Zeit zum hören

Seit einiger Zeit ist es hier auf dem Blog still geworden. Ich habe gemerkt, dass es für mich gerade dran ist, nur für mich persönlich Bibel zu lesen. Lange Zeit war der Blog für mich eine Hilfe, um Bibel zu lesen und über Texte nachzudenken. Aber ich stelle fest, dass es für mich auch wieder wichtig ist, Texte nur für mich persönlich zu hören, ohne dabei gleich darüber nachzudenken, was ich dazu schreiben könnte. Von daher wird der „windhauch“ erst mal schweigen. Mal sehen, vielleicht gibt’s ab und zu Posts zu anderen Themen, aber die fortlaufende Bibellese wird jetzt erst mal pausieren.

Johannes 14, 25-31 Der Heilige Geist und die Bibel

Beim Lesen heute habe ich gestutzt: Eigentlich ist es doch die Bibel und hier vor allem die Evangelien, die uns lehren und daran erinnern, was Jesus uns gesagt hat. Das Neue Testament ist bis heute die maßgebliche Quelle und Autorität für das, was wir von Jesus wissen. Aber hier sagt Jesus uns, dass der Heilige Geist uns Jesu Worte lehren und uns daran erinnern wird.

Allerdings muss das ja kein Widerspruch sein. Im Neuen Testament sind uns die Worte und Taten Jesu überliefert. Aber für viele Menschen sind das nur tote Buchstaben, sie können damit wenig anfangen, es spricht dadurch nicht Gott in ihr Leben hinein. Um wirklich in diesen Worten Jesu Stimme zu hören, braucht es die Vermittlung des Heiligen Geistes. Ohne den Geist bleibt die Bibel toter Buchstabe.

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Johannes 6, 1-15 Ein Ereignis in vier Berichten

Die Speisung der 5000 ist eine der relativ wenigen Textstellen, die in allen vier Evangelien überliefert werden. Wenn man die vier Versionen miteinander vergleicht, kann man sehr schön feststellen, wie die vier Evangelisten je ihre eigenen Schwerpunkte legen. Sie berichten über dasselbe Ereignis, aber setzen eigene Akzente – je nachdem welche Details sie berichten oder auslassen und wie sie die ganze Geschichte kommentieren.

Bei Johannes rückt die Hoheit Jesu stärker in das Zentrum des Berichts. Er berichtet nicht von Jesu Aufforderung an die Jünger, dass sie den Menschen zu essen geben sollen (vgl. Mk. 6,37) und auch nicht, dass die Jünger nach Jesu Dankgebet die Brote und Fische verteilen (vgl. Mk. 6,41). Markus möchte hervorheben, dass die Jünger an diesem Speisewunder beteiligt sind und dem Leser somit sagen, dass wir das, was wir von Jesus empfangen an andere weitergeben sollen. Johannes geht es mehr um die Person Jesu und so betont er am Schluss, dass die Leute ihn als Prophet sehen und ihn zum König machen wollen. Jesus will das aber nicht und flüchtet in die Einsamkeit.

Neutrale Geschichtsschreibung gibt es nicht. Jeder Berichterstatter färbt das Erzählte durch die Art, wie er es berichtet. Auch ein scheinbar neutraler Zeitungsartikel ist nicht neutral, sondern ist aus der Sicht des Autors geschrieben. So ist es auch mit den Evangelien. Das heißt aber nicht, dass die Berichte deswegen unzuverlässig sind. Gerade die leichten Unterschiede bestätigen, dass hier nicht etwas erfunden wurde und von verschiedenen Zeugen möglichst gleichartig erzählt werden will. Nein, jeder berichtet von etwas tatsächlich Geschehenen aus seiner Sicht.

Für mich ist das ein wichtiger Hinweis, wie wir die Bibel lesen sollten. Die Bibel will kein Märchenbuch sein, sondern sie will von Gottes Handeln in der Geschichte erzählen. Sie will aber auch kein neutraler historischer Bericht sein, sondern will natürlich eine Botschaft transportieren. Die Bibel erzählt historische Geschichte, auch wenn wir an vielen Stellen im Nachhinein nicht mehr alle Details klären können. Aber sie lässt uns auch den Freiraum, dass wir das Geschehene uns persönlich aneignen können und unsere Schlüsse daraus ziehen können. So wie schon dem Johannes bei der Speisung der 5000 etwas anderes wichtig wurde als einem Markus.

