Jeremia 26 Lebensgefährliche Botschaft

Dieses Kapitel zeigt wie brenzlig die Situation des Jeremia war. Seine Botschaft hat ihn in Lebensgefahr gebracht. Das Volk hat sich stellenweise gegen ihn gewandt (V.9). Die härtesten Widersacher waren die Priester und Propheten: sie hätten ihn am liebsten gleich umgebracht (V.11). Interessanterweise setzten sich die Oberen der Stadt (die Richter) gegen eine Tötung Jeremias ein und auch das Volk schwenkte auf ihre Linie ein (V.16). Außerdem setzte sich Ahikam, ein Hofbeamter des ehemaligen Königs Josias, für Jeremia ein (V.24).

Es waren aber nicht alle Propheten gegen Jeremia . Ein gewisser Uria predigte eine ähnliche Botschaft wie Jeremia (V.20). Doch Uria packte die Furcht und er floh nach Ägypten (V.21). Dort spürten ihn die Soldaten des Königs auf und dieser ließ ihn dann hinrichten (V.23). Ich kann diese Furcht und die Flucht gut verstehen. Vielleicht hätte ich genau so gehandelt (oder vielleicht hätte ich erst gar nicht angefangen diese Botschaft zu predigen). Aber beim Vergleich zwischen Uria und Jeremia sieht man, dass bei dieser lebensgefährlichen Botschaft davonlaufen nicht unbedingt die beste Lösung ist…
Bibeltext

Die Welt überwunden

Noch ein paar Tage bis zur Operation meines Gehirntumors (am 16. April). Ich lebe in einer seltsamen Mischung von Angst und Zuversicht. Ich halte es für falsch, wenn wir sagen, dass wir als Christen keine Angst zu haben brauchen. Wenn manche sogar sagen, wir dürfen keine Angst haben, dann halt ich das für gefährlich. Natürlich haben wir auch als Christen Angst. Das ist etwas ganz Natürliches und Normales. Das hat uns Gott als Schutzfunktion mit in die Wiege gelegt. Wenn wir in Gefahr sind, dann ist Angst die ganz normale Reaktion. Wenn wir am Abgrund stehen, dann ist es ganz gut, wenn wir Angst davor haben, hinunter zu fallen.

Jesus sagt das auch ganz nüchtern: „In der Welt habt ihr Angst.“ (Joh. 16,33) Da gibt es nichts zu beschönigen, das ist einfach so. Auch vor meiner OP hab ich Angst. Je näher der Termin rückt, desto mehr tauchen Ängste und ein mulmiges Gefühl aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche auf. Ich halte nichts davon, diese Ängste einfach zu verdrängen. Womöglich noch im christlichen Gewand: „Du bist doch Gottes Kind, dir kann gar nichts passieren!“ Doch! Auch als Gottes Kind kann ich sterben – alle Kinder Gottes sterben früher oder später… Nur eine rosarote Brille aufzusetzen und zu sagen: „Als Christ ist immer alles ganz toll und prima“, das ist letztendlich kein echter Trost und kein echter Halt.

Es geht nicht um ein Verdrängen oder ein Übertünchen der Angst, es geht nicht darum, die Angst weg zu lächeln, sondern es geht darum, an dem fest zu halten, der stärker ist als alle Angst. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16,33) Als Mensch lebe ich in der Welt und folglich auch immer wieder in der Angst. Nicht ich selbst habe die Welt überwunden, sondern Jesus. Meine eigene Angst kann ich nur in der Verbindung mit Jesus überwinden. Als Christ werde ich nicht frei von Angst, aber ich bin gehalten und getröstet in dem, der die Welt überwunden hat. Wo es mir gelingt auf diesen Jesus zu schauen, da werde ich durch die Angst hindurch gehalten. Aber es gelingt eben nicht immer und ständig, sondern oft nur ansatzweise.

