Apostelgeschichte 20, 17-38 Klarheit und Konsequenz

Ich finde es bewundernswert, mit welcher Klarheit und Konsequenz Paulus seinen Weg gegangen ist. Es ging ihm nicht darum, sein persönliches Lebensglück zu finden, sondern er wollte Gott dienen mit allem was er hatte und war. Er konnte gar nicht anders. Er sah sich „durch den Geist gebunden“ (V.22). Die Aufgabe, die ihm Gott anvertraut hatte, war ihm wichtiger als sein eigenes Leben (V.24).

Sollten wir als Christen nicht alle so leben? Mit dieser Klarheit und Konsequenz? Wenn wir es tatsächlich alle täten und könnten, dann sähe die Welt und die Kirche heute sicher anders aus. Aber es war ja wohl auch schon damals so, dass Paulus in seiner Klarheit und Konsequenz eher eine Ausnahme war. Gerade deswegen wird in der Apostelgeschichte ja so ausführlich über ihn berichtet. Er hat weit mehr bewirkt als viele andere Christen damals. Vielleicht lag das auch an der Klarheit und Konsequenz, mit der ihn Jesus in seine Dienst gerufen hat. Ich frage mich dann, warum Gott nicht mehr Christen so deutlich beruft und befähigt wie Paulus? Oder war er einfach nur besonders begabt und ehrgeizig?

Wie auch immer: ich wünsche mir mehr Klarheit und Konsequenz…

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Lukas 6, 12-16 Das erneuerte Gottesvolk

Ganz schön provozierend: Jesus wählt sich 12 Jünger für die engere Nachfolge aus. Da denkt natürlich damals jeder gleich an das von Gott auserwählte Volk, das aus 12 Brüdervölkern bestand. Da ist es durchaus verständlich, dass die Frommen damals mit diesem Jesus so ihre Schwierigkeiten hatten. Er nimmt für sich in Anspruch, das von Gott erwählte Volk zu erneuern. Was für eine Anmaßung!

Auf der anderen Seite: Was für eine Auszeichnung für die 12 Jünger! Jesus hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht: Er hat die ganze Nacht im Gebet verbracht! Er wollte sicher sein, dass er die Richtigen auswählt. Und als Nachfolger Jesu darf auch ich zu diesem neuen Gottesvolk mit dazu gehören. Wow!

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Lukas 5, 27-32 Ein guter Nachfolger

Wieder solch ein knapper Evangeliumstext, der nur das Nötigste berichtet. Jesus sieht einen Menschen am Zoll sitzen, ruft ihn in die Nachfolge und zack: schon verlässt dieser alles und ist ein Jünger Jesu. Ich würde ja all zu gern noch ein bisschen mehr wissen: Sieht Jesus den Levi hier zum ersten mal? Hat er vielleicht schon von ihm gehört? Warum sucht er sich genau diesen Menschen zum aus? Was ist das Besondere an Levi? Wie reagiert Levi – es wird nicht gesagt wie er antwortet? Was bedeutet das, dass er sofort alles verlässt (und danach noch ein Fest mit Jesus in „seinem“ eigenen Haus feiern kann)?

Indirekt gibt die Stelle dann doch noch eine Antwort auf die Frage, warum Jesus gerade den Levi zum Jünger aussucht. Jesus sagt: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.“ Das zeichnet also einen Nachfolger Jesu aus: dass er erkennt, dass er krank ist. Das hat wohl auch den Levi ausgezeichnet: Obwohl er als Zöllner wohl äußerlich reich war, war er krank und hilfsbedürftig. Er brauchte einen Arzt.

Was macht also einen guten Nachfolger Jesu aus? Seine Bedürftigkeit. Wer meint, er braucht Jesus nicht, der kann auch kein Nachfolger sein. Wer meint, er sei gesund und hat alles, der braucht keinen Arzt. Wer satt und zufrieden ist, dem braucht Jesus nicht den Hunger zu stillen.

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Hesekiel 1, 1-3 Es tat sich der Himmel auf

Wie so oft bei alttestamentlichen Propheten wird auch bei Hesekiel zu Beginn eine kurze historische Einordnung gegeben und von der Berufung des Propheten berichtet. Hesekiel stammt aus einem Priestergeschlecht und wurde 597 v. Chr. mit anderen aus der Oberschicht Jerusalems nach Babylonien deportiert. Nach fünf Jahren erfolgt dort die Berufung zum Propheten.