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Johannes 5, 31-47 Die Schrift als Zeugnis von Christus

Ich finden in diesem Abschnitt vor allem Jesu Aussagen zur Schrift interessant. Das ist ja bis heute eine spannende und durchaus kontrovers diskutierte Frage: In welchem Sinn ist die Bibel Gottes Wort? Jesus sagt hier auf jeden Fall ganz deutlich, dass die Schrift allein nicht zum ewigen Leben führt: „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt.“ (V.39) Da sind also Menschen, für die ist die Schrift Gottes Wort und sie suchen das darin das ewige Leben – aber sie finden es nicht. Denn nicht die Schrift gibt ewiges Leben, sondern der von dem sie zeugt. Nach Jesus ist die Hauptaufgabe der Schrift also das Zeugnis von ihm selbst.

Ich finde das eine sehr gute Beschreibung. Die Schrift ist nicht an sich ein heiliger Text, der auf magische Weise zum Leben führt. Gott ist nicht in der Schrift zur Welt gekommen, sondern im Menschen Jesus Christus (ganz deutlich sagt das ja Johannes zu Beginn seines Evangeliums: Das Wort ward Fleisch – eben nicht im Buchstaben, sondern in der Person Jesu Christi). Die Schrift hat nicht an sich Autorität, sondern nur weil sie die entscheidende Autorität bezeugt: Jesus Christus. Damit ist beides festgehalten: Auf der einen Seite die Wertschätzung und Kostbarkeit der Bibel – denn sie ist das wesentliche und deutlichste Zeugnis von Jesus Christus. Zum anderen ist es aber auch eine Relativierung gegenüber einer falsch verstandenen Vergöttlichung der Bibel – sie ist nicht das Eigentliche, sondern nur ein Zeugnis vom Eigentlichen.

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1. Thessalonicher 2, 13-20 Wort Gottes

Die Thessalonicher sind durch Gottes Wort zum Glauben gekommen. Aber was genau Gottes Wort ist, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Paulus hat den Thessalonichern gepredigt, er nennt es „das Wort der göttlichen Predigt“(V.13). Es ist klar: Da hat nicht Gott direkt und auf irdisch hörbare Weise vom Himmel her gepredigt, sondern Paulus hat mit seinen Worten zu den Zuhörern gesprochen. Aber er hat nicht seine Privatmeinung erzählt, sondern das Evangelium – deswegen nennt er seine Worte „göttliche“ Predigt. Es sind nicht seine eigenen Ideen und Meinungen, sondern Gottes Botschaft.

Das alleine macht aber aus einer Predigt noch kein Wort Gottes. Entscheidend ist, dass die Thessalonicher diese Worte „nicht als Menschenwort aufgenommen“ haben, „sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort“ (V.13). Also ist die Predigt einerseits in Wahrheit Gottes Wort, aber die Zuhörer können es auch als normales Menschenwort verstehen und aufnehmen. Das ist erstaunlich differenziert. Auf der einen Seite ist die Predigt des Evangeliums ganz klar Gottes Wort, auf der anderen Seite ist das nicht von sich aus offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes auch verschließen und es als Menschenwort hören. Der Buchstabe allein ist doppeldeutig, erst durch das richtige hören wird daraus Gottes wirkmächtiges Wort.

Ähnlich ist es ja mit der Bibel, die ja nichts anderes ist als ein Reden Gottes in Menschenworten. Sie ist einerseits ganz klar Gottes Wort – Gott will hier zu uns Menschen reden. Aber das ist nicht offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes verschließen und es auch als ganz normales Menschenwort lesen. Liegt es dann an der Offenheit und der Bereitschaft des Zuhörers, ob aus Menschenwort Gottes Wort wird? Oder ist das reine Gnade und reines Geschenk? Warum hört der eine in der Predigt oder in der Bibel Gottes Stimme und der andere nicht? Das Reden Gottes bleibt ein Geheimnis, das wir nicht so einfach definieren und in der Hand haben können.

