Römer 5, 1-5: Kein Schönwetterglaube

Auf den ersten Blick ist es kaum nachvollziehbar, warum wir uns der Bedrängnisse rühmen sollen. Das klingt so negativ. Aber Rechtfertigung ist doch etwas Positives. Gott will uns doch befreien, er will und Frieden und Hoffnung schenken. Er will doch nicht, dass wir unter Bedrängnissen leiden! Offensichtlich geht Paulus aber davon aus – und hat es oft genug am eigenen Leib erlebt – dass gerade Christen in Bedrängnis geraten. Nicht trotz ihres Glaubens, sondern oft genug wegen ihres Glaubens. Für Paulus bricht damit der Glaube nicht zusammen, sondern im Gegenteil: er hat die Chance zu wachsen.

Paulus Antwort auf Bedrängnis ist nicht die schnelle Aufgabe, sondern die geduldige Ausdauer. Es geht ihm um ein ausdauerndes Dranbleiben am Glauben. Um ein Festhalten trotz Widerständen. Wenn wir in Not geraten, dann haben wir zwei Möglichkeiten: Die Not kann uns weg von Christus treiben, oder sie kann uns um so näher zu Christus hin treiben. Schönwetterglaube ist relativ einfach. Tiefer und fester wird der Glaube aber vor allem in Krisenzeiten. Wer in solchen Zeiten an Gott festhält und dann auch erfährt, dass er gehalten wird, der erfährt auf einer ganz anderen Ebene, dass sich Glaube bewährt. Der kann ganz neu auf Christus hoffen und vertrauen.

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1. Thessalonicher 3, 1-13 Bedrängter Glaube

Zwei Wortfelder stehen sich in diesem Abschnitt gegenüber. Zum einen das Wort „Bedrängnis“ (3x), ergänzt durch „Versucher“ (V.5) und „Not“ (V.7) und zum anderen das Wort „Glaube“ (5x), ergänzt durch das Wort „Liebe“ (V.6.12). Beides betrifft nicht nur die Thessalonicher, sondern auch Paulus selbst.

Offensichtlich schließen sich Glaube und Bedrängnis nicht aus – es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Glaube heißt nicht, dass wir ein problemloses und einfaches Leben bekommen, sondern Glaube ist immer auch angefochtener und bedrängter Glaube. Das wollen wir natürlich in unserer Wellness-Gesellschaft nicht so gerne hören. Wir würden Glauben auch gerne als wohltuendes und beglückendes Produkt ohne Nebenwirkungen unter die Menschen bringen. Aber so einfach ist das nicht. Für mich ist der Glaube an Jesus Christus auf jeden Fall wohltuend und beglückend. Aber er schafft auch Bedrängnisse und Anfechtungen.

Paulus ist es wichtig, dass die Thessalonicher gerade in diesen Bedrängnissen „wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann“ (V.12). Das ist ist die Kunst des Glaubens: sich von Bedrängnissen nicht aus der Spur bringen lassen, sondern daran wachsen. Das geht nicht durch eigene Kraft, sondern nur im Vertrauen auf den Herrn, der uns wachsen lässt (V.12).

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Hebräer 10, 32-39 Das süße Gift der Müdigkeit

Offensichtlich sind viele der Adressaten des Briefes zu Beginn ihres Glaubens Anfeindungen und Bedrängnissen ausgeliefert gewesen. Aber ihr Glaube war damals noch fest und treu. Inzwischen scheint ihr Glaube nicht mehr von außen bedroht zu sein. Die Bedrohung kommt von innen: ihre eigene Müdigkeit und fehlende Geduld. Leider können wir diese Beobachtung immer wieder machen: Glaube der bedrängt wird, scheint fester zu sein, als Glaube der sich ohne Widerstände entfalten könnte.

Ich hab immer ein ungutes Gefühl dabei, wenn über den christlichen Glauben in Deutschland gesagt wird: „Denn Menschen geht es zu gut, deshalb glauben so wenig an Gott.“ Das kann doch nicht die grundlegende Motivation für den Glauben sein! Gott als Notnagel, weil es mir schlecht geht?! Andererseits mache ich selbst ähnliche Erfahrungen. In der Zeit meiner Krankheit war mir Gott besonders nahe. Ich spürte in besonderer Weise seine Nähe und es war in mir ein großes Vertrauen und eine große Geborgenheit in Gott. Inzwischen geht es mir gesundheitlich wieder gut, aber zugleich merke ich, wie mein Glaube müder geworden ist und die Beziehung zu Gott nicht mehr so intensiv.

Schon Luther hat gesagt, dass zu einem gesunden Glaubensleben auch die Anfechtung dazu gehört. Damit Glaube wachsen kann und sich weiter entwickeln kann, muss er immer wieder auch in Frage gestellt werden. Dabei ist die äußerliche Anfechtung letztendlich einfacher zu bewältigen, auch wenn sie schwerer erscheint. Man hat einen deutlichen Feind, gegen den man kämpfen kann und vor dem man in Gottes Arme fliehen kann. Einer innere Anfechtung des Zweifels oder der Bequemlichkeit ist viel schwerer zu begegnen. Gegen das süße Gift der Müdigkeit hat man es schwerer als gegen einen lärmenden und waffenstrotzenden Feind.

