Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd

Geiger: Selbstporträt mit FlusspferdSchade. Von Arno Geigers Buch „Der alte König in seinem Exil“ war ich begeistert – von diesem Buch nicht. Der Titel und die Idee mit dem Flusspferd klingt interessant. Aber leider haben mich die Geschichte und die Personen während des Lesens nicht gepackt, sondern eher gelangweilt. Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd weiterlesen

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Ein schönes, zartes, liebevolles Buch, das aber doch nicht kitschig ist. Der Schriftsteller Arno Geiger schreibt über seinen Vater, der an Alzheimer erkrankt ist. Das klingt ziemlich deprimierend und es wird an vielen Stellen des Buches auch deutlich, wie schwierig es für Familienangehörige ist, mit dieser Krankheit zurecht zu kommen.

Aber es ist kein schwermütiges Buch, sondern es ist trotz allem Schweren auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn der Autor lernt seinen Vater auf ganz neue Weise kennen, schätzen und lieben. Das alles stellt gut zu lesen dar und mich hat diese Vater-Sohn Geschichte sehr berührt.

Eine Stelle, die nicht direkt etwas mit dieser Beziehungsebene zu tun hat, fand ich besonders spannend: „Uns Gesunden öffnet die Alzheimerkrankheit die Augen dafür, wie komplex die Fähigkeiten sind, die es braucht, um den Alltag zu meistern. Gleichzeitig ist Alzheimer ein Sinnbild für den Zustand unserer Gesellschaft. Der Überblick ist verlorengegangen, das verfügbare Wissen nicht mehr überschaubar, pausenlose Neuerungen erzeugen Orientierungsprobleme und Zukunftsängste. Von Alzheimer reden heißt, von der Krankheit des Jahrhunderts reden. Durch Zufall ist das Leben des Vaters symptomatisch für diese Entwicklung. Sein Leben begann in einer Zeit, in der es zahlreiche feste Pfeiler gab (Familie, Religion, Machtstrukturen, Ideologien, Geschlechterrollen, Vaterland), und mündete in die Krankheit, als sich die westliche Gesellschaft bereits in einem Trümmerfeld solcher Stützen befand.“ (S.58)

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