Apostelgeschichte 6, 8-15 Ein sozial-diakonischer Evangelist

Interessant wie Stephanus seine diakonische Aufgabe wahrnimmt. Er kümmert sich nicht nur um arme Witwen, sondern „tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk“ (V.8) und wird schließlich von Diasporajuden wegen seinen Predigten angeklagt (V.11). Für ihn gehörte also das ganz praktische sozial-diakonische Helfen ganz selbstverständlich zusammen mit der Christus-Verkündigung. Er spielt das eine nicht gegen das andere aus. Es ist für ihn gar keine Frage, dass er neben praktischer Hilfe auch seinen Glauben bezeugt.

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1. Timotheus 3, 1-13 Frühchristliche Gemeindeämter

Es geht um zwei Ämter in der Gemeinde: um das Bischofsamt (griech.: episkopos) und das Diankonenamt (griech.: diakonos). Leider gibt es hier, wie auch an anderen Stellen, keine genaue Aufgabenbeschreibung. Wir wissen nicht so ganz genau, welche Tätigkeiten diese Personen ausgeübt haben. Episkopos kann man mit Aufseher übersetzen, es geht wohl um eine gemeindeleitende Funktion (kein Bischof in unserem Sinn mit übergemeindlichen Aufgaben). Zugleich scheinen sie auch Lehraufgaben wahrgenommen zu haben (vgl. V.2). Ein Diakon ist wörtlich ein „Diener“ und übernahm wohl verschiedene Dienste in der Gemeinde.

In dem Text geht es weniger um die Aufgaben, sondern um die Befähigungen, die man für solche Ämter mitbringen muss. Was mich erstaunt hat: Es geht vor allem um ethische Anforderungen an die Lebensführung und nicht um geistliche Voraussetzungen. Was hier aufgezählt wird entspricht im großen Ganzen den öffentlichen Moralvorstellungen. Offensichtlich gab es wohl in der angeschriebenen Gemeinde vor allem auf diesem Gebiet Probleme.

Was mir noch aufgefallen ist: Es werden unter anderem Dinge aufgezählt, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Wer kann sich schon ernsthaft einen Gemeindeleiter vorstellen, der ein Säufer ist, geldgierig ist und mit mehreren Frauen zusammen ist?! Aber anscheinend waren schon damals die selbstverständlichen Dinge nicht selbstverständlich! Sonst hätte man sie nicht extra anführen müssen.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie realistisch die Bibel uns Menschen einschätzt. Die Menschen damals in der Urgemeinde waren auch nicht anders als wir, sie hatten mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und waren – wie wir – alles andere als perfekt. Das soll keine faule Ausrede für uns heute sein, sondern eher ein Ansporn: auch damals haben sie nur mit Wasser gekocht und es ist aus dem kleinen Jüngerkreis trotzdem eine weltumspannende Gemeinde geworden!

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