Römer 10, 5-13: Zusammen, was zusammen gehört

Paulus bindet hier sehr schön zusammen, was zusammen gehört: mit dem Herzen glauben und mit dem Mund bekennen. Innerliche Herzensfrömmigkeit und äußerliches Bezeugen des Glaubens gehören zusammen. Wie so oft stehen wir Menschen in der Gefahr, die eine oder andere Seite zu sehr zu betonen. So manchem genügt sein kleiner privater Glaube, die innige Beziehung zwischen Gott und ihm. Einem anderen genügt es offiziell Christ zu sein, ab und zu im Gottesdienst zu sein und ein anständiges Leben zu führen. Aber beides für sich genommen ist zu wenig. Beides muss zusammenkommen: der Glaube des Herzens und das sichtbare Leben als Christ. Da dürfen wir auch nicht eines gegen das andere ausspielen oder herabsetzen.

Verdeutlichten kann man sich das z.B. an den Sakramenten. Taufe und Abendmahl sind äußerlich sichtbare Zeichen. Aber zugleich sind sie eben äußerliche Zeichen, die auf einen tieferen Vorgang verweisen. Beides ist wichtig. Das äußerliche Zeichen, das konkret, sichtbar und erlebbar ist. Aber genauso das, was dabei im Herzen eines Menschen geschieht. Das eine widerspricht dem anderen nicht, sondern es unterstützt sich gegenseitig.

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Johannes 19, 31-42 Blut und Wasser

Johannes liebt es durch sein ganzes Evangelium hindurch hinter der Erzählebene tiefere Botschaften zu verstecken. Manchmal sind seine Anspielungen leicht zugänglich, manchmal bleibt offen, was er eigentlich genau damit meint. In dem heutigen Abschnitt fällt vor allem die Betonung auf, mit der er erzählt, dass nach Jesu Tod durch einen Lanzenstich Blut und Wasser aus der Seite Jesu kamen. Das ist auf der reinen Erzählebene ein deutlicher Hinweis, dass Jesus tatsächlich tot ist. Er war nicht scheintot und wurde dann wiederbelebt, sondern er ging tatsächlich ins Totenreich und ist dann auferstanden.

Aber wenn es nur um die Tatsache des Todes gegangen wäre, dann hätte ein Hinweis auf das Blut Jesu gereicht. Außerdem wird gerade diese Beobachtung durch den nachfolgenden Vers 35 in besonderer Weise hervorgehoben. Aber es ist nicht ganz eindeutig, worauf Johannes mit Blut und Wasser anspielen will. In der Alten Kirche wurde es meist als Anspielung auf die Sakramente von Abendmahl und Taufe gedeutet. Das macht von den Symbolen her durchaus Sinn. Allerdings scheint Taufe und Abendmahl im Johannesevangelium insgesamt keine besonders große Rolle zu spielen (es ist z.B. das einzige Evangelium, das die Einsetzungsworte des Abendmahles nicht überliefert).

In 1. Joh. 5,6 gibt es eine interessante Parallelstelle: Dort wird festgehalten, dass Jesus durch Wasser und Blut gekommen ist. Dies scheint im Zusammenhang eine Anspielung auf Jesu eigene Taufe und sein Kreuzestod zu sein. Allerdings scheint eine Anspielung auf Jesu Taufe bei Jesu Tod wenig Sinn zu machen. Was auch immer Johannes genau gemeint hat: Blut spielt sicherlich auf die erlösende Kraft von Jesu Tod an (an welche ja beim Abendmahl erinnert wird) und das Wasser könnte ganz allgemein auf den Geist anspielen (der ja im Neuen Testament eng mit der Taufe verbunden ist – sowohl bei Jesu Taufe, als auch bei der späteren Taufe von Gläubigen). Dann würde der Hinweis deutlich machen, dass wir in Jesus Christus Erlösung und neues Leben durch den Heiligen Geist haben.

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Johannes 6, 60-71 Der Mut des Glaubens

So manches mal denkt man ja, dass Glaube einfacher wäre, wenn Jesus tatsächlich leibhaftig vor einem stehen würde, wenn man tatsächlich die Worte aus seinem Mund hören könnte, wenn man die Zeichen und Wunder sehen könnte, die er getan hat. Aber die Textstelle heute zeigt, dass Glaube für die Jünger damals nicht einfacher gewesen ist als für uns heute. Ich vermute eher das Gegenteil: es war schwieriger. Vieles von dem was Jesus tat und sagte, konnten sie noch gar nicht richtig einordnen und verstehen. Wir heute können auf Jesu gesamtes irdisches Leben zurückblicken. Wir wissen um Kreuz und Auferstehung. Wir können die Andeutungen Jesu zum Abendmahl und damit zu seinem Kreuzestod besser einordnen.