Am letzten Sonntag haben wir mit unserer Band im Gottesdienst die Musik gemacht. Als letztes Lied haben wir gespielt: „Halleluja, der Herr regiert.“ Trotz aller Angst halte ich daran fest: Der Herr regiert. Egal wie die OP ausgeht. Ich sage das nicht blauäugig oder leichtfertig. Während des Liedes blieb mir an einer Stelle selbst der Atem weg und die Worte blieben im Hals stecken. Aber auch meine Angst und mein Erschrecken ändert nichts daran. Es bleibt dabei: Halleluja, der Herr regiert! Er hat die Welt überwunden.

Jeremia 1, 4-10 Ich kann das nicht!

Wie schön, wie menschlich, wie verständlich! Bei den meisten alttestamentlichen Propheten verschwindet der Bote ganz hinter seiner Botschaft. Wir wissen oft nicht viel von ihren persönlichen Gefühlen. Bei Jeremia wird ein bisschen mehr sichtbar. Schon hier ganz am Anfang, bei seiner Berufung. Da „geschieht“ das Wort des Herrn zu Jeremia (tolle Formulierung, die Luther zurecht wörtlich aus dem Hebräischen übernimmt, auch wenn sie im deutschen nicht gebräuchlich ist!) und Gott erklärt, dass Jeremia schon vor seiner Geburt dazu bestimmt ist, Prophet zu sein… und Jeremia meint: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ (V.6)

Ich kann diese Angst gut verstehen und finde es erstaunlich, dass Gott gerade solch einen Menschen gebraucht. Ich glaube nicht, dass das nur eine faule Ausrede für Jeremia war, sondern dass er wirklich sehr jung war und dass er sich nicht vorstellen konnte, diese Aufgabe zu übernehmen. In der damaligen Zeit hatte eigentlich sowieso nur das Wort von Älteren Gewicht. Wie soll er da als junger Mensch in der Autorität Gottes auftreten (und wie wir später sehen werden, dem Volk und den Ältesten Gericht und Strafe Gottes ankündigen)?!

Aber es geht nicht um seine eigene Einschätzung, sondern darum, dass Gott gerade ihn gebrauchen möchte. Er befähigt ihn genau zu der Aufgabe, für die er ihn vorgesehen hat. Ich habe das auch schon so erlebt und erlebe es immer wieder so. Ich hab schon des öfteren gedacht: „Ich kann das nicht!“ Und doch ging es dann. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil Gott da ist! Das heißt nicht, dass es einfach ist, Gottes Wegen zu folgen. Im Gegenteil: es ist oft schwer, mühselig und frustrierend. So hat es auch Jeremia dann erlebt. Aber es heißt, dass es geht – auch wenn wir es nicht für möglich halten…
Bibeltext

Psalm 142 – Alles, was ich brauch

Bei diesem Psalm gefällt mir die Gute Nachricht Übersetzung sehr viel besser als Luther. Hier kommt die Dramatik des Hilferufs viel deutlicher zur Geltung. Besonders angesprochen hat mich V.6: „Zu dir, HERR, schreie ich! Ich sage: Du bist meine Zuflucht, mit dir habe ich alles, was ich im Leben brauche!

Mit Gott habe ich alles, was ich zum Leben brauche. Mhmm… steiler Satz! Könnt ich das auch so sagen? Da kommt die Angst hoch: Ich möchte doch im Leben noch ein bisschen mehr als „nur“ Gott. Essen, trinken, glücklich sein,… Aber wenn ich den Psalm genauer anschaue, dann merke ich: Es geht ja gar nicht um ein entweder-oder. Es geht nicht darum entweder in Gott alles zu sehen oder ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Denn der Beter bittet gerade darum, dass Gott ihn befreit und er sein Leben wieder ohne Angst führen kann. Wenn es nur ein entweder-oder wäre, dann könnte er sich ja auch in der größten Notlage damit trösten und begnügen, dass ja Gott bei ihm ist. Aber gerade das tut er nicht. Er bittet, fleht und schreit Gott um Hilfe an.

