Apostelgeschichte 16, 23-40 Wenn Träume wahr werden

Was für eine traumhafte Geschichte! Ich wünsche mir das auch, dass Gott auf wunderbare Weise eingreift. Dass er meine inneren Ketten und meine Gefängnisse öffnet und mich befreit. Dass Menschen von sich aus fragen, was sie tun müssen, um gerettet zu werden. Dass Menschen ohne große evangelistische Events oder jahrelange mühevolle Kontaktarbeit zum Glauben kommen. Dass ganze Hausgemeinschaften sich auf den Glauben einlassen und sich taufen lassen. Dabei haben Paulus und Silas gar nicht mal um Befreiung gebetet, sie saßen im Gefängnis und haben Gott gelobt! Diese Fähigkeit, weg von mir und auf Gott zu schauen wünsche ich mir auch…

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Hesekiel 3, 12-21 Alarm schlagen oder jubeln?

Die Aufgabe Hesekiels ist die eines „Wächters“. Ein Wächter oder Späher bewacht z.B. eine Stadt und schlägt Alarm, wenn Gefahr droht. Genau das ist die Aufgabe Hesekiels: er soll Alarm schlagen und jeden Einzelnen im Volk zur Umkehr mahnen. Wenn er das nicht tut, macht er sich schuldig am Tod der Gottlosen (V.18). Der Prophet kann nur warnen, die Gefahr beseitigen kann nur jeder Einzelne, wenn er zu Gott umkehrt.

Sollen wir heute auch noch solche Wächter sein, die vor der Gefahr des Gerichts warnen? Oder sind wir eher Freudenboten, die Befreiung von Sünde und Schuld verkündigen, weil Gott selbst das Gericht auf sich genommen hat?

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Exodus 40 Befreit und doch nicht am Ziel

Das letzte Kapitel des Buches „Exodus“, zu deutsch: „Auszug“. Am Anfang stand die Gefangenschaft und am Ende? Immer noch die Wanderung durch die Wüste. Das Volk ist zwar frei, aber immer noch nicht angekommen. Was aber auch am Ende steht, ist die Einweihung der Stiftshütte, hier noch einmal betont „Wohnung“ (V.34) des heiligen Gottes genannt – Gott bezieht sozusagen seine Wohnung: „Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung.“ (V.34) Das entscheidende bei der Befreiung ist nicht, dass man am Ziel angekommen ist, sondern dass man unterwegs ist in der Gegenwart Gottes.

Die Gegenwart Gottes ist nicht so gedacht, dass der herrliche Lichtglanz Gottes sich für immer in dieses Zelt zwängt. Die Stiftshütte ist eine Erinnerung an die unsichtbare Gegenwart Gottes. Bezeichnend ist, was das Heiligste der Stifthütte ist: die Lade mit den zehn Geboten (V.20). Gott ist in seinem Wort gegenwärtig. Anders als in anderen Religionen wird kein Gottesbild aufgestellt und angebetet, sondern die Worte Gottes sind das heiligste, das das Volk auf seiner Wanderung hat. Gott wird nicht durch ein Bild oder eine Statue repräsentiert, sondern durch sein Wort.

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Bonhoeffer: Nachfolge (16) – Die Einfalt des sorglosen Lebens

Für Bonhoeffer hat das Wort „Einfalt“ noch einen sehr positiven Klang (vgl. auch das Kapitel: „Der einfältige Gehorsam“). Für uns heute ist ein einfältiger Mensch entweder etwas naiv und gutmütig oder sogar „geistig beschränkt“ und „nicht sehr schlau“ (de.wiktionary.org). Das Einfältige des christlichen Lebens liegt für Bonhoeffer in einer geradlinigen und bewusst schlichten Ausrichtung auf Jesus Christus: „Das Leben des Nachfolgenden bewährt sich darin, dass nichts zwischen Christus und ihn tritt.“ (S.167) Wer einfältig auf Jesus vertraut, ist nicht geistig beschränkt, sondern hat das Wesentliche, den Kern seines Lebens begriffen und lässt sich durch nichts davon abbringen.

