Lukas 4, 38-44 Erkennen oder bekennen

Im vergangenen Jahr habe ich mich kaum auf windhauch gemeldet. Das lag daran, dass ich für mich keine kurzen Bibelabschnitte gelesen habe, sondern die ganze Bibel in einem Jahr. Das waren dann jeden Tag so viele Texte, dass es kaum sinnvoll war, darüber zu schreiben. Jetzt will ich wieder kürzere Abschnitte lesen und meine Gedanken dazu blogen. Als Vorlage versuche ich mal den Ökumenischen Bibelleseplan. Da ist gerade das Lukasevangelium dran – über das hab ich auf windhauch noch nicht gebloggt. Damit es für Mitleser aktuell ist, werde ich jeweils über den Abschnitt vom nächsten Tag bloggen.

Lukas berichtet in kurzen Zusammenfassungen, wie Jesus heilt und predigt. Was mir besonders aufgefallen ist, sind die Reaktionen der bösen Geister, welche Jesus ausgetrieben hat. Wie auch immer man sich das konkret vorzustellen hat: spannend ist, dass das Böse Jesus als den Christus sehr viel schneller und klarer erkennt als alle anderen. Die bösen Geister sehen sofort: das ist der Sohn Gottes, das ist der Messias. Den Nachfolgern und Nachfolgerinnen Jesu wurde das erst nach und nach deutlicher. Viele Pharisäer haben sich geweigert dies zu erkennen. Den Römern war dieser Jesus völlig egal. Und erst nach der Auferstehung wurde auch den Anhängern Jesus so langsam im vollen Umfang klar, mit wem sie so lange unterwegs waren.

Die Warhheit zu erkennen bedeutet noch lange nicht, sie in der richtigen Weise zu bekennen. Das Wissen allein nützt wenig, wenn ich daraus die falschen Konsequenzen ziehe. Es ist ein entscheidender Unterschied, ob ich in Jesus von Nazareth den Sohn Gottes erkenne, oder ob ich bekenne, dass er als Sohn Gottes auch der Herr über mein Leben ist.

Markus 5, 1-20 – Angst vor der Freiheit

Die Geschichte vom sogenannten besessenen Gerasener. Jesus heilt einen besessenen Menschen indem er die Dämonen, die über ihn herrschen in eine Herde Säue fahren lässt. Bei der Erklärung von Klaus Douglass zu diesem Text hat mir gefallen, wie er das innere Hin- und Hergerissensein dieses Mannes herausarbeitet. Einerseits rennt er zu Jesus hin, weil er die Hoffnung hat, dass dieser ihm helfen kann. Andererseits fleht er Jesus dann an: „Tu mir nichts!“ Er will frei werden und hat doch zugleich Angst davor.

Egal wie man jetzt die Besessenheit erklärt (in der damaligen Welt hatte man das ganz klar als dämonische Besessenheit gesehen, heute würde man die Symptome eher mit einer psychischen Persönlichkeitsstörung erklären), von der Grundkonstellation her ist uns dieses Hin- und Hergerissen sein doch auch heute noch vertraut. Wir kennen das alle, nicht in dieser extremen Form, aber doch so, dass wir einerseits frei sein wollen und andererseits doch auch Angst davor haben. Denn manchmal scheint es einfacher zu sein, mit seinen ganzen Abhängigkeiten zu leben, mit denen man sich einigermaßen arrangiert hat, als neue Wege zu gehen und selbst Verantwortung zu übernehmen.

Matthäus 12, 43-45 – Teuflische Freude über eine Dämonenaustreibung

Jesus beschreibt hier beispielhaft einen Menschen, der von einem bösen Dämonen befreit wurde. Wenn diese Mensch sich nicht Gott zuwendet und sich vom Geist Gottes erfüllen lässt, dann wird der Dämon mit sieben anderen Geistern wieder kommen und alles wird schlimmer als zuvor.

Ja, es reicht nicht, vom Bösen befreit zu werden – viel wichtiger ist, sich vom Guten erfüllen zu lassen. Um den Teufel zu besiegen darf man sich nicht auf den Kampf gegen ihn beschränken, sondern muss sich vor allem an Jesus ausrichten. Der Satan freut sich teuflisch darüber, wenn wir nur darauf fixiert sind ihn loszuwerden, anstatt mit all unser Sehnsucht, unserem Verlangen und unserer inneren Leere zu Gott zu kommen.Ich merke bei mir selbst wie schnell ich dabei bin, mir einfach nur das Schlechte in meinem Leben wegzuwünschen, anstatt mich auf das Gute auszurichten und ihm nachzujagen.

