Apostelgeschichte 23, 12-35 Etappen auf dem Weg nach Rom

Ehrlich gesagt, kann ich mit diesem Text nicht besonders viel anfangen. Fanatische Juden wollen Paulus umbringen und die Römer sind sich etwas unschlüssig, wie sie mit Paulus umgehen sollen. Nicht jeder Bibeltext ist gleich wichtig für meinen persönlichen Glauben. Und auch nicht jeder Bibeltext ist von seinem theologischen Gewicht her gleich wichtig.

Ich denke, Lukas geht es darum das Schicksal von Paulus zu erzählen. In der gesamten Erzählung wird immer wieder deutlich, dass hier zwar Menschen handeln, dass aber letztendlich Gott seine Finger mit ihm Spiel hat. In Apg.23,11 spricht Gott dem Paulus zu, dass er in Rom Zeuge für das Evangelium sein wird. Dieser Text heute ist ein kleiner Baustein, wie Gott gerade das gegen Paulus gerichtete Verhalten von Menschen benützt, um diese Verheißung wahr zu machen.

Vielleicht ist das ja etwas, was ich mitnehmen kann aus diesem Text: Auch in meinem Leben kann ich Gottes Handeln oft nicht direkt erkennen. Ich fühle mich als Spielball des Schicksals, mache mir um so manche Bedrohungen Sorgen und es scheint von Gottes Seite her nicht viel zu passieren. Aber letztendlich ist er doch da und hat mein Leben im Griff.

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Richter 18 Religiöses Beiwerk

In diesem Kapitel geht es um den Stamm Dan. Er hat bei der Landverteilung eigentlich ein Gebiet nordwestlich von Juda bekommen. Aber offensichtlich konnten sie dort nicht dauerhaft Fuß fassen und wurden von den Philistern und Kanaanitern bedrängt. Deswegen suchen sie ein neues Siedlungsgebiet im äußersten Norden, am Fuß des Hermon.

So wie es hier erzählt wird, spielt Gott und Glaube dabei nur noch die Rolle eines religiösen Beiwerks. Nach Gott wird zwar gefragt, aber er soll nur bestätigen, ob der Weg, den sie gehen, auch zum Ziel führt (V.6). Auf dem Weg in ihre neue Heimat führen sie sich auf wie Räuber: sie stehlen die Götterfigur von Micha (vgl. Kap. 17) und werben auch sein Priester ab. Mit beidem gründen sie ihr eigenes Heiligtum (V.30f).

„Himmlischer Vater, lass mein Glaube nicht zum religiösen Beiwerk verkommen. Du weißt wie wir auch in Gemeinden schnell in der Gefahr sind, unsere eigenen Ziele zu verfolgen und unsere eigenen Heiligtümer zu bauen. Schenke mir ein Herz, das wirklich auf Dich sieht und auf Dich hört.“

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1. Timotheus 3, 14-16 Das Geheimnis des Glaubens

Ein Geheimnis ist normalerweise etwas, das man verborgen halten möchte, etwas, das man nicht ausplaudern sollte. Mit dem Geheimnis des Glaubens ist es anders. Seit Jahrhunderten verkündigen wir es in der ganzen Welt: Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, gestorben, auferstanden und zurück gekehrt in die himmlische Herrlichkeit. Das blöde ist nur, dass so wenige wirklich etwas von diesem Geheimnis erfahren wollen. Sie denken, sie kennen es schon und sie denken, es hätte keine Bedeutung für sie.

Aber ich brauche nicht auf andere zu zeigen: Habe ich selbst das Geheimnis des Glaubens richtig verstanden, in seiner Tragweite und Bedeutung richtig erfasst? Nein, auch ich bin noch auf dem Weg, auch ich habe nur eine kleine Ahnung von diesem wunderbaren Geheimnis des Glaubens, auch für mich ist es noch rätselhaft und unbegreiflich. Was bedeutet dieses Geheimnis in seiner Fülle für mich und meinen Glauben? Es bleibt ein lebenslanges Entdecken und Staunen.