Dass Gott alles ist, was ich brauche heißt nicht, dass ich auf alles andere verzichten muss. Im Gegenteil: In Gott ist uns gerade die Fülle des Lebens möglich. In und durch ihn finden wir mehr Glück und Zufriedenheit als sonst wo. Gerade er will und kann uns zu einem erfüllten Leben befreien.
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Psalm 138 – Mitten in der Angst

Wenn ich mitten in Angst wandle, so erquickest du mich.“ (V.7) Das Wort, das Luther hier mit Angst übersetzt ist eigentlich eher mit „Bedrängnis“ zu übersetzen. Es ist also das gemeint, was einen in Angst versetzen kann. Trotzdem find ich die Übersetzung Luther in Ordnung. Denn es geht in der zweiten Hälfte gerade nicht darum, dass Gott die Bedrängnis weg nimmt, sondern dass er uns hilft damit umzugehen, dass er uns in unserer Angst hilft und „erquicket“.

Vor kurzem hab ich bei einem christlichen Psychologen einige spannende Ausführungen zum Thema Angst gelesen (U. Giesekus: Glaub dich nicht krank). Er betont, dass nicht die Angst an sich schlecht ist. Angst und auch andere Gefühle sind einfach normale Reaktionen, die Gott uns mitgegeben hat und die uns helfen sollen Gefahren zu erkennen und dann richtig zu reagieren. Wenn wir als Christen sagen, dass wir gar keine Angst zu haben brauchen (oder schlimmer: keine Angst haben dürfen), dann verdrängen wir unsere Gefühle und machen uns krank. Das Problem ist nicht die Angst an sich, die ist normal und okay. Das Problem ist, wenn wir falsche oder übertriebene Ängste haben oder wenn wir unangemessen auf die Angst reagieren.

In diesem Psalm geht es nun nicht unbedingt darum, dass Angst als etwas Neutrales oder sogar Positives dargestellt wird. Aber es wird deutlich, dass Gott nicht einfach alle Bedrängnis und Angst weg nimmt, sondern dass es ihm wichtig ist, dass wir richtig darauf reagieren. Er hilft uns durch die Angst hindurch, er erquickt uns, d.h. er gibt uns neue Kraft und Hoffnung. Wichtig in der Angst ist, dass sie nicht zu groß und übermächtig wird und uns lähmt. Das Gefühl der Angst an sich können wir nicht einfach abstellen – sie ist da und warnt uns vor Gefahr. Aber aus Perspektive des Glaubens kann sie ins richtige Verhältnis gesetzt werden.
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Psalm 55 – Böser Freund

Das ist bitter! Schlimm genug, wenn man Feinde hat, die einen fertig machen wollen. Noch schlimmer, wenn einem der Freund und Vertraute in den Rücken fällt. Darum geht es in diesem Psalm: Vom Freund verraten und verlassen. Der Beter ist verzweifelt und in Todesangst. Es geht nicht „nur“ um die tiefe seelische Kränkung und Wunde, sondern es geht um Leben und Tod (in V.5 spricht der Beter von Todesfurcht).

Was tun? Fliehen? Das überlegt sich der Beter in V.7-9. Sich von allen Menschen zurückziehen, irgendwo in der Einöde und Wüste leben, wo kein Mensch mich finden kann und keiner mich (innerlich und äußerlich) verletzen kann? Alle Bindungen abschneiden und nur noch mir selbst vertrauen? Hart werden und nie mehr jemand mein Herz öffnen?

Schaut euch um! Viele tun das! Sie vertrauen niemanden mehr wirklich – nur noch sich selbst. Sie fliehen in sich selbst. Sie sind hart geworden, weil sie Angst vor Wunden haben. Sie können keinem mehr wirklich vertrauen. Was ist die Alternative? „Ich aber will zu Gott rufen und der Herr wird mir Helfen. Abends und morgens und mittags will ich klagen und heulen; so wird er meine Stimme hören. Er erlöst mich von denen , die an mich wollen, und schafft mir Ruhe.“ (V.17-19)
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Psalm 22, 1-22 – Ein fragender und zweifelnder Glaube

Was ich bei den Psalmen wundervoll und wichtig finde ist unter anderem, dass auch der wartende, fragende und zweifelnde Glaube zur Sprache kommen darf. So auch in diesem Psalm. Der Beter schreit Gott an: Wo bist du? Warum hast du mich verlassen? Ich lieg dir Tag und Nacht mit meinem verzweifelten Geschrei in den Ohren und du reagierst überhaupt nicht! Was ist denn los?! Du hast mich gemacht, du kennst mich von klein auf, du siehst meine Angst, meine Verzweiflung, du siehst, wie es mein Herz vom Schmerz zerrissen wird – aber du greifst nicht ein. Es ist keine Hilfe von dir zu sehen.

