Johannes 7, 14-30 Keine Beweise, sondern eine Einladung

Seltsam, dass Jesus es zuerst ablehnt auf das Laubhüttenfest zu gehen und dann doch hingeht. Aber er geht eben nicht offiziell als Messiasanwärter und Herausforder der religiösen Machthaber, sondern quasi inkognito als Lehrer im Tempel. Trotzdem kommt auch hier das Gespräch mit seinen Zuhörern zu der entscheidenden Frage: Ist er der Christus (V.26)? Jesus geht auf die menschlichen Messiaserwartungen nicht groß ein, aber er macht deutlich, mit welchem Anspruch er auftritt: „Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.“ (V.16) Er nimmt für sich die Autorität Gottes in Anspruch (vgl. auch V.28f).

Nun ist das ein Anspruch, den man nicht so leicht beweisen kann. Jesus bietet dementsprechend keine Beweise an, sondern er spricht eine Einladung zum Vertrauen aus: „Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ (V.17) Ob Jesus wirklich von Gott kommt kann man nicht abstrakt beweisen (und im Umkehrschluss auch nicht abstrakt widerlegen!), man kann es nur ausprobieren, ob seine Lehre tragfähig ist und ob sie wirklich von Gott kommt. So ist das bis heute…

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Markus 16, 1-8 – Argumente für die Auferstehung

Klaus Douglass nimmt diesen Auferstehungsbericht von Markus zum Ausgangspunkt um einige Argumente für die Plausibilität der Auferstehung zu geben. Natürlich weiß auch er, dass wir keine Beweise anführen können, aber zurecht betont er, dass es einige Tatsachen gibt, die sehr gute Argumente für die leibliche Auferstehung Jesu bieten. Wie immer fasst er das sehr gekonnt und treffend zusammen. Hier seine vier Argumente:

Tatsache Nr.1: Das Grab war leer. Das lässt sich historisch mit großer Zuverlässigkeit sagen. Der Leichnahm Jesu wurde nie gefunden. Wenn es anders gewesen wäre, dann hätten das die Römer oder jüdischen Oberen ganz schnell an die große Glocke gehängt und gesagt: Da seht her! Hier ist der Beweis, dass Jesus nicht auferstanden ist.

Tatsache Nr.2: Der radikale Stimmungsumschwung der Jünger. Noch bei der Kreuzigung waren die Jünger ein ziemlich verängstigter Haufen. Viele sind geflohen und machten sich auf den Rückweg in die Heimat nach Galiläa. Wie soll man erklären, dass aus diesem ängstlichen Haufen plötzlich solch eine überzeugende und bekennden Gemeinschaft wurde?

Tatsache Nr.3: Das spätere Martyrium der Jünger. Viele der Jünger starben später den Märtyrertod. Warum sollten sie bereit sein für eine Lüge zu sterben? Sie müssen sich völlig sicher gewesen sein, dass Jesus auferstanden ist und sie haben sich das bestimmt nicht ausgedacht, um die Bewegung weiter zu führen. Selbst für die Wahrheit zu sterben ist schon ein harter Brocken – aber wer sollte bereit sein für eine Lüge zu sterben?

Tatsache Nr.4: Es gab Hunderte von Zeugen der Auferstehung Jesu. Paulus schreibt in einem Brief, dass 500 Christen auf einmal Jesus gesehen haben. Das einzelne komische Dinge sehen (wie z.B. fliegende Untertassen) kann man ja vielleicht noch nachvollziehen – aber 500 Leute auf einmal. Wie soll man das sonst erklären?

Matthäus 16, 1-4 – Und er ließ sie stehen

Noch einmal eine Zeichenforderung der Pharisäer (schon in Mt.12,38-42 berichtet Matthäus über solch eine Anfrage). Doch inzwischen hat sich die Situation zugespitzt: Es wird ausdrücklich gesagt, dass sie ihn damit „versuchten“, ihn also auf eine Probe stellen wollten. Außerdem werden hier zum ersten mal die Sadduzäer als Feinde genannt. Bisher waren das nur die Pharisäer.

Im Zusammenhang wirkt diese Forderung absurd. Matthäus hat gerade eben von der wundervollen Brotvermehrung berichtet und davon, wie Jesus viele Menschen gesund gemacht hat. Die Zeichen sind doch klar! Was soll Jesus noch mehr tut?!? Das zeigt, dass die Pharisäer nicht wirklich ein Zeichen wollen, sondern dass sie die Konfrontation suchen. Sie wollen nicht sehen, was doch offensichtlich ist.

Stark, wie Jesus reagiert: Er sagt ihnen etwas kryptisches vom Zeichen des Jona (das natürlich vor Tod und Auferstehung damals kein Mensch verstehen konnte) und ging dann einfach weg. Ganz trocken berichtet Matthäus: „Und er ließ sie stehen und ging davon.“ Ich kann mir richtig vorstellen, wie Matthäus gegrinst hat, als er diesen Satz schrieb. 🙂 Manchmal ist das wohl das Beste: Jemand der nicht verstehen will, einfach stehen lassen und weggehen…

Matthäus 12, 38-42 – Ich will Beweise sehn!

Einige Schriftgelehrte und Pharisäer möchten von Jesus gerne ein eindeutiges Wunder sehen. Ein Wunder, das seinen Anspruch untermauert und das klar macht, ob er und seine Botschaft wirklich von Gott ist oder nicht. Aber diese eindeutige Wunder gibt es nicht, weder damals noch heute.

Gestern hab ich einen kurzen Ausschnitt im Fernsehen gesehen über Richard Dawkins (dem Autor des antireligiösen Buches „Der Gotteswahn“). Er ist überzeugt, dass es keinen Gott gibt und das Religion nur Schaden anrichtet. In dem Interviewausschnitt, den ich gesehen habe sagte er, dass er für seine Sicht der Welt klare Beweise habe. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen für ihn ganz klar, dass Gott nicht existiert.

An der Stelle muss man natürlich einwenden, dass eine doch eine ganz grundlegende Einsicht der modernen Philosophie ist, dass all unser Erkennen und auch alles was wir mit den Sinnen wahrnehmen ziemlich relativ ist. Je nachdem mit welchen Vorgaben und von welchem Standpunkt aus wir die Welt anschauen, bekommen wir unterschiedliche Ergebnisse. Den absolut neutralen Standpunkt gibt es nicht. Und somit auch nicht den absolut neutralen Beweis für die Nichtexistenz Gottes.

Aber es ist interessant, dass auch Dawkins (und mit ihm sicher viele Menschen von heute) dieses Bedürfnis nach absoluter Sicherheit, nach dem absoluten Beweis haben. Sie wollen nicht glauben, hoffen und vertrauen, sondern sie wollen wissen. Ähnlich wie die Pharisäer zur Zeit Jesu. Aber diese absolute Sicherheit mit absolut eindeutigen Beweisen wird es im Glauben nie geben. Das ist ja gerade das Kennzeichen von Glauben: dass wir auf etwas vertrauen, was wir nicht sehen können. Und letztendlich vertraut auch jemand wie Dawkins nur auf etwas, was er nicht absolut beweisen kann.