Carloz Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels

Das Buch hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck: Zum einen ist es sehr spannend und fesselnd geschrieben. Schon nach wenigen Seiten kann man sich als Leser dem Sog und der Dramaturgie dieses Buches kaum entziehen. Ich habe den über 700 Seiten Wälzer innerhalb von wenigen Tagen verschlungen. Zum anderen aber war ich nach der letzten Seite frustriert und enttäuscht – von den vielen Rätseln und Mysterien, mit denen der Autor eine ungeheure Spannung aufbaut, bleiben für meinen Geschmack zu viele ungelöst – ich als Leser steh am Ende da und frage mich: was ist da jetzt eigentlich passiert? Als ganzes bleibt das Buch ein Mysterium (was wahrscheinlich vom Autor durchaus gewollt ist – mir ist es aber zu mysteriös). Außerdem gibt es für meinen Geschmack im letzten Drittel zu viele Leichen, zu viel Blut und zu viel platte Aktion.

Um was geht es? Die Hauptperson, David Martin, ist Schriftsteller im Barcelona des frühen 20. Jh. Er ist einigermaßen erfolgreich mit einer Reihe von Grusel- und Schauerromanen, bei denen er aber kaum etwas verdient und ständig bis zum Rand der Erschöpfung arbeiten muss. Zum anderen fühlt er sich todkrank und ein Arzt bestätigt ihm, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. In dieser Situation geht er auf ein seltsames Angebot eines geheimnisvollen Verlegers Andreas Corelli ein: der gibt ihm 100.000 Franc als Vorschuss für ein Buch, durch das eine neue Religion gegründet werden soll. Die Hauptfigur soll also eine Art Bibel, einen Mythos, eine Geschichte entwerfen, an die Menschen glauben können.

Erst im Laufe der Geschichte dämmert ihm langsam, dass es sich hier um einen faustischen Pakt handelt, bei dem er letztendlich sein Leben verlieren wird. Der angebliche Verleger hat als Erkennungszeichen einen Engel, welcher mit dem Engel des Lichts identifiziert wird. Und der Engel des Lichts ist nichts anderes als Luzifer. David Martin stößt auf immer mehr Verwicklungen und Geheimnisse und versucht, einen Ausweg aus seiner Situation zu finden. Alle Menschen die ihm bei der Aufklärung behilflich sein könnten, werden unter seltsamen Umständen umgebracht. Parallel zu dieser Handlung ist eine Liebesgeschichte eingeflochten. Die ist natürlich unglücklich und endet letztendlich tragisch mit dem Tod der Frau.

Was mir – neben der fesselnden Schreibweise von Zafón (er hat früher Drehbücher geschrieben) – gefallen hat, waren die oft sarkastisch und ironisch-witzigen Dialoge. Das entlockt dem Leser immer wieder ein breites Grinsen oder ein Lachen. Wobei diese Dialoge dadurch teilweise sehr gekünstelt und unecht wirken. Gefallen hat mir auch die Wert- und Hochschätzung von guten Büchern, die immer wieder deutlich wird und der Einblick in die Schriftstellerseele (bei der anscheinend Disziplin viel wichtiger ist, als Inspiration).

Das Buch ist insgesamt ein sehr düsteres Buch. Nicht nur melancholisch, sondern mehr als melancholisch: düster eben. Einzig die Charaktere von Isabella, der schlagfertigen und eigenwilligen jungen Assistentin von David Martin und der Buchhändler Sempre bringen immer wieder etwas Licht und Zuversicht in die Geschichte. Wie gesagt: für mich bleiben am Ende zu viele Fragen offen. Vor allem bleibt mir schleierhaft, was jetzt an den ganzen Unglücksfällen auf das Konto dieses „Engel des Lichts“ geht und was auf das von menschlichen Intrigen und Machenschaften. Auch verstehe ist nicht, warum David Martin am Ende noch am Leben ist, welche Art von Leben das ist und warum der „Engel des Lichts“ ihn nicht einfach liquidiert.

Fazit: Gute und fesselnde Unterhaltung, bei der am Ende ziemlich viele Fragen offen bleiben.