1. Timotheus 4, 1-5 Ein heiliges Leben

An dieser Stelle werden die Auffassungen der Irrlehrer am deutlichsten: Sie gebieten nicht zu heiraten und bestimmte Speisen zu meiden. Sie wollen also durch enge Grenzziehungen für ein heiliges Leben sorgen. Der geistliche Mensch soll sich nicht durch irdische Dinge „beschmutzen“. Die Antwort darauf ist deutlich: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ (V.4)

Welche Einstellung habe ich zur Welt? Habe ich Angst mich zu beschmutzen? Oder sehe ich sie als gutes Geschenk Gottes? Natürlich kennt auch die Bibel klare Grenzziehungen, z.B. die zehn Gebote. Das werden klare Grenzen aufgezeigt und gesagt: es ist nicht gut für deinen Nächsten, für dich selbst und für deine Beziehung zu Gott, wenn du diese Grenzen überschreitest.

Aber der eigentliche Kern biblischer Ethik sind nicht die negativen Grenzziehungen, sondern die positive Ausrichtung auf Gott. Wenn ich mich auf Gott ausrichte und auf ihn schaue, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Gott ähnlicher werde ich nicht dadurch, dass ich das Negative, das Böse meide, sondern dadurch, dass ich mich am Positiven, am Göttlichen ausrichte. Das ist eine unterschiedliche Lebens- und Glaubensausrichtung: geht es vor allem darum keine Fehler zu machen, um es sich mit Gott nicht zu verderben oder geht es darum voller Freude und Dankbarkeit auf Gottes Güte zu schauen?

| Bibeltext |

Josua 12 Dankbarkeit

In diesem Kapitel wird eine Liste aufgestellt, von all den Königen, welche von Israel besiegt wurden. Es ist ein dankbarer Rückblick auf Gottes Wirken: Gott hat den Israeliten das Land verheißen und jetzt kann das Volk feststellen, dass es tatsächlich so eingetroffen ist. Natürlich ist es ihnen nicht einfach in den Schoß gefallen, sondern sie mussten hart darum kämpfen. Gottes Verheißungen schließen unser Wirken nicht aus, sondern sie schließen es mit ein.

Was an der Liste auffällt: Es wird auch der König von Jerusalem als besiegt aufgezählt, obwohl wenig später explizit erwähnt wird, dass Jerusalem noch nicht erobert wurde (Jos. 15,63). Die Stadt wurde erst von David erobert und zur Hauptstadt des Landes gemacht (vgl. 2. Sam. 5,6-9). Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis Gott seine Versprechen einlöst. Aber trotzdem können wir ihm jetzt schon danken für das, was bereits geschehen ist (und für das, was Gott noch tun wird!). Das ist ja häufig ein Problem von uns Menschen: wir schauen oft auf das, was wir noch nicht haben, anstatt uns über das zu freuen, was wir schon haben.

| Bibeltext |

John Naish: Genug

Dieses Buch spricht mir aus der Seele. Wir leben in einer Welt des Überflusses, wir haben mehr als genug – und trotzdem wollen wir immer mehr und mehr. Der britische Journalist John Naish entlarvt nüchtern die Fallstricke unserer westlichen Überflussgesellschaft. Um gut und zufrieden leben zu können, haben wir von allem Wesentlichen genug: Wir haben genug Informationen, Essen, Sachen, Arbeit, Auswahl, Glück, Wachstum (diesen Stichworten geht Naish in seinem Buch nach). Trotzdem machen wir uns vor: wenn wir nur noch ein bisschen mehr hätte, dann ginge es uns besser. Aber das ist ein Trugschluss.

Naish spricht sich für eine Lebensphilosophie des Genughaben aus. Weniger ist mehr. Wenn wir lernen, mit dem was wir haben, zufrieden zu sein, dann leben wir entspannter und erfüllter. Der Autor geht sehr rational an die Sache heran und zitiert oft wissenschaftliche Untersuchungen. Er argumentiert auch des Öfteren mit der menschlichen Evolutionsgeschichte.

Um so überraschender war für mich das letzte Kapitel, in welchem er den grundsätzlichen Lebensansatz entfaltet, wie wir nach seiner Meinung der Überflussgesellschaft entkommen können: Dankbarkeit. Er empfiehlt uns, dankbar für das zu sein, was wir haben. Das geht bei ihm sogar so weit, dass er – als jemand der mit Gott offensichtlich nicht so viel anfangen kann – mit seiner Familie die Sitte des Tischgebets eingeführt hat! Auch wenn er nicht daran glaubt, dass dieses Gebet tatsächlich von einem Gott gehört wird, sieht er es als sinnvoll an, um sich darin in Dankbarkeit zu üben. Da können auch wir Christen noch so einiges lernen…

(Amazon-Link: John Naish: Genug)