Shane Claiborne: Ich muss verrückt sein, so zu leben

Ein Buch zum an die Wand schmeißen und zum ans Herz drücken. Ein Buch zum Verzweifeln und begeistert jubeln. Ein Buch zum Kopf-schütteln und zum Freudesprünge machen. Ein Buch das einem die Zuversicht nimmt und das neue Hoffnung weckt. — Beide Richtungen stecken für mich in diesem Buch. An vielen Stellen war ich begeistert über Shanes humorvolle und doch knallharte Abrechnung mit unserm bürgerlichen, angepassten und bequemen Glauben in unserer westlichen Wohlstandswelt. Shane entdeckt wieder ganz neu, dass Jesus ein Radikaler war, ein Mensch der an der Wurzel unserer Existenz ansetzt, der etwas grundsätzlich anderes will und der alle menschliche Religion in ihrer Beschränktheit entlarvt. Aber zugleich macht mich das Buch auch ein wenig rat- und mutlos: Wie viele (bzw. wie wenige) Christen gibt es wohl, die „verrückt“ genug sind um ihren Glauben in einer ähnlichen Radikalität und Konsequenz leben zu können wir Shane? Ich gebe ehrlich zu: Ich gehöre nicht dazu. Ich gehe viel zu viele Kompromisse und Halbheiten ein…

In gewisser Weise könnte man sagen, dass dieses Buch ein praktisches Beispiel dafür ist, wie man bestimmte Impulse aus dem Buch unchristian von Kinaman und Lyons in die Praxis umsetzen kann. Shane ist ein Christ, der kein Heuchler ist, keiner der nur über Nächstenliebe redet, sondern er lebt die Nächstenliebe so konsequent und kompromisslos wie möglich. Das macht ihn so glaubhaft und beeindruckend. Wenn alle Christen auch nur annähernd so konsequent die Botschaft der Liebe leben würden, könnte uns niemand mehr vorwerfen, dass wir Heuchler seien, und viele würden ganz neues Interesse am christlichen Glauben zeigen.

In dem Buch deckt Shane gekonnt unsere verweichlichte Art das Evangelium zu leben auf. Er berichtet von der christlichen Jugendarbeit, die er selbst erlebt hat und bei der man v.a. versuchte durch immer tollere Events und immer ausgefallenere Freizeitangebote die Jugendlichen in die Kirche zu locken. Er vergleicht unser geistliches Leben mit der Bulimie: Wir stopfen uns voll mit Andachten, Predigten, christlichen Büchern, christlichen Filmen usw. und erbrechen diese Information dann wieder über Freunde, Kleingruppen und Pastoren – und bei all dem verhungern wir eigentlich geistlich, weil wir diese ganze Information nicht wirklich ins Leben umsetzen (S.38). Das sind drastische Vergleiche – die aber durchaus zutreffend sind.

Shane kritisiert auch unseren Umgang mit der Bibel: Wir studieren mehr den christlichen Glauben, anstatt ihn zu leben. Einen Verbündeten hat Shane dabei in S.Kierkegaard gefunden. Folgendes Zitat von Kierkegaard führt er an: „Die Bibel ist sehr leicht zu begreifen. Doch wir Christen… tun so, als ob wir unfähig seien, sie zu verstehen. Wissen wir doch sehr genau, dass wir von dem Augenblick an, in dem wir sie verstehen, entsprechend handeln müssen. [Wenn wir die Worte der Bibel ernst nehmen würden, dann müssten wir erkennen:] Wenn ich das tue, wird mein Leben in Trümmern liegen… Das Studium des christlichen Glaubens ist die wunderbare Erfindung der Kirche, mit Hilfe derer sie sich gegen die Bibel wehrt, um sicherzustellen, dass wir weiter gute Christenmenschen sein können, ohne dass uns die Bibel zu nahe kommt.“ (S.69f)

