Römer 8, 26-30: Himmlisches Seufzen

Ich finde es bezeichnend, dass der Geist Gottes uns nicht beim Jubeln hilft, sondern dass er uns mit himmlischem Seufzen hilft. Es gibt viel Schönes in dieser Welt, über das wir uns freuen können und über das wir vor Gott jubeln können. Aber es gibt auch vieles, bei dem wir nur Seufzen können – auch als erlöste Christen.

Vor diesem Hintergrund kann ich auch den herausfordernden V.28 besser einordnen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das ist nicht leichtfertig dahingesagt, so als ob uns die Schmerzen dieser Welt gar nicht mehr berühren könnten. Das ist kein triumphales Bekenntnis, dass wir stärker sind als alle Anfechtungen dieser Welt. Nein, das ist ein Festklammern unter Seufzen, dass Gott es am Ende gut machen wird.

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1. Thessalonicher 3, 1-13 Bedrängter Glaube

Zwei Wortfelder stehen sich in diesem Abschnitt gegenüber. Zum einen das Wort „Bedrängnis“ (3x), ergänzt durch „Versucher“ (V.5) und „Not“ (V.7) und zum anderen das Wort „Glaube“ (5x), ergänzt durch das Wort „Liebe“ (V.6.12). Beides betrifft nicht nur die Thessalonicher, sondern auch Paulus selbst.

Offensichtlich schließen sich Glaube und Bedrängnis nicht aus – es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Glaube heißt nicht, dass wir ein problemloses und einfaches Leben bekommen, sondern Glaube ist immer auch angefochtener und bedrängter Glaube. Das wollen wir natürlich in unserer Wellness-Gesellschaft nicht so gerne hören. Wir würden Glauben auch gerne als wohltuendes und beglückendes Produkt ohne Nebenwirkungen unter die Menschen bringen. Aber so einfach ist das nicht. Für mich ist der Glaube an Jesus Christus auf jeden Fall wohltuend und beglückend. Aber er schafft auch Bedrängnisse und Anfechtungen.

Paulus ist es wichtig, dass die Thessalonicher gerade in diesen Bedrängnissen „wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann“ (V.12). Das ist ist die Kunst des Glaubens: sich von Bedrängnissen nicht aus der Spur bringen lassen, sondern daran wachsen. Das geht nicht durch eigene Kraft, sondern nur im Vertrauen auf den Herrn, der uns wachsen lässt (V.12).

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Hebräer 10, 32-39 Das süße Gift der Müdigkeit

Offensichtlich sind viele der Adressaten des Briefes zu Beginn ihres Glaubens Anfeindungen und Bedrängnissen ausgeliefert gewesen. Aber ihr Glaube war damals noch fest und treu. Inzwischen scheint ihr Glaube nicht mehr von außen bedroht zu sein. Die Bedrohung kommt von innen: ihre eigene Müdigkeit und fehlende Geduld. Leider können wir diese Beobachtung immer wieder machen: Glaube der bedrängt wird, scheint fester zu sein, als Glaube der sich ohne Widerstände entfalten könnte.

Ich hab immer ein ungutes Gefühl dabei, wenn über den christlichen Glauben in Deutschland gesagt wird: „Denn Menschen geht es zu gut, deshalb glauben so wenig an Gott.“ Das kann doch nicht die grundlegende Motivation für den Glauben sein! Gott als Notnagel, weil es mir schlecht geht?! Andererseits mache ich selbst ähnliche Erfahrungen. In der Zeit meiner Krankheit war mir Gott besonders nahe. Ich spürte in besonderer Weise seine Nähe und es war in mir ein großes Vertrauen und eine große Geborgenheit in Gott. Inzwischen geht es mir gesundheitlich wieder gut, aber zugleich merke ich, wie mein Glaube müder geworden ist und die Beziehung zu Gott nicht mehr so intensiv.

Schon Luther hat gesagt, dass zu einem gesunden Glaubensleben auch die Anfechtung dazu gehört. Damit Glaube wachsen kann und sich weiter entwickeln kann, muss er immer wieder auch in Frage gestellt werden. Dabei ist die äußerliche Anfechtung letztendlich einfacher zu bewältigen, auch wenn sie schwerer erscheint. Man hat einen deutlichen Feind, gegen den man kämpfen kann und vor dem man in Gottes Arme fliehen kann. Einer innere Anfechtung des Zweifels oder der Bequemlichkeit ist viel schwerer zu begegnen. Gegen das süße Gift der Müdigkeit hat man es schwerer als gegen einen lärmenden und waffenstrotzenden Feind.

