für andere ein Jesus werden? Ich kann nur hoffen und beten, dass Jesus gerade in meiner Schwachheit selbst durch mich wirkt.

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Apostelgeschichte 20, 17-38 Klarheit und Konsequenz

Ich finde es bewundernswert, mit welcher Klarheit und Konsequenz Paulus seinen Weg gegangen ist. Es ging ihm nicht darum, sein persönliches Lebensglück zu finden, sondern er wollte Gott dienen mit allem was er hatte und war. Er konnte gar nicht anders. Er sah sich „durch den Geist gebunden“ (V.22). Die Aufgabe, die ihm Gott anvertraut hatte, war ihm wichtiger als sein eigenes Leben (V.24).

Sollten wir als Christen nicht alle so leben? Mit dieser Klarheit und Konsequenz? Wenn wir es tatsächlich alle täten und könnten, dann sähe die Welt und die Kirche heute sicher anders aus. Aber es war ja wohl auch schon damals so, dass Paulus in seiner Klarheit und Konsequenz eher eine Ausnahme war. Gerade deswegen wird in der Apostelgeschichte ja so ausführlich über ihn berichtet. Er hat weit mehr bewirkt als viele andere Christen damals. Vielleicht lag das auch an der Klarheit und Konsequenz, mit der ihn Jesus in seine Dienst gerufen hat. Ich frage mich dann, warum Gott nicht mehr Christen so deutlich beruft und befähigt wie Paulus? Oder war er einfach nur besonders begabt und ehrgeizig?

Wie auch immer: ich wünsche mir mehr Klarheit und Konsequenz…

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Lukas 22, 24-30 Erschreckend realistisch

Ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Jesus macht im Abendmahl deutlich, dass er sein Leib für die Jünger gibt und sein Blut für sie vergießt. Aber einer von ihnen ist ein Verräter und die anderen streiten kurz darauf, wer von ihnen der Größte sei. Ja geht’s denn noch?!

Aber leider ist das bis heute ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Welcher Christ macht im Lauf seines Lebens nicht früher oder später in Gemeinden ähnliche Erfahrungen? In diesen Gefahren stehen wir bis heute: Dass wir das Wesentliche aus dem Blick verlieren und uns in Streitereien verwickeln. Dass wir nicht auf Jesus schauen, sondern auf uns selbst und auf Andere. Dass unser Ego sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, Anderen zu dienen.

Von daher bin ich froh über diesen ehrlichen Bericht des Lukas. Schon damals, in Jesu leiblicher Gegenwart, war es nicht viel anders. Und trotzdem konnte er seine Jünger gebrauchen, um sein Reich zu bauen…

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Lukas 9, 46-50 Beruhigend und verstörend

Wie beruhigend, dass auch die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, auch nur Menschen waren. Sie waren nicht perfekt und auch unter ihnen gab es ganz menschliche Gedanken und Wünsche. Jeder von ihnen wollte der Größte sein. Sie haben noch nicht begriffen, was wahre Größe im Reich Gottes ist: anderen zu dienen. Wie beruhigend, dass die Jünger zur Zeit Jesu mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, wie wir heute. Und Jesus hat sie doch gebrauchen können.

Wie verstörend, dass selbst die zwölf von Jesus selbst auserwählten Jünger, die viel Zeit mit dem leibhaftigen Jesus verbracht haben, sich zu solch menschlichem Konkurrenzdenken und Machtspielchen verleiten ließen. Und wie verstörend finde ich es auch heute immer wieder, wenn ich unter uns Christen ähnliche Machtspiele und Egoismen entdecke. Wie verstörend, wenn nicht einmal die Christen miteinander in den Gemeinden klar kommen und sich all zu oft gegenseitig das Leben schwer machen. Ich hoffe, dass Jesus uns trotzdem irgendwie gebrauchen kann.

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1. Petrus 4, 7-11 – Die Gabe des Dienens

Ein sehr dichter Abschnitt, in dem sehr viel drin steckt und zu dem man viel schreiben könnte. Ich bin heute vor allem an V.10 hängen geblieben: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Im griechischen steht hier für „Gabe“ das Wort „Charisma“. Es geht also um die Charismen: Gnadengaben, die Gott uns schenkt. Sie werden hier vor allem anderen als „Dienstgaben“ charakterisiert. Sie sollen dazu da sein, dass wir einander dienen.

Petrus erwähnt dann zwei Gaben explizit: Das Reden und das Dienen. Luther übersetzt das Reden gleich mit Predigen, aber ich finde, das schränkt diese Gabe unnötig ein – es geht nicht nur um das Predigen auf der Kanzel, sondern um jedes Reden, welches Gottes Worte an uns weiter gibt. Beim Dienen steht im griechischen das Wort „diakoneo“. Unser Wort Diakonie geht auf dieses Wort zurück – es geht also um die ganz praktische, diakonische Hilfe für andere.

Ich finde es interessant, dass Petrus gerade diese zwei Gaben erwähnt: Reden und Dienen – Wort und Tat. Das drückt eine sehr schöne Balance für unser christliches Leben aus. Beides, Wort und Tat sind wichtig. Außerdem ist zu betonen, dass all die Charismen zu aller erst für den Dienst am anderen da sein sollten.