Was mich an diesem kurzen Abschnitt fasziniert, sind die Worte, mit denen Hesekiel selbst (V.1 in der Ich-Form) und die Herausgeber des Buches (V.2f in der Er-Form) diese Berufung beschreiben: „… tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte“ (V.1); „… da geschah das Wort des Herrn zu Hesekiel … Dort kam die Hand des Herrn über ihn.“ (V.3) Hesekiel sieht etwas und zugleich geschieht das Wort. Für Hesekiel ist Gottes Wort ein Hör- und Sehnerv betreffendes Geschehen – nicht nur eine innere Erleuchtung aufgrund von theologischem Nachdenken oder Gebet, sondern viel umfassender. Ein solch eindrucksvolles Geschehen, dass er es damit umschreibt, dass sich der Himmel öffnet. Ein kurzer Blick aus der Vergänglichkeit in die ewige Herrlichkeit.

Zugleich ein Geschehen, das ihn in Beschlag nimmt – das ist gemeint mit der Formulierung, dass sich Gottes Hand über ihn kommt. Da ist nicht ein einzelner Sinnsucher, der Glück, Frieden und Gesundheit für sein Leben sucht und in Gott endlich die Erfüllung seiner Sehnsüchte findet, sondern die Bewegung geht genau anders herum: Gott findet einen Menschen und gebraucht ihn für eine Aufgabe, die mehr beinhaltet, als das persönliche Glück eines Einzelnen. Aber gerade diese Erfahrung – von Gott in Beschlag genommen zu werden – beschreibt Hesekiel als offenen Himmel!

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Exodus 35, 30 – 36, 7 Spezielle und allgemeine Berufung

In diesem Abschnitt geht es um die Kunsthandwerker, welche die Stiftshütte bauen sollen. Da werden auf der einen Seite zwei mit Namen genannt: Bezalel und Oholiab (36,1). Sie sind von Gott zu dieser Aufgabe berufen und mit den entsprechenden Gaben befähigt (mich würde ja interessieren, auf welche Weise Gott sie berufen hat – es wird aber nur berichtet, wie Mose diese Berufung im Namen Gottes ausgesprochen hat, 35,30).

Spannend ist nun, dass es nicht nur die direkt von Gott berufenen gibt, sondern dass sich auch Kunsthandwerker freiwillig erboten haben, beim Bau mitzuhelfen (36,2). Und auch ihnen hat Gott Weisheit ins Herz gegeben, auch sie hat er mit Gaben befähigt. Es gibt hier also eine Aufgabe, die zu tun ist, und dafür werden manche speziell herausgerufen. Es ist aber auch okay, dass sich andere freiwillig für diese Aufgabe melden. Beide Gruppen werden von Gott mit Weisheit beschenkt, um diese Aufgabe auszuführen.

Wenn es um Aufgaben im Reich Gottes geht, dann braucht es nicht immer eine besondere und außergewöhnliche Berufung durch Gott. Um mich einzubringen und mitzuarbeiten reicht meine Bereitschaft – auch dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir die Gaben dazu schenkt. All zu leicht kann das Thema „Berufung“ zu einer faulen, auch noch fromm klingenden Ausrede werden: „Für diese Aufgabe hat mich der Herr nicht berufen, deswegen kann ich mich da nicht einbringen!“

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Jeremia 1, 4-10 Ich kann das nicht!

Wie schön, wie menschlich, wie verständlich! Bei den meisten alttestamentlichen Propheten verschwindet der Bote ganz hinter seiner Botschaft. Wir wissen oft nicht viel von ihren persönlichen Gefühlen. Bei Jeremia wird ein bisschen mehr sichtbar. Schon hier ganz am Anfang, bei seiner Berufung. Da „geschieht“ das Wort des Herrn zu Jeremia (tolle Formulierung, die Luther zurecht wörtlich aus dem Hebräischen übernimmt, auch wenn sie im deutschen nicht gebräuchlich ist!) und Gott erklärt, dass Jeremia schon vor seiner Geburt dazu bestimmt ist, Prophet zu sein… und Jeremia meint: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ (V.6)

Ich kann diese Angst gut verstehen und finde es erstaunlich, dass Gott gerade solch einen Menschen gebraucht. Ich glaube nicht, dass das nur eine faule Ausrede für Jeremia war, sondern dass er wirklich sehr jung war und dass er sich nicht vorstellen konnte, diese Aufgabe zu übernehmen. In der damaligen Zeit hatte eigentlich sowieso nur das Wort von Älteren Gewicht. Wie soll er da als junger Mensch in der Autorität Gottes auftreten (und wie wir später sehen werden, dem Volk und den Ältesten Gericht und Strafe Gottes ankündigen)?!

