Ulrike Purschke: Hendrikje, vorübergehend erschossen

Purschke: HendrikjeSicher kein anspruchsvolles Stück Weltliteratur, aber doch ein charmantes, unterhaltsames und gut geschriebenes Buch. Wenn ich den Roman mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das Wort: skurril. Sowohl von den Personen her als auch von der Geschichte her. Es erinnert mich von der Art etwas an manche Romane von John Irving. Eine skurrile Geschichte so zu erzählen, dass sie nicht ins völlig ins Lächerliche abdriftet oder total überdreht wirkt, ist eine gar nicht so einfache Kunst (und dieser besondere Art von Humor findet man gerade in der deutschen Literatur äußerst selten). Ich finde das ist der Autorin recht gut gelungen. Ulrike Purschke: Hendrikje, vorübergehend erschossen weiterlesen

Titus Müller: Nachtauge

Müller: NachtaugeEin gelungener historischer Roman, der in der Zeit des 2. Weltkrieges spielt. Ausgehend von wahren Begebenheiten erzählt Titus Müller in zwei Erzählsträngen eine Spionagegeschichte, die in England spielt und eine Liebesgeschichte, die in Deutschland spielt. Durch verschiedene Personen und verschiedene Perspektiven gibt er dem Leser einen guten Einblick in die verworrene Zeit des Nationalsozialismus. Titus Müller: Nachtauge weiterlesen

Tomáš Halík: Geduld mit Gott

Halik: Geduld mit GottDer tschechische Psychotherapeut und Priester Tomáš Halík beschäftigt sich in diesem Buch mit atheistischer Kritik, Zweifel und Ablehnung des christlichen Glaubens. Er bedient sich als Analogie zu solchen Menschen der Geschichte von Zachäus. Zachäus war auch ein skeptischer Zeitgenosse, der kein Anhänger Jesu war, sondern sich Jesus aus sicherem Abstand und hinter den Feigenblätter seiner Zweifel anschauen wollte.

Seine Grundaussage ist folgende: „Glaube und Atheismus sind zwei Sichtweisen eben dieser Tatsache, der Verborgenheit Gottes, der Transzendenz, der Undurchdinglichkeit seines Geheimnisses.“ (S.72) Gott ist ein Geheimnis, er ist selbst in Jesus Christus noch quasi inkognito unterwegs, weil man auch die Selbstoffenbarung in Christus unterschiedlich deuten kann. Gott zeigt sich in unserer Welt nicht eindeutig und unzweifelhaft – sonst wäre ja auch kein Glaube nötig. Sowohl der leidenschaftliche Atheist als auch der leidenschaftlich Glaubende nehmen diese Abwesenheit Gottes wahr, ziehen allerdings unterschiedliche Schlüsse: der leidenschaftliche Atheismus ist letztendlich Glaube, dem die Geduld mit Gott fehlt, Glaube, der zu schnell aufgibt. Tomáš Halík: Geduld mit Gott weiterlesen

Philip Yancey: Disappointment with God

Yancey: Disappointment with GodEin Ausschnitt aus dem Buch hat mich neugierig gemacht und großer Erwartungen in mir geweckt. In einer Predigt habe ich ein längeres Zitat aus dem Buch gelesen und war von der offenen und schonungslosen Art, wie hier jemand von enttäuschtem Glauben redet getroffen. Anhand dieses Ausschnittes schien es mir, dass sich der Autor auf ebenso offene und schonungslose Art im ganzen Buch mit dem Thema beschäftigt. Schon während des Lesens musste ich feststellen, dass meine Erwartungen sich nicht so richtig erfüllt haben, bzw. dass ich die falschen Erwartungen hatte. Aber trotzdem ist es ein gutes und empfehlenswertes Buch.

Ausgangspunkt ist für Yancey die Erfahrung eines Freundes, welcher den Glauben an Gott verloren hatte. Anhand von dieser Infragestellung Gottes geht Yancey im Buch drei großen Fragen nach: Ist Gott unfair? Schweigt Gott? Ist Gott verborgen? Diese drei Fragen behandelt er in zwei großen Teilen: im ersten Teil des Buches geht er die ganze Bibel durch und versucht aus Gottes Perspektive auf menschliche Enttäuschung einzugehen. In einem zweiten Teil beleuchtet er die Fragen vom Buch Hiob aus. Philip Yancey: Disappointment with God weiterlesen

Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten)

Ishiguro: Never let me goDen Roman habe ich während eines Urlaubs in England auf englisch gelesen. Zuerst hab ich gedacht es liegt an meinen mangelhaften Englisch-Kenntnissen, dass ich so manches des Erzählten nicht gleich verstanden habe oder nicht so richtig einordnen konnte. Mit der Zeit hab ich dann festgestellt, das liegt nicht an meinem Englisch, sondern an der Geschichte.

