Lukas 9, 28-36 Hinabsteigen

Mir ist beim Lesen vor allem der Gegensatz aufgefallen, zwischen der Reaktion des Petrus und dem eigentlichen Sinn dieser Verklärungserfahrung Jesu. Jesus geht mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg, um zu beten. Dort kommt er dem Himmel ganz nah: Sein Gesicht und Gewand glänzt, Mose und Elia erscheinen und reden mit ihm. Gesprächsthema sind aber nicht irgendwelche Himmelsfreuden, sondern sie „redeten von dem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.“ Es geht also um Jesu Sterben!

Die Jünger bekommen dieses Gespräch nicht mit, weil sie einschlafen. Wie kann man in solch einer Situation schlafen?! Das Gebet Jesu muss wohl länger gedauert haben… Als Petrus aufwacht und den verklärten Jesus mit Elia und Moses sieht, will er am liebsten an diesem leuchtenden und himmlischen Platz bleiben. Er will genau das Gegenteil von dem, um das es eigentlich geht!

Ich fürchte mir selbst geht es so manches mal in meinem Glauben genauso. Ich suche zwar die Nähe Jesu, aber ich bekomme gar nicht richtig mit, wie seine Wege (und auch die Wege, die er mit mir gehen will) aussehen. So manches mal träume ich von Bergerfahrungen, so manches mal möchte ich so lange wie möglich oben bleiben und merke gar nicht, wie die Bergerfahrungen dazu dienen, ins tiefe Tal hinabzusteigen zu können…

| Bibeltext |

Tim Parks: Stille

Schade, der Roman hat mich nicht überzeugt. Obwohl ich die Grundidee der Geschichte interessant finde und der Autor zweifellos gut und spannend schreiben kann. Es geht um einen übergewichtigen Topjournalisten, der sich in die Einsamkeit einer kleinen Berghütte in Südtirol zurück zieht. Der äußere Anlass ist ein Enthüllungsbuch seines Sohnes über ihn. Dabei kommt der Vater nicht gut weg und das kränkt ihn zutiefst.

In der Stille und Einsamkeit der Bergwelt und in Auseinandersetzung mit den wenigen Nachbarn, die er wegen des Dialektes kaum versteht, kommt seine tragische Familiengeschichte an die Oberfläche, mit welcher er sich im Getriebe seiner erfolgreichen Karriere kaum beschäftigt hatte.

Der Roman ist gut zu lesen und dafür, dass relativ wenig passiert, recht spannend geschrieben. Besonders gefallen haben mir die schnellen Wechsel zwischen den Beschreibungen der alltäglichen Begebenheiten in der einsamen Berghütte und der inneren Reflektion der Hauptperson. Da wird auch stilistisch etwas deutlich von der inneren Unruhe, die den Journalisten auch in der Stille noch umtreibt.

Allerdings hatte ich das ganze Buch hindurch nicht das Gefühl, dass die Hauptfigur eine reale Person sein könnte. Es scheint alles etwas konstruiert und übertrieben. Die Personen und die Geschichte wirkt auf mich nicht so richtig glaubwürdig. Vor allem das Ende, der große Showdown zwischen Vater und Sohn hat mich nicht überzeugt. Aber das ist ja das schöne an Literatur: anderen Lesern geht’s da vielleicht ganz anders…

Noch ein schönes Zitat, das mir wirklich gefallen hat: „Warum bin ich so erschöpft? Wer hätte gedacht, dass es so anstrengend ist, allein zu sein? So laut.“ (S. 225) Klasse! Ja, diese Erfahrung wird wohl so mancher machen: dass in der äußeren Stille erst der innere Lärm so richtig an die Oberfläche kommt.

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Von den Bergen an den Schreibtisch

Ausblick auf die Berge

Wie ihr seht und lest bin ich wieder zurück am Schreibtisch. Wir hatten einen schönen Urlaub, unter anderem eine Woche in den Tiroler Bergen. Es tut immer wieder gut, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Auf einen Berg zu steigen und die Dinge von einer anderen Perspektive wahr zu nehmen…

In den nächsten Tagen wird es noch einige Mitbringsel aus dem Urlaub geben: Artikel zu einigen Romanen, die ich im Urlaub gelesen habe…

Psalm 114 – Hüpfende Berge

Seltsame Metaphern finden sich in diesem Psalm: Wo Gott sich zeigt, da flieht das Meer (V.3) und die Berge und Hügel hüpfen und springen (V.4). Die hüpfenden Berge haben mich im ersten Moment eher zum schmunzeln gebracht, aber es hier wohl nicht an ein fröhliches springen und hüpfen gedacht, sondern eher an ein Erschrecken und Erzittern. Das Meer steht im AT oft für alle widergöttlichen Mächte – sie müssen vor Gott davon weichen. Berge stehen für etwas Festes und Unerschütterliches, auf manchen Berggipfeln wurden auch fremden Göttern Opfer gebracht – wenn Gott kommt, heißt es auch für die Berge: wir machen den Weg frei… 😉

Vielleicht sollte ich an die unerschütterlichen, unüberwindbaren und schweren Berge in meinem Leben denken. Scheinbar nichts kann diese Berge aus dem Weg räumen und ihre Last drückt auf meine Schultern… Bitte, lass sie hüpfen Gott! Lass sie davon springen wie die jungen Schafe!
Bibeltext