Für die Jünger damals muss das alles ziemlich fremd und unverständlich gewesen sein. Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele von Jesus abgewandt haben (V.66). Wer weiß auf welcher Seite ich damals gestanden hätte? Glaube ist nie ein einfaches Wissen, sondern es ist immer Vertrauen. Es kostet heute wie damals Mut, sich auf diesen Jesus einzulassen.

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Johannes 6, 48-59 Fleisch und Blut

Das ist eigentlich kein Wunder, dass diese Anspielungen auf’s Abendmahl niemand so richtig versteht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.“ (V.54) Wie sollte das vor der Einsetzung des Abendmahls und vor Kreuz und Auferstehung jemand kapieren? Und selbst für uns heute ist es ja noch schwer verständlich, was das eigentlich bedeutet: Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken. Über die genaue Bedeutung dieser Worte haben sich die Gläubigen durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gestritten und sind sich bis heute nicht einig.

Es ist auffällig, dass gerade im Johannesevanglium so irdisch-materiell geredet wird, denn gerade Johannes erzählt ja die Geschichte Jesu auf einer theologisch durchdrungenen und geistlichen Ebene. Natürlich steckt auch an dieser Stelle dahinter eine geistliche Bedeutung: Jesus gibt seinen irdischen Leib (sein Fleisch) dahin und er vergießt am Kreuz sein Blut – und diese Lebenshingabe dient uns zur Erlösung und zum ewigen Leben. Aber das könnte man ja auch etwas weniger anstößig formulieren. Auch heute noch empfinden wir das als anstößig und es wird bei so manchen Abendmahlsfeiern nicht mehr von Jesu Leib und seinem Blut gesprochen, sondern vom Brot des Lebens und vom Kelch des Heils. Das klingt angenehmer und ist ja auch besser verständlich.

Trotzdem wird hier im Johannesevangelium bewusst so anstößig formuliert. Gegen eine Vergeistigung des Glaubens und des Todes Jesu wird an seiner Materialität festgehalten. Da ist nicht nur etwas gedanklich-philosophisches geschehen, da ist nicht nur etwas geistliches geschehen – nein, da ist konkret in unserer menschlichen Welt etwas geschehen. Dieser Jesus ist für uns ans Kreuz gegangen und für uns gestorben. Das ist nicht nur eine Idee oder ein religiöses Prinzip, sondern eine konkrete geschichtliche Tat. So wie der Sohn Gottes in Jesus Fleisch und Blut wurde, so ist der Sohn Gottes in Jesus auch in Fleisch und Blut am Kreuz gestorben.

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Hebräer 9, 15-28 Die Besiegelung eines Neuen Bundes

Mit dem Text konnte ich heute morgen beim Lesen zunächst nicht so viel anfangen. Vor allem die Verbindung von Testament, Bundesschluss und Blut war mir ziemlich fremd. Das klingt alles ziemlich alttestamentlich und kultisch – weit weg von unserer heutigen Zeit. Danach hatte ich bei einer älteren Frau einen Besuch gemacht. Sie erzählte mir, dass sie gestern Abend in ihrer Bibel von der Einsetzung des Abendmahls gelesen habe. „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“  (Mt. 26,28) Da ist es mir plötzlich klar geworden: Diese Verbindung von Bundesschluss und Blut ist keine Erfindung des Hebräerbriefes, sondern schon Jesus selbst hat seinen Tod so gedeutet. Mit seinem Blut schließt Gott einen neuen Bund. Durch sein Blut ist Vergebung möglich.

