Sacharja 7, 1-14 Warum beten?

Warum beten wir, lesen in der Bibel, besuchen Gottesdienste und haben Gemeinschaft mit anderen Christen? Damit es uns besser geht, damit wir wachsen, damit wir gesegnet werden und damit unsere Gebete erhört werden? Sacharja legt den Finger in die Wunde: Wenn es so ist, dann könnt ihr es auch bleiben lassen. Wenn ihr wirklich auf Gott hören wollt, dann hat Sacharja auch nichts anderes zu sagen als die Propheten vor ihm: Lebt Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das ist das, was Gott von euch will. Ohne das bringt alles beten und fasten nichts.

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1. Thessalonicher 5, 12-28 Überfordernde Aufforderungen?

Eine ganze Liste von Aufforderungen begegnen uns am Schluss dieses Briefes. Meint Paulus wirklich, dass eine kurze Aufforderung reicht, um Menschen wirklich zu verändern? Kann das wirklich funktionieren, dass er z.B. die Leser auffordert: „Seid allezeit fröhlich.“ (V.16) und wir sagen: „Ach so, Gott will dass ich fröhlich bin. Kein Problem. Dann bin ich von jetzt an allezeit fröhlich…“

Natürlich weiß Paulus ganz genau, dass es nicht so einfach ist. Es handelt sich hier nicht um einfache Aufforderungen, die man schnell mal umsetzen und abhaken kann. Nein, es sind eher Erinnerungen an wichtige Verhaltensweisen, bei denen wir ein ganzes Leben lang beschäftigt sind, sie einzuüben. Paulus weiß auch ganz genau, dass wir das alles nicht aus eigener Kraft tun können. Wir brauchen mehr als alles andere den „Gott des Friedens“, der uns durch und durch heiligt und bewahrt (V.23). Aus eigener Kraft kommen wir da nicht weit. Nicht einmal Paulus selbst. Auch er hat es nötig, dass andere für ihn beten (V.25).

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Apostelgeschichte 13, 1-12 Beten und Fasten

Bisher geschah Mission eher und aufgrund von persönlichen Schicksalen. Vor allem dadurch dass Christen aus Jerusalem vertrieben wurden und sie in ihrer neuen Heimat von Jesus erzählten. In Apg. 13 wird nun erstmals berichtet, dass eine Gemeinde ganz gezielt zwei Missionare aussendet, um das Evangelium zu verkünden. Es handelt sich um Barnabas und Paulus. Barnabas wird hier noch an erster Stelle genannt, offensichtlich galt er damals in der Gemeinde als die wichtigere Person. Im Lauf der Apostelgeschichte wird dann deutlich, dass Paulus für die Mission von besonders großer Bedeutung wurde. Aber auch Paulus hat mal klein angefangen…

Mir ist an dem Text vor allem aufgefallen, welch große Rolle das Beten und Fasten in diesem Prozess gespielt hat. In einem Gottesdienst während eines Fastens hat Gott die Gemeinde überhaupt erst auf die Idee gebracht, Missionare auszusenden. Und auch vor der Aussendung wurde gebetet und gefastet. Während Gebet in meiner persönlichen Frömmigkeit ein wichtiger Punkt ist, kann ich mit Fasten nicht viel anfangen. Für die Gemeinde damals scheint das anders gewesen zu sein – und das obwohl es keine judenchristliche Gemeinde war (im Judentum war das regelmäßige Fasten eine feste Tradition). Kann ich da etwas dazu lernen? Oder spiegelt sich bei mir nur wieder, dass im Neuen Testament wesentlich häufiger vom Beten als vom Fasten die Rede ist? Es geht sicher nicht um das Fasten an sich, aber das Fasten ist etwas, mit dem sich die Ernsthaftigkeit des Gebets zeigen und vielleicht auch einüben kann.

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Daniel 1 Glück gehabt oder Gott gehabt?

Mir ist bei diesem Text aufgefallen, wie dezent Gott in das Leben von Daniel und seinen Freunden eingreift. Es geschehen keine großen und auffälligen Wunder, sondern wirkt eher im Verborgenen. Gott verhindert nicht die Eroberung Jerusalems und die Gefangennahme Daniels, aber gibt es, dass der oberste Kämmerer dem Daniel gnädig gesinnt ist (V.9) und er gibt den vier jungen Männern „Einsicht und Verstand“ (V.17). Ansonsten wird nichts von Gott in diesem Kapitel berichtet. Jemand, der nicht an Gott glaubt, würde das als Zufall oder Glück bezeichnen.

