Johannes 21, 1-14 Der Mann am Ufer

Wir segeln auf den Meeren unserer Welt herum und versuchen ein paar Fische zu fangen. Es ist dunkel geworden und wir sind müde vom Auswerfen der Netze. Immer wieder versuchen wir es. Wir probieren unterschiedliche Methoden des Netzeauswerfens, wir probieren unterschiedliche Stellen auf dem Wasser, wir bemühen uns und hören nicht auf zu hoffen, doch noch etwas zu fangen. Immer wieder mal ein paar kleine Fische. Immer wieder mal einzelne, die vom Netze anderer Boote in unser Netz springen, … aber der große Fang bleibt aus.

Die Stimmung ist gedrückt. Der Arbeiter sind wenig. Enttäuschung und Müdigkeit macht sich breit. Wir fühlen uns überfordert und im Stich gelassen. Andere scheinen etwas erfolgreicher zu sein und geben uns freudestrahlend Tipps, wie wir es besser machen sollen. „Probiert doch dies und jenes, das hat bei uns funktioniert!“ Andere machen uns Vorhaltungen und zweifeln an unserer grundsätzlichen Einstellung. „Ich müsst es nur richtig wollen und fest daran glauben, dann geht es auch!“ Die Frustration entlädt sich an Bord in endlosen Diskussionen über den richtigen Kurs, die richtigen Methoden und die richtige Motivation.

Wir brauchen nichts so sehr wie den Auferstandenen, der am Ufer steht und uns beauftragt: „Werft die Netze aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ (V.6) Wir brauchen nicht noch bessere und ausgeklügeltere Methoden zum Fischfang. Wir brauchen nicht noch mehr Einsatz und Begeisterung. Wir brauchen keine Grabenkämpfe innerhalb des Bootes über den richtigen Kurs. Wir brauchen Jesus selbst. Seine Stimme. Seinen Auftrag. Seine Vollmacht.

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Lukas 10, 1-16 Arbeiter bitten um Arbeiter

Bei diesem Text bin ich gleich zu Beginn besonders hängen geblieben. Jesus sendet 72 Jünger aus und sagt ihnen dabei: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.“ (V.2) Die Jünger sollen also um das bitten, was sie selbst gerade tun. Sie sollen um Arbeiter bitten, die ausgesandt werden und werden selbst gerade von Jesus als Arbeiter ausgesandt. Eigentlich etwas seltsam. Jesus gibt einen Auftrag und zugleich sollen die Beauftragten darum bitten, dass Gott jemand sendet, der den Auftrag ausführt.

Wahrscheinlich geht es darum, dass die Ernte noch viel größer ist, als dass die (eigentlich schon beachtliche Zahl von) 72 Jünger das alles bewerkstelligen können. Es geht Jesus um mehr als um die paar Dörfer und Städte in welchen er zu Lebzeiten unterwegs war. Zugleich ist diese seltsame Formulierung für mich aber auch eine Verdeutlichung dafür, dass wir selbst nichts tun können, wenn wir nicht darum bitten, dass Gott es durch uns tut. Wenn wir uns nur mit unseren menschlichen Möglichkeiten an der Ernte abmühen, sind wir verloren. Gott muss durch uns und durch andere wirken.

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Lukas 9, 1-9 So selbstverständlich

Das klingt alles so einfach und selbstverständlich: Jesus ruft seine Jünger zusammen, befähigt sie und beauftragt sie zu predigen und zu heilen. Dann gehen die Jünger los, ziehen von Dorf zu Dorf und tun genau das, was Jesus ihnen aufgetragen hat: sie predigen und machen Kranke gesund.

Das mit dem Predigen kann ich ja noch einigermaßen nachvollziehen. Obwohl das für uns Jünger heute auch nicht mehr selbstverständlich ist. Klar: am Sonntag in der Kirche zu predigen – das ist selbstverständlich. Aber von Dorf zu Dorf zu ziehen, ohne Geld und Verpflegung – wer macht das heute? Und dazu nicht nur vom Heil reden, sondern das Heil anschaulich und konkret werden lassen, indem Menschen von Krankheiten gesund werden…

Ob das damals alles so selbstverständlich und problemlos ablief, wie es sich hier in dieser Zusammenfassung des Lukas anhört? Hat das bei manchen Jüngern besser funktioniert, als bei anderen? Wie haben die Menschen auf die Predigt der Jünger reagiert? Sind einfach alle Kranken auf wunderbare Weise gesund worden, oder geschah es zeichenhaft an Einzelnen? Würde Jesus seinen Jüngern heute, in unserer Zeit und Kultur, noch genau dieselben Aufträge geben? Was beabsichtigt Jesus für uns: sollen wir alle ohne Besitz als Wanderprediger durch die Lande ziehen? Das sind einige der Fragen, die ich mir bei diesem Text stelle…

Exodus 4, 10-17 Ein störrischer, alter Schafhirte

Hach, ich mag ihn – diesen störrischen, alten Schafhirten. Da begegnet ihm Gott persönlich und will ihn mit einem besonderen Auftrag losschicken und Mose findet einen Einwand nach dem anderen. Nach vielen beredeten Ausflüchten stellt er gegen Ende der Diskussion mit Gott fest, dass er eigentlich gar nicht so gut reden kann und dass es besser wäre, jemand anders zu schicken. Gott geht nicht darauf ein und als letztes Argument sagt Mose einfach: „Nee, macht ich ganz einfach nicht. Send wen du willst – aber nicht mich!“ (V13) Gott setzt sich am Ende durch, wobei er dem Mose seinen Bruder Aaron an die Seite stellt, damit dieser das Reden übernimmt.

Ich find’s genial, dass Gott so unterschiedliche Menschen gebrauchen kann. Da gibt es nicht nur die frommen und eifrigen Jesajas, die auf die Frage „Wen soll ich senden“ sofort losschreien: „Sende mich!“ (Jes.6,8), sondern eben auch die störrischen und ängstlichen Leute wie Mose. Und beide sind dann im Auftrag des Herrn unterwegs.

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Exodus 3, 16-22 Warum nicht eine elegantere Lösung?

Zwei Dinge sind mir aufgefallen an dem Text: Das erste ist, dass Gott den Mose beauftragt, dem Pharao eine Halbwahrheit zu sagen. Die Absicht Gottes mit seinem Volk wird ja klar in dem Text: Er will Israel aus Ägypten befreien. Dem Pharao soll man aber sagen, dass das Volk in die Wüste gehen will, um dort ihrem Gott zu opfern (V.18). Das ist nun nicht direkt eine Lüge, aber zumindest soll Mose nicht die ganze Wahrheit sagen. Interessant, dass auch Gott selbst so pragmatisch mit der Wahrheit umgeht!

Das zweite was mir aufgefallen ist und was ich am ganzen Buch Exodus befremdlich finde, ist folgendes: Von Anfang an ist klar, dass der Pharao das Volk Israel nicht gehen lassen will (V.19). Warum dann trotzdem die Verhandlungen mit dem Pharao, warum dieses ganze hin und her, warum die ganzen Plagen, warum nicht von Anfang an einfach fliehen? Hätte Gott da nicht eine elegantere Lösung finden können? Ich weiß, es ist müßig sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Die Geschichte ist nun mal so gelaufen und wir können Gottes Motivation nicht durchschauen. Aber es ist schon seltsam, dass Gott dem Mose den Auftrag gibt, dem Pharao etwas zu sagen, auf das dieser dann sowieso nicht hören will und wird.

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