Johannes 4, 27-42 Was macht satt?

Mich hat bei diesem Text vor allem V.34 angesprochen: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.“ Jesu Jünger waren im Dorf und haben etwas zu Essen besorgt. Jetzt sagt ihnen Jesus, dass er schon etwas gegessen hat. Wieder mal ein typisches Missverständnis: Jesus redet von einer anderen Speise, einer Speise die einen anderen Hunger stillt.

Was macht mich satt? Was stillt meinen tiefen inneren Hunger? Ich kenne so manches, was mich oberflächlich satt macht. Ich kenne so manches, was mich von meinem inneren Hunger ablenkt. Jesus wird satt, indem er Gottes Willen tut. Das erlebe ich auch, aber leider immer nur ansatzweise und bruchstückhaft. Viel zu oft gebe ich mich mit der oberflächlichen Befriedigung meines Hungers zufrieden. Viel zu oft verdränge ich diese tiefe innere Leere, die gefüllt werden will.

Schön finde ich an diesem Text, dass er anders endet als die Begegnung mit Nikodemus. Der vorbildlich fromme Nikodemus bleibt beim Fragen stehen. Die samaritanische Außenseiterin wird dagegen zu einer Zeugin, welche auch andere Menschen zu Christus führt.

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Hebräer 13, 9-14 Außenseiter

Als Christen sind wir von vornherein Außenseiter. Jesus Christus wurde nicht von der Masse angehimmelt und verehrt, sondern er hat „gelitten draußen vor dem Tor“ (V.12). So sollen auch wir hinausgehen aus dem „Lager“, wo sich die vielen im Schutz ihrer gemeinsamen Interessen und Ansichten zusammen finden, und wir sollen mit Jesus „sein Schmach tragen“ (V.13). Die anderen sind drinnen, wir sind draußen, weil auch Jesus draußen war.

Draußen sind wir auch, weil wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen. Wir wohnen hier nur vorübergehend. Es ist nicht unser eigentliches zu Hause. Das heißt nicht, dass wir das Leben hier nicht genießen dürften, aber wir wissen, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als all die irdischen Dinge. Auch in einer Ferienwohnung kann man es sich ja gemütlich einrichten und die Zeit genießen, aber man weiß, dass es irgendwann wieder nach Hause geht. Wir gehen auch irgendwann nach Hause – allerdings nicht in einen grauen und stressigen Arbeitsalltag, sondern in eine himmlische Ruhe (vgl. Hebr. 4,9f).

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Lukas 5, 12-16 Jesus berührt

Es berührt mich, wie Jesus mit dem Aussätzigen umgeht. Aussatz ist eine ansteckende Krankheit. Andere Menschen meiden den Kranken, sie haben Angst sich anzustecken. Darüber hinaus galt in Israel ein Aussätziger auch als religiös unrein. Wenn man rein vor Gott sein wollte, dann musste man Abstand vor Aussätzigen halten.

Jesus heilt ihn, indem er genau diese Grenze und diesen Abstand überwindet: „er streckte die Hand aus und rührte ihn an…“ Und erst dann wird beschrieben, wie der äußerliche Aussatz geheilt wird. Jesus heilt innen und außen. Er heilt nicht zuerst den äußerlichen Aussatz und dann darf der so rein gewordene sich ihm nähern. Nein, er geht auf den Aussätzigen zu und berührt seine Unreinheit. Gerade so geschieht Heilung.

Ich frage mich, wer heute die Aussätzigen in unserem Land, in unserer Gesellschaft sind. Wen wollen wir nicht in unserer Nähe haben? Bei welchen Menschen haben wir Berührungsängste? Wer sollte sich zuerst ändern, damit er Kontakt mit uns haben darf? Wie gehen wir mit solchen Menschen um und wie würde Jesus mit ihnen umgehen?

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Henderson/Casper: Jim and Casper go to Church

Ein hochinteressantes Buch. Eine ungewöhnliche und spannende Idee steht dahinter. Der Pastor Jim Henderson besucht zusammen mit einem Atheisten verschiedene Gemeinden und die beiden schreiben darüber, wie sie den Gottesdienst empfanden.

Zunächst mal zum Stil: Das Buch ist sehr gut zu lesen. Es ist spannend und unterhaltsam – nicht zu trocken! Die Eindrücke von den verschiedenen Gottesdiensten sind ganz bewusst sehr subjektiv gehalten. Es geht nicht um eine absolute Bewertung der einzelnen Gemeinden, sondern um die subjektiven und ganz persönlichen Eindrücke der beiden Autoren. In gewisser Weise ist das Buch eine gute Ergänzung zu dem Buch „unchristian„. Dort ging es anhand von Umfragen darum, wie Nichtchristen in Amerika die Christen wahrnehmen. Hier geht es um ganz persönliche Eindrücke.