Die Einfalt des sorglosen Lebens besteht darin, sein Herz nicht von den Gütern der Welt von Christus ablenken zu lassen (S. 167). Dabei ist für die Nachfolger zu beachten: „Nicht den Gebrauch der Güter versagt ihnen Jesus. […] Dazu sind Güter gegeben, dass sie gebraucht werden; aber nicht dazu, dass sie gesammelt werden.“ (S.168).

Wo verläuft aber die Grenze zwischen einem legitimen Gebrauch von Gütern und einem Gebrauch der sich zwischen Jesus und Nachfolger stellt? Bonhoeffer sagt: „Woran dein Herz hängt, das ist dein Schatz, dann ist die Antwort schon gegeben. […] Alles, was dich hindert, Gott über alle Dinge zu lieben, alles was zwischen dich und deinen Gehorsam gegen Jesus tritt, ist der Schatz, an dem dein Herz hängt.“ (S. 169) Gegenüber Gott gibt es nicht ein bisschen Glaube und daneben noch ein bisschen Welt. Es gibt nur das Entweder-Oder. Es gibt nur die Einfalt des Herzens: entweder ganz auf Gott ausgerichtet sein, oder gar nicht. „Entweder du liebst Gott oder du liebst die Güter der Welt.“ (S.170) Das Herz kann nicht zwei Herren dienen!

Diese einfältige Ausrichtung auf Gott ist richtig verstanden eine Befreiung. Sie befreit uns von falscher Sorge. Dazu ein genialer Satz von Bonhoeffer: „Sorget nicht! Die Güter spiegeln dem menschlichen Herzen vor, ihm Sicherheit und Sorglosigkeit zu geben; aber in Wahrheit verursachen sie gerade erst die Sorge. […] Wir wollen durch Sorge sorglos werden; aber in Wahrheit erweist sich das Gegenteil.“ (S. 171) Echte Sorglosigkeit verschaffen nicht die Güter dieser Welt, sondern der Glaube an Jesus Christus.

Wieder einmal bringt Bonhoeffer die Provokation der Bergpredigt auf den Punkt. Gegen Ende des Kapitels charakterisiert er die Einfalt des sorglosen Lebens folgendermaßen: Sie „ist entweder eine unerträgliche Last, ein unmögliche Vernichtung der menschlichen Existenz […] – oder aber es ist das Evangelium selbst, das ganz froh und ganz frei macht.“ (S. 174)

Diese Gegenüberstellung kann ich sehr gut nachvollziehen. Sowohl bei der Bergpredigt, als auch bei den Worten Bonhoeffers regt sich bei mir innerlicher Widerspruch: So kann man doch nicht leben, das ist doch utopisch, kein Mensch schafft es, sich ganz allein auf Christus auszurichten und sich um nichts anderes mehr Sorgen zu machen. Wenn ich diese Einfalt des sorglosen Lebens als Forderung empfinde, dann muss ich wahrlich daran verzweifeln, dann muss ich mir unendlich viele Sorgen darüber machen, wie ich diese Einfalt je erreichen soll. Wenn ich es aber als Evangelium, als Zuspruch höre, dann ist es wahrlich befreiend, dann ist es erlösend und freudig. „Nicht von dem, was der Mensch soll und nicht kann, spricht Jesus, sondern von dem, was Gott uns geschenkt hat und noch verheißt.“ (S. 174)

Exodus 20 Vor allen Geboten

Die zehn Gebote! Dazu könnte man viel schreiben. Wie immer will ich keine Auslegung schreiben, sondern einige Gedanken. Was mir heute beim Lesen aufgefallen ist, war der Beginn: Vor allen Geboten und Verboten steht eine Tat Gottes: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ (V.2) Vor allem Gehorsam steht die Errettung und Befreiung. Vor allem menschlichen Handeln steht das Handeln Gottes.

Das nimmt den biblischen Geboten nicht den Ernst, aber es wird schon hier deutlich, dass es nicht darum geht, sich mit Gehorsamkeit gegenüber Gott die Errettung zu verdienen. Gott rettet zuerst sein Volk und gibt ihm dann die Gebote. Die Gebote sind nicht da, um uns neu zu versklaven, sondern sie dienen dazu die Freiheit zu bewahren. Gott ist der Gott, der aus der Knechtschaft befreit – das steht vor allen Anforderungen an den Menschen. Vor diesem Hintergrund sind die Gebote zu lesen.

