2. Thessalonicher 2, 13 – 3, 5 Nicht jedermanns Ding

Ganz nüchtern und realistisch sagt Paulus hier: „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ (V.2) Tja, diese Erfahrung machen wir nicht erst im postmodernen und säkularen Deutschland, sondern die hat schon Paulus vor knapp 2000 Jahren gemacht. Obwohl er einer der „erfolgreichsten“ Missionare aller Zeiten war, hat auch Paulus nur eine Minderheit mit seiner Botschaft erreicht. Obwohl Gott alle Menschen erschaffen hat und er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden (1. Tim. 2,4), haben die Meisten keine Antenne für den Glauben. Aber sollen wir deswegen resignieren? Nein, Paulus blieb treu. Er ging seinen Weg weiter und schaute auf Gott, denn „der Herr ist treu“ (V.3).

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Apostelgeschichte 24 Egoistische Gleichgültigkeit

Ähnlich wie beim Prozess Jesu wird Paulus zerrieben zwischen dem fanatischen Hass einiger Juden und der egozentrischen Gleichgültigkeit römischer Politiker. Nachdem der Statthalter Felix die Vorwürfe gegen Paulus und auch Paulus selbst gehört hat, ist ihm eigentlich klar, dass Paulus kein politischer Aufrührer ist, sondern dass es um religiöse Streitigkeiten geht (vgl. V.22). Aber er kann sich nicht durchringen, Paulus freizugeben. Stattdessen zieht er die Sache einfach in die Länge (nach V.27: zwei Jahre!), um sie seinem Nachfolger zu überlassen. Die gleiche unentschiedene Haltung zeigt er gegenüber der Botschaft des Paulus. Er hört ihn gerne an, aber sobald Paulus persönliche Konsequenzen anmahnt, zieht er sich ängstlich zurück (V.24f).

Da fragt man sich, was schlimmer ist: der fanatische Hass der jüdischen Eiferer oder diese egoistische Gleichgültigkeit eines Menschen, der nur an sich selbst und seine Bequemlichkeit denkt? Die jüdischen Gegner des Paulus haben zumindest den Wunsch, Gott zu gefallen. Sie haben erkannt, dass Gott für ihr Leben zentral ist. Aber sie meinen mit ihrem menschlichen Fanatismus Gott selbst schützen zu müssen. Wir leben heute in Deutschland eher in einer Situation der egoistischen Gleichgültigkeit. Solange niemand dem anderen schadet, darf jeder glauben, was er will. Solange die Christen mich und mein Leben nicht in Frage stellen, dürfen sie gerne ihren Glauben haben. Solange es mir selbst gut geht und ich glücklich bin, darf jeder seine eigene Wahrheit haben bzw. darf jede Wahrheit gleich gültig sein.

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Kolosser 4, 2-6 Eine offene Tür

Darum bitte ich Gott auch heute: dass er Türen bei  den Menschen öffnet für sich und sein Wort. Es ist so schwierig, dass sich Menschen für Gott öffnen. Es gibt so viele Dinge, die anscheinend wichtiger sind als Gott. Es gibt so viel Skepsis und noch viel mehr Gleichgültigkeit gegenüber Gott. War das immer schon so?

Offensichtlich mussten schon die ersten Christen darum beten, dass Gott Türen öffnet. Sie rannten mit ihrer Botschaft keine offene Türen ein, sondern stießen schon damals auf Skepsis und Ablehnung. Aber wir sehen auch, dass es heute in vielen anderen Teilen der Welt eine größere Offenheit gibt als hier bei uns in Deutschland. „Herr, wir brauchen dich! Öffne die Türen zu den Herzen der Menschen und gib uns die richtigen Worte.

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Lukas 21, 1-4 Reichtum, mitten in der Armut

Die arme Witwe gibt trotz ihrem Mangel großzügig. Wir tun uns trotz unserem Reichtum schwer mit dem abgeben. Wie reich wir hier in Deutschland sind, wurde mir gestern Abend wieder deutlich. Im Fernsehen kam eine Reportage über einen englischen Taxifahrer, der für einige Monate in Mumbai, der größten Stadt Indien, arbeitete. Er wurde eingewiesen von einem indischen Taxifahrer, der ihm auch in seinen eigenen Alltag und in sein Leben Einblick gegeben hat.

