Hesekiel 7 Gott wendet sich ab

Ein Kapitel voller Gerichtsdrohungen und Zorn Gottes. Wohlgemerkt geht es hier nicht um ein letztes endzeitliches Gericht, sondern um ein irdisches und begrenztes Gericht. Konkret haben sich diese Prophezeiungen erfüllt als die Babylonier 587 v. Chr. Jerusalem eroberten und den Tempel zerstörten.

Aufgefallen ist mir vor allem eine Formulierung: „Ich will mein Angesicht von ihnen abwenden.“ (V. 22) Das ist Gericht, das ist Zorn Gottes: dass er sein Angesicht abwendet. Gericht ist nicht, dass Gott Menschen Böses zufügt, sondern dass er sich abwendet und den Menschen sich selbst überlässt. Gericht ist, dass Gott seinen liebevollen Blick abwendet, dass er seine schützende Hand abzieht. Zorn Gottes ist Abwesenheit Gottes.

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Psalm 123 – Was guckst du?!

Zwei mal wird in dem Psalm gesagt, dass die Beter mit ihren Augen auf Gott schauen –  und zwar so lange, „bis er uns gnädig werde.“ (V.2) Würd‘ mich ja interessieren, wie die sich das vorstellen: auf Gott schauen. Ganz deutlich ist, dass das eigentlich nicht geht: In V.1 wird ausdrücklich gesagt, dass Gott im Himmel wohnt – also nicht irgendwie sichtbar hier auf Erden. Er ist eben kein Götze, den man in einem irdischen Götzenbild anbeten kann. Er ist im Himmel. Unsichtbar und eigentlich unerreichbar für unsere Augen.

„Mit den Augen auf Gott schauen“ ist wohl eine Metapher für das aufmerksame, intensive und wartende Beten zu Gott. Die Beter sehen sich im Geiste vor Gott stehen und warten darauf, dass er ihnen hilft. Sie wollen nicht auf sich selbst schauen oder auf ihre Probleme oder auf irgendwelche Ablenkungen, die ihre Probleme verdrängen und zudecken. Nein, sie wollen nur auf Gott sehen. Und zwar so lange, bis sich was tut, „bis er uns gnädig werde.“

Ich hab viel zu oft, viel zu viele andere, viel zu unwichtige und viel zu vergängliche Dinge im Blick… Und was guckst du?!
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Psalm 67 – Let it shine!

„Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten.“ (V.2) Die Vorstellung von Gottes leuchtendem Angesicht gefällt mir. Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, wie das aussehen soll. Ich kann Gottes Antlitz nicht sehen. Genau so wenig, oder besser: noch viel weniger, wie ich direkt in die Sonne schauen kann.

Aber sich stell mir vor: Ich liege im Sommer auf auf einer duftenden Wiese. Um mich herum zirpen die Grillen und einige Vögel zwitschern in der Ferne. Sonst ist nichts zu hören. Ein angenehm kühler Windhauch ( 😉 ) streicht über mein Gesicht. Ich habe die Augen geschlossen. Und über mir, am tiefblauen Himmel, strahlt nicht die Sonne, sondern Gottes Angesicht. Ich kann es nicht anschauen, aber ich spüre die Kraft, die Wärme, die Energie, die auf mich herabströmt… „Ja, Herr, lass dein Angesicht leuchten!“
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Psalm 43 – Von Gott verstoßen

Eine Zeile bewegt mich bei diesem Psalm besonders: „Warum hast du mich verstoßen?“ (V.2) Dem Beter geht es elend und er fühlt sich von Gott vergessen und verlassen, ja er sagt sogar, dass Gott ihn verstoßen habe. Schrecklicher Gedanke, oder? (Ob das denn wirklich so war, dass Gott ihn verstoßen hat, und was das bedeutet, ist noch mal ’ne andere Frage. Aber der Beter hat das auf jeden Fall so empfunden).

Der Psalm gehörte ursprünglich mit Ps. 42 zusammen – der sich wiederholende Kehrvers in Ps. 42,6.12 und Ps. 43,5 macht deutlich, dass es ein zusammenhängendes Lied war. Es spricht also immer noch derselbe Beter, der eine ganz tiefe Sehnsucht danach hat, Gottes Angesicht zu schauen (Ps. 42,3). Auf dem Hintergrund dieses Gefühls des Verstoßenseins wird diese Sehnsucht noch schärfer und drängender deutlich. Es geht nicht „nur“ um körperliche Leiden oder um menschliche Anfeindungen, es geht um die Erfahrung von Gottes Verborgenheit.
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Psalm 42 – Gottes Angesicht schauen

Was für eine Sehnsucht nach Gott! Wie ein Verdurstender nach Wasser lechzt und schreit, so sehnt sich der Beter nach Gott. Er sehnt sich danach, Gottes Angesicht zu schauen. Im Hintergrund steht bei ihm eine nicht näher beschriebene Not und der Spott seiner Feinde: „Wo ist nun dein Gott?“ (V.4.11)

Ich befinde mich nicht in einer Notsituation, mir geht es eigentlich ganz gut. Ich wüsste nicht, dass jemand mich verspottet. Und ich glaube nicht, dass ich eine ähnlich tiefe und existentielle Sehnsucht nach Gottes Angesicht habe. Aber mir ist dieser Gedanke, „Gottes Angesicht schauen“ in letzter Zeit immer wieder begegnet. Ich sehne mich danach, Gott näher zu kommen, mehr von seinem Angesicht zu sehen.