Aber Shane redet nicht nur über das was schief läuft, sondern er handelt auch. Er versucht konsequent zu sein. Zum Beispiel dadurch, dass er zu den Obdachlosen und Ausgestoßenen geht, sich mit ihnen anfreundet und ihnen konkret hilft. Zum Beispiel dadurch, dass er nicht nur Artikel gegen den Irak-Krieg geschrieben hat, sondern dass er während des Krieges dorthin geflogen ist, um dort bei Hilfsangeboten mit zu arbeiten. Zum Beispiel dadurch, dass er mit Mutter Theresa in Kalkutta den Ärmsten der Armen die Leprawunden gesäubert und verbunden hat. Zum Beispiel dadurch, dass er sich auch auf politischer Ebene gegen die Ausbeutung von Arbeitern in der dritten Welt einsetzt (welche zu einem Hungerlohn und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, damit unserere Güter schön billig produziert werden können). Zum Beispiel dadurch, dass er christliche Lebensgemeinschaften bildet, in denen nach dem Vorbild der Jerusalemer Urgemeinde, Besitz nicht nach Leistung, sondern nach Bedürftigkeit verteilt wird.

Shane wünscht sich eine sanfte Revolution des Christentums. Er wünscht sich mehr Christen, die konsequent ihren Glauben leben. Er wünscht sich, dass der Glaube der Bibel sich unwiderstehlich ausbreitet, wie Senfkraut sich im Garten ausbreitet. Er bringt den „Glauben wie ein Senfkorn“ in Verbindung mit der unkrautartigen Verbreitung des Senfkorns, das langsam aber sicher einen Garten erobern kann. Es geht also nicht um einen äußeren Umsturz, sondern um eine innere Durchdringung und Radikalisierung (im Sinne von: zurück zu den Wurzeln) des Christentums.

Wie gesagt: Diese Gedanken begeistern mich und zugleich macht mich das Buch auch mutlos und deprimiert. Wenn man sich nur eine ganz normale deutsche Gemeinde oder christliche Gruppierung mit all ihren Problemchen und Streitigkeiten anschaut – dann muss man ernüchtert feststellen: Das wird nie was! Vielleicht gibt es vereinzelt ein paar Verrückte, die stark genug sind so radikal zu leben. Aber die große Mehrheit (einschließlich mir selbst) wird gar nicht den Mut, den Ehrgeiz, das Vertrauen und die Stärke haben, solch einen radikalen Glauben zu leben. Sind das dann Christen zweiter Klasse? Mitläufer, die eigentlich gar nicht richtig dazu gehören?

Die einzig sichtbare Auswirkung des Buches bei mir war bis jetzt, dass ich beim letzten Einkauf im Supermarkt nach Produkten aus fairem Handel gesucht habe. Außer einer Packung grünen Tee hab ich nichts brauchbares gefunden… Immerhin etwas 🙂 – aber doch meilenweit weg von einer sanften, unaufhaltsamen und weltverändernden Revolution… 🙁

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23 Gedanken zu „Shane Claiborne: Ich muss verrückt sein, so zu leben“

  1. Habe das Buch mit ähnlichen Empfindungen gelesen.
    Und das drastischste Erlebnis danach war so wie Deins:
    Seitdem kaufe ich den Kaffee möglichst „transfair“ – seit ca. 4 Monaten vielleicht nur mit ein-zwei Ausnahmen.
    Tja, und ditt war’s!

    Woran liegt’s?
    Was würden wir denn erwarten, das wir tun sollten?

    Segen!
    Dirk.

  2. Hi Dirk!
    Willkommen bei windhauch! Verfolge meinerseits auch interessiert dein Blog und euer Kiez-Projekt. By the way: Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs!
    Tja, woran liegt’s dass nicht alle solch ganz gewöhnliche Radikale sein können wie Shane? Wahrscheinlich ist nicht jeder für solche Extreme geeignet. War ja schon bei Jesus so, dass nicht alle so verrückt waren, mit ihm durch die Gegend zu ziehen und mit den Huren und Zöllnern Feste zu feiern. Manche blieben einfach daheim und unterstützten ihn mit ein paar Spenden… Ich glaub wir müssen diese Unterschiede akzeptieren.
    Aber ich würd mir von mir selbst und von vielen unserer satten und abgeschotteten deutschen Mittelstandsgemeinden schon ein bisschen mehr Eindeutigkeit und Radikalität wünschen (da geht’s ja schon los: Geht das überhaupt: ein bisschen radikal und eindeutig sein?!?) Ich merke bei mir, dass ich bei mir keine radikalen Veränderungen durchführen kann, dass ich mein Leben mit all den Beziehungen in denen in lebe, nicht einfach auf den Kopf stellen kann. Aber vielleicht in kleinen Schritten in diese Richtung unterwegs sein? Immer öfter mal mehr und verrückteres wagen…? Und da ist fair gehandelter Tee oder Kaffee immerhin schon mal ein Anfang…

    1. mein blog erscheint wahrscheinlich erst nach einigen Tagen, da ich ihn erst eingestellt habe.