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Exodus 14, 15-31 Gott befreit – wie auch immer

Ich kann nachvollziehen, dass so manche mit der Schilderung dieses Befreiungswunders so ihre Probleme haben. Sogar die biblische Überlieferung selbst scheint sich nicht so ganz sicher zu sein, wie dieses Wunder zustande kam. Da wird zunächst gesagt, dass Gott einen starken Wind kommen lies, der Wind die ganze Nacht über blies und der Wind die Wasser teilte (V.21). Im nächsten Vers wird dann berichtet, wie das Wasser „eine Mauer zur Rechten und zur Linken“ bildete. So ganz passen diese beiden Erklärungen nicht zusammen.

Aber mir ist es eigentlich egal, auf welche Weise Gott die Israeliten befreit hat. Das Wesentliche ist nämlich nicht das spektakuläre Wunder, sondern die Befreiung. Auf welche Weise Gott das macht ist zweitrangig. So ist es auch heute: Es kommt nicht auf die Art und Weise an wie Gott eingreift, sondern darauf, dass es auch heute noch so ist, dass Gott eingreift. Wer sich Gott öffnet, der erlebt auch heute noch Befreiung – sei es auf wunderhafte und spektakuläre Weise oder auf eher unscheinbare Weise.

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  • Exodus 13, 1-16 Erinnerung mit allen Sinnen

    Dieser Text ist schon sehr von der Erinnerung geprägt. Es wird erklärt warum die Israeliten das Fest der ungesäuerten Brote feiern und warum die Erstgeburt in besonderer Weise Gott gehört. Es wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man den Kindern die Ereignisse der Befreiung weiter erzählen soll (V.14). Viermal wird in diesem Abschnitt das Wichtigste betont: Der Herr hat Israel mit mächtiger Hand aus der Knechtschaft in Ägypten befreit (V. 3.9.14.16). Daran soll erinnert werden.

    Erinnerung ist wichtig. Wie schnell vergisst man all das Gute, das Gott einem getan hat! Interessant ist, dass im jüdischen Glauben das Erinnern nicht nur im Denken geschieht, sondern mit konkreten Handlungen verbunden ist: Es wird das Fest der ungesäuerten Brote gefeiert, die Erstgeburt der Tiere wird geopfert und die menschliche Erstgeburt wird mit Opfer ausgelöst. Das sind ganz handfeste Erlebnisse, die Erinnerung geschieht nicht nur abstrakt, sondern mit allen Sinnen.

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    Exodus 6 Wenn uns der Atem ausgeht

    Nachdem Mose ein bisschen rumgejammert hat, folgen noch einmal großartige Verheißungen Gottes. Er unterstreicht noch einmal die besondere Bedeutung seiner Namensoffenbarung, er versichert Mose, dass er das Klagen und Leiden seines Volkes gesehen hat und dass er sie befreien wird. Er bestätigt, dass das Volk Israel sein besonders auserwähltes Volk ist und dass er es in das verheißene Land führen wird. Besonders gefallen hat mir auch die Verheißung, dass er die Israeliten erlösen wird. Vom Wortursprung her bedeutet „erlösen“ das Freikaufen von Sklaven. Mir ist dabei Jesus eingefallen, der uns durch seinen Tod freigekauft hat von der Sklaverei des Sünde.

    Und wie reagiert das Volk auf diese großartigen Verheißungen? „Aber sie hörten nicht auf ihn vor Kleinmut und harter Arbeit.“ (V.9) Das war kein böswilliger Unglaube, sondern sie waren einfach brotfertig von der harten Arbeit. Was Luther mit Kleinmut übersetzt, bedeutet vom hebräischen her eigentlich „Kurzheit des Atems“. Ihnen ging die Luft aus! Sie konnten nicht mehr! Die großartigen Verheißungen kamen bei ihnen gar nicht mehr an, weil sie so erschöpft waren. Dementsprechend ist auch Mose nicht gerade zuversichtlich: Wenn schon das eigene Volk nicht auf ihn hören will, wie dann erst der ägyptische Pharao? (V.12)

    Rein menschlich gesehen haben die tollen Verheißungen jetzt keine Wirkung mehr. Rein menschlich gesehen ist der große Traum der Freiheit ausgeträumt. Rein menschlich gesehen ist damit schon alles vorbei. Aber es gibt da ja noch Gott! Wenn uns der Atem ausgeht, so ist er doch da und bringt seinen Willen zum Ziel!

