Apostelgeschichte 23, 1-11 Die andere Backe hinhalten?

Bei diesem Abschnitt musste ich an die Bergpredigt denken. Jesus sagt dort: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ (Mt.5,39) Paulus hat das offensichtlich nicht so verstanden, dass man sich als Christ gar nicht wehren darf und alles nur geduldig über sich ergehen lassen muss. Er hat zwar nicht zurückgeschlagen – was in seiner Situation auch gar nicht möglich war – aber er hat zumindest verbal zurückgeschlagen. Und er berief sich auf Vorschriften des alttestamentlichen Gesetzes, welche auch von seinem Gegenüber akzeptiert wurden (V.3). Außerdem versucht er geschickt, unterschiedliche Meinungen im Hohen Rat auszunutzen, um sie untereinander zu spalten (V.6). Das war ein kluger und raffinierter Schachzug, mit dem er sich selbst aus der Schusslinie genommen hat.

Als Christ braucht man sich nicht alles gefallen lassen, man darf sich wehren. Als Christ muss man nicht alle Anfeindungen als gottgegebenes Schicksal erdulden. Als Christ darf man auch klug und raffiniert handeln, um für die eigene Situation Vorteile zu erzielen. Aber als Christ stehen wir auch vor der Herausforderung, Gleiches nicht mit Gleichem heimzuzahlen, sondern wo es möglich ist, Wege zur Versöhnung zu finden. Als Christ muss ich mir gut überlegen, mit welchen Mitteln ich mich wehre.

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Leo Tolstoi: Auferstehung

Tolstoi: AuferstehungSchon vor einiger Zeit habe ich dieses Buch von Tolstoi gelesen. Nachdem ich von „Krieg und Frieden“ begeistert war, hatte ich mich auf diesen Roman gefreut. Tolstoi hat drei große Romane geschrieben. Auferstehung ist nach „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ der zeitlich letzte davon. Es ist das Alterswerk des großen russischen Schriftstellers. In dem Roman spürt man deutlich seine Hinwendung zu einem moralisch verstandenen Christentum, das sich vor allem an der Feindesliebe der Bergpredigt orientiert.

Bei der „Auferstehung“ geht es Tolstoi nicht um die leibliche Auferstehung Jesu Christi oder um die biblische Auferstehungshoffnung am Ende der Zeiten. Es geht um eine moralische Auferstehung, es geht um die Läuterung zu einem besseren Menschen. Der biblische Jesus ist für Tolstoi ein Lehrer der Nächstenliebe. Er hat für ihn keine göttliche Erlösungsmacht, sondern ist eher ein Vorbild. Leo Tolstoi: Auferstehung weiterlesen

Richter 15 Wie du mir, so ich dir

Was für ein Gegensatz! Simson sagt über seine Feinde: „Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen wieder getan.“ (V.11) Ein gewisser Jesus sagt: „Liebet eure Feinde und bittet für die die euch verfolgen“ (Mt.5,44) und „wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ (Mt.5,39). Ganz unterschiedliche Arten mit seinen Feinden umzugehen. Und doch steht beides in unserer Bibel.

Zum einen denke ich, dass wir als Bibelleser hier schon gewichten dürfen und müssen: Was aus dem Mund Jesu kommt, hat für mich mehr Gewicht als das was Simson getan hat (obwohl auch er in der Kraft des Geistes gehandelt nach; V.14). Zum anderen bin ich froh, dass beides in unserer Bibel steht. Denn je nach Situation und Umständen können vielleicht beide Handlungsweisen gut und angemessen sein. Wenn man z.B. einem Mobbing-Opfer nur mit der Bergpredigt kommt, dann wird er daran verzweifeln…

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Richter 9 Mord und Totschlag

Ganz und gar nicht erbaulich dieses Kapitel. Da geht es nur um blutrünstige Machtkämpfe. Abimelech, ein Sohn von Gideon, erschlägt seine 70 Brüder, damit er das Sagen hat. Abimelech bekämpft noch weitere Widersacher, die ihm die Macht nehmen wollen, stirbt aber am Ende einen schmachvollen Tod: bei der Eroberung einer feindlichen Burg wirft ihm eine Frau einen Mühlstein auf den Kopf und um nicht von einer Frau umgebracht worden zu sein, bittet er seinen Waffenträger ihn zu erstechen.