Eine einundreissigjährige Frau erzählt aus ihrer Kindheit in einer Art Internat in England. Es geht auf der einen Seite um die typischen Schülererfahrungen und um eine sich entwickelnde Dreiecksbeziehung zwischen der Erzählerin Kathy und ihren Mitschülern Tommy und Ruth. Doch von Anfang an merkt man, dass mit diesem „Internat“ etwas nicht stimmt. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was der Hintergrund ist. Die Schüler werden von ihren Aufseherinnen als etwas ganz besonderes bezeichnet, sollen sich gesund ernähren, viel Sport treiben und sich auch künstlerisch entwickeln. Immer wieder kommt eine Frau, „Madame“ genannt, um die besten Schülerkunstwerke für eine Ausstellung mitzunehmen. Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten) weiterlesen

Leo Tolstoi: Auferstehung

Tolstoi: AuferstehungSchon vor einiger Zeit habe ich dieses Buch von Tolstoi gelesen. Nachdem ich von „Krieg und Frieden“ begeistert war, hatte ich mich auf diesen Roman gefreut. Tolstoi hat drei große Romane geschrieben. Auferstehung ist nach „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ der zeitlich letzte davon. Es ist das Alterswerk des großen russischen Schriftstellers. In dem Roman spürt man deutlich seine Hinwendung zu einem moralisch verstandenen Christentum, das sich vor allem an der Feindesliebe der Bergpredigt orientiert.

Bei der „Auferstehung“ geht es Tolstoi nicht um die leibliche Auferstehung Jesu Christi oder um die biblische Auferstehungshoffnung am Ende der Zeiten. Es geht um eine moralische Auferstehung, es geht um die Läuterung zu einem besseren Menschen. Der biblische Jesus ist für Tolstoi ein Lehrer der Nächstenliebe. Er hat für ihn keine göttliche Erlösungsmacht, sondern ist eher ein Vorbild. Leo Tolstoi: Auferstehung weiterlesen

Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem

Yalom: Das Spinoza-ProblemDer amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Yalom hat mit seinen unterhaltsamen Romanen über große Denker der Philosophie erstaunlichen Erfolg. Er stellt das Denken berühmter Philosophen in mehr oder weniger fiktiven Lebensgeschichten dar. Das ist gar nicht so einfach. Mit seinen Romanen will er spannend und anschaulich erzählen, er bringt sein psychologisches Fachwissen in die Darstellung der Personen mit ein und will dennoch auch den philosophischen Grundgedanken seiner Hauptpersonen gerecht werden.

In diesem Buch wagt er sich an den großen und kühnen Denker des 17. Jh. heran: Spinoza. Das Problem bei Spinoza ist, dass man kaum etwas über sein Leben weiß. Er stammt aus dem Judentum, wurde aber wegen seiner religionskritischen Denkweise aus der Gemeinde verbannt. In seinen überlieferten Schriften findet sich wenig persönliches, denn Spinoza war fasziniert von der logischen Vernunft. Er argumentierte nicht mit Erfahrungen oder persönlichen Erlebnissen, sondern mit kühler und oft auch sehr abstrakter Vernunft.  Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem weiterlesen

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Tolstoi: Krieg und FriedenWas für ein monumentales Werk! Das Buch ist wie ein riesiger Berg: Auf dem Weg zum Gipfel kann man sich leicht verlaufen, man kann die Lust verlieren, man kann müde werden, man fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Berg zu erklimmen,… und ich muss zugeben auch ich hab mich durch das Buch durchkämpfen müssen. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist gut, am Ende auf dem Gipfel zu stehen und die Aussicht zu genießen. Lew Tolstoi: Krieg und Frieden weiterlesen

Hermann Hesse: Peter Camenzind

Peter Camenzind wächst in einem abgelegenen Bergdorf der Schweizer Alpen auf. Eingeklemmt zwischen hohen Bergen und einem See wird auch Peter von klein auf durch die Natur bestimmt. Er liebt es auf die Berge zu steigen, träumend auf der Wiese zu liegen und ist fasziniert von den Wolkengebilden, die am Himmel vorbei ziehen. Die Menschen des Dorfes sind größtenteils miteinander verwandt und die meisten heißen mit Nachnamen Camenzind. Es sind wortkarge und einfache Leute. Über Gefühle wird nicht geredet und der Frust des Lebens wird, wie z.B. von Peters Vater, im Wirtshaus hinunter getrunken. Hermann Hesse: Peter Camenzind weiterlesen

Laurence Cossé: Der Zauber der ersten Seite

Was für ein Traum für jeden Literaturliebhaber: eine Buchhandlung, in der es nur wirklich gute Romane zu kaufen gibt. Keine auf Erfolg getrimmte Massenware, keine von der Werbung hoch gejubelte leicht verdauliche Romankost, keinen oberflächlichen Schund. Nur Romane mit Tiefgang, Romane mit Substanz, Romane welche die Kraft haben, ihre Leser zu fesseln und ihr Leben zu verändern.

Diesen Traum beschreibt die französische Autorin Laurence Cossé in ihrem Roman „Der Zauber der ersten Seite“. Eingepackt ist das ganze in einen Kriminalfall und eine Liebesgeschichte, welche aber nie wirklich ins Zentrum rücken. Die Hauptpersonen sind Ivan und Francesca. Ivan ist Buchhändler aus Leidenschaft. Er möchte seinen Kunden nicht möglichst viel Geld abnehmen, sondern ihnen gute Literatur vermitteln. Francesca ist auch eine Büchernärrin und sie baut als Geldgeberin zusammen mit Ivan eine nach ihrer Sicht ideale Buchhandlung auf. Sie inspirieren sich gegenseitig und überlegen, wie solch eine Buchhandlung organisiert sein sollte und in der Praxis funktionieren kann. Laurence Cossé: Der Zauber der ersten Seite weiterlesen