1. Johannes 4, 7-10 Gott ist die Liebe

Zu diesem Text ist mir eine Liedzeile vom wunderbaren Jens Böttcher eingefallen: „Es ist klingt so flach und ist so tief.“ Diese Zeile ist aus seinem Lied „Nur die Liebe“ (zu hören auf boettchercom.de unter dem Album „Reisefieber“). In diesem Lied geht es darum, dass uns nur die Liebe retten und Leben schenken kann. Wie Jens richtig sagt, klingt das so abgedroschen und flach – und trotzdem ist es eine der tiefsten Wahrheiten, die es für uns Menschen gibt.

„Gott ist die Liebe“ (V.8). Wenn wir auch nur eine kleine Ahnung von dieser tiefen Wahrheit bekommen, dann ist das alles andere als flach und abgedroschen. Dann kommen wir Gottes Wesen und Herzen ganz nahe.

| Bibeltext |

Jens Böttcher: Interview mit dem Teufel

Gewagtes und großes Thema, das sich Jens Böttcher da vor nimmt. Ein Interview mit dem Teufel höchst persönlich. Da gibt es genügend Abgründe, in welche solch ein Buchprojekt taumeln kann. Um es vorweg zu nehmen: ich finde nicht, dass der Autor mit diesem Buch abgestürzt ist – aber mir ging es beim Lesen doch an vielen Stellen so, dass ich den Anspruch des Romans als zu gewagt empfand.

Um was geht es? Tatsächlich um ein Interview, bzw. eine Pressekonferenz auf dem der Satan selbst Einblicke in seine Herkunft, seine Geschichte und seine Auseinandersetzungen mit Gott gibt. Es sind nur einige Journalisten in einem kleinen Dorf zu dieser Pressekonferenz erschienen, weil der Teufel ausprobieren möchte, wie diese wenigen Menschen mit der ganzen Wahrheit über den Teufel umgehen. Bis auf einen, ein Mann namens Kohlbach, kann keiner dem Teufel ernsthaft gegenüber treten. Von der Erzählform her ist das Buch als Theaterstück angelegt. Ein dialogisches Drama in zwei Akten.

Breiten Raum nimmt der Bericht des Satans ein, in welchem er seine Geschichte erzählt. Aufgelockert wird das ganze durch Zwischenfragen, hauptsächlich von Kohlbach. Andere Personen in dem Drama verdeutlichen anschaulich, wie Menschen den Verführungskünsten (z.B. Geld oder Sex) und den Halbwahrheiten des Teufels erliegen können. Das ganze ist gut geschrieben. Immer wieder spürt man das Augenzwinkern des Autors, aber auch der Ernst mit dem er an dieses Thema heran geht. An manchen Stellen bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder man erlebt einige Aha-Effekte. Interessant vor allem, wie der Teufel auch die scheinbar ganz frommen vor seinen Karren spannen kann. Gelungen finde ich auch, wie die innere Zerrissenheit des Teufels und die tragische Selbstverliebtheit dieser Figur zur Geltung kommt.

Nun muss man das Buch zwangsläufig mit einem anderen Roman vergleichen, der ein ähnliches Thema hat: die Dienstanweisungen an einen Unterteufel von C.S. Lewis. Lewis war ganz einfach ein begnadeter Schriftsteller und ein äußerst scharf denkender Philosoph und Theologe. Im Vergleich zu ihm sieht auch ein äußerst guter Schriftsteller wie Jens Böttcher blass aus. Schwierig ist auch, dass Böttcher versucht, in seinem Buch das ganz große Bild der Herkunft und Geschichte des Teufels zu malen. Bei den Dienstanweisungen an einen Unterteufel geht es ja „nur“ um einen begrenzten Ausschnitt: wie bringt der Teufel die Menschen weiter weg von Gott. Böttcher hat sich einer ungleich größeren Aufgabe gestellt, er behandelt praktisch die gesamte Heilsgeschichte. Und an dieser Bürde hat der Roman zu tragen…

Trotzdem: eine absolute Leseempfehlung! Ein Buch das einen zum Schmunzeln und zugleich Nachdenken bringen kann. Jens Böttcher wagt mit diesem Buch etwas. Er provoziert. Und zwar nicht nur die völlig unchristlichen Leser, sondern v.a. auch die sehr christlichen Leser.

(Amazon Link:Böttcher: Interview mit dem Teufel)

Jens Böttcher: Der Tag des Schmetterlings

Eins vorweg: Ich mag keine Kurzgeschichten. Ich hab schon öfters versucht, welche zu lesen, war aber meistens frustriert: Kaum hat man angefangen zu lesen und ist den Charakteren vertraut geworden, da ist die Geschichte auch schon wieder aus.

Trotzdem hab ich das Buch von Jens Böttcher mit den „Short Stories“ (so der Untertitel) richtig genossen. Das liegt sicher auch daran, dass ich ein absoluter Fan von seiner Musik und seinen Büchern bin. Er ist ein echtes Multitaltent und macht tiefgehende, ehrliche Musik und schreibt ebensolche Bücher. Die Begeisterung hängt aber auch damit zusammen, dass Böttcher einfach gut schreibt, überraschende Ideen hat und seine Kurzgeschichten ungewöhnliche Wendungen nehmen können.

Acht Kurzgeschichten hat Böttcher hier auf 143 Seiten zum Besten gegeben. In manchen tauchen Motive aus seinen Liedern auf. So erinnert mich die letzte Geschichte vom Seelentänzer an das Lied „der Reisende“. Beides mal geht es um so etwas wie Seelenverwandtschaft, um eine Liebe, die stärker und ewiger ist als alles Irdische. Und beides mal geht es auch um den Schmerz und die Sehnsucht der unerfüllten Liebe.Wunderschön romatisch und doch nicht kitschig.

Auch das Motiv der Titelgeschichte „Der Tag des Schmetterlings“ taucht schon einmal in einem Lied auf: In „Das Flüstern eines Schmetterlings“. Eine herrliche Allegorie über die sanfte Liebe und Gegenwart Gottes, die wir nicht festhalten und herbeizwingen können. Wie ein Schmetterling setzt sich Gott auf unsere Schulter und durchströmt uns mit seiner Liebe. Aber sobald wir versuchen diese Liebe unter Kontrolle zu halten und auszunutzen, zerstören wir alles…

Was ich an Böttcher mag ist, dass er irgendwie aus dem Rahmen fällt und dass man ihm (sowohl bei seinen Liedern als auch in den Büchern) die Echtheit, die Authentizität abspürt. Er macht einem nichts vor, er ist ehrlich, verletztlich und doch stark. Man spürt, dass er sich mit seiner ganzen Person und mit ganzer Seele in seine Lieder und Bücher hineingibt.

Mehr Infos zu Böttcher und auch ein paar Lieder zum anhören gibt es auf boettchercom.de. Auf seiner Myspace-Seite kann man zur Zeit die Titelgeschichte hören, von Jens selbst gelesen.