Die Psalmen waren und sind öffentliche Gebete. Würde wir es wagen auf solche Weise im Gottesdienst zu beten? Als Psalmzitat geht das natürlich, aber würden wir es wagen mit eigenen Worten und eigener Betroffenheit denselben Inhalt zu beten? Gott unser lieber Vater ist doch immer da und er gibt uns was wir brauchen. Wir müssen ihm nur vertrauen und daran glauben, dass er uns in Jesus schon längst den Sieg geschenkt hat… Mit solch einem erschütternden Klagegebet können wir doch unser Vertrauen in Gott nicht ausdrücken, oder?! Das geht doch nicht! Das ist doch auch theologisch nicht richtig – Gott kann uns doch nicht verlassen! Er ist doch immer da!

Zum Glück hat Jesus selbst so gebetet. Damals, am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Zum Glück hat er selbst solche Klagegebete der Psalmen in den Mund genommen, sonst hätten vielleicht manche Christen berauscht vom Sieg der Auferstehung solche alttestamentlichen und altertümlichen Gebete aus der Bibel gestrichen. Sonst wären vielleicht manche auf den Gedanken gekommen, dass solche Niedergeschlagenheit und Verzweiflung mit einem siegreichen Glauben nichts zu tun haben kann. Kann es doch! Wenn Jesus so beten darf, dann können wir das auch!Bibeltext

Psalm 12 – Früher war alles besser

Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.“ (V.2) Mal abgesehen von der altertümlichen Formulierung könnte der Satz glatt von heute stammen. Das hören wir heute noch oft genug (vorzugsweise von Älteren – aber nicht nur): „Ja, früher war alles besser.“ Das scheint eine allgemeine Lebenserfahrung zu sein, dass man das Gefühl hat, dass früher das Leben einfacher und problemloser war.

Das mag ja manchmal durchaus zu zutreffen. Aber ich hab bei diesem Satz immer ein ungutes Gefühl. Selbst wenn es hundertmal zutrifft (in Wirklichkeit trifft der Satz meist nicht zu), was bringt es über die heutige, schlimme Zeit zu jammern und sich in eine paradiesische Vergangenheit zurück zu träumen? Statt der Vergangenheit hinter her zu jammern, sollten wir lieber das Beste aus der Gegenwart machen. Manchmal kann dieser Satz auch eine bequeme Flucht sein: „Ja, es ist halt nicht mehr so wie früher. Aber wir können ja auch nichts dran ändern. Die Zeiten werden halt immer schlimmer!“ Und dann kann man auch nicht mehr viel anderes tun, als sich in dieses „schlimme Schicksal“ zu ergeben.

Witzig an diesem Psalm ist ja, dass er schon tausende von Jahre alt ist – und schon damals haben die Leute darüber gejammert, dass früher alles besser war. Okay, wenn wir weit genug zurück gehen (ins Paradies), da war tatsächlich alles besser. Schon in alttestamentlichen Zeiten ging es Menschen so, dass sie das Gefühl hatten: „Es werden immer weniger. Immer weniger vertrauen wirklich diesem lebendigen Gott der Bibel.“ Wenn das alles immer so zugetroffen hätte, dann dürfte es schon lange keinen Menschen mehr geben, der an Gott glaubt. Insgesamt gesehen ist es definitiv so, dass die Gläubigen nicht ausgestorben sind. Die Heiligen (= Menschen, die Gott vertrauen) nehmen nicht stetig ab. Es mag Wellenbewegungen geben – aber insgesamt gesehen brauchen wir uns mit dieser Angst vor dem weniger werden nicht verrückt zu machen.

