Hesekiel 31 Gottes Baumschule

Hesekiel vergleicht den Pharao und sein Land Ägypten mit einem wunderschönen und riesigen Zedernbaum. Zedernbäume waren in der damaligen Welt die gewaltigsten und größten Bäume. Doch Gott wird diesen Baum stürzen, weil er zu stolz und überheblich geworden ist. Aufgefallen ist mir v.a. V.8-9: „So war ihm kein Zedernbaum gleich in Gottes Garten… Ich hatte ihn so schön gemacht mit seinen vielen Ästen…“ Ägypten nicht als ein Baum außerhalb von Gottes Garten, sondern ein Teil von Gottes Garten. Nicht andere Götter oder gar der Teufel haben Ägypten so mächtig werden lassen, sondern Gott selbst. Es scheint mir, dass bei dieser Aussage sogar ein gewisser Stolz Gottes über diesen schönen, kräftigen Baum mitschwingt.

Gott ist so manches mal da am Werk, wo wir es gar nicht vermuten! Vielleicht gibt es auch bei uns so manche Menschen, bei denen wir denken: „Da ist Hopfen und Malz verloren, die wollen doch überhaupt nichts mit dem Gott der Bibel zu tun haben.“ Aber wer weiß: vielleicht ist Gott im Verborgenen schon längst am Werk bei ihnen und freut sich über den Wuchs eines schönen Baumes und seine kräftigen Äste. Allerdings kommt bei jedem Menschen einmal der Punkt, an dem er erkennen sollte, dass nicht er selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist, sondern dass dies ein Geschenk ist. Jeder von uns steht in der Gefahr von Stolz und Überheblichkeit. Aber wir sind alle nur Bäume in Gottes Garten und er schenkt uns das Wachstum und die richtige Pflege.

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Hesekiel 29 Verheißung an den Feind

Neben Tyrus (eine der damaligen wirtschaftlichen Großmächte) beschäftigt sich Hesekiel ausführlich mit Ägypten (neben Babylon die damalige militärische Großmacht): ganz vier Kapitel folgen zu diesem Land. Zu Ägypten hatte Israel immer ein gespaltenes Verhältnis: einerseits herrschte dort Josef und er konnte dadurch seine Familie vor der großen Hungersnot bewahren, andererseits wurde Ägypten zum Land der Sklaverei. Der Auszug aus Ägypten ist das zentrale Ereignis der jüdischen Geschichte. Zur Zeit Hesekiels erhoffte man von Ägypten Hilfe gegen die mächtigen und expandierenden Babylonier. Aber Hesekiel und andere Propheten haben immer wieder davor gewarnt, auf Ägypten zu vertrauen anstatt zu Gott umzukehren.

Erstaunt hat mich in diesem Kapitel, wie „milde“ die Gerichtsankündigung gegen Ägypten ausfällt. Das Land und er Pharao werden scharf kritisiert, aber das Gericht wird zeitlich begrenzt auf 40 Jahre (V.11). Anschließend gibt es sogar Verheißungsworte für das Land: „Denn so spricht Gott der Herr: Wenn die vierzig Jahre um sein werden, will ich die Ägypter wieder sammeln aus den Völkern, unter die sie zerstreut werden sollen, und will das Geschick Ägyptens wenden und sie wieder ins Land Patros bringen, in ihr Vaterland.“ (V.13f) Das klingt ähnlich wie die Verheißungen an Israel, welches Gott aus der Zerstreuung wieder zurück ins verheißene Land bringen will. Hier wird deutlich: Der Gott der Bibel ist der Herr der ganzen Welt und nicht nur ein kleiner Nationalgott der Israeliten!

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Exodus 7, 26 – 8, 11 Froschgöttin

Es folgt die zweite Plage, weil der Pharao das Volk Israel nicht ziehen lassen will: Frösche. Frösche ohne Ende. Eine Unzahl von Frösche durchzieht das Land und macht sich auch in den Häusern, Betten, ja sogar in den Backöfen breit… Der Witz bei dieser Geschichte ist, dass die Ägypter Frösche eigentlich als etwas positives betrachteten. Der Frosch ist das Zeichen von Leben und Fruchtbarkeit, weil er normalerweise mit der jährlichen Nilschwemme auftrat und der Nil dem ansonsten unfruchtbaren Land Wasser schenkte.

Dementsprechend gab es im Vielgötterland natürlich auch eine Göttin namens Heket, die mit Froschkopf oder ganz als Frosch dargestellt wurde (Wikipedia: Heket). Sie war die Göttin der Geburt und somit auch der Fruchtbarkeit. Tja, dumm gelaufen: Das, was man als Gott verehrt, wird so überwältigende groß und zahlreich, dass man sich davor ekelt und es zur Plage wird.