Schön, wenn man sich beim Bibellesen so ergänzen kann – obwohl es von der Frau ja gar nicht beabsichtigt war. Bewegend war für mich auch, dass die Frau erzählt hat, dass sie beim Bibellesen immer noch Neues entdecken kann. Sie kann nicht mehr aus dem Haus und daher auch keine Gottesdienste mehr besuchen. Aber beim Bibellesen und Beten kann sie ihrem Herrn trotzdem sehr nahe kommen. Obwohl sie schon ein Leben lang regelmäßig Bibel liest, hab ich ihr die Begeisterung für dieses Buch richtig abgespürt…

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Lukas 22, 24-30 Erschreckend realistisch

Ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Jesus macht im Abendmahl deutlich, dass er sein Leib für die Jünger gibt und sein Blut für sie vergießt. Aber einer von ihnen ist ein Verräter und die anderen streiten kurz darauf, wer von ihnen der Größte sei. Ja geht’s denn noch?!

Aber leider ist das bis heute ein erschreckend realistisches Bild von Jüngerschaft und Gemeinde. Welcher Christ macht im Lauf seines Lebens nicht früher oder später in Gemeinden ähnliche Erfahrungen? In diesen Gefahren stehen wir bis heute: Dass wir das Wesentliche aus dem Blick verlieren und uns in Streitereien verwickeln. Dass wir nicht auf Jesus schauen, sondern auf uns selbst und auf Andere. Dass unser Ego sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, Anderen zu dienen.

Von daher bin ich froh über diesen ehrlichen Bericht des Lukas. Schon damals, in Jesu leiblicher Gegenwart, war es nicht viel anders. Und trotzdem konnte er seine Jünger gebrauchen, um sein Reich zu bauen…

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Lukas 22, 7-23 Mit dem Verräter am Tisch

Anders als bei Markus, weist Jesus erst am Ende des Mahles auf Judas als seinen Verräter hin. Damit wird bei ihm noch deutlicher als bei Markus, dass Judas beim letzten Abendmahl noch mit dabei war! Erst vor kurzem ist mir diese Ansicht begegnet, dass selbst Judas beim Abendmahl dabei sein durfte. Da dachte ich noch: „Komisch, das hab ich noch nie gehört. Ob das wirklich stimmt?“ Aber so wie Lukas das hier erzählt, muss es wohl so gewesen sein (zumindest nach der Ansicht des Lukas).

In so manchen Kirchen und Gemeinden ist das Verständnis vom Abendmahl ja recht eng. Nur die wahren Gläubigen, die bewusst eine Entscheidung für Jesus getroffen haben und vor Gott ein reines Gewissen haben, dürfen am Abendmahl teilnehmen. Eine Eliteveranstaltung. Jesus selbst trank damals sogar mit seinem Verräter aus demselben Kelch! Damit heißt Jesus die Tat des Judas keineswegs gut. Er verurteilt sie ausdrücklich in V.22. Aber er macht deutlich: „Auch die schlimmsten Sünder dürfen mit mir Mahlgemeinschaft haben. Es gibt keine Barrieren, die zuerst überwunden werden müssen, um an meinem Sterben für euch Anteil haben zu dürfen. Alle dürfen in meine Gemeinschaft kommen.“

Die Frage ist nicht, ob wir uns vorher verändern müssen, um Gemeinschaft mit Jesus haben zu dürfen. Sondern die Frage ist, ob wir uns durch die Gemeinschaft mit Jesus im Abendmahl verändern lassen. Bei Judas ist das leider nicht geschehen. Aber vielleicht geschieht es bei manch anderem, der in unseren Augen nicht würdig ist, das Abendmahl zu empfangen…

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Exodus 24, 1-11 Das Ja-Wort

Eine zentrale Stelle im Buch Exodus: Der Bundesschluss Gottes mit seinem Volk am Sinai. Mich hat die Stelle deutlich an das von Jesus Christus eingesetzte Abendmahl im Neuen Testament erinnert. Auch da taucht das Stichwort Bund auf (Lk. 22,20). Nach hebräischer Vorstellung spielt Blut eine wichtige Rolle. Beim Bundesschluss am Sinai wird das Blut von Opfertieren zum einen an den Altar gesprengt (V.6) und zum anderen auf das Volk (V.8). Das verbindet die beiden Bundespartner auf’s engste. Beim neutestamentlichen Abendmahl spricht Jesus von seinem Blut, das für uns vergossen wird (Lk. 22,20). Und an beiden Stellen wird der Bund mit einem Mahl gefeiert (V.11).

Bund, Blut, gemeinsames Mahl,… ich glaube Jesus nimmt ganz bewusst Bezug auf diese Stelle. In und durch ihn wird dieser Bund Gottes aufgenommen und erneuert. Das Abendmahl ist somit auch so etwas wie das Fest des Gemeinschaftsbundes zwischen Gott und seinem Volk. Ein Fest, bei dem man sich gegenseitig das Ja-Wort zuspricht. Gott sagt Ja zu dir und du sagst Ja zu Gott.