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Hebräer 9, 15-28 Die Besiegelung eines Neuen Bundes

Mit dem Text konnte ich heute morgen beim Lesen zunächst nicht so viel anfangen. Vor allem die Verbindung von Testament, Bundesschluss und Blut war mir ziemlich fremd. Das klingt alles ziemlich alttestamentlich und kultisch – weit weg von unserer heutigen Zeit. Danach hatte ich bei einer älteren Frau einen Besuch gemacht. Sie erzählte mir, dass sie gestern Abend in ihrer Bibel von der Einsetzung des Abendmahls gelesen habe. „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“  (Mt. 26,28) Da ist es mir plötzlich klar geworden: Diese Verbindung von Bundesschluss und Blut ist keine Erfindung des Hebräerbriefes, sondern schon Jesus selbst hat seinen Tod so gedeutet. Mit seinem Blut schließt Gott einen neuen Bund. Durch sein Blut ist Vergebung möglich.

Schön, wenn man sich beim Bibellesen so ergänzen kann – obwohl es von der Frau ja gar nicht beabsichtigt war. Bewegend war für mich auch, dass die Frau erzählt hat, dass sie beim Bibellesen immer noch Neues entdecken kann. Sie kann nicht mehr aus dem Haus und daher auch keine Gottesdienste mehr besuchen. Aber beim Bibellesen und Beten kann sie ihrem Herrn trotzdem sehr nahe kommen. Obwohl sie schon ein Leben lang regelmäßig Bibel liest, hab ich ihr die Begeisterung für dieses Buch richtig abgespürt…

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Apostelgeschichte 22, 22-30 Rom sei Dank?!

Das Werben und die Argumente des Paulus überzeugen seine Zuhörer nicht. Im Gegenteil, sie sind umso fester entschlossen, Paulus aus dem Weg zu räumen. In dieser brenzligen Situation rettet Paulus ausgerechnet sein römisches Bürgerrecht. Wie wir an dem römischen Oberste sehen, war das damals ein ziemliches Privileg und hat einem so manche Vorteile verschafft. Auf dem Hintergrund von solchen Erfahrungen ist es verständlich, wenn Paulus im Römerbrief (13,1-7) dazu auffordert, sich der stattlichen Obrigkeit unterzuordnen, weil sie von Gott eingesetzt sei.

Andere biblische Schreiber haben nicht so positive Erfahrungen mit dem römischen Reich gemacht. Johannes, der Schreiber der Offenbarung z.B., lebt in einer Zeit, in welcher der römische Kaiser versucht, seine göttliche Verehrung durch zu setzen. Die Christen, die ihm das verweigerten, mussten mit Verfolgung rechnen. Für ihn ist Rom die große Hure Babylon (Offb.17), welche sich schwer gegen Gott versündigt und einmal gerichtet wird.

Wir sehen hier, wie schon in der Bibel Theologie auch von persönlicher Erfahrung geprägt ist. Das kann auch gar nicht anders sein. Wir nehmen Gottes Reden immer nur gefärbt durch unser persönliches Erleben war. So ist es auch schon in der Bibel. Es gibt keine neutrale und unpersönliche Offenbarung Gottes, sondern er redet zu bestimmten Personen in bestimmten Zeiten. Wir sehen auch, wie sich Gottes Urteil über eine Weltmacht wie Rom im Lauf der Zeit ändern kann. Offenbarung ist immer auch geschichtlich. Sie ist in eine bestimmte Situation hinein gesprochen. Von daher ist es beim Bibellesen immer wichtig zu überlegen, in welche Zeit und zu welchen Personen Gott damals gesprochen hat, wie unsere Zeit heute aussieht und was Gottes Reden dann für uns heute und für mich persönlich zu bedeuten hat.

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Apostelgeschichte 17, 1-15 Die Autorität der Schrift

Bei dem Abschnitt heute ist mir aufgefallen, wie die Menschen in Thessalonich und Beröa zum Glauben gekommen sind. Es gab keine großartigen Wunder, sondern Paulus hat einfach nur die Schrift ausgelegt und von Jesus erzählt. In Thessalonich ließen sich einige „überzeugen“ (V.4) und in Beröa nahmen „sie das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte.“ (V.11) Der Glaube wird hier nicht als überwältigendes Gefühlsereignis dargestellt, sondern als Folge nüchterner Schriftbetrachtung.