Was soll ich daraus für mich und meinen alltäglichen Glauben lernen?!? Ich muss zunächst einmal feststellen, dass hier eine ganz andere Welt und Kultur beschrieben ist. Die Bibel ist mehr als ein frommes Erbauungsbuch, sie ist auch ein Geschichtsbuch. Aber ich kann ganz allgemein daraus lernen, dass Gott letztendlich das Böse bestrafen wird. „So vergalt Gott dem Abimelech das Böse, dass er seinem Vater angetan hatte, als er seine siebzig Brüder tötete.“ (V.56)

Dazu fällt mir auch ein Ausschnitt aus der Bergpredigt ein. Dort nimmt ein gewisser Jesus das alttestamentliche Gebot „Du sollst nicht töten“ auf und sagt, dass nicht nur derjenige des Gerichts schuldig ist, der buchstäblich tötet, sondern schon derjenige, der seinem Bruder zürnt oder ihn beleidigt (Mt. 5,21f).

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Bonhoeffer: Nachfolge (17) – Die Aussonderung der Jüngergemeinde

Nach Bonhoeffer geht es in Matthäus 7 um „die Frage nach dem Verhältnis der nachfolgenden zu den Menschen um sie herum“ (S. 176f). Hier steht zunächst die Aufforderung im Zentrum, andere nicht zu richten. Das ist deswegen unmöglich, weil der Christ dazu gar keinen Maßstab hat. Er hat seine Gerechtigkeit nur in der Verbundenheit mit Jesus Christus, nie als Besitz zur eigenen Verfügung. „Richten die Jünger, so richten sie Maßstäbe auf über Gut und Böse. Jesus Christus aber ist kein Maßstab, den ich auf andere anwenden könnte.“ (S.178)

Der Nachfolger kann dem Anderen nur mit einfältiger Liebe begegnen. Ich nehme zwar die Sünde des Anderen wahr, aber dies wird für mich „allein Anlaß zur Vergebung und zur bedingungslosen Liebe […], die Jesus mir beweist.“ (S.179) Mein Verhalten gegenüber dem Anderen soll nicht von meinem eigenen Maßstab über Gut und Böse bestimmt sein, sondern von der Liebe, die ich selbst erfahren habe. „Richten macht blind, aber die Liebe macht sehend. Im Richten bin ich blind gegen mein eignes Böses und gegen die Gnade, die dem Anderen gilt.“ (S.179) Wer im Richten dem Anderen keine Gnade gönnt, der richtet sich selbst, er nimmt für sich in Anspruch, dass ihm Gottes Wort anders gelte als ihm selbst. „So wird der Jünger dem Anderen immer nur begegnen als der, dem seine Sünden vergeben sind und der von nun an allein von der Liebe Gottes lebt.“ (S.183)

Offen bleibt für mich bei Bonhoeffer die Abgrenzung zu einer Ermahnung in Liebe (das Thema Ermahnung kommt ja oft genug im Neuen Testament vor, z.B. in Röm.12,8). Ist Ermahnung dann überhaupt noch möglich? Denn auch bei der Ermahnung trete ich dem Anderen gegenüber „in dem Abstand der Beobachtung, der Reflexion“ (S.178). Für Bonhoeffer ist dieser Abstand aber gar nicht möglich, weil ihn die Liebe zum Anderen gar nicht zulässt.

