Josua 13 Himmlisches Erbteil

Zweimal wird in diesem Kapitel betont, dass der Stamm der Leviten kein Land als Erbteil bekommt (Erbteil ist ein Anteil am Gesamtbesitz, welches nicht ohne weiteres verkauft werden darf – wenn, dann nicht an einen Fremden, sondern an den Nächstverwandten). Das Erbteil der Leviten besteht nicht in materiellen Dingen, sondern „der Herr, der Gott Israels, ist selbst ihr Erbteil“ (V.33). Die Leviten übernehmen die Aufgabe des priesterlichen Dienstes und stehen somit in besonderer Nähe zu Gott.

Nach dem Neuen Testament sind wir alle „das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft“(1. Petr. 2,9). Unser Erbe besteht nicht in materiellen Dingen, sondern in Gott selbst. Wer zu Jesus gehört, der ist Teil einer königlichen Priesterschaft! Wir dürfen alle in besonderer Nähe zu Gott stehen. Der irdische Landbesitz wird umkämpft und bedroht bleiben (das hat Israel in seiner langen Geschichte bis heute immer wieder erfahren müssen). Der irdische Landbesitz wird früher oder später einmal vergehen. Aber das Erbteil der königlichen Priesterschaft wird in Ewigkeit bestehen!

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Hesekiel 46 Das Privileg Gott nahe zu sein

Auch in diesem Kapitel wird wieder einmal die für Hesekiel typische Trennung zwischen heilig und profan deutlich. In seiner Vision des ideale Tempels und des idealen Opfergottesdienstes darf der Fürst und das normale Volk den inneren Vorhof nicht betreten. Allein am Sabbat und am Neumond soll das östliche Tor zum inneren Vorhof geöffnet werden und der Fürst und das Volk sollen Gott von diesem Tor aus anbeten. Nur die geweihten Priester dürfen den inneren Vorhof betreten.

Diese Trennung ist aus neutestamentlicher Sicht ungewohnt und kommt uns seltsam vor. Aber mir wurde heute beim Lesen wieder deutlich, welch ein Privileg es eigentlich für uns ist, dass wir so unkompliziert Zutritt zum heiligen Gott haben. Durch Jesus Christus darf jeder vor Gottes Thron treten, jeder darf ein Gott geweihter Priester sein und mit Gott reden, wie ein Kind mit seinem Vater redet. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein teuer erkauftes Privileg!

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Exodus 39 Priesterkleidung

Als freikirchlicher Pastor könnte ich bei dem Thema müde abwinken: Wir sind überzeugt vom Priestertum aller Gläubigen. Durch Jesus Christus gibt es keinen besonders herausgehobenen Priesterstand mehr – wir sind alle Priester (1. Petr 2,9f; Offb 1,6). Um einen Gottesdienst zu feiern oder auf die Kanzel zu steigen, brauchen wir kein besonderes Amt und auch kein besonderes Priestergewand. Ist dieser Text durch Jesus Christus für uns also unbedeutend geworden, hat er uns gar nichts mehr zu sagen?

Ich denke von den wörtlichen Bestimmungen her ist es tatsächlich so, dass wir durch Jesus Christus keinen Hohepriester und auch keine besondere Priesterkleidung mehr brauchen. Jesus ist der eine Hohepriester und durch ihn haben wir Zugang zu Gott, wir brauchen keine Priester mehr als Mittler.

Aber ich denke auch, dass wir von diesem Text durchaus etwas über die Bedeutung von Symbolen lernen können. Die Priesterkleidung macht deutlich, dass es hier nicht um den Menschen geht, der in irgendeiner Weise einen besonderen Vorzug hat, sondern um ein bestimmtes Amt, eine bestimmte Funktion. Ich merke das z.B. bei Beerdigungen. Dort trage ich auch als freikirchlicher Pastor meist einen Talar. Das macht mir selbst und der Trauergemeinde deutlich, dass ich nicht nur als Person dort am Grab stehe, sondern in der Funktion desjenigen, der Im Namen Gottes Trost zuspricht. Wohlgemerkt: Nicht die äußere Kleidung bewirkt das innere Geschehen des Trostzusprechens im Namen Gottes. Aber sie unterstreicht dieses innere Geschehen.

Wir Freikirchler sind schnell dabei Symbole als reine Äußerlichkeit abzutun. Die Gefahr besteht natürlich immer bei Symbolen, dass sie nur noch leere Forme ohne Inhalt sind. Aber sie können auch auf kraftvolle Weise das Eigentliche, den Inhalt unseres Glaubens unterstreichen und sinnfällig machen. Wenn wir leichtfertig darauf verzichten, verlieren wir auch etwas.

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