Johannes 8, 24-41 Ich war blind…

Was wollen die Pharisäer hier eigentlich erreichen? Da wurde ein Mensch von Jesus geheilt und er bezeugt nur was er erlebt hat. Nach einer ersten Befragung und nach der Befragung der Eltern wenden die Pharisäer sich zum zweiten mal an den Geheilten. Aber wozu? Soll der Geheilte leugnen, dass er geheilt wurde? Soll er sich von Jesus distanzieren? Soll er Jesus als Scharlatan entlarven? Aber er kann ja nichts anderes sagen, als das was er erlebt hat: „Eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“ (V.25)

Es geht den Pharisäern nicht um den geheilten Menschen. Es geht ihnen um Jesus. Jesus scheint für sie gefährlich und bedrohlich zu sein. Sie versuchen alles, um Jesus in Misskredit zu bringen. Die wunderbare Heilung eines Blindgeborenen passt ihnen darum gar nicht. Aber sie können das Geschehen ja nicht rückgängig machen. Sie haben sich in ihrer Abwehrhaltung verrannt.

Der Geheilte dagegen tut das, was Jesus von jedem von uns erwartet: er bezeugt vor anderen, was er mit Jesus erlebt hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er muss keine Wunder vollbringen. Er muss die Pharisäer nicht von Jesu Messianität überzeugen. Er muss keine theologischen Streitgespräche führen. Er muss keine Leute bekehren. Er braucht nur zu bezeugen, dass Jesus ihn sehend gemacht hat.

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Apostelgeschichte 26, 1-23 Paulus bezeugt seinen Glauben

Paulus scheint richtig froh gewesen zu sein, endlich mal vor jemand reden zu dürfen, der die religiösen Hintergründe seiner Auseinandersetzung mit den jüdischen Leitern von Jerusalem richtig verstehen und einordnen konnte. Agrippa II. war selbst Jude, wurde jedoch am römischen Kaiserhof erzogen. Er kannte also sowohl die jüdische Welt, wie auch die römische. Er durfte den Titel König von Judäa führen und hatte als dieser auch von politischer Seite her die Oberaufsicht über den Tempeldienst in Jerusalem. Er setzte sich für ein reibungsloses Miteinander von Römern und Juden ein und versuchte z.B. auch den jüdischen Krieg (66-70 n.Chr.) durch Verhandlungen zu verhindern.

Paulus kommt in seiner Rede gar nicht auf die politischen Anklagepunkte zu reden, sondern gibt im wesentlichen ein persönliches Glaubenszeugnis. Er berichtet von seiner eigenen Bekehrung und betont dabei seine bleibende Verbundenheit mit dem Judentum bzw. vor allem mit deren Heiligen Schriften (V.22b: „Propheten und Mose“). Paulus benützt die Gelegenheit ganz einfach, um seinen Glauben an Jesus zu bezeugen und auch andere davon zu überzeugen. Auch hier fällt wieder auf, dass er nicht provozieren und polemisieren will, sondern dass er sein Zeugnis so formuliert, dass es bei seinem jüdischen Zuhörer verstanden wird. Ein klares Zeugnis, dass doch einladend und werbend formuliert ist.

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Apostelgeschichte 7, 44-53 Jetzt wird’s persönlich

Die Hauptanklagepunkte gegen Stephanus waren, dass er gegen „diese heilige Stätte“ (also den Tempel) und gegen „das Gesetz“ redet (7,13). Zunächst hat er sich in seiner Rede mit dem Überbringer des Gesetzes, mit Mose, beschäftigt. Jetzt geht es um den Tempel, den er ganz grundsätzlich kritisiert: Ein von Menschenhänden errichtetes Haus kann keine Wohnung Gottes sein. Mit dieser Kritik bewegt er sich auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition. Schon da gab es von verschiedenen Propheten grundsätzliche Kritik am Tempel. Dann wird es persönlich: im Stil eines alttestamentlichen Propheten kritisiert er seine Zuhörer als halsstarrig und verstockt. So wie ihre Vorfahren die Propheten getötet haben, so töteten sie nun Jesus, den von den Propheten angekündigten Gerechten.