Gott wirkt oft im Kleinen und Verborgenen. Wer weiß, vielleicht hat Daniel um ein großes Wunder gebetet, vielleicht hat er um seine wunderbare Errettung und Befreiung aus Babylonien gebetet. Gott hätte ja die Macht dazu. Aber Gott hat anders gehandelt. Das Gute ist, dass Daniel das erkannt hat und sich auf diesen Weg Gottes mit ihm eingelassen hat. Vielleicht beten wir manchmal um die falschen Dinge. Vielleicht erwarten wir manchmal von Gott wunderbare Errettung und merken gar nicht, wie er im Verborgenen und Kleinen in unserem Leben wirkt…

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Kolosser 4, 7-18 Gebetsringen

Bei diesen Grüßen und Segenswünschen bin ich bei Epaphras hängen geblieben: Er ringt allezeit in seinen Gebeten für die Empfänger. Ich frage mich: Was bedeutet das konkret? Wie sah das damals aus bei Epaphras? Was hat er gebetet? Wie oft und wie lange? Was heißt es konkret, im Gebet um jemand zu ringen? Bräuchten wir auch heute mehr solche Christen, die im Gebet um andere ringen? Sind sie nicht wichtiger als die Macher und Gestalter?

Gibt es bei solch einem Ringen Siege und Niederlagen? Was sind Kennzeichen für einen Sieg oder eine Niederlage? Die Gefühle des Beters, sichtbare Erfolge? Oder kann man das Ergebnis des Gebetsringens letztendlich gar nicht messen und beurteilen? Wer ist der Gegner bei diesem Ringkampf? Gott? Der Teufel? Böse Mächte? Die Selbstsucht der Umbeteten? Widrige Umstände?

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Kolosser 4, 2-6 Eine offene Tür

Darum bitte ich Gott auch heute: dass er Türen bei  den Menschen öffnet für sich und sein Wort. Es ist so schwierig, dass sich Menschen für Gott öffnen. Es gibt so viele Dinge, die anscheinend wichtiger sind als Gott. Es gibt so viel Skepsis und noch viel mehr Gleichgültigkeit gegenüber Gott. War das immer schon so?

Offensichtlich mussten schon die ersten Christen darum beten, dass Gott Türen öffnet. Sie rannten mit ihrer Botschaft keine offene Türen ein, sondern stießen schon damals auf Skepsis und Ablehnung. Aber wir sehen auch, dass es heute in vielen anderen Teilen der Welt eine größere Offenheit gibt als hier bei uns in Deutschland. „Herr, wir brauchen dich! Öffne die Türen zu den Herzen der Menschen und gib uns die richtigen Worte.

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Lukas 11, 5-13 Ich will ja nicht unverschähmt sein

Ich merke bei mir selbst, dass mir dieser Vergleich etwas seltsam vorkommt: Wir sollen Gott mit unseren Gebeten bedrängen. Wir sollen so beten wie wenn jemand seinen Freund um Mitternacht aus dem Bett schmeisst und unbedingt drei Brote von ihm haben will. Selbst wenn der Freund nicht will, so wird er doch wegen des „unverschämten Drängens“ aufstehen und die Bitte erhören. Das heisst also, dass wir auch zu Gott mit unseren Bitten mit „unverschämten Drängen“ kommen sollen und ein „Nein“ nicht akzeptieren sollen, sondern weiter an Gottes Tür klopfen sollen.

Ich will aber vor Gott gar nicht unverschämt sein. Ich will ihn nicht drängen. Ich will ihn nicht zu etwas überreden, was er gar nicht will. Er kennt mich doch durch und durch. Er weiss doch was ich brauche und er weiss besser als ich, was gut für mich ist. Jesus selbst sagt doch in der Bergpredigt, dass wir uns keine Sorgen um unser irdisches Wohlergehen machen soll, denn “ euer himmlischer Vater weiss, dass ihr all dessen bedürft.“ (Mt.6,32) Jesus selbst sagt doch, dass wir im Gebet „nicht viel plappern“ (Mt.6,7)  sollen und meinen wir werden erhört, wenn wir viele Worte machen.