Aber es geht nicht um seine eigene Einschätzung, sondern darum, dass Gott gerade ihn gebrauchen möchte. Er befähigt ihn genau zu der Aufgabe, für die er ihn vorgesehen hat. Ich habe das auch schon so erlebt und erlebe es immer wieder so. Ich hab schon des öfteren gedacht: „Ich kann das nicht!“ Und doch ging es dann. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil Gott da ist! Das heißt nicht, dass es einfach ist, Gottes Wegen zu folgen. Im Gegenteil: es ist oft schwer, mühselig und frustrierend. So hat es auch Jeremia dann erlebt. Aber es heißt, dass es geht – auch wenn wir es nicht für möglich halten…
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Jeremia 1, 4-19 – Späte Frucht

In dem Text geht es um die Berufung des Jeremia. Er möchte nicht. Er wehrt sich dagegen. Er will eigentlich kein Prophet sein. Er fühlt sich nicht dafür geeignet. Und wenn man dann das Jeremiabuch liest, dann kann man gut verstehen, dass er sich gegen diese Aufgabe gewehrt hat. Das ist ganz schön heftig, was er alles an Ablehnung und Hass erleben muss, gerade weil Gott in besonderer Weise bei ihm ist und durch ihn spricht. Gott Gegenwart führt ihn nicht in ein erfülltes und glückliches Leben, sondern in ziemlich viele Probleme.

Klaus Douglass vergleich die Aufgabe von Jeremia an einer Stelle ( S.158 ) mit jemand der sät. Wenn wir etwas aufbauen, dann können wir schnell Ergebnisse sehen. Wenn wir aber etwas säen, dann kann es lange dauern, bis wir überhaupt etwas sehen können. Das Tragische bei Jeremia ist, dass die Saat bei ihm erst nach seinem Tod aufgegangen ist. Zu seinen Lebzeiten erfuhr er nur Ablehung und Unverständnis. Er erlebte nicht, dass seine Worte, die er ja von Gott bekommen hatte, wirklich Umkehr bewirkten.

Gott kann manchmal ganz schön hart sein. Die Gegenwart Gottes in seinem Leben erleben heißt nicht, dass immer alles glatt läuft und man glücklich und zufrieden durch die Welt geht. Manchmal kann Gottes Gegenwart in einem Leben alles viel schwieriger und komplizierter machen. Es kann sogar sein, dass man keine Frucht sieht und erst viel später etwas von dem deutlich wird, was Gott in und durch dieses Leben gewirkt hat.

Matthäus 4, 18-22 – Folge mir nach

Matthäus berichtet von der Berufung der ersten Jünger. Jesus geht am See entlang, sieht Petrus und Andreas beim Fischen und ruft sie in die Nachfolge. Und „sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ Ging das wirklich so schnell und ohne jegliche Vorbereitung? Oder ist das eine Zusammenfassung, die manches, was sonst noch passiert ist weg lässt? Vielleicht haben Petrus und Andreas ja schon was von Jesus gehört, vielleicht haben sie ihn schon predigen gehört und sich überlegt, dass das ja eine sehr beeindruckende Person und Botschaft ist. Oder kam Jesus einfach als Unbekannter und seine Ausstrahlung war so überwältigend, dass die beiden Brüder alles stehen und liegen ließen, um ihm nachzufolgen?

Wenn ich heute schaue, wie lange es dauert und wie mühsam es ist, bis Menschen wirklich in die Nachfolge Jesu gehen, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass das so schnell und unproblematisch ging. Aber andererseits: Wenn man wirklich die Stimme Jesu hört, kann man dann noch widerstehen? Die Frage ist, wie wir heute diesen Ruf Jesu transportieren können. Was können wir tun, damit die Leute nicht unseren Ruf hören: „Komm in die Kirche!“, sondern Jesu Ruf: „Folge mir nach!“?