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Apostelgeschichte 14, 20-28 Bedrängnisse

Auf dem Rückweg ihrer ersten Missionsreise besuchen Paulus und Barnabas noch einmal die von ihnen gegründeten Gemeinden. Sie ermutigen, ermahnen und helfen bei der Organisation der Gemeinde. Wie die Missionare selbst erleben die jungen Gemeinden selbst, dass es nicht einfach ist, ihren christlichen Glauben im Spannungsfeld zwischen jüdischer Frömmigkeit und heidnischer Religiosität zu leben. Von allen Seiten her werden sie in Frage gestellt und angegriffen. Paulus und Barnabas sagen deshalb: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ (V.22)

Die Bedrängnisse meines Glaubens hier und heute in Deutschland sehen anders aus. Mich bedrängen die Gleichgültigkeit und Sattheit vieler Menschen hier. Mich bedrängt meine eigene Bequemlichkeit und Faulheit in meinem Glaubensleben. Mich bedrängt die Not so mancher Christen, die an ihrem Leben und an Gott verzweifeln. Mich bedrängen meine eigenen Fragen, Zweifel und Anfechtungen. Mich bedrängt die weltweite systematischen Ungerechtigkeiten zwischen Reich und Arm, sowie unser fahrlässiger Umgang mit Gottes Schöpfung. Mich bedrängt wie wenig ich daran ändern kann und wie überfordert ich mich mit den Problemen unserer Welt fühle. Auch mich bedrängt wie die Christen damals die Frage: Wo bleibt das Reich Gottes?

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Epheser 2, 8-13 Der unausforschliche Reichtum Christi

Paulus wirft in diesem Abschnitt ganz schön mit Superlativen um sich: Er spricht nicht nur vom Reichtum Christi, sondern vom unausforschlichen Reichtum Christi, nicht nur von einem verborgenen Ratschluss, sondern von einem geheimen Ratschluss, der von Ewigkeit her verborgen war, nicht nur der Weisheit Gottes, sondern von der mannigfaltigen Weisheit Gottes.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man von den Umständen hört, in denen Paulus sich befindet. In 3,1 bezeichnet er sich als Gefangener, in 3,13 spricht er von Bedrängnissen. Aber vielleicht wird ihm ja gerade in der eigenen Not die Größe und Herrlichkeit Gottes umso bewusster? Vielleicht ist es ein Trugschluss, wenn wir heute manchmal meinen, die Größe und Herrlichkeit Gottes müsste sich so zeigen, dass es auch uns großartig und herrlich geht. Ich glaube es ist tatsächlich so, dass Leute die Schweres durchmachen, einen klareren Blick für den „unausforschlichen Reichtum Christi“ haben können. Nämlich dann, wenn sie nicht über ihr eigenes Unglück jammern, sondern wenn sie auf Gott schauen.

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Psalm 138 – Mitten in der Angst

Wenn ich mitten in Angst wandle, so erquickest du mich.“ (V.7) Das Wort, das Luther hier mit Angst übersetzt ist eigentlich eher mit „Bedrängnis“ zu übersetzen. Es ist also das gemeint, was einen in Angst versetzen kann. Trotzdem find ich die Übersetzung Luther in Ordnung. Denn es geht in der zweiten Hälfte gerade nicht darum, dass Gott die Bedrängnis weg nimmt, sondern dass er uns hilft damit umzugehen, dass er uns in unserer Angst hilft und „erquicket“.

Vor kurzem hab ich bei einem christlichen Psychologen einige spannende Ausführungen zum Thema Angst gelesen (U. Giesekus: Glaub dich nicht krank). Er betont, dass nicht die Angst an sich schlecht ist. Angst und auch andere Gefühle sind einfach normale Reaktionen, die Gott uns mitgegeben hat und die uns helfen sollen Gefahren zu erkennen und dann richtig zu reagieren. Wenn wir als Christen sagen, dass wir gar keine Angst zu haben brauchen (oder schlimmer: keine Angst haben dürfen), dann verdrängen wir unsere Gefühle und machen uns krank. Das Problem ist nicht die Angst an sich, die ist normal und okay. Das Problem ist, wenn wir falsche oder übertriebene Ängste haben oder wenn wir unangemessen auf die Angst reagieren.

In diesem Psalm geht es nun nicht unbedingt darum, dass Angst als etwas Neutrales oder sogar Positives dargestellt wird. Aber es wird deutlich, dass Gott nicht einfach alle Bedrängnis und Angst weg nimmt, sondern dass es ihm wichtig ist, dass wir richtig darauf reagieren. Er hilft uns durch die Angst hindurch, er erquickt uns, d.h. er gibt uns neue Kraft und Hoffnung. Wichtig in der Angst ist, dass sie nicht zu groß und übermächtig wird und uns lähmt. Das Gefühl der Angst an sich können wir nicht einfach abstellen – sie ist da und warnt uns vor Gefahr. Aber aus Perspektive des Glaubens kann sie ins richtige Verhältnis gesetzt werden.
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