Ich hab mich an der Stelle gefragt, ob diese harten Worte wirklich hilfreich und klug waren. Durch die heftigen Angriffe wird Stephanus niemand vom Hohen Rat überzeugen – im Gegenteil: der Hass wird sich nur verstärken. Und auch seine eigene Lage hat Stephanus damit nicht gerade verbessert. Taktisch klüger wäre ein Zurückziehen auf die gemeinsamen Wurzeln gewesen. „Wir glauben doch alle an denselben Gott…“  Was ja auch stimmt: Jesus hat keinen anderen Gott als den des Alten Testaments verkündigt. Aber an der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Stephanus hat diese Konfrontation nicht von sich aus gesucht – das ist wichtig. Soweit es an uns liegt, sollen wir versuchen mit allen – auch Andersgläubigen – im Frieden zu leben. Aber wenn Jesus in Frage gestellt wird, dann stehen wir vor der Entscheidung, ob wir ihn bekennen oder verleugnen.

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Apostelgeschichte 4, 1-12 Gefangen um Jesu willen

Für mich hier in Deutschland ist es kein Problem, jeden Sonntag auf die Kanzel zu steigen und von Jesus zu erzählen. Bei Petrus damals war das nicht ganz so einfach. Er wurde wegen seiner Predigt gefangen genommen. In vielen Ländern der Welt ist es auch heute noch gefährlich, über Jesus öffentlich zu reden. In manchen Gebieten ist es sogar gefährlich, heimlich an Jesus zu glauben.

Ich bin dankbar für diese Freiheit. Ich weiß nicht, wie mein Glaube unter anderen Umständen aussähe. Hätte ich die Kraft und den Mut, mich trotzdem zu Jesus zu bekennen? Oder wäre ich zu feige? Würde mein Glaube dann schwächer sein – oder würde er durch die Widerstände sogar stärker werden?

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Apostelgeschichte 2, 29-36 Aus Jesus wird der Christus

Die Pfingstpredigt des Petrus dreht sich um die Frage: Wer ist dieser Jesus von Nazareth? Er ist mehr als der große David. Und das will was heißen: für die damaligen Zuhörer war David der eine von Gott geschenkte Herrscher schlechthin. Aber David ist gestorben und begraben. Ganz im Gegensatz zu Jesus. Dieser ist auferstanden, von Gott erhöht worden und hat den Heiligen Geist ausgegossen.

Schon bei Petrus klingt an, wie schwierig es für uns Menschen ist zu begreifen, dass Jesus mehr als ein menschlicher Herrscher oder Religionsstifter ist. Petrus sagt über ihn, „dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (V.36) Wieder sehr einfache und kurze Worte und doch sehr differenziert. Gott hat den Menschen Jesus zum Herrn und Christus gemacht. Er ist es nicht von sich aus, sondern wurde von Gott dazu gemacht. Zu beachten ist auch, dass das griechische Wort für Herr in der damals gängigen griechischen Übersetzung des Alten Testaments für Gott selbst gebraucht wurde. Gott hat aus dem Menschen Jesus den Messias gemacht, der sogar mit dem Gottesnamen angesprochen werden darf.

Der Name Jesus Christus ist ursprünglich ein Bekenntnis: Jesus ist der Christus (= der Messias). In diesem Namen steckt das Geheimnis dieser Person. Er ist der Mensch Jesus von Nazareth und zugleich ist er der göttliche Messias. Beides in einer Person. Später hat man versucht, dieses Geheimnis in der sogenannten Zweimaturenlehre ist dogmatische Formeln zu pressen. Aber das bleibt Stückwerk. Diese offene und kurze Formulierung von Petrus ist da viel besser: Gott hat diesen Jesus zum Herrn und Christus gemacht. Ein Wunder und Geheimnis, das wir nie ganz begreifen werden.