Das ist allerdings heute schwieriger. Paulus sprach damals in diesen beiden Städten in den Synagogen. Für die Zuhörer war die Heilige Schrift eine ganz selbstverständliche Autorität. Es war für sie klar, dass Gott durch die Schrift redet und dass sie den Anspruch Jesu an der Schrift prüfen konnten. Das ist in unserer heutigen Welt nicht mehr so. Für die meisten ist die Bibel ein rein historisches Dokument, das mit ihrem Leben wenig zu tun hat. Die Schwierigkeit ist nun, trotzdem von Jesus zu reden, ohne die Autorität der Schrift aufzugeben.

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Kolosser 2, 8-15 Menschenweisheit und göttliche Offenbarung

Ja, das schreibt sich so leicht, dass man seinen Glauben nicht auf Philosophie und Menschenlehre bauen soll, sondern auf Christus (V.8). Bei manchen Philosophien ist das unmittelbar einsichtig, dass sie sich nicht auf Christus gründen. Aber das gefährliche sind doch die christlichen Irrlehren, die sich ganz bewusst auf Christus beziehen wollen, dabei aber so manches verdrehen. Da ist die Unterscheidung dann nicht mehr so einfach.

Man kann es sich natürlich einfach machen und ganz strikt sagen: alle menschliche Weisheit und alles menschliche Denken ist böse, allein die göttliche Offenbarung ist gut. Deswegen sind manche Christen auch kritisch gegenüber der Theologie eingestellt – weil da mit menschlicher Weisheit über die göttliche Offenbarung nachgedacht wird. Manche wollen es sich einfach machen und nur beim wortwörtlichen Verständnis der Schrift bleiben, alles Nachdenken über die Schrift ist für sie schon vom Teufel.

Aber das ist natürlich nur eine scheinbare Lösung. Um die Schrift und um Gottes Offenbarung zu verstehen, brauchen wir ganz einfach unseren menschlichen Verstand. Die Bibel besteht aus menschlichen Worten, die gedeutet und im Zusammenhang verstanden werden müssen. Es geht gar nicht anders. Wir brauchen menschliche Weisheit um die göttliche Offenbarung zu verstehen. Ansonsten bräuchten wir die Schrift gar nicht und brauchten nur darauf zu vertrauen, dass Gott ganz direkt jedem Christen die Wahrheit ins Herz und ins Denken hinein gießt. Aber Gott hat offensichtlich einen anderen Weg gewählt. Darum bleibt es bis heute schwierig und herausfordernd, zwischen Menschenweisheit und göttlicher Offenbarung zu unterscheiden. Wobei das ja nicht immer ein Gegensatz sein muss…

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Lukas 24, 36-49 Bibellesen mit Jesus

Diese Textstelle war mir bei den Auferstehungsberichten der Evangelien nicht so bekannt. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Zum einen die Betonung der Leiblichkeit des Auferstandenen. Deutlicher als an anderen Stellen wird betont, dass der Auferstandene mehr ist als eine Erscheinung. Lukas sagt, dass er Fleisch und Knochen hat. Ja, Jesus fordert sogar auf, ihn anzufassen und isst vor den Augen der Jünger etwas. Jesus ist leibhaftig ins Leben zurück gekommen. Es war mehr als eine Erscheinung.

Das zweite was mir aufgefallen ist: Wie schon bei den Emmausjüngern ist es für Lukas wichtig, dass Jesus uns das Verständnis für die Heilige Schrift neu eröffnet (V.45). Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist keine neue Offenbarung, sondern ganz eng an die Schrift gebunden und nur von ihr her zu verstehen. Lukas macht deutlich, wie wichtig für uns Christen das Lesen der Bibel ist. Gerade das Neue, das wir mit Jesus erleben, gerade die neue Gotteserfahrung in Christus und durch den Heiligen Geist, kann nur von der Schrift her richtig verstanden und gedeutet werden. Für einen Christen gehört das Lesen der Bibel essentiell zu seinem Glauben dazu.

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