Neben dem Stichwort Richten ist für Bonhoeffer das Thema „die große Scheidung“ von zentraler Bedeutung in Matthäus 7. Da geht es nicht nur um das große Gericht und die Scheidung in Gut und Böse am Ende der Zeiten, sondern auch um die Scheidung im Hier und Jetzt. „Mitten unter den Jüngern Jesu muß sich die Scheidung immer wieder vollziehen.“ (S.185) Auch in der Gemeinde gibt es Menschen, die andere vom rechten Weg abbringen (ohne dass ihnen selbst das immer bewusst sein muss). Aber auch hier ist es nicht Aufgabe der Christen selbst zu unterscheiden, sondern Jesus verweist hier auf die Frucht: „Es kommt die Zeit des Fruchttragens, es kommt die Zeit der Unterscheidung. Es wird früher oder später offenbar, wie es um ihn steht.“ (S.186)

Entscheidend bei dieser Unterscheidung wird nicht das Bekenntnis sein: „Mitten durch die bekennende Gemeinde hindurch wird die Scheidung gehen. Das Bekenntnis verleiht keinerlei Anrecht auf Jesus.“ (S.187) Man bedenke an dieser Stelle den historischen Hintergrund, auf dem Bonhoeffer diese Worte schreibt: Für die bekennende Kirche im dritten Reich war das Bekenntnis zu Jesus Christus schon deutlich mehr als nur eine Glaubensüberzeugung! Entscheidend ist für Bonhoeffer aber nicht das Bekenntnis allein, sondern das Tun von Gottes Willen.

Aber selbst beim Tun gibt es „die Möglichkeit eines dämonischen Glaubens, […] der wunderbare Taten, bis zur Unkenntlichkeit den Werken der wahren Jünger Jesu ähnlich, vollbringt, Werke der Liebe, Wunder, […] und der doch Jesus und seine Nachfolge verleugnet.“ (S.189) Das ist dann Glaube „ohne Liebe, d.h. ohne Christus, ohne den Heiligen Geist.“ (S.189) Das wird dann allerdings erst am jüngsten Tag offenbar werden.

Woran kann man sich dann noch halten? „Wenn uns nichts mehr bleibt, nicht unser Bekenntnis, nicht unser Gehorsam? Dann bleibt nur noch sein Wort: ich habe dich erkannt.“ (S.190) Am Ende muss ich alles loslassen, nichts kann mich halten, nichts trägt mich wirklich als allein das Wort Jesu. „Sein Wort ist seine Gnade.“ (S.190)

Wieder einmal treibt Bonhoeffer die Bergpredigt und die Nachfolge radikal auf die Spitze. Nachfolge verlangt das Außerordentliche, sie ist nicht bequem, sondern fordert alles von mir. Trotz diesem Außerordentlichen soll die Nachfolge im Verborgenen geschehen, ich darf kein Lob von mir selbst oder von anderen Erwarten. Und ich kann mir auf meine Nachfolge auch nichts einbilden. Ich bin nicht besser als Andere und lebe genau wie sie allein aus der Gnade. Nachfolge heißt dann: auf radikale Weise alles allein von Jesus erwarten, sich an nichts anderes zu klammern, als an ihn.

Bonhoeffer: Nachfolge (10) – Der Bruder – Das Weib

Jesus zitiert in der Bergpredigt nun alttestamentliche Gebote und setzt jeweils hinzu: „Ich aber sage euch…“ Normalerweise wird das als Antithese bezeichnet. Bei Bonhoeffer taucht dieser Begriff nicht auf, er scheint ihm nicht passend zu sein. Nach dem vorherigen Abschnitt ist er überzeugt, dass Jesus sich nicht gegen das Gesetz wendet, sondern es bestärken will. Die sogenannten Antithesen sind für Bonhoeffer keine revolutionäre Neudeutung der alttestamentlichen Gebote oder eine weitere Meinung im Streit der rabbinischen Schriftauslegung, sondern „vielmehr bringt Jesus in Fortsetzung des Gesagten seine Einheit mit dem Gesetz des mosaischen Bundes zum Ausdruck.“ (S.122) Jesus wendet sich nicht gegen das Gesetz, sondern gegen ein falsches Verständnis des Gesetzes.