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Lukas 23, 13-25 Schwimme doch gegen den Strom

„Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom!“ So heißt es in einem bekannten Kinderlied. Das singt sich so leicht und lebt sich doch so schwer. Die Masse steht da und will unbedingt Jesu Tod. Es bleibt rätselhaft, warum sich die Stimmung so schnell und so extrem wandelt. Noch vor wenigen Tagen hatte die Masse Jesu beim Einzug in Jerusalem begeistert mit „Hosianna!“ zugejubelt. Jetzt brüllen sie ihn in den Tod! Ja, die Masse ist ein launisches Wesen.

Mir fällt dazu so mancher „Shitstorm“ im Netz ein. Es geht so schnell, dass so manche coole Videos im Netz hochgejubelt werden. Und es geht so schnell, dass manche Personen im Netz runtergemacht werden. Wenn erst einmal ein paar laut genug brüllen, dann fällt die Masse schnell mit ein ins Gebrüll. Es ist ja immer auch angenehmer und sicherer bei der Mehrheit zu sein. Es ist so leicht mit dem Strom zu schwimmen. Das war schon immer so – aber im Netz geht das heute noch schneller, bequemer und anonymer.

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Lukas 4, 38-44 Erkennen oder bekennen

Im vergangenen Jahr habe ich mich kaum auf windhauch gemeldet. Das lag daran, dass ich für mich keine kurzen Bibelabschnitte gelesen habe, sondern die ganze Bibel in einem Jahr. Das waren dann jeden Tag so viele Texte, dass es kaum sinnvoll war, darüber zu schreiben. Jetzt will ich wieder kürzere Abschnitte lesen und meine Gedanken dazu blogen. Als Vorlage versuche ich mal den Ökumenischen Bibelleseplan. Da ist gerade das Lukasevangelium dran – über das hab ich auf windhauch noch nicht gebloggt. Damit es für Mitleser aktuell ist, werde ich jeweils über den Abschnitt vom nächsten Tag bloggen.

Lukas berichtet in kurzen Zusammenfassungen, wie Jesus heilt und predigt. Was mir besonders aufgefallen ist, sind die Reaktionen der bösen Geister, welche Jesus ausgetrieben hat. Wie auch immer man sich das konkret vorzustellen hat: spannend ist, dass das Böse Jesus als den Christus sehr viel schneller und klarer erkennt als alle anderen. Die bösen Geister sehen sofort: das ist der Sohn Gottes, das ist der Messias. Den Nachfolgern und Nachfolgerinnen Jesu wurde das erst nach und nach deutlicher. Viele Pharisäer haben sich geweigert dies zu erkennen. Den Römern war dieser Jesus völlig egal. Und erst nach der Auferstehung wurde auch den Anhängern Jesus so langsam im vollen Umfang klar, mit wem sie so lange unterwegs waren.

Die Warhheit zu erkennen bedeutet noch lange nicht, sie in der richtigen Weise zu bekennen. Das Wissen allein nützt wenig, wenn ich daraus die falschen Konsequenzen ziehe. Es ist ein entscheidender Unterschied, ob ich in Jesus von Nazareth den Sohn Gottes erkenne, oder ob ich bekenne, dass er als Sohn Gottes auch der Herr über mein Leben ist.

Bonhoeffer: Nachfolge (17) – Die Aussonderung der Jüngergemeinde

Nach Bonhoeffer geht es in Matthäus 7 um „die Frage nach dem Verhältnis der nachfolgenden zu den Menschen um sie herum“ (S. 176f). Hier steht zunächst die Aufforderung im Zentrum, andere nicht zu richten. Das ist deswegen unmöglich, weil der Christ dazu gar keinen Maßstab hat. Er hat seine Gerechtigkeit nur in der Verbundenheit mit Jesus Christus, nie als Besitz zur eigenen Verfügung. „Richten die Jünger, so richten sie Maßstäbe auf über Gut und Böse. Jesus Christus aber ist kein Maßstab, den ich auf andere anwenden könnte.“ (S.178)

