Exodus 20 Vor allen Geboten

Die zehn Gebote! Dazu könnte man viel schreiben. Wie immer will ich keine Auslegung schreiben, sondern einige Gedanken. Was mir heute beim Lesen aufgefallen ist, war der Beginn: Vor allen Geboten und Verboten steht eine Tat Gottes: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ (V.2) Vor allem Gehorsam steht die Errettung und Befreiung. Vor allem menschlichen Handeln steht das Handeln Gottes.

Das nimmt den biblischen Geboten nicht den Ernst, aber es wird schon hier deutlich, dass es nicht darum geht, sich mit Gehorsamkeit gegenüber Gott die Errettung zu verdienen. Gott rettet zuerst sein Volk und gibt ihm dann die Gebote. Die Gebote sind nicht da, um uns neu zu versklaven, sondern sie dienen dazu die Freiheit zu bewahren. Gott ist der Gott, der aus der Knechtschaft befreit – das steht vor allen Anforderungen an den Menschen. Vor diesem Hintergrund sind die Gebote zu lesen.

| Bibeltext |

Exodus 20, 1-17 – Gebote der Freiheit

Die 10 Gebote können kein moralisches Verhalten herstellen. Das behaupte Klaus Douglass. Er sagt, dass zur echten Moral gehört, dass ich etwas Gutes um seiner selbst willen tue und nicht weil es mir befohlen wird. „Gebote regeln immer nur äußere Verhaltensweisen. Das menschliche Herz lässt sich aber nicht von außen steuern.“ (S.116) Das heißt dann auch, dass das Halten der 10 Gebote uns noch lange nicht zu einem moralischen Menschen, geschweige denn zu einem Christen machen.

Um dann deutlich zu machen, wozu die 10 Gebote da sind, orientiert sich Douglass an Martin Luther. Er hat die Aufgabe der Gebote wie folgt beschrieben: Sie dienen als Riegel, Spiegel und Richtschnur.

Als Riegel schützen die 10 Gebote unsere äußere Freiheit. Sehr schön von Douglass beschrieben: „Für die Frage meiner Moralität ist es nicht entscheidend, ob ich faktisch oder nur in meinem Herzen ein Mörder, Ehebrecher oder Dieb bin. Aber für mienen Mitmenschen macht es sehr wohl einen Unterschied!“ (S.117) So gesehen sind die 10 Gebote da, um die Würde und Freiheit aller Menschen zu schützen. Sie sind so etwas wie „eine Art Naturgesetz oder sittliche Grammatik“ (S.118), das uns beim Zusammenleben hilft.

Die zweite Funktion der Gebote ist, dass sie uns den Spiegel vorhalten: Sie zeigen uns unsere innere Unfreiheit. So schreibt es auch Paulus in Röm. 3,20: „Durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde.“ So führen mich die Gebote immer auch zur Umkehr. Weil ich erkenne, dass ich Gottes Anforderungen nicht gerecht werde. Vor allem dann, wenn man die Gebote nicht nur als Verbote sieht, die das schlimmste verhindern sollen, sondern wenn man die Sinnabsicht dahinter sieht. Jesus betont das ja auch in der Bergpredigt. Der Mord fängt ja schon beim bösen Gedanken über meinen Mitmenschen an. Schon in meinen Gedanken fängt das Halten der 10 Gebote an.

Schließlich geben uns die Gebote eine Richtschnur wie wir zu liebenden und liebenswerten Menschen werden können. Es geht nicht um das gesetzliche Einhalten von Regeln, sondern die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe. Gut gefallen hat mir hier der Vergleich von Douglass, bei dem er die 10 Gebote mit einem Kompass vergleicht. Der Kompass gibt die Richtung vor. Aber es ist nicht immer ratsam, nur stur genau der Richtung der Kompassnadel zu folgen. Einem Schiff im Ozean gibt der Kompass die Richtung vor, aber wenn z.B. ein Eisberg im Weg liegt, dann ist es wohl besser, den direktesten Weg zu verlassen. So wollen auch die Gebote keinen sturen Gesetzesgehorsam, sondern ein Gehorsam der sich von den Geboten die Richtung zeigen lässt und im Extrem- und Ausnahmefall liebevolle Umwege geht.