Fasziniert hat mich an dem Exodustext auch V.10: Da geschieht das, was nach alttestamentlicher Vorstellung eigentlich nicht geschehen kann – sterbliche Menschen sehen Gott! Und sie werden von Gottes Herrlichkeit nicht vernichtet! In Ex.33,20 heißt es: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Nun ist in Exodus 24 nicht davon die Rede, dass sie Gottes Angesicht sehen, aber trotzdem: sie sehen Gott!

Es wird nicht beschrieben, wie Gott aussieht. Ganz zurückhaltend und vorsichtig wird nur beschrieben, dass der Boden unter Gottes Füßen wie Saphir geglänzt hat und strahlend blau war – wie an einem klaren Sonnentag. Allein der Boden unter Gottes Füßen strahlt und glänzt in Herrlichkeit!

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Exodus 12, 1-28 Das Passahlamm

Was für ein Text und was für ein Geschichte, die dahinter steckt! Der Pharao bleibt verstockt und es kommt zum großen Showdown. Der „Verderber“ geht in Ägypten um (V.23). Er tötet alle Erstgeborenen – Tier oder Mensch. Nur die Israeliten werden verschont. Sie schlachten Passahlämmer und feiern in ihren Häusern das Passahmahl. Vom Blut des Opfertieres wird etwas an den Türrahmen der Häuser gestrichen. Das ist das Zeichen für den „Verderber“ an diesem Haus vorüber zu gehen.

Eine fremde, orientalische, blutrünstige Welt taucht da vor uns auf. Als moderner Mitteleuropäer hab noch nie ein Tieropfer gebracht. Ich tue mir schwer mit der Vorstellung, dass Gott selbst einen „Verderber“ schickt, der Kinder und Tiere hinweg rafft. Und doch habe ich als Christ Anteil an dieser Geschichte und dieser Tradition. Ich glaube, dass Jesus das eine, wahre Passahlamm ist, das für mich gestorben ist. Ich glaube, dass sein Blut das Zeichen meiner Rettung ist. Ich glaube, dass Menschen ohne ihn verloren gehen. Ich glaube, dass das Abendmahl die Fortführung des Passahmahls ist und im Abendmahl Jesu Tod für uns gegenwärtig wird.

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Matthäus 26, 26-29 – Streitpunkt Abendmahl

Das Abendmahl – es fällt mir schwer, darüber in ein paar Sätzen etwas sinnvolles zu schreiben. Was wurde nicht in den Jahrhunderten seit dem letzten Abendmahl Jesu über diese Sätze gestritten und theologisiert! Je nach Konfession, Glaubensrichtung und persönlichen Erfahrungen prallen hier ganz verschiedene Vorstellungen und Erfahrungen aufeinander.

Als Pastor mache ich immer wieder die Erfahrung, wie gerade das Abendmahl mehr trennt, als dass es vereint. Gerade am Abendmahl offenbaren sich schnell heftige und tiefgreifende Unterschiede. Und gerade hier kochen schnell die Emotionen hoch. Das ist ja einerseits okay, weil es ein wichtiges und zentrales Thema ist. Aber andererseits macht mich die Verbissenheit, mit der wir manchmal damit umgehen, auch irgendwie traurig.

Erst vor kurzem war das Thema Abendmahl bei uns in der Ökumene wieder ein Diskussionspunkt, weil es beim Kanzeltausch (ev. Prediger in kath. Kirche) immer irgendwie schwierig ist, eine gute Lösung für alle zu finden (die offizielle kath. Linie ist ja, dass Evangelische nicht daran teilnehmen dürfen – wie gestaltet man das jetzt so, dass es nicht seltsam wirkt?). Aber auch in einzelnen Gemeinden ist das Abendmahl oft ein herrliches Thema, um die Gemeinde zu spalten (Einzelkelch oder Gemeinschaftskelch, Wein oder Traubensaft, mit Kinder oder ohne Kinder, liturgisch-feierlich oder fröhlich-frei,… ).

Aber wir kennen das ja schon von Anfang an: Schon in der Gemeinde in Korinth gab es da heftige Auseinandersetzungen… 🙁