Matthäus 12, 22-30 – Jesus wird verteufelt

Noch einmal eine Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Dieses mal geht es aber nicht um Gesetzesfragen und die Einhaltung des Sabbatgebots, sondern es geht um die Frage nach Jesu Vollmacht. Jesus heilt nicht nur, sondern er treibt auch böse Geister aus. Welche Macht steht dahinter? Für die Pharisäer ist klar: Jesus und seine Jünger übertreten (nach ihrem Verständnis) Gottes Gebote, er tritt mit einem messianischen Anspruch auf und viele Leute laufen diesem Wunderheiler und charismatischen Prediger nach – das kann nicht von Gott her kommen. Und wenn es nicht von oben kommt, dann kommt es natürlich von unten: Jesus treibt die bösen Geister durch die Bevollmächtigung des Satans selbst aus.

Ich kann da die Bedenken der Pharisäer durchaus nachvollziehen: Sie waren in ihrem Denk- und Glaubenssystem gefangen. Um Jesus wirklich als Sohn Gottes zu erkennen, hätten sie ganz grundlegende Erwartungen und Überzeugungen über Bord werfen müssen. Sie warteten ja auch auf den Messias. Und im Alten Testament ist es alles andere als eindeutig, dass der Messias in Schwachheit und Einfachheit kommen wird. Sie warteten aufgrund viele alttestamentlichen Stellen auf einen König und mächtigen Herrscher, der Frieden und Gerechtigkeit herstellen wird. Jesus erfüllte diese Erwartungen nicht – und da liegt es nahe, ihn als Verführer zu sehen.

Diese Reflexe gibt es ja bis heute. Zum Beispiel seit dem Anfang der Pfingstbewegung – als Dinge geschahen, die nicht ins Raster mancher Gläubigen passten; wo Gott anders handelt als erwartet – gibt es immer wieder Stimmen die rufen: „Das ist nicht von oben, sondern von unten!“ Das ist eine ähnliche Reaktion wie bei den Pharisäern: „Das kenn ich nicht – das kann nichts Gutes sein!“ Dieses Verteufeln gibt es natürlich nicht nur in einer Richtung, sondern das geht bis heute kreuz und quer durch alle kirchlichen Lager und Richtungen.

Mir zeigt dieses Geschichte, dass ich mit solchen Urteilen vorsichtig sein sollte. Gott kann durchaus anders handeln als es meinem Denk- und Glaubenssystem entspricht. Auch wenn ich mit bestem Wissen und Gewissen meine Bibel lese und versuche zu verstehen, kann ich zu falschen Schlüssen kommen. Das heißt nicht, dass wir alles Neue einfach unkritisch stehen lassen und über alle ungewöhnlichen Frömmigkeitsäußerungen sofort jubeln: „Ja, das kommt von Gott! Preist den Herrn!“ Aber es heißt, dass wir auch damit rechnen, dass wir uns in unserem Urteil irren können.

Was die Sache heute noch schwieriger macht ist ja, dass bei Jesus die Sache im Nachhinein ja klar war: Das war alles von oben, er war der Sohn Gottes und hat zu hundert Prozent in Gottes Vollmacht gehandelt. Zum einen haben wir in der Gegenwart nicht diese Perspektive, dass wir zurückblicken können (im Nachhinein sind wir auch heute meist schlauer). Und zum anderen geht es heute ja nicht mehr um den leibhaftigen Jesus, der über die Erde wandelt, sondern um Menschen und menschliche Gruppierungen, bei denen sich die Motive und Hintergründe immer mischen. Bei allen Christen und christlichen Gruppierungen vermischt sich Göttliches mit Menschlichem und wahrscheinlich hat viel zu oft auch der Satan seine Finger noch mit im Spiel. Bei keinem von uns handelt immer nur zu hundert Prozent Christus.

So, das ist jetzt etwas länger geworden als geplant. Kurz gesagt ist mir wichtig: Vorsicht mit dem „Verteufeln“ anderer!