      Zu Ihren gedanklichen Ansätzen folgendes. Diese Welt ist in den Händen des „Teufels oder Bösen.“
      Lese Luk. 1 und noch etliche andere Bibelstellen.
      Darum sind hier diese Verhältnisse so. Und wie heißt es? Breit ist der Weg der verdammnis. Und wir können nicht alle Menschen retten. Am schlimmsten sind doch wie zu Jesu-Zeiten die sog. Schriftgelehrten. Dazu kommt noch, dass wir uns den „Glauben“ nicht kaufen können. Und die Nachfolge Jesu kann auch für uns den Tod bedeuten. Aber zur Tröstung, merkt ihr nicht das so langsam sich auch die Voraussagen der Offenbarung einstellen. Bsp. Kirche oder der sog. „Christenheit“ hinsichtl. der „grossen Hure Babylon.“ Drum haltet an am Gebet, unser Retter kommt bestimmt.
      schlau-sein bzw.
      http://tieresindschlauer.blogspot.com =ist vielleicht eine Lösung? Bsp. gibt`s doch genug jetzt.

  3. Auch mir ging es beim Lesen dieses Buches so.

    Ich schaute mir einen Claiborne an, der als junger Mensch frei und ungebunden loszieht und „radikal“ lebt. Leute sucht und findet, die mit ihm das eine oder andere Ding durchziehen.

    Und doch erscheint er als der Radikalste unter den Radikalen. Für mich war das eine schöne spannende Biografie, aber was davon soll und kann mir wirklich weiterhelfen? Wie wird man ein Radikaler, wenn man schon Frau und Kinder hat? Wenn man sein Leben schon auf einer geregelten Arbeit mir 40+ Stunden-Tag aufgebaut hat? Geht das nur über „Ausstieg“? Was ist, wenn Frau und Kinder das nicht mitmachen? ….
    Wie genau sieht das Leben der FAMILIEN in seinem Umfeld aus?

    Und ich frage ich auch -gerade nach der Lektüre von „A new kind of christian“- , ob die irgendwie auf die Spitze getriebene Dichotomie zwischen den „satten und abgeschotteten (deutschen) Mittelstandsgemeinden“ und den „ordinary radicals“ wirklich das Thema des Christseins auf den Punkt bringt, oder nur Shane’s eigenen Charakter und seine spezifische Einstellung zur Welt (und ein gewissess Schwarz/Weiss-Denken) widerspiegelt.

    Schließlich geht es doch darum, dass jeder SEINEN Weg finden muss, mit dem christlichen Anspruch umzugehen. Einen Weg, der zu seinem Typ und Charakter passt. Shane ist ein ganz bestimmter Typ, und ich habe den Verdacht, er zieht entsprechend gleiche Typen an: Eine gewisse Abenteuerlust und/oder Extrovertiertheit und/oder Ungebundenheit muss man wohl mitbringen, um in seinem Sinne Aktivist zu werden.

    Irgendwie klingt doch alles sehr nach „Sturm- und Drang-Zeit“. Ein post-modernes christliches Gegenstück zur 68er-Bewegung?

    Somit nehme ich zwei Wirkungen des Buches wahr:
    – Positiv: Junge Menschen, die das Buch lesen, werden aufgerüttelt, über ihren Glauben und ihr Leben nachzudenken und ggf. Alternativen zu entwickeln.
    – Negativ: Diese jungen Menschen kommen leicht in eine allzu kritische Haltung gegenüber ihrer Elterngeneration und den Herkunfts-Gemeinden, weil diese eben nicht auch schon voll radikal sind.

