Sacharja 2, 10-17 Gottes Augapfel

Das Volk Israel als Gottes Augapfel (V.12). Wer dieses Volk antastet, der legt sich mit Gott selbst an. Aus der Sicht Sacharjas belegt der Untergang Babyloniens diese Aussage. Auf der anderen Seite macht er auch deutlich, dass letztendlich nicht die Babylonier Gottes Volk besiegt und ins Exil geführt haben, sondern dass Gott selbst dahinter steht: „Ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut, spricht der Herr.“ (V.10)

Interessant ist auch, dass gerade in diesem Zusammenhang der Blick über Israel hinaus geht. Gott sagt: Es werden „viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein“ (V.15). Gottes Heil ist nicht auf ein einzelnes Volk beschränkt, auch wenn er sich diesem Volk in besonderer Weise zuwendet.

| Bibeltext |

Hesekiel 12 Beharrungskräfte

Warum soll ich was ändern, so lange alles glatt läuft? Ich kann diesen Gedanken verstehen. Hesekiel predigt Gericht und Untergang, aber für viele in Israel läuft alles normal weiter. Sie merken nichts von Untergang. Schon Jeremia hat vor Hesekiel Jahrzehntelang Gericht und Untergang gepredigt, aber viele sitzen nach wie vor zufrieden in ihren Häusern und leben ihren Alltag. Nachvollziehbar, dass sich da mancher sagt: „Es dauert so lange und es wird nichts aus der Weissagung.“ (V.22)

Dabei ist durchaus was passiert: Jerusalem wurde angegriffen, die Oberschicht (unter ihnen auch Hesekiel) nach Babylonien deportiert, Juda war endgültig ein Vasallenstaat der Babylonier geworden. Aber solange meine kleine heile Welt davon nicht betroffen ist juckt mich das wenig… Ich glaube diese Beharrungskräfte gibt bis heute: so lange für uns alles glatt läuft im Leben, tun wir uns schwer, uns von Gottes Wort wach rütteln zu lassen. Solange für mich alles funktioniert, brauch ich ja nichts zu ändern.

| Bibeltext |

Jeremia 50 Warum nicht gleich so?

Gott benutzte die Babylonier, um die damalige Welt kräftig durcheinander zu wirbeln. Das bedeutet aber nicht, dass die Babylonier ungeschoren davon kommen, dass sie tun und lassen können, was sie wollen. In diesem Kapitel kündigt Jeremia auch den Babyloniern Gottes Strafgericht an. Gott bestraft ihren Stolz, ihre Überheblichkeit und ihre Ignoranz für den wahren Gott. Und tatsächlich: 539 v. Chr. wird Babylon vom Perserkönig Kyros erobert…

Für die Juden wird das dann auch eine Zeit des Aufatmens sein: sie dürfen wieder in ihre Heimat zurück kehren und Gott wird ihnen ihre Sünden vergeben (V.19-20). Da fragt man sich natürlich: Warum nicht gleich so? Warum die ganzen Katastrophen und Kriege? Warum der Untergang Jerusalems und die Gefangenschaft in Babylonien? Warum vergibt Gott nicht gleich zu Beginn die Sünden? Dann wären doch alle zufrieden?!

Ich glaube das liegt daran, dass Sündenvergebung ohne Einsicht in die eigene Schuld nichts bringt. Sie bringt keine wahre Veränderung. Wer seine Fehler nicht einsieht, dem bringt es auch wenig, wenn man sie ihm verzeiht. Vielleicht ist das ein wenig so wie bei der Kindererziehung: Wenn man ständig alles durchgehen lässt erzieht man seine Kinder zu unglücklichen und unzufriedenen kleinen Tyrannen…
Bibeltext

Jeremia 49 Gott handelt in der Geschichte

In diesem Kapitel finden sich weitere Weissagungen gegen Nachbarvölker von Israel: gegen Ammon (östlich von Juda), gegen  Edom (südlich von Juda), gegen Damaskus (nordöstlich von Juda – wobei Damaskus als Hauptstadt für das syrische Reich steht), gegen arabische Stämme (in der weiter östlich von Juda gelegenen Wüstengegend) und gegen Elam (nördlich von Babylonien).

Sie alle betrifft die Machtexpansion des babylonischen Großreichs. In der damaligen Zeit waren Politik und Religion nicht getrennt, sondern auf engste verbunden. Die Babylonier eroberten im Namen ihres Gottes andere Länder. Wenn Jeremia hier nun Weissagungen vom Gott der Bibel gegen andere Völker ausspricht, so hat das auch eine sehr politische Dimension. Man ahnt in diesem Kapitel etwas von dem Schrecken, der von Babylonien damals ausging.