In konsequenter Radikalität legt Bonhoeffer das Wort vom Zorn gegenüber dem Bruder aus: „Jeder Zorn richtet sich gegen das Leben des Anderen, er gönnt ihm das Leben nicht… Der Jünger darf den Zorn überhaupt nicht kennen.“ (S.123) Bonhoeffer unterscheidet hier nicht zwischen Zorn im Affekt oder Zorn als andauernde Haltung, aber aus seinen Worten wird doch deutlich, in welcher Richtung er den Zorn versteht. Er schreibt davon, dass die Trennung vom Bruder auch von Gott trennt, dass die Verachtung des Bruders auch den Gottesdienst unwahr macht. Und zwar „solange dem Bruder der Dienst und die Liebe versagt wird, solange er der Verachtung preisgegeben bleibt…“ (S.124) Hier wird deutlich, dass es nicht um einen ersten Gefühlsausbruch geht, sondern um das Festhalten am Zorn.

Tieferer Grund für die Unmöglichkeit des Zorns gegenüber dem Bruder ist für Bonhoeffer die Menschwerdung Jesu. Jesus wurde Mensch, er wurde „unser aller Bruder“ (S.125). „Um der Menschwerdung des Sohnes Gottes willen ist Gottesdienst vom Bruderdienst nicht mehr zu lösen.“ (S.125) Ja sogar: „In Jesus wurde Dienst am geringen Bruder und Gottesdienst eins.“ (S.125) Wer sich durch den Zorn vom Bruder trennt, der trennt sich damit selbst auch von Gott.

In der Bergpredigt sagt Jesus dann als weiteres, dass der Ehebruch schon beim begehrlichen Blick beginnt. Bonhoeffer zentriert auch diese Aussage ganz auf die Beziehung des Nachfolgers zu Jesus. „Die Unreinheit der Begierde ist Unglaube.“ (S.127) Die Begierde ist nicht unrein, weil sie irgendwelche moralischen Standards verletzt, sondern weil sie Ausdruck von Unglaube ist. Der Jünger, der meint sich im begehrlichen Blick selbst Lust zu verschaffen vertraut nicht auf Jesus, sondern auf sich selbst. „Er traut nicht aufs Unsichtbare, sondern ergreift die sichtbare Frucht der Lust.“ (S.127)

Jesus fährt fort, dass man lieber sein Auge ausreisen soll, als dass der ganze Leib in die Hölle geworfen wird. Bonhoeffer stellt an dieser Stelle die Frage, „ob Jesus sein Gebot wörtlich gemeint habe oder in übertragenem Sinn?“ (S.127) Aber auch hier weicht Bonhoeffer mit seiner Auslegung nicht ins Unverbindliche aus. Er sagt ganz einfach: „Diese Frage selbst ist falsch und böse. Sie kann keine Antwort finden.“ (S.127) Wenn man diese Stelle wörtlich verstünde, dann würde die Absurdität dieses Gebots deutlich werden. Wenn man sie aber übertragen verstünde, so nähme man dem Gebot den Ernst.

Ich muss gestehen, an dieser Stelle werde ich etwas ratlos. Ich verstehe die Absicht Bonhoeffers: Er will verhindern, dass wir den Worten Jesu ausweichen („Wir können nach keiner Seite ausweichen“, S.128), er möchte, dass wir auf einfältige Weise gehorsam sind. Aber was mache ich denn, wenn ich ein Gebot nicht im wörtlichen und auch nicht im übertragen Sinn verstehen kann? Dann kann ich es gar nicht mehr verstehen! Dann bleibt es ein abstraktes Gebot, dass ich nicht mit Leben füllen kann. Schießt hier Bonhoeffer übers Ziel hinaus, oder möchte er den Leser provozieren, jenseits alles Verstehens auf Jesus allein zu schauen?