Der Nachfolger kann dem Anderen nur mit einfältiger Liebe begegnen. Ich nehme zwar die Sünde des Anderen wahr, aber dies wird für mich „allein Anlaß zur Vergebung und zur bedingungslosen Liebe […], die Jesus mir beweist.“ (S.179) Mein Verhalten gegenüber dem Anderen soll nicht von meinem eigenen Maßstab über Gut und Böse bestimmt sein, sondern von der Liebe, die ich selbst erfahren habe. „Richten macht blind, aber die Liebe macht sehend. Im Richten bin ich blind gegen mein eignes Böses und gegen die Gnade, die dem Anderen gilt.“ (S.179) Wer im Richten dem Anderen keine Gnade gönnt, der richtet sich selbst, er nimmt für sich in Anspruch, dass ihm Gottes Wort anders gelte als ihm selbst. „So wird der Jünger dem Anderen immer nur begegnen als der, dem seine Sünden vergeben sind und der von nun an allein von der Liebe Gottes lebt.“ (S.183)

Offen bleibt für mich bei Bonhoeffer die Abgrenzung zu einer Ermahnung in Liebe (das Thema Ermahnung kommt ja oft genug im Neuen Testament vor, z.B. in Röm.12,8). Ist Ermahnung dann überhaupt noch möglich? Denn auch bei der Ermahnung trete ich dem Anderen gegenüber „in dem Abstand der Beobachtung, der Reflexion“ (S.178). Für Bonhoeffer ist dieser Abstand aber gar nicht möglich, weil ihn die Liebe zum Anderen gar nicht zulässt.

Neben dem Stichwort Richten ist für Bonhoeffer das Thema „die große Scheidung“ von zentraler Bedeutung in Matthäus 7. Da geht es nicht nur um das große Gericht und die Scheidung in Gut und Böse am Ende der Zeiten, sondern auch um die Scheidung im Hier und Jetzt. „Mitten unter den Jüngern Jesu muß sich die Scheidung immer wieder vollziehen.“ (S.185) Auch in der Gemeinde gibt es Menschen, die andere vom rechten Weg abbringen (ohne dass ihnen selbst das immer bewusst sein muss). Aber auch hier ist es nicht Aufgabe der Christen selbst zu unterscheiden, sondern Jesus verweist hier auf die Frucht: „Es kommt die Zeit des Fruchttragens, es kommt die Zeit der Unterscheidung. Es wird früher oder später offenbar, wie es um ihn steht.“ (S.186)

Entscheidend bei dieser Unterscheidung wird nicht das Bekenntnis sein: „Mitten durch die bekennende Gemeinde hindurch wird die Scheidung gehen. Das Bekenntnis verleiht keinerlei Anrecht auf Jesus.“ (S.187) Man bedenke an dieser Stelle den historischen Hintergrund, auf dem Bonhoeffer diese Worte schreibt: Für die bekennende Kirche im dritten Reich war das Bekenntnis zu Jesus Christus schon deutlich mehr als nur eine Glaubensüberzeugung! Entscheidend ist für Bonhoeffer aber nicht das Bekenntnis allein, sondern das Tun von Gottes Willen.

Aber selbst beim Tun gibt es „die Möglichkeit eines dämonischen Glaubens, […] der wunderbare Taten, bis zur Unkenntlichkeit den Werken der wahren Jünger Jesu ähnlich, vollbringt, Werke der Liebe, Wunder, […] und der doch Jesus und seine Nachfolge verleugnet.“ (S.189) Das ist dann Glaube „ohne Liebe, d.h. ohne Christus, ohne den Heiligen Geist.“ (S.189) Das wird dann allerdings erst am jüngsten Tag offenbar werden.

Woran kann man sich dann noch halten? „Wenn uns nichts mehr bleibt, nicht unser Bekenntnis, nicht unser Gehorsam? Dann bleibt nur noch sein Wort: ich habe dich erkannt.“ (S.190) Am Ende muss ich alles loslassen, nichts kann mich halten, nichts trägt mich wirklich als allein das Wort Jesu. „Sein Wort ist seine Gnade.“ (S.190)

Wieder einmal treibt Bonhoeffer die Bergpredigt und die Nachfolge radikal auf die Spitze. Nachfolge verlangt das Außerordentliche, sie ist nicht bequem, sondern fordert alles von mir. Trotz diesem Außerordentlichen soll die Nachfolge im Verborgenen geschehen, ich darf kein Lob von mir selbst oder von anderen Erwarten. Und ich kann mir auf meine Nachfolge auch nichts einbilden. Ich bin nicht besser als Andere und lebe genau wie sie allein aus der Gnade. Nachfolge heißt dann: auf radikale Weise alles allein von Jesus erwarten, sich an nichts anderes zu klammern, als an ihn.