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Apostelgeschichte 14, 20-28 Bedrängnisse

Auf dem Rückweg ihrer ersten Missionsreise besuchen Paulus und Barnabas noch einmal die von ihnen gegründeten Gemeinden. Sie ermutigen, ermahnen und helfen bei der Organisation der Gemeinde. Wie die Missionare selbst erleben die jungen Gemeinden selbst, dass es nicht einfach ist, ihren christlichen Glauben im Spannungsfeld zwischen jüdischer Frömmigkeit und heidnischer Religiosität zu leben. Von allen Seiten her werden sie in Frage gestellt und angegriffen. Paulus und Barnabas sagen deshalb: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen.“ (V.22)

Die Bedrängnisse meines Glaubens hier und heute in Deutschland sehen anders aus. Mich bedrängen die Gleichgültigkeit und Sattheit vieler Menschen hier. Mich bedrängt meine eigene Bequemlichkeit und Faulheit in meinem Glaubensleben. Mich bedrängt die Not so mancher Christen, die an ihrem Leben und an Gott verzweifeln. Mich bedrängen meine eigenen Fragen, Zweifel und Anfechtungen. Mich bedrängt die weltweite systematischen Ungerechtigkeiten zwischen Reich und Arm, sowie unser fahrlässiger Umgang mit Gottes Schöpfung. Mich bedrängt wie wenig ich daran ändern kann und wie überfordert ich mich mit den Problemen unserer Welt fühle. Auch mich bedrängt wie die Christen damals die Frage: Wo bleibt das Reich Gottes?

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1. Petrus 1, 3-12 – Vorfreude

Nach dem (schon sehr gehaltvollen) Briefeingang folgt zuerst einmal ein großer Lobpreis. Vor allem anderen steht das Lob Gottes für alles, was er uns schenkt. Was mich in diesem Abschnitt besonders angesprochen hat war V.8b:  „Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.“ Für mich ist das eine tolle Um- und Beschreibung des Himmels: Unaussprechliche und herrliche Freude. Wir können uns nicht genau vorstellen, wie das sein wird. Wir können uns mit unseren irdischen Erfahrungen und Bildern nicht ausmalen, wie das wirklich sein wird in Gottes unmittelbaren Gegenwart – aber es wird auf jeden Fall eine unbeschreiblich schöne und gigantische Freude sein!

Interessant ist, dass dieser Vers unterschiedlich übersetzt wird. Luther hat in im Futur übersetzt – andere übersetzen in der Gegenwart: „schon jetzt seid ihr erfüllt von herrlicher, unaussprechlicher Freude.“ (Neues Leben) Auch die recht wörtlich übersetzende Elberfelder Bibel hat hier den Präsens. Und tatsächlich! Im Urtext steht hier das Verb auch im Präsens. Ich weiß nicht aus welchem Grund Luther hier anders übersetzt. Entweder weil es manche Handschriften gibt, die hier das Verb in der Gegenwart haben oder weil er inhaltlich betonen möchte, dass die völlige Freude erst in der Zukunft liegt.

Ich find’s toll, dass hier eigentlich ein Präsens steht, dass wir jetzt schon mit dieser gigantischen Freude jubeln dürfen. Natürlich ist klar, dass die völlige Freude erst im Himmel da sein wird, aber jetzt schon fängt im Glauben der Himmel an. Es geht im Zusammenhang ja auch um den Trost in mancherlei Anfechtung. Petrus will über diese Anfechtung nicht hinwegtrösten indem er sagt: Irgendwann in der Zukunft werdet ihr auch wieder freuen, sondern er sagt: Jetzt schon – mitten drin in der Anfechtung – dürft ihr euch freuen. Und erst recht, wenn ihr mal das Ziel eures Glaubens erreicht habt.

Die Neue Genfer Übersetzung formuliert hier sehr schön differenziert: „Daher erfüllt euch ´schon jetzt` eine überwältigende, jubelnde Freude, eine Freude, die die künftige Herrlichkeit widerspiegelt.“ Der Grund der Freude liegt in der Zukunft, erst in Gottes himmlischer Welt wird einmal alles in Ordnung sein und alles leuchtende Herrlichkeit sein. Aber diese Aussicht kann uns schon jetzt mit Freude erfüllen. Auch die Vorfreude ist eine echte, überwältigende und jubelnde Freude.
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