    1. Muss nicht jeder GOTTES Weg (anstatt SEINEN Weg) für sich finden und seine eigenen Ziele und Wünsche, wie Wiebke schon schreibt, verleugnen?

      “Er sprach aber ZU ALLEN: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.” (Lk 9,23)

      Wenn man „Seinen Weg“ findet mit der Bibel umzugehen, landet man dann nicht zu schnell in bequemen Kompromissen, die für sich selbst ein Leben im Glauben ermöglichen ohne seine eigenen Ziele ganz aufzugeben und Gottes Geist in sich wirken zu lassen?

      Klar einerseits weiß ich, dass Menschen in ihrem sozialen Umfeld, gerade als Eltern, eingebunden sind und dies nicht so einfach ohne Wunden zu verursachen aufgeben können. Ich weiß auch nicht, ob Jesus so radikale Schritte, die Schmerzen für alle Beteiligten mit sich bringen, fordert.

      Danke für den guten Blog! Ich habe das Buch schon vor längerer Zeit gelesen und es hat mich doch sehr beschäftigt und beschäftigt mich immernoch. Vielleicht auch zu sehr.

      Liebe Grüße

      1. Hallo Zuiopue,
        freut mich das mein Blog (trotz momentaner Inaktivität) Leser findet. 🙂
        Ich weiß nicht, ob man prinzipiell zwischen SEINEM Weg und GOTTES Weg unterscheiden kann. Denn Gottes Weg ist mit jedem Menschen ein ganz persönlicher – insofern ist mein Weg mit Gott auch mein Weg. Wichtig ist, dass ich auf meinem Weg bereit bin, mich von Gott leiten zu lassen und auf ihn zu hören (auch wenn das meinen Zielen und Wünschen nicht immer entspricht).
        Liebe Grüße vom
        windhauch

          1. Jesus reißt einen ja nicht zwangsläufig aus seinem sozialen Umfeld heraus, wichtig ist denke nur, dass man sein Leben komplett in Jesu Hände gibt und bereit ist ihn steuern zu lassen.

  4. Ich beobachte auch mit etwas Sorge die oft platten und polemischen Abgrenzungen in so mancher Literatur der emergent church (Ich lese gerade von Frost und Hirsch: Die Zukunft gestalten). Da werden viele ehrliche Bemühungen von „nicht emergenten Gemeinden“ einfach als wirkungslos dargestellt und eine revolutionär andere Kirche gefordert (in der dann natürlich alles besser läuft).
    Ich für mich möchte von Shanes Buch weniger eine Radikalität in der äußeren Form meines Christenlebens mitnehmen, als in einer neuen radikalen (an die Wurzel gehenden) Ausrichtung auf den Inhalt, oder besser gesagt auf die Person Jesu Christi. Und dann überlegen an welcher Stelle das eine Auswirkung auch auf die äußere Form meines Glaubens haben sollte.