Ach und übrigens: die Christen, die meinen sie hätten schon alles verstandenund jedes göttliche Geheimnis gelüftet, die gehen mir gehörig auf die Nerven…

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Josua 5 Gott begegnet

Dass Gott dem Mose im brennenden Dornbusch erschienen ist und ihn berufen hat ist eine bekannte Geschichte. Weniger bekannt ist, dass Moses Nachfolger Josua auch eine vergleichbare Erscheinung hatte. Allerdings begegnet Josua kein brennender Dornbusch, sondern ein Mann mit gezücktem Schwert. Der Mann gibt sich als Engelsfürst zu erkennen und fordert Josua auf, seine Schuhe auszuziehen, weil er auf heiligem Grund steht – genau wie bei Mose vor dem brennenden Dornbusch (1. Mo. 3,5)!

Ich finde es genial, wie Gott verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen auf verschiedene Art und Weise begegnet und sie für ihre Aufgaben ermutigt und stärkt. Auf Josua kommen schwierige Kämpfe zu. Der Engel mit dem Schwert macht ihm deutlich, dass nicht nur er oder das Volk kämpft, sondern dass Gott an ihrer Seite kämpft. Mose begegnet Gott in einem Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Mose musste lernen, dass Gott von ihm nicht kurz aufflammenden Zorn wünscht (im Zorn erschlug er einst einen Ägypter und flüchtete dann, 1. Mo. 1,12), sondern lang anhaltende Treue und Geduld auf dem Weg in die Freiheit.

Wie begegnet Gott mir? Was macht er mir deutlich? Welche Aufgabe habe ich und wie befähigt Gott mich dazu?

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Josua 1,7-18 Getrost und unverzagt

Drei mal kommt in diesem Abschnitt die Kombination „getrost und unverzagt“ vor. Anscheinend hatte es Josua nötig, auf diese Weise von Gott ermutigt zu werden. Es war ihm also auch klar, dass da kein Spaziergang auf ihn wartet. Obwohl Gott den Israeliten verheißen hat, obwohl es tolle Zusagen gab, dass Gott ihn begleiten wird. Er wusste: auch mit diesen Verheißungen ist es ein Wagnis, es wird etwas kosten, es wird nicht einfach werden. Deswegen diese Ermutigung von Gott her.

Ich lerne für mich daraus: Gottes Verheißungen sind kein Selbstläufer. Es ist nicht so, dass Gott etwas verheißt und ich dann nur dasitze und darauf warte, dass mir dieses Etwas in den Schoss fällt. Gott verheißt nicht, dass alles problemlos und wie von selbst läuft, sondern er verheißt seinem Volk das Land und er verheißt, dass er auf dem Weg dabei ist. Aber den Weg gehen, den muss Josua mit dem Volk selbst. Und Josua weiß, dass es trotz Gottes Verheißungen und seiner Begleitung kein einfacher Weg wird.

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Exodus 23, 20-33 (K)ein süßes Engelchen

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ (V.20) Ach wie süß von Gott! Er sendet uns einen Schutzengel, der uns den Weg beleuchtet und seine Flügel über uns breitet. Wer denkt da nicht an einen kleinen, kindlichen und weiß leuchtenden Engel, so ähnlich wie sie an vielen Christbäumen hängen?

Um so überraschender der nächste Vers: „Hüte die vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist.“ (V.21) Das hört sich schon nicht mehr so süß und heimelig an! Ja, Gott beschützt uns und leitet uns auf dem Weg. Aber er ist dabei nicht süß und harmlos, sondern heilig und mächtig! Er ist nicht der große Wünscheerfüller, der uns jedes Hindernis aus dem Weg räumt, sondern er begleitet uns und hat dabei auch Ansprüche und Herausforderungen an uns.

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John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

Schade, seine frühen Romane habe ich regelrecht verschlungen und war begeistert von seinen skurrilen Figuren, von einfallsreichen Geschichten und seiner bizarren Fantasie. Die letzten paar Bücher von ihm fand ich nicht so prickelnd und auch bei diesem (wie üblich langen) Roman musste ich mich phasenweise durchkämpfen.

Trotzdem ein guter Roman, der mir letztendlich auch gefallen hat. Und mit dem urwüchsigen und eigensinnigen Holzfäller Ketchum ist Irving wieder einmal ein toller skurriler Charakter gelungen. Wer Irving kennt, wird sich freuen, dass auch in diesem Buch wieder einmal Bären auftauchen und es an einigen Stellen um das Ringen geht.