Matthäus 28, 1-15 – Furchtbar schön

Wie ist das, wenn plötzlich ein Toter vor dir steht? Ganz schön gruselig! Ganz schön furchteinflössend! Ja klar: Der Jesus, der den Frauen am Grab erscheint ist nicht tot, sondern es ist der Auferstandene. Ja klar: Die Menschen damals hatten noch kein so aufgeklärtes und kritisches Weltbild wie wir heute. Und trotzdem: Für die Frauen war Jesus tot. Seit drei Tagen im Grab. Und sie rechneten vielleicht eher mit dem Übernatürlichen als wir, aber dass ein Toter von selbst aus dem Grab heraus kommt und plötzlich vor einem steht, war ganz sicher auch damals nicht alltäglich.

Kein Wunder, dass sie sich gefürchtet haben. Das ältere Markus Evangelium berichtet nur von der Furcht. Er schreibt von Zittern und Entsetzen (Mk.16,8). Die Frauen waren echt geschockt! Die haben gedacht sie sind im falschen Film! Denen ist der Schreck ihres Lebens in die Glieder gefahren! Bei Matthäus klingt das ganze dann schon weniger furchteinflössend. Sowohl ein Engel, als auch Jesus beruhigen die Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ und Matthäus schreibt nur von Furcht und Freude, nachdem sie dem Engel begegnet sind.

Jesus zu begegnen kann furchteinflössend sein. Denn da passiert was, was eigentlich nicht passieren kann. Etwas, das alles Verstehen übersteigt. Etwas, mit dem wir eigentlich nicht rechnen. Wenn wir Jesus begegnen, dann bricht unsere bisherige Welt zusammen. Das ist wie bei einem guten Gruselfilm: Am gruseligsten und erschreckendsten sind gerade die Dinge, mit denen man nicht rechnet.

Ich denke, das ist bis heute so. Mir macht dieser Auferstandene auch heute noch manchmal Angst. Weil ich denke: Das ist doch alles verrückt, das kann doch nicht sein, das ist zu schön, um wahr zu sein. Kann es wirklich sein, dass dieser Jesus lebt? Kann es wirklich sein, dass es diesen Gott der Bibel gibt? Und immer wieder lasse ich mich ängstlich fallen und erlebe, wie da eine Hand da ist die mich trägt. Eine Stimme, die sagt: „Fürchte dich nicht!“ Christsein ist furchtbar schön!

Matthäus 24, 15-22 – Weltuntergangsszenario

Also ehrlich gesagt: Ich kann mit dem Text nicht viel anfangen! Was soll das alles? Jesus warnt vor einer großen Bedrängnis. Wenn die Bewohner Judäas das „Gräuelbild der Verwüstung“ an „der heiligen Stätte“ sehen, dann sollen sie in die Berge fliehen. Jesus malt aus, wie schrecklich die Bedrängnis sein wird und dass man sie nur überstehen kann, weil Gott diese Zeit begrenzt. Was hat das alles mit mir zu tun? Warum hat Jesus das seinen Jüngern damals gesagt? Ganz offensichtlich ist diese Bedrängnis ja bis heute noch nicht angebrochen. Oder ist das auch etwas, das sich immer wieder ereignet und immer schlimmer wird?

Wie soll ich auf diesen Text reagieren? Er macht mir Angst! Aber eigentlich will Jesus seine Jünger ja trösten: Selbst in dieser schlimmen Zeit wird wird Gott da sein und die Tage so verkürzen, dass wir es ertragen können. Das heißt: er wird das Allerschlimmste abwenden und uns irgendwie durchtragen. Aber ich lebe hier im Jahr 2009 in Deutschland und ich erlebe keine große Bedrängnis. Und ich will auch nicht mich selbst oder andere durch irgendwelche Weltuntergangsszenarien in Panik versetzen. Ich finde diese angstmachende Weltuntergangsstimmung mancher Christen schrecklich und ich verstehe nicht, warum Jesus selbst hier in diese Kerbe haut.

Wahrscheinlich kann man mit diesem Text nur was anfangen, wenn man selbst in solch einer Bedrängnissituation ist. Für Christen die tatsächlich verfolgt werden (und das gibt es durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder und heute in vielen Teilen der Welt mehr denn je) kann dieser Text tröstlich und ermutigend sein. Sie haben die Zusage: Gott wird (für sie) die Tage so verkürzen, dass sie es irgendwie durchhalten können.