Ja, das gilt alles und ist alles richtig. Aber das ist ja eigentlich ein grosses Wunder und Vorrecht, dass wir trotzdem auch mit „unverschämten Drängen“ zu Gott kommen dürfen. Wir dürfen unser Herz ausschütten und ihm sagen, was wir brauchen. Er wird schon wissen, wie er damit umzugehen hat…

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Lukas 11, 1-4 Ein Mustergebet

Das Vaterunser das Lukas hier überliefert unterscheidet sich vor allem im Umfang deutlich von der bekannteren Version bei Matthäus. Kritiker könnten nun sagen: „Ist ja klar! Das ist ja sowieso alles erfunden. Die Evangelien geben keinen historisch zuverlässigen Bericht über Jesus.“ Aber gerade die Unterschiede sprechen dafür, dass die Christen ihre Berichte eben nicht erfunden haben. Wenn alles erfunden wäre, dann hätte man doch darauf geachtet, dass die verschiedenen Berichte genau miteinander übereinstimmen. Berichte die im Wesentlichen übereinstimmen und nur kleinere Unterschiede aufweisen sprechen eher für eine historische Zuverlässigkeit. Es ist ja auch heute bei einem Geschehen noch schwierig, von verschiedenen Zeugen zu erfahren, was tatsächlich passiert ist. Das erleben Gerichte jeden Tag. Jeder Zeuge hat eine gefärbte Wahrnehmung der Wirklichkeit und berichtet über das Geschehen aus seinem Blickwinkel. So ist es auch bei den Evangelien.

Beim Vaterunser wird aber vielleicht auch etwas anderes deutlich. Bei solch einem wichtigen Gebet könnte man ja davon ausgehen, dass es sich die Jünger auf besondere Weise gemerkt haben. Wenn nun bei Matthäus und Lukas unterschiedliche Versionen auftauchen, dann könnte das auch darauf hinweisen, dass es von Anfang an nicht das eine, im Wortlaut genau festgelegte Gebet gab. Nein, dieses Gebet ist eine Art Mustergebet, das je nach Situation und Anlass auch verändert werden konnte. Jesus wollte seinen Jüngern ein Gebets-Gerüst an die Hand geben, das ihnen beispielhaft zeigt, wie sie beten können.

Ich finde es trotzdem gut, dass wir heute unser fest formuliertes „Vaterunser“ haben. Die feste Formulierung hilft uns, es gemeinsam zu beten. Denn wie es bei Matthäus deutlich wird, ist es ein Gebet, das wir Christen gemeinsam zu unserem Vater sprechen. Daneben können wir von diesem Gebet auch grundsätzlich lernen, wofür und wie wir beten sollten. Unser Gebet ist nicht auf diese eine Formulierung beschränkt, sondern darf und soll auch davon abweichen.

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2. Timotheus 1, 1-5 Ich denk an dich!

Für mich wieder mal eine notwendige Erinnerung an die Bedeutung des Gebets. Paulus schreibt, dass er ohne Unterlass im Gebet an Timotheus denkt, Tag und Nacht (V.3). Klar, das wissen wir alle: Gebet ist wichtig. Das sagen wir auch immer wieder. Aber wer lebt wirklich danach?

Selbst wenn man nicht an Gott glauben würde, dann wäre es doch schon etwas Besonderes und Tröstliches, wenn man wüsste, dass es da jemand gibt, dem man wichtig ist, der an einen denkt. Nicht nur ab und zu, sondern ständig und ausdauernd. Wie viel mehr Kraft steckt dann erst im Gebet, wenn wir darauf vertrauen, dass diese Gebete vom Schöpfer und Herr dieser Welt gehört werden!

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Timotheus 2, 1-7 Spekulieren oder Beten?

Bei dem Abschnitt bin ich als erstes an V.4 hängen geblieben: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie die Wahrheit erkennen. Da taucht – bei mir zumindest – auch sofort die Frage auf: warum finden dann so wenige Menschen zu Gott? Darüber könnte man endlos nachdenken und spekulieren.

Dann hab ich mir aber den ganzen Abschnitt nochmal angeschaut. Das Ziel dieses Abschnittes ist nicht, dass wir ins Spekulieren verfallen sollen, sondern dass wir Beten sollen: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.“ Unsere Aufgabe ist nicht darüber nachzudenken, wie Gott alle Menschen retten will, sondern für alle Menschen zu beten – eben weil Gott alle Menschen retten will. Ausgangspunkt ist nicht die dogmatische Aussage, dass Gott alle erretten will, sondern Ausgangspunkt ist, dass wir für alle beten sollen. Die dogmatische Aussage ist dann nur die Begründung für unser praktisches Tun.

Es ist oft bequemer, beim Spekulieren hängen zu bleibenund darüber die praktischen Aufforderungen zu vergessen…

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