Trotzdem bleibt bei Jeremia deutlich, dass Babylonien nur so handeln und erobern kann, weil Gott selbst es zulässt. Gott gebraucht den babylonischen König Nebukadnezar und seine brutale Kriegspolitik und stellt sie in seinen Dienst. Wobei wir nicht den Fehler machen dürfen und jede geschichtlich-politische Gegebenheit als Willen Gottes anzuerkennen. Hier wird die politische Lage erst durch das Prophetenwort des Jeremia als Handeln Gottes gedeutet. Die Kunst ist zu erkennen, wann Gott dahinter steht und wann nicht, wann wir uns in eine schwieriges Schicksal ergeben müssen und daraus lernen müssen, und wann wir dagegen ankämpfen müssen.
Bibeltext

Jeremia 46 Ägypten ist keine Lösung

In einer langen Reihe von Gerichtsworten kommt bei Jeremia als erstes Ägypten dran. Das ist kein Zufall. Israel hat eine lange Geschichte mit Ägypten. Ägypten ist das Land der Gefangenschaft. Gott hat sein Volk daraus befreit und in das verheißene Land geführt. Schon auf dem Weg dorthin haben sich manche wieder zurück gesehnt nach den „Fleischtöpfen“ Ägyptens. Zur Zeit Jeremias suchen die Juden nun wieder Zuflucht in Ägypten. Schon vor der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier haben sie immer wieder Hoffnung, dass die Großmacht Ägypten die andere Großmacht Babylonien stoppt – eine vergebliche Hoffnung. Und nach der Katastrophe kehren die übrig gebliebenen Israeliten wieder nach Ägypten zurück – in das Land der Gefangenschaft.

Ägypten ist keine Lösung. Zurück in das Land der Gefangenschaft: das erscheint vielleicht bequem und sicher – aber es ist nicht Gottes Weg mit seinem Volk. „Zur Freiheit hat uns Christus berufen.“ (Gal.5,10)  Er möchte sie selbst in Gefahr beschützen, er möchte sie selbst führen, er möchte nicht, dass sie sich auf menschliche Hilfe verlassen. Wo ist mein Ägypten? Wo sind meine Abhängigkeiten und Bequemlichkeiten? Wo vertraue ich lieber auf menschliche Hilfe als auf Gott?
Bibeltext

Jeremia 42 Warten auf Gottes Antwort

Aus Angst vor den Babyloniern will der kleine Rest, der in Israel zurückgeblieben ist, fliehen. Sie fürchten sich vor Bestrafung, weil der vom Babylonierkönig eingesetzte Statthalter getötet wurde. Sie glauben offensichtlich nicht daran, dass sie die Umstände dieses Todes erklären können und klar machen können, dass es nicht ihre Schuld war. Doch bevor sie sich aus dem Staub machen, fragen sie zur Sicherheit noch den Propheten Jeremia, was den Gott dazu meint.

Für die Juden ist das jetzt eine dringende Angelegenheit. Je schneller sie weg sind, desto geringer das Risiko, dass sie entdeckt werden. Aber Gottes Wort kommt nicht sofort auf Bestellung: „Und nach zehn Tagen geschah des Herrn Wort zu Jeremia.“ (V.7) Ich kann mir vorstellen, dass dies für die Wartenden zehn lange Tage waren… Gott lässt sich Zeit – auch bei dringenden Entscheidungen. Er antwortet, wenn wir ihn anrufen – aber seine Antwort lässt sich nicht herbeizwingen. Wir müssen manchmal länger darauf warten, als uns lieb ist.
Bibeltext

Jeremia 41 Schwer von Begriff

Und noch immer haben manche nicht erkannt, was dran ist. Anstatt in Demut zu Gott umzukehren und zu fragen, was er von seinem Volk möchte, handelt ein gewisser Jischmael selbstsüchtig, hinterhältig und beleidigt. Er ist aus königlichem Geschlecht und gönnt es dem Gedalja nicht, dass er von den Babyloniern als Statthalter eingesetzt wurde. Deshalb geht er hin und erschlägt ihn einfach. Dann flieht er zu den Ammonitern.

Kaum zu fassen: Man müsste denken, nach dieser großen Katastrophe- dem Untergang Jerusalems – müsste auch der letze begreifen, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Aber manche wollen es nicht kapieren, sie denken einfach in den alten Bahnen weiter…
Bibeltext

Jeremia 40 Seiner Stimme nicht gehorcht

Das ist schon tragisch! Der babylonische Offizier versteht sofort was hier passiert ist: „Der HERR, dein Gott, hat dies Unglück über diese Stätte vorhergesagt und hat’s auch kommen lassen und getan, wie er geredet hat; denn ihr habt gesündigt wider den HERRN und seiner Stimme nicht gehorcht; darum ist euch solches widerfahren.“ (V.2) Das ist genau das, was Jeremia die ganze Zeit gepredigt hat und was seine Landsleute nicht wahrhaben wollten.