Bonhoeffer: Nachfolge (8) – Die sichtbare Gemeinde

Interessant: In der Theologie gibt es die Unterscheidung zwischen der sichtbaren Kirche und der unsichtbaren Kirche. Die sichtbare Kirche ist dabei das, was von Außen wahrgenommen werden kann. Die vielen verschiedenen Kirchen mit ihren offiziellen Mitgliedern. Die unsichtbare Kirche ist die eine Kirche derer, die nicht nur dem Namen nach, sondern auch dem Herzen nach glauben.

Im Zusammenhang mit der Bergpredigt verwendet Bonhoeffer nun diese Bezeichnung genau umgekehrt: Die sichtbare Gemeinde sind die wahren Christen, diejenigen die wirklich dem Ruf Jesu gefolgt sind. Sie sind das Licht, das gar nicht anders kann als in die Welt zu scheinen und weithin sichtbar zu sein. Wenn dagegen Christen versuchen in der Welt unsichtbar zu sein und in der Welt aufzugehen, dann verlassen sie die Nachfolge Jesu. Interessant und spannend, wie Bonhoeffer hier mit der theologischen Tradition spielt!

In diesem Kapitel geht es darum, dass wir Christen das Salz der Erde und das Licht der Welt sind. Im Salz sieht nicht nur etwas das dem Leben Würze verleiht, sondern Salz ist das „Sinnbild des auf Erden unentbehrlichsten Guten“ (S.110). Man beachte den Superlativ! Salz besitzt für ihn v.a. eine „dauernde Kraft der Reinigung“ (S.111) und ist darum für die Welt so wichtig.

Dass wir das Licht der Welt sind, drückt für Bonhoeffer v.a. aus, dass wir sichtbar sind. „Flucht in die Unsichtbarkeit ist Verleugnung des Rufes.“ (S.113) Diese Flucht kann aus Menschenfurcht geschehen oder aus bewusster Weltfrömmigkeit, um damit irgendwelche andere Zwecke zu erreichen (z.B. missionarischer Art). Die schlimmste Art von Flucht ist eine falsche verstandene Theologie des Kreuzes (wenn das Kreuz als demütiges Verschwinden und Aufgehen in der Welt gedeutet wird).

Sowohl beim Salz, als auch beim Licht betont Bonhoeffer, dass wir es sind. Es handelt sich nicht um einen Willensappell, sondern um eine Feststellung. Wer dem Ruf Jesu folgt, der kann gar nicht anders sein. Zugleich drückt die Formulierung aus, dass Salz und Licht etwas ist, das wir sind und nicht haben. Es ist nicht unsere Botschaft oder unseren guten Werke, sondern wir selbst als Personen.

Die guten Werke, welche die Leute nach dem Text in der Bergpredigt sehen sollen, sind keine Tugenden von Menschen, sondern gerade unsere Armut, Fremdlingschaft, Sanftmut, Friedfertigkeit, Verfolgt- und Verworfensein. Also unser Mangel und Verzicht sind die guten Werke, welche die Menschen sehen sollen. Denn gerade dadurch werden sie Gott preisen und nicht uns Christen. Das Licht leuchtet und das Salz salzt also im Tragen des Kreuzes!

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, wie diese kraftvolle Demut, die in Bonhoeffers Leben, Leiden und Sterben aufleuchtet, schon vorher in seiner Theologie deutlich wird. Er redet nicht nur, er denkt nicht nur, er lebt auch das was er denkt und redet.

Matthäus 22, 41-46 – Auf die andere Wange zurückschlagen

In diesem Kapitel bei Matthäus werden einige Situationen erzählt, in denen die damaligen Theologieprofessoren und Oberfromme Jesus durch hinterlistige Fragen in die Pfanne hauen wollten. Das hat zu ihrem Leidwesen nie so richtig funktioniert. Interessant an dem heutigen Abschnitt finde ich, dass Jesus nicht nur reagiert hat, sondern dass er auch agiert hat. Er dreht jetzt den Spieß um und stellt den Pharisäern eine knifflige theologische Frage. Und siehe da: keiner hat ’nen Plan, keiner kommt auf ’ne gescheite Antwort!