Was dem Buch Frische und Authentizität verschafft ist die Grundidee: Wie sieht ein kirchlicher Außenseiter die Kirche? Natürlich gibt es dazu viele Bücher und Untersuchungen dazu, aber meistens sind es dann eben die Christen, die das ganze auswerten und die anderen Christen dann erklären wollen wie ein Außenseiter die Kirche sieht. Hier kommt der Außenseiter selbst zu Wort!

Die beiden haben Gottesdienste der unterschiedlichsten amerikanischen Gemeinden besucht, von ganz klein bis riesig groß. Natürlich waren auch Rick Warrens Saddleback und Willow Creek darunter (und die kamen nicht unbedingt am besten weg…). Neben der anderen Sichtweise auf einen ganz normale Gottesdienst ist das Buch auch ein tolle Einführung in die wichtigsten amerikanischen Kirchen.

Zwei Punkte die mir persönlich von dem Buch am meisten hängen blieben: Authentizität und Glaube, der in der Tat konkret wird. Das sind Gedanken, die immer wieder bei Casper auftauchten. Ihn schreckte oft die übertriebene Show ab (gerade in den Mega-Gemeinden). Da wird mit viel Technik, Aufwand, Geld, gestylten Musikern und geschliffenen Predigten die Botschaft des armen und einfachen Predigers Jesu weitergegeben. Was Casper am meisten beeindruckte waren dagegen Gemeinden, die nicht nur über Nächstenliebe sprachen, sondern die das auch ganz konkret lebten.

Mich überkam aber auch manchmal ein ungutes Gefühl beim Lesen des Buches. Die beiden klingen manchmal sehr überheblich, wenn sie die unterschiedlichen Bereiche des Gottesdienstes „bewerten“. Dieses über andere urteilen kann schnell in eine falsche Richtung führen. Ich finde dass das bei den beiden nicht ungut abdriftet, aber ich kann mir vorstellen, dass mancher Leser sich durchaus ermutigt fühlt, im Urteilen über andere Kirchen, die ihm nicht so passen. Dazu passt, dass im Zuge des Buches eine Homepage eingerichtet wurde, auf der man unterschiedliche Gemeinden bewerten konnte – inzwischen ist diese Bewertung wieder geschlossen, weil es wohl viel unangemessene Beiträge gab (sowohl in Richtung Eigenerbung der eigenen Gemeinde als auch böses Herunterziehen anderer Gemeinden… 🙁 )

Aber trotzdem: ein sehr anregendes Buch, um auch mal den Blickwinkel auf die eigene Gemeinde zu erweitern.

Matthäus 4, 12-17 – Jesus am Rand

Zwei Dinge sind mir in dem Abschnitt aufgefallen: Zum einen dass, Jesus sich nach Galiläa zurück zieht. Das war ein Randgebiet Israels. Die meisten Israeliten in diesem Gebiet wurden 732 v. Chr. von den Assyrern verschleppt und seitdem wohnten dort auch viele Nicht-Israeliten. Jesus beginnt seine Wirksamkeit also nicht im Zentrum des jüdischen Volkes (das wäre in Judäa), sondern am geographischen Rand.

Und das gilt ja nicht nur für die Geographie: Auch von den Gesellschaftsschichten her wendet er sich an die Außenseiter und Ausgestoßene (Zöllner, Huren, Kranke,…). Das heißt nicht, dass er eine Art „social gospel“ hatte, das nur auf sozial Schwache zugeschnitten war – seine Botschaft war allgemein und galt allen. Aber es zeigt ganz deutlich, dass er keine Berührungsängste hatte und dass ihm gerade die Leute am Rand der Gesellschaft wichtig waren.

Das zweite was mir auffällt ist seine Botschaft: Wortwörtlich die gleiche wie bei Johannes dem Täufer: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt. 3,2 und Mt. 4,17). Jesus hatte es offenbar nicht nötig, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Er wollte nicht unbedingt etwas Neueres, Besseres, Spektakuläreres als andere sagen, sondern konnte sich bescheiden der richtigen Botschaft anderer anschließen. Und das obwohl Johannes ja ganz groß Jesus angekündigt hat als denjenigen, der stärker ist als er, als denjenigen, der nicht nur mit Wasser tauft, sondern mit dem Heiligen Geist und mit Feuer, als denjenigen, für den er nicht mal gut genug ist, ihm die Schuhe hinterher zu tragen. Jesus war die Botschaft wichtiger als seine Person. Obwohl sich dann im Lauf des Evangeliums herausstellt, dass seine Botschaft untrennbar mit seiner Person zusammenhängt.