Sie haben es ganz einfach nicht glauben können, dass Gott so etwas zulässt, dass er den Feind triumphieren lässt und seinem Volk solch eine Niederlage zumutet. Inzwischen dürfte es auch ihnen dämmern, dass Jeremia und dieser babylonische Soldat Recht hatten. Besser spät als nie!
Bibeltext

Jeremia 39 Endlich die große Katastrophe

Seit 40 Jahren (!) predigt Jeremia auf immer neue Weise dasselbe: „Wenn ihr nicht umkehrt zu Gott, dann wird es eine große Katastrophe geben.“ Er wurde nur von wenigen gehört. Jetzt (endlich?!) tritt die große Katastrophe ein: Jerusalem wird von den Babyloniern eingenommen, zerstört (nach 2.Kön.25,9 auch der Tempel) und die Ober- und Mittelschicht nach Babylonien deportiert.

Wie sich Jeremia wohl gefühlt hat? Ich glaube er wurde von ganz unterschiedlichen Gefühlen zerrissen: Auf der einen Seite leidet er mit seinem Volk (immer wieder wird das im Jeremiabuch deutlich). Die Zerstörung seiner Heimat muss auch für ihn schrecklich gewesen sein. Vielleicht hatte er bis zum Schluss die Hoffnung, dass sein Volk umkehrt oder dass Gott Gnade vor Recht ergehen lässt. Andererseits war er vielleicht auch erleichtert: Endlich macht Gott seine Drohungen wahr. Endlich können alle sehen, dass ich die letzten 40 Jahre keinen Blödsinn erzählt habe, sondern Gottes Wort weiter gegeben habe.

Vielleicht hatte er auch damals schon die Hoffnung, dass jetzt endlich – nach der großen Katastrophe – auch die Zeit für einen Neuanfang zwischen Gott und seinem Volk gekommen ist. Man sagt das ja auch von manchen Suchtkrankheiten: Ab einem gewissen Punkt kann Heilung nur noch nach dem großen Zusammenbruch geschehen. Erst wenn der Süchtige am Boden zerstört ist und wirklich mit aller Konsequenz den Karren an die Wand gefahren hat, wird er auch innerlich bereit, für einen Neuanfang. Vielleicht ist es im Glauben manchmal ähnlich: Solange man sich durch eigenes Strampeln noch über Wasser halten kann, verzichten viele auf die rettende Hand Gottes…
Bibeltext

Jeremia 37 Ein Mann zwischen den Fronten

Zedekia war der letzte König von Juda. Er wurde eingesetzt vom König von Babel. Zedekia war ein Mann der zwischen den Fronten stand. Auf der einen Seite die Abhängigkeit von den Babyloniern, auf der anderen Seite waren seine Berater für ein politisches Bündnis mit Ägypten und gegen Babylon. Und tatsächlich gab es auch Hoffnung: die Ägypter rückten mit einem Heer an und die Babylonier gaben die Belagerung Jerusalems auf, um gegen die Ägypter zu kämpfen. Aber die Erleichterung währte nicht lange: die Babylonier schlugen die Ägypter vernichtend und kehrten nach Jerusalem zurück.

Auch religiös schwankte Zedekia hin und her. Auf der einen Seite hoffte er dass die Heilspropheten recht hatten, die sagten, dass Gott Jerusalem beschützen werde, auf der anderen Seite nagten die Anfragen: „Was ist, wenn dieser Jeremia doch recht hat? Vielleicht stimmt seine Botschaft ja doch und vielleicht spricht er wirklich im Auftrag Gottes?“ Er lässt den inzwischen verhafteten Jeremia heimlich befragen. Aber sein Mut reicht nicht aus, den Worten Jeremias wirklich zu vertrauen und sich gegen die politischen Zwänge und das religiöse Establishment durchzusetzen.

Das kennen wir doch auch! Wir ahnen, was richtig wäre, aber wir haben nicht den Mut uns gegen die Zwänge und Gegebenheiten durchzusetzen. Wir ahnen, war wir tun sollten, aber wir haben Angst vor den schiefen Blicken unserer Zeitgenossen. An Zedekia sehen wir, dass es letztendlich nichts bringt, Gott nur ein wenig zu vertrauen. Halbheiten führen nicht weiter.
Bibeltext