Wobei ich nicht ganz kapiere, was an der Frage Jesu so überaus kompliziert sein soll. Es ist doch klar, dass es hier um unterschiedliche Ebenen geht: Der Messias ist auf der rein menschlichen Ebene ein Sohn (d.h. ein Nachkomme) Davids, aber auf der geistlichen Ebene ist er natürlich sein Herr. Wo ist das Problem?

Egal! Was ich gut finde ist, dass hier deutlich wird, dass das mit der anderen Backe hinhalten nicht einfach blind auf alle Situationen übertragen werden kann. Wenn Jesus nur die andere Backe hingehalten hätte, dann hätte er nicht kontern dürfen und schon gar nicht die Pharisäer mit solch einer Gegenfrage lächerlich machen dürfen. Aber es gibt eben auch Situationen, wo es gut und richtig ist, auch (verbal) zurück zu schlagen und dem anderen mal ’ne ordentliche (verbale!!! 😉 ) Backpfeife zu verpassen! Auch als Christ muss ich nicht einfach alles nur dulden und alles nur ängstlich runterschlucken!

Matthäus 7, 24-29 – Entsetzen

Jesus schließt die Bergpredigt ab mit dem Gleichnis vom Hausbau: Wer seine Worte TUT, der hat sein Haus auf festen Grund gebaut. Auch hier wieder die Betonung auf das Tun. Nicht nur glauben und dem Gesagten zustimmen, sondern danach handeln und leben.

Matthäus ergänzt, dass das Volk nach dieser Rede „entsetzt“ war. Nachdem ist die Bergpredigt noch einmal so im Zusammenhang gelesen habe, kann ich dieses Entsetzen verstehen – es klang ja auch bei manchen meiner Kommentare durch. Jesus nimmt Bezug auf alttestamentliche Gebote und verschärft das Ganze noch einmal. Gerade bei den Antithesen wird deutlich: Schuldig macht sich nicht nur derjenige, der die Grenzlinie des Gebots überschreitet, sondern auch derjenige, der sich (und sei es „nur“ in Gedanken) in die Richtung dieser Grenzlinien bewegt.

Wenn ich nur die Bergpredigt hätte, diese kompromisslosen Forderungen nach einem heilige Leben der Liebe und die Androhung der Hölle für alle die nicht so leben – dann müsste ich wahrlich dran verzweifeln. Dann gäbe es nur das fassungslose Entsetzen über diese Botschaft. Die Bergpredigt kann man eigentlich nur ertragen, wenn man weiß, dass ein anderer den Preis für mein Versagen und meine Unzulänglichkeiten trägt…

Matthäus 7, 12-23 – Wer kann dann noch selig werden?

Ach, Jesus! Warum machst du es uns so schwer, ins Himmelreich zu kommen? Wenn nicht einmal die reinkommen, die in deinem Namen böse Geister ausgetrieben haben und die in deinem Namen Wunder getan haben, wie soll dann überhaupt jemand reinkommen? Da brauchst du dich doch nicht zu wundern, dass nur wenige den Weg durch die enge Pforte finden.

Ich weiß ja, dass dir die Früchte des Glaubens wichtig sind – nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern ein Glaube, der sich auch im Leben auswirkt. Aber warum machst du unser ewiges Heil in diesem Text von unserem Handeln, von unseren Früchten abhängig? Keine Früchte…? Dann ab ins Feuer! Ich hab gedacht, ich werde gerettet, weil du für mich gestorben bist und nicht wegen meinen eigenen guten Taten?!? Wenn nur die selig werden, die so leben und handeln, wie du das in der Bergpredigt forderst – na dann gute Nacht!“

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Foto: pixelio.de/hofschlaeger