Ich kann es nicht

„Vater, du weist ich kann es nicht… Ich kann mich nicht verändern, ich kann keinen besseren Menschen aus mir machen, ich schaff es nicht, wirklich ganz für dich da zu sein. Es gibt so viel anderes, was mir wichtig ist, das mich fesselt, das mich ablenkt. Wenn etwas geschehen soll, wenn es Veränderung geben soll, dann musst du das tun. Herr, schenk mir die Bereitschaft mich für dein Wirken zu öffnen. Schenk mir den Mut, deinen Geist in mir wirken zu lassen. Ich möchte so gerne das erleben, was Bruder Lorenz geschrieben hat: “Diejenigen, die vom Wind des Heiligen Geistes getrieben werden, segeln selbst im Schlaf noch weiter.” (R.Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir, S. 7) Einfach nur da sein, in deiner Gegenwart leben, und mich von dir in die richtige Richtung treiben lassen…

Danke!

Amen“

Bruder Lorenz – Weltentfremdung und Gottesnähe

Hab inzwischen das Buch über Bruder Lorenz (R.Deichgräber: Alle meine Gedanken sind bei dir) zu Ende gelesen. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Ärger, zwischen Begeisterung und Kopfschütteln.

Manche Sätze von Bruder Lorenz sind so klar, einfach, einleuchtend und treffend, dass man denkt: Ja wohl, genau, der spricht mir aus dem Herzen! (vgl. Artikel: Bruder Lorenz) Und dann sind da wieder Aussagen, bei denen ich denke: Das kann man doch so nicht sagen! Vieles klingt nach totaler Überforderung, nach totaler Weltfremdheit, nach einem abgehobenen Leben ohne Fleisch und Blut.

Ein Beispiel: „Denn es ist unmöglich, dass eine Seele, die noch einige Lust und Liebe zu den Geschöpfen hat, diese göttliche Gegenwart vollkommen genießen könnte.“ (S.110) Und ob ich das hab. Ich hab sehr wohl noch einige Lust und Liebe zu so manchen wundervollen Geschöpfen, die mir Gott an die Seite gestellt hat. Und ich hab auch nicht vor diese Liebe aufzugeben…

Ich kann also ganz und gar nicht alles unterschreiben, was der gute Bruder Lorenz so von sich gegeben hat. Aber er fordert mich auch heraus. Der Grundansatz von Bruder Lorenz ist einfach und bestechend: Versuche bei allem – in deinem ganz normalen Alltag, bei deinen ganz normalen Tätigkeiten – immer mehr und immer öfter an Gott zu denken (so wie es der Buchtitel deutlich macht: All meine Gedanken sind bei dir). Er sagt, dass es nicht auf irgendwelche geistlichen Übungen und Leistungen ankommt, sondern darauf, dass wir immer mit der Gegenwart Gottes rechnen. Er gibt auch zu, dass das kein einfacher Weg ist und dass er selbst viele Schwierigkeiten hatte bei dieser Art seinen Glauben zu leben. Aber ich bin schon überzeugt, dass das ein Leben verändern kann, dass das einen viel näher zu Gott bringen kann. Ob das dann gleich mit solch einer totalen Weltentfremdung einhergehen muss, bleibt für mich in Frage.

Bruder Lorenz, die zweite…

Bruder Lorenz spricht immer wieder von der völligen Hingabe an Gott. Wir sollten uns nichts anderes wünschen, als den Willen Gottes zu erfüllen. Wir sollen uns um nichts anders kümmern als darum, Gott zu lieben.

Wie soll das gehen??? Ich kann das nicht! Ich habe (auch als langjähriger Christ) Angst davor! Und es geht ganz einfach nicht, eine hoffnungslose Überforderung… Jeden Augenblick nur für Gott da sein, nichts selbst wollen, immer nur an ihn denken,…

Aber Bruder Lorenz gibt auch Hinweise, wie es vielleicht doch – zumindest ansatzweise – gehen kann: „Unsere Heiligung besteht nicht darin, dass wir etwas anderes tun, sondern darin, dass wir um Gottes willen verrichten, was wir für gewöhnlich um unserer selbst willen tun.“ (R.Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir, S.54)

Nichts anderes tun, sondern das was ich sowieso tue für Gott tun…

Bruder Lorenz

Gestern habe ich angefangen, ein Buch über „Bruder Lorenz“ zu lesen (Reinhard Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir: In Gottes Gegenwart leben). Habe schon manche kurze Artikel über ihn gelesen, hab mich aber nicht wirklich für ihn interessiert. Bruder Lorenz war ein Mönch, der im 17. Jh. gelebt hatte und der durch seinen einfachen Glauben und seine besondere Nähe zu Gott viele Menschen fasziniert hat. Er scheint bei vielen Christen gerade in Mode zu sein (deswegen war ich skeptisch: bei Modeerscheinungen – und seien sie noch so christlich – bin ich erst mal misstrauisch).

Ich weiß noch nicht, ob ich wirklich viel mit diesem Bruder Lorenz anfangen kann, aber am Anfang des Buches standen einige Zitate, die mich umgehauen haben. Nur wenige Worte. Aber die haben mich getroffen.

Ein Beispiel: „Diejenigen, die vom Wind des Heiligen Geistes getrieben werden, segeln selbst im Schlaf noch weiter.“ (R.Deichgräber: All meine Gedanken sind bei dir, S. 7) Genial!!! Genau das möchte ich: Mich von Gott treiben lassen und selbst im Schlaf – dann wenn ich gar nichts mehr tue und tun kann, selbst dann – noch von Gottes Geist getragen und weiter gebracht werden. Ja, segeln müsste man können. Im Schlaf mit Segeln mehr erreichen, als andere bei Tag mit Höchstanstrengung durch Rudern versuchen zu erreichen. Sich vom „windhauch“ Gottes treiben lassen…

Ein paar weitere Zitate:

  • „Man wird nicht im Schnellverfahren heilig.“ – Auch wenn ich das manchmal gerne so hätte…
  • „Die heiligste, gewöhnlichste und nötigste Übung im geistlichen Leben ist die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes.“ – Und gerade das ist so schwierig, weil so viel anderes sooo wichtig und dringend erscheint, weil uns die Konzentration fehlt, weil wir immer an alles und nichts denken.
  • „Die feste Gewohnheit wird nur unter Schmerzen in uns zuwege gebracht.“ – Für ein Leben in der Gegenwart Gottes sind solche Gewohnheiten überlebensnotwendig. Aber wir leben in einer Zeit, die Schmerzen meidet, die Schmerzen verhindern will, die schmerzfrei genießen möchte…