Auf dem Blog Tiefebene bin ich auf ein Buch zum kontemplativen Gebet von Franz Jalics gestoßen (Kontemplative Exerzitien: Eine Einführung in die kontemplative Lebenshaltung und in das Jesusgebet
). Gleich bestellt und angefangen zu lesen. Jalics beschreibt als Hauptanliegen des kontemplativen Gebets, dass es dabei nicht darum geht, über Gott nachzudenken, oder mit ihm zu reden, sondern ihn zu schauen. Kontemplation heißt, Gott schauen. Klingt toll, weiß aber nicht, ob ich die Geduld und Ausdauer habe, diese Übungen von Jalics wirklich durch zu ziehen.
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Psalm 30 – Erschrecken

Das ist für mich einer der eindrücklichsten Psalmen überhaupt. Der Psalm ist ein dankbarer Rückblick darauf, wie Gott den Beter aus tödlicher Bedrohung gerettet hat. Ein wichtiger Gedanke in diesem Psalm (da steckt noch viel mehr tolles drin…) : Oft bemerken wir viel zu spät, wie gut es uns eigentlich geht und wie gut Gott zu uns ist. In V.7-8 beschreibt der Beter seine Zuversicht in der Zeit als es ihm gut ging. Aber als er in Schwierigkeiten gekommen ist, da ist er erschrocken und hat angefangen zu Gott zu schreien.

Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich.“ (V.8b) Ja – dass Gott uns freundlich und liebevoll angeschaut hat, merken wir manchmal erst, wenn es nicht mehr so ist. In den Psalmen wird immer wieder auch deutlich: Gott kann sich abwenden, er kann sein Angesicht verbergen. Es kann auch für uns Gläubige sein, dass Gott plötzlich weg ist, dass wir nichts mehr von ihm bemerken und wahrnehmen können. Erst dann wird uns richtig deutlich, wie wichtig Gottes Gegenwart eigentlich ist. Erst dann merken wir, dass es unbezahlbar und unendlich wichtig ist, dass Gott uns freundlich anschaut.

Danke Gott, dass du mir immer wieder neu dein Angesicht zuwendest, dass du mich freundlich und liebevoll anschaust. Vergib mir, wo ich das oft gar nicht mehr merke, wo ich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin, dass ich deinen Blick gar nicht mehr wahrnehme. Danke, dass deine Gnade lebenslang wärt und dass dein manchmal verborgenes Angesicht nur einen Augenblick lang weg schaut. Danke, dass du mich immer wieder neu einkleidest, dass du mir die schweren, dunklen Kleider des Todes ausziehst und mir die bunten, leichten Kleider der Freude schenkst!“
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Psalm 27 – Gottes Angesicht suchen

„Mein Herz erinnert dich: »Suchet mein Angesicht!« — Dein Angesicht, HERR, suche ich. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, weise deinen Knecht nicht ab im Zorn!“ (V.8f; Elberfelder Bibel) Gottes Angesicht suchen – wie geht das? Damals vielleicht ganz wörtlich gemeint: Man ging davon aus, dass im Tempel Gottes Gegenwart zu finden ist. Wenn man Gott begegnen wollte, ging man in den Tempel… Aber da muss doch mehr dahinter stecken! Schon im Alten Testament gab es viele Stimmen, die erkannten, dass ein Haus aus Stein Gottes Gegenwart nicht fassen kann (1. Kön. 8,27Jes. 66,1).

Aber wie sieht das dann aus? Sein Angesicht suchen, d.h. seine Nähe und Gegenwart suchen? Natürlich gibt es die Standardantworten: Bibellesen, Gebet, Gottesdienst, Lobpreis,… Aber all das sind nur Hilfsmittel auf der eigentlichen Suche. Sie können die Suche nach Gottes Angesicht nicht ersetzen. Ganz offensichtlich rechnet der Beter auch damit, dass Gott sich verbergen kann, dass er sein Angesicht abwenden kann und wir ihn dann nicht finden können.

Man kann V.14 als eine Art Antwort lesen. Eine Antwort auf die Suche nach Gottes Angesicht, auf die Suche nach seiner Gegenwart: „Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!“
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