Die Hauptperson des Buches und zugleich der Erzähler ist ein Schriftsteller, der als Sohn eines Kochs in einem Holzfällercamp aufwächst. Der Roman erstreckt sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren und erzählt fast die ganze Lebensgeschichte der Hauptperson. Auf Grund eines (wieder mal skurrilen) „Unfalls“ müssen der Erzähler und sein Vater aus dem Holzfällercamp fliehen und sie verbringen ihr restliches Leben in der Angst, aufgespürt und getötet zu werden. Immer wieder finden sie ein neues zu Hause und verbringen einige Jahre oder Jahrzehnte an einem Ort.

Der Holzfäller Ketchum ist im gleichen Alter wie der Vater und der beste Freund der beiden. Er begleitet ihr Leben aus der Ferne. Weil sie auf der Flucht sind wechseln sie öfters die Namen. Der Schriftsteller wird unter dem Pseudonym Danny Angel nach einiger Zeit recht erfolgreich, findet aber nie so richtig ein geordnetes Leben und privates Glück. Im Grunde ist das ganze Buch eine Beschreibung davon, wie einige Menschen trotz dunklen Schicksalsschlägen irgendwie durch’s Leben torkeln, ohne unter zu gehen.

Schwierig bei diesem Buch fand ich die Länge, die vielen verschiedenen Schauplätze und auch die vielen verschiedenen Personen, die auftauchen. Für meinen Geschmack ist das einfach zu viel des Guten und es verwirrt den Leser unnötig.

Gefallen hat mir wie gesagt die Figur des Ketchum, da leuchtet noch etwas auf von Irvings bissiger, übertriebener und doch liebevoller Erzählweise der frühen Romane. Gefallen hat mir auch der melancholische Grundton des Buches. Das Leben der Hauptperson ist geprägt von Verlustangst. Er hat mit zwei Jahren seine Mutter verloren und fürchtet nun ständig, die wenigen ihm nahestehenden Personen zu verlieren. Zur Dramatik des Buches gehört natürlich, dass er in diesem Bereich Schweres durchmachen muss. Er bleibt bis zum Ende auf der Suche nach einem Ort der Sicherheit und des Friedens, nach einem Engel, der ihn in die Arme nimmt und tröstet. Vielleicht ist es die Suche nach der verlorenen Mutter, in deren Armen er sich Geborgenheit und Sicherheit erhofft.

Ich glaube jeder Christ hat eine Ahnung von dieser Sehnsucht und Suche nach Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Friede. Biblisch gesprochen: Schalom. Wir sollten als Christen nicht so tun, als ob wir schon am Ziel sind und alle Fragen des Lebens beantworten können. Auch wir sind noch auf dem Weg, auf der Suche nach diesem umfassenden Schalom. Auch wir haben nur eine leise Ahnung von dieser Geborgenheit in Gottes Armen, die allen Schmerz verschwinden lassen wird. Aber ich glaube auch, dass wir Christen zumindest auch eine Ahnung davon haben, in welcher Richtung wir diesen Schalom suchen sollen…

Philipper 2, 19-24 Das Meine suchen

Irgendwie immer wieder beruhigend und zugleich erschreckend, dass es in den Gemeinden damals ähnlich zuging, wie bei uns. Paulus spricht hier von seinem vorbildlichen Mitarbeiter Timotheus. Er betont seine Zuverlässigkeit und bemerkt so nebenbei über andere Mitarbeiter: „Denn sie suchen alle das Ihre, nicht das was Jesu Christi ist.“ (V.21) Beruhigend ist, dass auch die Christen damals nicht perfekt waren. Ach damals wurde nur mit Wasser gekocht und die Christen hatten genauso mit ihrer Unperfektheit zu kämpfen wie wir. Erschreckend ist, dass selbst unter den Mitarbeitern des Paulus „alle“ (außer Timotheus) das Ihre suchen.

Wobei ich ja finde, dass man das nicht als Entweder-Oder bezeichnen kann. Ich glaube es gibt keinen Christen der ständig zu hundert Prozent sein Christsein ganz ohne Selbstsucht leben kann. Jeder macht Fehler und hat Vergebung nötig. Es geht darum auf diesem Weg zu wachsen: Immer mehr das zu suchen, was Christi ist und mich weniger um mich selbst zu drehen.
Bibeltext