Exodus 3, 1-6 Dornbuschträume

In diesem Kapitel wird ein entscheidender Wendepunkt im Leben des Mose erzählt. Deshalb möchte ich das Kapitel gern in kleineren Abschnitten anschauen. Mose steckt mitten im Alltag: Schafe hüten. Irgendwo draußen in der Steppe. Einöde. Heißes Wetter. Wenig los. Er war nicht auf der Suche nach einer besonderen Gotteserfahrung, er hat nicht den Geist Gottes herunter gebetet, er hat nicht nach der Gegenwart Gottes geschrien, sondern er hat ganz einfach auf seine Schafe aufgepasst. Er hat das getan, was er jeden Tag tat.

Doch dann sieht er diesen brennenden Dornbusch. Ein brennender Dornbusch in der heißen Steppe ist ja nicht unbedingt etwas außergewöhnliches. Das besondere an diesem Dornbusch: Mose „sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ (V.2) Gott begegnet im brennenden Feuer. Mir gefällt dieses Bild vom Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt sehr gut. Strohfeuer gibt es genug in unserer Welt. Kurze, heiße und helle Feuer sieht man genügend. Aber wir sehen auch, wie viele Menschen ausgebrannt am Wegrand liegen bleiben.

Ich möchte gern so ein Dornbusch sein. Nicht im eigenen Feuer verbrennen, sondern Gottes unerschöpfliche und stetige Flamme in mir brennen lassen. Die Welt erleuchten, ohne irgendwann als ein Haufen Asche zu enden.

| Bibeltext |

Exodus 3, 1-15 – Ausgebrannt?

Wieder eine geniale Auslegung von Klaus Douglass zu einem zentralen Bibeltext. Ich staune, wie er es immer wieder schafft, auf der einen Seite fundiert und mit theologischem Tiefgang an Texte heran zu gehen und andererseits den Text persönlich und existentiell sprechen lässt. Das fällt ja oft auseinander: da gibt es die einen, die hoch theologisch über Bibeltexte philosophieren und streiten können, bei denen aber der Bibeltext oft seltsam unwirklich bleibt und nicht zu nah an das persönliche Leben heran gelassen wird. Und dann gibt es die Betroffenheitsprediger, die immer tief berührt sind von biblischen Texten, bei denen aber oft keine tiefer gehende und auch kritische Beschäftigung mit den Texten stattfindet.

FeuerflammeBei dem Text heute bringt Douglass den brennenden Dornbusch mit uns selbst in Verbindung. Mose und auch wir sollten so sein, wie der brennenden Dornbusch: Wir sollten nicht aus eigener Kraft brennen (und dabei schnell ausgebrannt zu Asche zerfallen), sondern wir sollten uns Gott in unserer ganzen Stacheligkeit, Schwachheit und Trockenheit zur Verfügung stellen, damit er in uns brennen kann.

Dazu ein schönes Zitat aus dem Buch: „Es ist kein Zufall, dass Gott einen Dornbusch wählte, um sich darin zu offenbaren. Indem Gott Mose in einem brennenden Dornbusch erscheint, vermittelt er ihm: ‚Gerade das Öde und Leere, das Gescheiterte und Ausgebrannte, das von anderen Verurteilte und Verachtete, das Verwundete und Verletzte in deinem Leben soll zum Ort meiner Gegenwart werden. Es gibt nichts in deinem Leben, das keinen Sinn hätte, das nicht von mir, Gott, verwandelt werden könnte in Schönheit und Herrlichkeit.‘ Welch ein Umwertung aller Werte! Es kommt nicht darauf an, dass wir grünen und blühen, sondern dass wir uns so, wie wir sind, Gott hinhalten.“ (S.96)

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Foto: aboutpixel.de / Die Farbe des Feuers © Markus Burck