Ich hab schon öfters mal gehört, dass man sich ausstrecken soll nach dem Charisma der Zungenrede (das vermeintlich zunächst einmal der eigenen Erbauung dient), dass man offen dafür sein soll, dass man darum beten soll, dass man Gott ausdauernd darum bitten soll. Aber ich hab noch nie gehört, dass man sich mit der gleichen Intensität um die Gabe des diakonischen Dienens bemühen sollte (welche vermeintlich zunächst einmal der Erbauung des anderen dient). Seltsam, oder?!
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Matthäus 20, 17-28 – Nix kapiert?

KroneJesus muss von seinen Jüngern manchmal ganz schön angenervt gewesen sein. Da hat er ihnen immer wieder deutlich gemacht, dass sie einander dienen sollen, dass es nicht darauf ankommt, größer, toller und wichtiger zu sein als die anderen, er hat ihnen Kinder als Vorbild hin gestellt und betont, dass der Kleinste der Größte im Himmelreich sein wird – und dann sowas! Er erzählt seinen Jüngern, dass sie nach Jerusalem gehen, dass er dort sterben wird und nach drei Tagen wieder auferstehen wird. Und was geht den Jüngern durch den Kopf? Für sie ist das wichtigste Problem, wer den mal mit Jesus im Himmel regieren darf: Die Mutter von Jakobus und Johannes fragt bei Jesus an und bittet, dass ihre beiden Söhne den Ehrenplatz neben Jesus bekommen sollen. Leiden, Kreuz und Schmerz scheint sie gar nicht zu interessieren – stattdessen starren sie ganz gebannt auf die himmlische Königskrone und wollen selbst möglichst viel davon abbekommen.

Das ist doch krank, oder? Nix kapiert?!? Aber sind wir, bin ich wirklich so viel besser? Hab ich das drauf: mich klein zu machen und anderen ohne Hintergedanken zu dienen? Schaff ich das: Von mir selbst weg zu schauen und mich selbst nich so wichtig zu nehmen? Gibt es nicht auch bei uns – oft unter manchem scheinbar frommen Deckmantel – sehr viel Egoismus und Selbstzentriertheit?

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Foto: Helga / pixelio.de

1. Korinther 12, 4-11 – Wem nützen die Geistesgaben?

Nach der grundsätzlichen Aussage zur Frage, wer den Heiligen Geist hat, nun eine grundsätzliche Aussage zu den unterschiedlichen Gaben des Geistes. Paulus betont, dass es unterschiedliche Gaben gibt, dass dahinter aber der eine Gott steht. Der eine Geist Gottes wirkt sich nicht bei jedem gleich aus, sondern gerade in der Vielgestaltigkeit der Gaben.

Was mich besonders angesprochen hat war der Satz: „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller“ (1.Kor.12,7). Zum Nutzen aller – ich muss zugeben, wenn ich an den Heiligen Geist denke, dann bin ich sehr schnell bei dem Gedanken, was mir denn Gott Gutes tun könnte durch den Geist. Da bin ich schnell dabei mir tiefere geistliche Erfahrungen für mich selbst und für mein Glaubensleben zu wünschen. Aber der Heilige Geist hat da eine andere Perspektive: Frag nicht danach welche Geistesgaben dir gut tun, sondern was allen anderen nützt!


(Foto: © hofschlaeger / PIXELIO)

1. Korinther 10, 23 – 11, 1 – Freie Diener

Als Abschluss der ganzen Diskussion um das Essen von Götzenopferfleisch fasst Paulus noch einmal seine Meinung zusammen: Uns Christen ist alles erlaubt (ein Slogan, den manche Korinther für sich in Anspruch genommen haben und den Pauls grundsätzlich unterstütz), aber nicht alles ist gut für uns und für andere. Wenn ich mit meinem Verhalten einen Anstoß für das Gewissen eines Mitchristen gebe, dann sollte ich aus Liebe zu ihm darauf verzichten. Anstoß geben meint dabei mehr als nur, dass dem anderen irgendwie meine Nase nicht passt, sondern es meint, dass ich durch mein Verhalten den Glauben des anderen grundsätzlich ins Wanken bringe.

In dem Abschnitt wird im Grunde das deutlich, was Martin Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ folgendermaßen zusammengefasst hat:

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Wir sind durch Christus absolut frei geworden. Er hat uns von allen Bindungen befreit. Aber zugleich stellt uns Christus in den Dienst der Liebe. Aus Liebe schränken wir freiwillig unsere Freiheit ein, machen uns sogar zu Knechten, um anderen Gutes zu tun. Eigentlich ist dieses Paradoxon gar nicht zu leben: Wie sollen wir unsere Freiheit leben, wenn wir dauernd für andere knechten müssen? Ich finde es aber wichtig, dass es beide Seiten gibt: Wir bleiben in dieser Spannung und müssen immer wieder darauf achten, dass wir nicht die eine Seite zu Gunsten der anderen aufgeben.