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Exodus 5 Freiheit erkämpfen

Tja, dumm gelaufen… Mose und Aaron wollen beim Pharao erreichen, dass das Volk Israel in die Wüste gehen kann, um Gott ein Fest zu feiern – so zumindest die offizielle Version; inoffiziell wollen sie eine günstige Gelegenheit, um mit Sack und Pack aus Ägypten zu flüchten. Doch der Pharao geht gar nicht darauf ein, sondern reagiert mit Spott und Hohn. Mose und Aaron erreichen nur das Gegenteil: Die Bedrückung des Volkes wird noch härter. Anstatt der Freiheit näher zu kommen, ziehen sich die Fesseln der Gefangenschaft nur noch enger und erbarmungsloser zu.

Nun ist die Frage: Aufgeben oder weiter kämpfen? Klein bei geben oder weiter von der großen Freiheit träumen? Ich glaube manchmal ist das bei uns Christen heute ähnlich. Wer wirklich in Christus frei sein will, der wird auf Widerstand stoßen. Wer innerlich frei werden will von den Bindungen dieser Welt, der wird zunächst einmal kräftig auf die Nase fallen. Denn die ganzen Bindungen, in die wir uns verstrickt haben, die wollen uns nicht einfach so gehen lassen.

Der Weg in die Freiheit ist kein Spaziergang. Freiheit will erkämpft werden. Da braucht man Geduld, Ausdauer und Treue gegenüber Gott. Wo ich von irdischen Bindungen frei werden will, da muss ich mich um so enger an Gott binden. Und das ist nicht leicht, das kann schmerzvoll sein, das ist nicht der bequemste Weg. Einfacher ist es, alles beim Alten zu lassen.

Exodus 1 Auf dem Weg in die Freiheit

Was für ein Volk! Schon der Stammvater Abraham war auf der Wanderschaft in das verheißene Land. Seine Nachkommen mussten nach Ägypten fliehen. Und schon damals war es so, dass sie nirgends richtig erwünscht waren. In Ägypten ging es ihnen anfangs gut, aber mit der Zeit dachten die Ägypter schon damals: Die Hebräer müssen wir irgendwie los werden. Im Lauf der Jahrhunderte und bis heute haben sich das schon manche gedacht: Die Hebräer, die müssen wir irgendwie los werden – und keiner hat es geschafft. Das Buch Exodus macht etwas deutlich von der besonderen Beziehung Gottes zu diesem Volk.

Gott führt sein Volk aus der Fremde und der Knechtschaft in die Freiheit. Das brauchen wir bis heute: Dass Gott uns aus allen falschen Bindungen befreit. Auch wenn es kein leichter Weg ist, so ist es der Weg in die Freiheit. Manchmal scheint es einfacher, sich mit den Gegebenheiten abzufinden, als allein auf Gott zu vertrauen. Mit dem Buch Exodus möchte ich mich mit auf den Weg machen und lernen, was auf dem Weg in die Freiheit wichtig ist.

Was mir in diesem Kapitel besonders gefallen hat, ist der Mut und die Schlauheit der Hebammen. Es wird aus dem Text nicht deutlich, ob es sich um Hebammen aus dem hebräischen Volk handelte oder um Andere, die eben für die hebräischen Frauen zuständig waren. Auf jeden Fall haben sie Mut bewiesen!

Der Text macht deutlich, dass es zwar eindeutige Gebote gibt (Du sollst nicht lügen!), dass es aber im konkreten Leben oft ein Abwägen gibt zwischen verschiedenen konkreten Geboten. In diesem Fall wiegt das Gebot „Du sollst nicht töten“ schwerer als das Gebot „Du sollst nicht lügen“.

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Jeremia 46 Ägypten ist keine Lösung

In einer langen Reihe von Gerichtsworten kommt bei Jeremia als erstes Ägypten dran. Das ist kein Zufall. Israel hat eine lange Geschichte mit Ägypten. Ägypten ist das Land der Gefangenschaft. Gott hat sein Volk daraus befreit und in das verheißene Land geführt. Schon auf dem Weg dorthin haben sich manche wieder zurück gesehnt nach den „Fleischtöpfen“ Ägyptens. Zur Zeit Jeremias suchen die Juden nun wieder Zuflucht in Ägypten. Schon vor der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier haben sie immer wieder Hoffnung, dass die Großmacht Ägypten die andere Großmacht Babylonien stoppt – eine vergebliche Hoffnung. Und nach der Katastrophe kehren die übrig gebliebenen Israeliten wieder nach Ägypten zurück – in das Land der Gefangenschaft.

Ägypten ist keine Lösung. Zurück in das Land der Gefangenschaft: das erscheint vielleicht bequem und sicher – aber es ist nicht Gottes Weg mit seinem Volk. „Zur Freiheit hat uns Christus berufen.“ (Gal.5,10)  Er möchte sie selbst in Gefahr beschützen, er möchte sie selbst führen, er möchte nicht, dass sie sich auf menschliche Hilfe verlassen. Wo ist mein Ägypten? Wo sind meine Abhängigkeiten und Bequemlichkeiten? Wo vertraue ich lieber auf menschliche Hilfe als auf Gott?
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