Es ist für uns unvorstellbar, in welcher Armut ein Großteil der Weltbevölkerung lebt. Der indische Taxifahrer war noch recht gut dran: er hat eine Arbeit, er kann für sich und seine Familie sorgen (und sorgt sogar für die verwitwete Schwester seiner Frau und ihre vier Kinder). Sie wohnen zu neunt in einer winzigen Wohnung. Der Taxifahrer ist täglich stundenlang im Verkehrschaos von Mumbai unterwegs und verdient doch lächerlich wenig. Wie gesagt: ihm geht es noch relativ gut, in der Reportage tauchten auch andere Personen auf, die buchstäblich jeden Tag ums überleben kämpfen müssen.

Die bewegendste Szene fand ich, als der indische Taxifahrer dem Engländer sein Miettaxi präsentierte: Der Inder hatte, um ihm eine Freude zu machen, auf der Rückscheibe den Namen des Engländers aufgeklebt. Dem reichen Westeuropäer kamen die Tränen. Er wusste, dass sein neuer Freund um jeden Cent zu kämpfen hat. Und trotzdem hat er Geld für Klebebuchstaben ausgegeben…

Was für ein Reichtum, mitten in der Armut. Ähnlich ist es bei der Witwe aus Lukas 21: Was für ein Reichtum, mitten in der Armut.

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Lukas 6, 17-26 Weh uns!?

Vor einiger Zeit habe ich mit jemand gesprochen (bzw. er hat mehr mit mir gesprochen ;)), der überzeugt war, dass es in Deutschland so wenige Christen gibt, weil es uns zu gut geht. Wir sind zu reich und satt, wir leiden nicht unter Verfolgung. Mir war es etwas unwohl bei diesen Aussagen. Denn was ist die Konsequenz daraus? Sollen wir um Armut, Hunger und Verfolgung bitten, damit mehr Menschen zu Jesus finden?

Bei der Feldpredigt in Lukas macht nun Jesus ähnliche Aussagen: Selig sind die Armen und Hungrigen und diejenigen, die um Jesu willen gehasst werden. Den Reichen, Satten und nicht Verfolgten dagegen gilt Jesu Weheruf. Na toll! Dann hab ich ja schlechte Karten bei Jesus! Im weltweiten Durchschnitt gesehen bin ich reich, ich bin satt und ich brauche mich nicht vor Verfolgung fürchten…

Soll ich diese Seligpreisungen und Weherufe geistlich umdeuten – so wie es Matthäus macht? Bei Matthäus spricht Jesus nämlich von den geistlich Armen und denen, die nach Gerechtigkeit hungern. Oder sollte ich um so dankbarer sein, dass ich trotz Wohlstand und Freiheit zum Glauben kommen durfte?

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Walter Kempowskie: Alles umsonst

Ein eindrücklicher Roman über Flucht und Vertreibung gegen Ende des 2. Weltkrieges. Erzählt wird die Geschichte einer adeligen Familie, die auf einem herunter gekommenen Gut in Ostpreußen lebt. Der Vater ist mit der Armee in Italien. Die Mutter ist eine schöne, aber verträumte Person, welche die harte Kriegsrealität gar nicht richtig wahrnehmen will. Die praktische Organisation auf dem Gut übernimmt eine Tante und drei Ostarbeiter. Der zwölfjährige Peter ist blondgelockt, aber oft kränklich. Seine jüngere Schwester ist vor zwei Jahren verstorben.

Ohne großes Pathos berichtet Kempowski von den Wirrnissen der letzten Kriegsmonate. Der Winter ist hart, die Russen rücken näher, tausende sind auf der Flucht, die Vertreter des Staates versuchen zunehmend verzweifelt, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Durch die nüchterne Erzählweise treten die Schrecken dieser Zeit um so bedrückender hervor.

Der Autor hält sich mit Wertungen zurück. Auch Nazis werden als Menschen mit Stärken und Schwächen dargestellt. Letztendlich schauen die Meisten im großen Durcheinander vor allem auf sich selbst. Wie kann man selbst überleben?