1. Petrus 3, 13-17 – sanftmütige Mission

Das gefällt mir: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht.“ (V.15-16a) So manches mal hat Mission mit Angst, Druck und großartigen Versprechungen zu tun – und zwar sowohl gegenüber denen, die missioniert werden sollen, als auch gegenüber denen, die missionieren sollen.

Petrus beschreibt hier eine sehr zurückhaltende Art, seinen Glauben zu bekennen. Nicht anderen den Evangeliumsknüppel überziehen, sondern voller Überzeugung und in Gottesfurcht meinen Glauben leben. Und wenn jemand interessiert ist, dann in Sanftmut (auch da gehört der Mut dazu!) von seiner Hoffnung reden. Wohlgemerkt: Hoffnung! Nicht in dem Sinn: Ich bin Christ und ich weiß alles besser, sondern: Ich folge diesem Jesus und er erfüllt mein Herz mit Hoffnung.
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Deuteronomium 6, 4-5 – Gottes dunkle Seiten

Heute geht es um das „Glaubensbekenntnis Jesu“. Ja, richtig gelesen. Fand ich einen interessanten Gedanken von Klaus Douglass. Er stellt fest, dass dieser Text aus Dtn.6,4f das jüdische Glaubensbekenntnis ist, das auch heute noch fromme Juden mindestens einmal am Tag beten. Auch Jesus hat das so gesehen. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot, also nach dem Zentrum aller göttlichen Worte, antwortet er eben mit diesem Glaubensbekenntnis (das im Hebräischen nach seinen Anfangsworten Schema Jisrael genannt wird). Es gibt nichts wichtigeres, als Gott von ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit all unserer Kraft zu lieben. Jesus fügt dann noch hinzu, dass es genau so wichtig ist, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben (Mt. 22,36-40).

Noch viel heißer ist der folgende Satz von Klaus Douglass (es geht im Zusammenhang darum, dass es für uns manchmal schwierig ist, Gott zu lieben, weil sein Handeln nicht immer verstehen): „Wir alle wissen, dass Gott nicht nur helle, sondern auch dunkle Seiten hat.“ (S.127) Mein erster Gedanke: Aber hallo?!? Wie bitte?!? Das ist ja ganz schön gewagt, vor allem mit dieser Selbstverständlichkeit: „Wir alle wissen…“. Und dann gibt es doch diese Stelle im Johannesbrief (1.Joh.1,5): „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“

Dann hab ich weiter gelesen: „Irgendwann im Himmel, davon bin ich überzeugt, werden sich auch diese Seiten als hell erweisen, und alle unsere Fragen werden beantwortet werden.“ – Puh, da hat er ja gerade noch die Kurve gekriegt ;). Also Gott an sich hat keine dunklen Seiten, aber uns erscheint hier auf Erden manches dunkel und unverständlich. Im Himmel wird uns dann erst klar, dass das scheinbar dunkle auch hell ist. Okay, so kann ich das auch sehen…

Ich finde es gut, dass Douglass immer wieder unser frommes Denken provoziert. Mir geht es ja ehrlich gesagt auch manchmal so, dass ich Gottes Handeln dunkel und unverständlich finde. Dann sind wir schnell dabei zu sagen, dass Gott Licht ist und keine Finsternis in ihm wohnt und dass wir deshalb nicht so denken dürfen. Aber warum eigentlich nicht? Die Psalmen tun das doch auch dauernd! Warum sollen wir unsere Enttäuschung und unser Unverständnis immer so schnell runterschlucken und unterdrücken?