1. Thessalonicher 5, 12-28 Überfordernde Aufforderungen?

Eine ganze Liste von Aufforderungen begegnen uns am Schluss dieses Briefes. Meint Paulus wirklich, dass eine kurze Aufforderung reicht, um Menschen wirklich zu verändern? Kann das wirklich funktionieren, dass er z.B. die Leser auffordert: „Seid allezeit fröhlich.“ (V.16) und wir sagen: „Ach so, Gott will dass ich fröhlich bin. Kein Problem. Dann bin ich von jetzt an allezeit fröhlich…“

Natürlich weiß Paulus ganz genau, dass es nicht so einfach ist. Es handelt sich hier nicht um einfache Aufforderungen, die man schnell mal umsetzen und abhaken kann. Nein, es sind eher Erinnerungen an wichtige Verhaltensweisen, bei denen wir ein ganzes Leben lang beschäftigt sind, sie einzuüben. Paulus weiß auch ganz genau, dass wir das alles nicht aus eigener Kraft tun können. Wir brauchen mehr als alles andere den „Gott des Friedens“, der uns durch und durch heiligt und bewahrt (V.23). Aus eigener Kraft kommen wir da nicht weit. Nicht einmal Paulus selbst. Auch er hat es nötig, dass andere für ihn beten (V.25).

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Lukas 6, 43-46 Ein guter Mensch

In meiner Bibel streiche ich mir wichtige Bibelverse mit unterschiedlichen Farben an. Bei V.45a bin ich mir nicht sicher, wie ich das anstreichen soll: „Ein guter Mensch bringt gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens.“ Ist das eher ein Gebot und eine Aufforderung, oder ist das eher eine Verheißung? Soll ich mich anstrengen ein guter Mensch zu sein, oder kommt es gar nicht auf mein Bemühen an, sondern nur darauf, ob ich ein guter oder böser Mensch bin? Ist das Gut-Sein ein Geschenk, welches dann auch automatisch Früchte trägt, oder muss ich daran arbeiten?

Ich denke irgendwie ist beides richtig. Es ist auf jeden Fall eine Verheißung. Wo Gott die Herzen nicht verändert, da kann nichts Gutes entstehen. Das macht die Bibel ja immer wieder deutlich: wir Menschen können uns nicht selbst von unserer Bosheit und Sünde befreien. Nur Gott kann Erlösung und Erneuerung schenken. Aber es ist auch eine Aufforderung: Lebe auch dementsprechend. Im Losungstext gestern hieß es: „Lernt Gutes tun!“ (Jes.1,17) Gutes tun muss demnach aus eingeübt werden. Lernen geschieht über Wiederholung. Je öfter ich etwas wiederhole, desto besser kann ich es.

Also beides: Verheißung und Aufforderung. Die Verheißung entlastet mich vor Überforderung. Es hängt nicht alles von meiner Kraft und meinem Willen ab. Gott wirkt in mir. Die Aufforderung bewahrt mich vor falscher Bequemlichkeit und Trägheit. Gott traut mir zu, dass ich das Gute, das er mir schenkt auch ausnütze und umsetze.

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Timotheus 2, 1-7 Spekulieren oder Beten?

Bei dem Abschnitt bin ich als erstes an V.4 hängen geblieben: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie die Wahrheit erkennen. Da taucht – bei mir zumindest – auch sofort die Frage auf: warum finden dann so wenige Menschen zu Gott? Darüber könnte man endlos nachdenken und spekulieren.

Dann hab ich mir aber den ganzen Abschnitt nochmal angeschaut. Das Ziel dieses Abschnittes ist nicht, dass wir ins Spekulieren verfallen sollen, sondern dass wir Beten sollen: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.“ Unsere Aufgabe ist nicht darüber nachzudenken, wie Gott alle Menschen retten will, sondern für alle Menschen zu beten – eben weil Gott alle Menschen retten will. Ausgangspunkt ist nicht die dogmatische Aussage, dass Gott alle erretten will, sondern Ausgangspunkt ist, dass wir für alle beten sollen. Die dogmatische Aussage ist dann nur die Begründung für unser praktisches Tun.

Es ist oft bequemer, beim Spekulieren hängen zu bleibenund darüber die praktischen Aufforderungen zu vergessen…

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