Für jemand, der in Wohlstand und Frieden aufgewachsen ist, ist es kaum vorstellbar, welches Leid die Menschen damals durchmachen mussten. Vor kurzem habe ich ein Buch über Hitler gelesen. Da wurde gut heraus gearbeitet, dass Hitler am Ende ganz bewusst den totalen Untergang Deutschlands herbei führen wollte. Wie viel Leid hätte vermieden werden können, wenn er schon vorher versucht hätte ein Friedensabkommen zu erreichen?! Und wofür das alles?

Das ist auch die Frage des Buches: War letztendlich nicht alles umsonst? All die Bemühungen, irgendwie zu überleben? Im Buch steht am Ende die Frage: „War nun alles gut?“

Von Windrädern und Ventilatoren

WindräderSo, windhauch ist wieder online! Ich war ein paar Tage unterwegs zu unserer Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Wie der Name schon sagt: Ein jährlich stattfindende Konferenz, die alle EmK-Gemeinden des süddeutschen Bereichs betrifft. Dort kommen alle süddeutsche Pastoren und genau so viele Laienvertreter der Gemeinden zusammen.

Drei Tage lang fast nur Plenumssitzungen mit über 300 Leuten zu haben und Berichte durchzuarbeiten, ist nicht immer so wahnsinnig spannend und mit der Zeit auch ganz schön anstrengend. Mein persönliches Highlight dieser Tage war die Bibelarbeit von Pastorin Joana d’arc Meireles, der Generalsekretärin der methodistischen Kirche in Brasilien. Als sie erzählte wie bei einer Schießerei in den Armenvierteln von Rio ein Mann mit erhobener Bibel aus einer Kirche kam und jeweils eine Verletzten von beiden Seiten in die Kirche trug, da wurden mir die Augen feucht. Welch ein Mut!

Vor allem das Bild, das sie dann am Schluss gebracht hat, hat mich ins Herz getroffen. Sie erzählte, dass sie in Deutschland viele Windräder gesehen hat und fragte, ob wir den Unterschied zwischen einem Windrad und einem Ventilator kennen. Dann erklärte sie: Beide drehen sich, aber der Ventilator braucht Energie um Wind zu produzieren. Das Windrad dagegen nimmt den Wind auf und macht Energie daraus. BUMM!!! Das sitzt! Bei mir zumindest. Denn mir kommt mein Glaube und unsere Gemeindearbeit in Deutschland oft genau so vor: Wir verbrauchen wahnsinnig viel Energie, nur um ein klein wenig Wind zu produzieren. Stattdessen sollten wir uns viel mehr in den Wind(hauch 😉 ) Gottes stellen und daraus unsere Kraft und Energie nehmen.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Homecoming © Dominik Sellung

Matthäus 13, 31-33 – Ich will Bäume sehn!

SenfkörnerWie kommt es eigentlich, dass ich jetzt – im Jahr 2009 – immer noch so viele Senfkörner sehe, anstatt den versprochenen Baum? Jesus sagt, dass das Reich Gottes beginnt wie ein einzelne kleines Senfkorn. Aber es wächst und wird groß wie ein Baum (eine ausgewachsene Senfstaude wird zwar nicht zu einem richtigen Baum, aber sie kann bis zu drei Meter hoch werden). So langsam, knapp 2000 Jahre später müsste doch aus dem Senfkorn ein bisschen was geworden sein. Wo bleibt der Baum, von dem Jesus spricht?

Wenn ich uns Christen, vor allem hier in Deutschland, anschaue, dann denke ich eher an ein Senfkorn. Das ist alles so klein und so wenig sichtbar. Klar, es geschieht so manches, aber müsste das nicht viel mehr sein? Wo bleibt das Reich Gottes? Wo richtet Gott wirklich seine Herrschaft auf? Es gibt so wenige Menschen in Deutschland, die Jesus wirklich von Herzen lieben. Und selbst in den christlichen Gemeinden gibt es so viel Streit, Unzufriedenheit und Trägheit. Auch bei mir selbst ist vieles noch so klein und unbeutend – obwohl ich schon jahrelang Christ bin. Immer nur Senfkörner! Nichts als Senfkörner! Ich will Bäume sehn!
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Foto: wikimedia