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    Exodus 3, 6-12 Gott handelt

    Sehr schön wird an dieser Stelle wieder das Ineinander von göttlichem und menschlichem Handeln deutlich. Einerseits sagt Gott von sich: „Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande.“ (V.8) Und andererseits überträgt er genau diese Aufgabe an Mose: „So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.“

    Damit Gottes Wille geschieht ist beides wichtig: dass Gott handelt und dass der Mensch handelt. Mose hat ja schon vorher gehandelt und auf eigene Faust versucht, ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen (er schlug einen ägyptischen Mörder zu Tode; Ex.2,11f), aber das ging irgendwie in die Hose. Wahrscheinlich, weil hier nur der Mensch gehandelt hat. Wenn menschliches Handeln aufgrund von göttlichem Auftrag geschieht, dann sieht die Sache anders aus.

    Könnte nun Gott auf der anderen Seite ohne menschliches Handeln nichts tun? Braucht Gott menschliches Handeln, um in diese Welt eingreifen zu können? Ich bin davon überzeugt, dass er uns dazu nicht braucht. Er ist Gott, er kann tun und lassen was er will. Aber wenn wir die Bibel lesen, dann stellen wir fest, dass er es offensichtlich nicht will. Gott will die Israeliten nicht durch ein gigantisches übernatürliches Wunder aus der Gefangenschaft befreien, sondern er will den Mose dafür gebrauchen. Gott scheint nicht am Menschen vorbei handeln zu wollen, sondern durch ihn hindurch. Was will er wohl durch mich und dich hindurch tun?

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    Exodus 1 Auf dem Weg in die Freiheit

    Was für ein Volk! Schon der Stammvater Abraham war auf der Wanderschaft in das verheißene Land. Seine Nachkommen mussten nach Ägypten fliehen. Und schon damals war es so, dass sie nirgends richtig erwünscht waren. In Ägypten ging es ihnen anfangs gut, aber mit der Zeit dachten die Ägypter schon damals: Die Hebräer müssen wir irgendwie los werden. Im Lauf der Jahrhunderte und bis heute haben sich das schon manche gedacht: Die Hebräer, die müssen wir irgendwie los werden – und keiner hat es geschafft. Das Buch Exodus macht etwas deutlich von der besonderen Beziehung Gottes zu diesem Volk.

    Gott führt sein Volk aus der Fremde und der Knechtschaft in die Freiheit. Das brauchen wir bis heute: Dass Gott uns aus allen falschen Bindungen befreit. Auch wenn es kein leichter Weg ist, so ist es der Weg in die Freiheit. Manchmal scheint es einfacher, sich mit den Gegebenheiten abzufinden, als allein auf Gott zu vertrauen. Mit dem Buch Exodus möchte ich mich mit auf den Weg machen und lernen, was auf dem Weg in die Freiheit wichtig ist.

    Was mir in diesem Kapitel besonders gefallen hat, ist der Mut und die Schlauheit der Hebammen. Es wird aus dem Text nicht deutlich, ob es sich um Hebammen aus dem hebräischen Volk handelte oder um Andere, die eben für die hebräischen Frauen zuständig waren. Auf jeden Fall haben sie Mut bewiesen!

    Der Text macht deutlich, dass es zwar eindeutige Gebote gibt (Du sollst nicht lügen!), dass es aber im konkreten Leben oft ein Abwägen gibt zwischen verschiedenen konkreten Geboten. In diesem Fall wiegt das Gebot „Du sollst nicht töten“ schwerer als das Gebot „Du sollst nicht lügen“.

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