Matthäus 13, 44-46 – Mit Freude alles aufgeben

SchatzkisteJa, damit kann ich mehr anfangen als mit den Gerichtsdrohungen im vorigen Abschnitt. Das Himmelreich als wertvoller Schatz, für den es sich lohnt alles zu verkaufen. Das Himmelreich als kostbare Perle, die mehr wert ist, als alles was wir besitzen. Das sind positive Bilder die Mut machen zur Gemeinschaft mit Gott, anstatt mit Angst zu operieren.

Dabei ist auch dieser Abschnitt sehr herausfordernd und provozierend. Das erste was mir aufgefallen ist, ist das der Schatz im Acker verborgen ist. Es ist nicht so einfach ihn zu finden. Man kann leicht daran vorübergehen. Man kann ihn leicht übersehen. Um Gott zu finden, muss man sich auf die Suche machen und selbst dann ist es nicht selbstverständlich, dass man sofort diesen Schatz im Acker findet. Der Mann im Gleichnis hatte wohl keine Schatzkarte, sondern er fand ihn zufällig im Dreck (vielleicht bei der Arbeit für einen Grundbesitzer). Die wahren Schätze finden wir auch heute nicht in den Palästen und Tresore dieser Welt. Wir finden sie auch nicht durch irgendwelche Schatzpläne, durch Zehn-Punkte-Pläne, wie wir unsere eigene Spiritualität aufbauen können, durch Nachfolge-Bücher in denen genau drinsteht, was wir alles tun müssen, um ein guter Christ zu sein. Oft genug finden wir Gott gerade dort, wo wir ihn nicht vermuten, verborgen im Dreck.

Das andere das herausfordert ist die Betonung, dass in beiden Gleichnissen die Finder alles, was sie hatten verkauften, um den Schatz bzw. die Perle zu bekommen. Es geht nicht darum, so ein bisschen von seinem Leben in religiöse Werte zu investieren, sondern es geht um’s ganze. Wer zu Gott gehören will muss alles geben, muss sich ihm ganz zur Verfügung stellen. Aber das Schöne in diesem Text ist ja, dass das für den Finder des Schatzes selbstverständlich ist. Er geht mit Freuden hin und verkauft alles. Weil er weiß, dass er einen vielfachen Gewinn machen wird.

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Foto: © stixl1967 / PIXELIO

Matthäus 13, 24-30 – Gelassenheit im Angesicht des Feindes

Warum gibt es immer noch das Böse in der Welt, obwohl doch in Jesus Gott schon gegenwärtig ist und er in Jesus jetzt schon herrscht? Genau auf diese Frage scheint Jesus mit dem Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen zu antworten. Ein Mensch sät guten Samen auf einen Acker, doch über Nacht sät sein Feind Unkraut unter den Weizen. Aber anstatt das Unkraut auszujäten, befiehlt der Bauer beides wachsen zu lassen und erst bei der Ernte das Unkraut auszusortieren. Ich hab mich da gefragt: Bei einem Menschen ist es ja verständlich, dass er nachts seinen Acker nicht im Blick hat – aber warum hat Gott das überhaupt erst zugelassen, dass der Feind Unkraut aussät? Warum hat er das nicht von vornherein verhindert?

Aber wie so oft bei Gleichnissen muss man darauf achten, was eigentlich der Punkt bei der Geschichte ist. Ich glaube es geht weniger um eine Erklärung des Ursprungs des Bösen, sondern um die Frage, wie man mit dem „Unkraut“ umgehen soll. Und da ist die Gelassenheit des Bauers ja schon erstaunlich. Es war damals durchaus üblich, das Unkraut schon vor der Ernte auszujäten. Aber der Bauer im Gleichnis lässt es wachsen bis zur Ernte. Er ist sich sicher, dass sein selbst ausgestreuter guter Same trotz des Unkraut wachsen wird und Frucht bringt. Die genaue Unterscheidung in Gut und Böse hat Zeit bis zur Ernte. Vielleicht würde uns solch eine Gelassenheit im Angesicht des Feindes auch manchmal gut tun.