Römer 1, 8-15: Gegenseitiger Trost und Ermutigung

In diesem Abschnitt klingt der Zweck des Römerbriefes an: Paulus will nach Rom kommen, „damit ich auch unter euch Frucht schaffe wie unter anderen Heiden.“ (V.13) Er sieht sich als Apostel und Missionar, der den römischen Christen etwas zu geben hat und der von Rom aus auch als Missionar unter den Heiden das Evangelium verkündigen will.

Um so schöner finde ich es, dass er die römischen Christen nicht nur als Objekte seiner Aposteltätigkeit sieht oder als Mittel zum Zweck, nein es geht ihm auch um echte Gemeinschaft und gegenseitige Stärkung: „damit ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben.“ (V.12) Das Wort, das Luther hier mit getröstet übersetzt kann man auch mit „ermutigen“ übersetzen. Darum geht es Paulus: gegenseitiger Trost und Ermutigung.

Das ist bis heute nicht selbstverständlich, dass wir es in Gemeinden schaffen, dass wir uns gegenseitig trösten und ermutigen. Ganz egal welche Stellung wir in einer Gemeinde haben: darum geht es! Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, auch wenn wir nicht alle in der Gemeinde gleich sympathisch finden. Selbst ein Paulus, der ja in seinen Briefen manchmal auch wortgewaltig seine Position verteidigen kann, hat das begriffen.

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Römer 1, 1-7 Wer bin ich?

Der Römerbrief ist ein Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom, in dem er sich selbst und vor allem seine Theologie vorstellen möchte. Er hat die Gemeinde nicht selbst gegründet und war auch noch nie dort. Aber er will seine Missionsbemühungen nach Westeuropa ausdehnen und hofft dabei auf die Unterstützung der römischen Gemeinde. Zum Glück haben wir diesen Brief, den nirgendwo anders stellt Paulus seine Theologie so ausführlich und systematisch dar. Das liegt natürlich daran, dass er in den anderen Briefen auf konkrete Fragen und Probleme der Gemeinden eingeht und darum auch konkreter und spezieller schreibt. Hier im Römerbrief nimmt er sich Zeit für unbekannte Leser seine Ansicht des Evangeliums ausführlich darzustellen.

Bei damaligen Briefen gab es keinen Briefumschlag mit Absender und Adressangabe. Das geschieht in den ersten Sätzen des Briefes selbst – so auch hier im Römerbrief. Paulus stellt sich vor als „ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes.“ (V.2) Das ist interessant, wie er mit wenigen Worten das seiner Meinung nach wichtigste über seine Person sagt. Er sieht sich als Knecht Christi. Das klingt in unseren Ohren erst einmal sehr demütig. Ist es natürlich einerseits auch. Aber andererseits stellt er sich damit in die Linie so mancher alttestamentlicher Figuren, die auch den Ehrentitel Knecht Gottes erhielten: Mose, Josua, David und die Propheten. Dahinter steckt also auch ein gewisser Anspruch.

Auch stellt Paulus gleich fest, dass er sich selbst als Apostel sieht – das war ja wohl damals in manchen Kreisen durchaus umstritten. Denn Paulus war dem leibhaftigen Jesus nie begegnet, sondern ist erst durch den auferstandenen Christus zum Glauben gekommen. Trotzdem sieht er sich als einen der Apostel – der maßgeblichen Augenzeugen von Jesus Christus. Er weiss auch ganz genau, was seine persönliche Aufgabe von Gott her ist: Gott hat ihn ausgesondert das Evangelium zu predigen. Dass das für ihn klar und unumstösslich war, das sieht man auch seinem Lebenslauf an.

Wie würde ich mich in einem Brief an unbekannte Menschen vorstellen? Könnte ich das auch so klar benennen? Wer bin ich in Gottes Augen? Was ist meine Aufgabe? Habe ich das wirklich erkannt und folge dieser Bestimmung? Ob sich da auch Paulus immer so klar und sicher war, wie es in diesen wenigen Worten anklingt?

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