  5. Hallo Windhauch,
    sehr schönes Blog!
    Auch wenn die anderen Kommentare schon etwas älter sind, kann ich nicht einfach lesen und weiterklicken, denn was ich hier lese macht mich sehr traurig.
    Fairer Handel ist bestimmt eine Verbesserung, ein guter Standpunkt gegen unverhältnismäßige Geschäfte. Aber ein ‚bisschen radikal‘ und ‚jeder muss seinen eigenen Weg finden‘? Für mich klingt das zu viel nach Welt und zu wenig nach Gott. Bei mir steht in Joahnnes 14,6: „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg“. Nicht ich bin der Weg für Dich und für andere mag ein anderer Weg der richtige sein. Shane Claibornes Buch habe ich nicht gelesen und kann somit auch nicht beurteilen was oder wie etwas darin beschrieben ist, aber diese Tendenz, wenn jemand die ‚unangenehmen Bibelstellen‘ zitiert gleich zu antworten, es mag das Richtige für ihn/sie sein, aber das sei dann wohl eine ganz persönliche Botschaft, finde ich einen allzu leichtherzigen Umgang mit der Bibel. Als ich Christ wurde, hat es mich gewundert, dass auf viele Aspekte so stark geachtet wurde (z.B. im Bezug auf Beziehungen, Finanzen, Taufe) aber Stellen wie Mt 19,16-26; Mt 5,43-7,29; Lk 12 sowie viele weitere, auch alttestamentliche Stellen, sehr unbeliebt sind. Auch wenn man über die Apostelgeschichte spricht, dann trifft man häufig auf die Ansicht, ein solches Leben sei ja heute nicht mehr möglich. Ist es nun wirklich so, dass diese Ansichten biblisch begründbar sind, oder wurzeln sie nicht viel eher in unserer Angst, mangelndem Vertrauen und Werten, die wir von der Welt übernommen haben?
    Warum beunruhigen uns Menschen die Gott von „ganzem Herzen und mit ganzem Verständnis und mit ganzer Seele und mit aller Kraft und den Nächsten []wie sich selbst lieben“? (Vgl. Markus 12,28-34 + 5.Mose 6,5). Vor zwei Tagen erst meinte ein Nicht-Christ zu mir, ‚ja, wie toll wäre es, wenn wirklich jeder seinen Nächsten lieben würde wie sich selbst‘. Liebe kann nicht als Theorie existieren, sondern nur als gelebte Entscheidung, zu der wir fähig sind, wenn wir in Jesus Christus sind und er in uns. Nicht aus unserer Kraft, sondern aus Seiner. Denn wenn wir Glauben, wie ein Senfkorn hätten, könnten wir Berge versetzen. Wollen wir das?
    Uns wurde kein einfaches Leben versprochen, aber welches Leben in der Bibel, zu denen wir doch aufschauen und an denen wir uns orientieren, ist schon einfach? Wann haben wir angefangen, den Segen Gottes daran zu messen wie einfach es uns gemacht wird. Das Leben Jesu‘ und seine Lehre hat uns dies nicht gelehrt.
    „Er sprach aber ZU ALLEN: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lk 9,23)
    WIR müssen uns entscheiden!

    1. Hallo Wiebke!
      Danke für Deinen Kommentar und willkommen bei windhauch!
      Du hast natürlich recht: Jesus ist der Weg. Nur kann es doch sein, dass Jesus mit Shane Claiborne einen anderen Lebensweg geht als mit mir oder mit Dir. Nicht jeder Christ muss wie Shane nach Kalkutta und dort den Ärmsten der Armen helfen. Jesus hat mir mir oder mit Dir ja vielleicht was anderes vor ;). Insofern denke ich, ist es schon richtig, dass jeder seinen Weg finden muss: Den Weg, den Jesus mit ihm gehen möchte.

      Aber ich kann Dein Unbehagen über dieses „ein bisschen radikal“ gut verstehen. Und Du kannst ja am Artikel und meinen Kommentaren sehen, dass ich damit selbst nicht zufrieden bin. Von Radikalität zu sprechen und sie einzufordern ist relativ leicht – sie aber wirklich zu leben ist unendlich schwer. Und ich finde das bleibt eine lebenslange Herausforderung.

  6. Danke für die Besprechung dieses Buches. WOW. Stark, kraftvoll, konsequent, aber, natürlich auch stellenweise traurig. Versuche ähnlich zu leben. Ist nicht immer einfach. Aber solche Beispiele geben Mut. Herzlichen Dank.

  7. Ich habe mir nun dieses Buch gerade bestellt. Nach all den positiven Meinungen hier und dort muss ich mir nun selbst einmal meine Meinung bilden.

    Wenn ich es gelesen habe, werde ich dazu hier noch einen Kommentar schreiben… 😉

    Bis jetzt klingt das Buch sehr viel versprechend.

  8. Ich habe das Buch nun zur Hälfte gelesen und daher gebe ich hier einmal eine Zwischenbilanz ab:

    Die ersten vier Kapitel fand ich wunderschön. Ich fand den Entschluss von Claiborne sehr mutig, zu Mutter Teresa nach Kalkutta zu fliegen und sich dort um die verlorenen Menschen (Arm ist gar kein Ausdruck!) zu kümmern. Die Beweggründe, weshalb er nach Kalkutta gefolgen ist, kann ich nachvollziehen – er nannte es kurz gesagt „Christliche Bulimie“ bzw. „geistlichle Bulimie“. Zitat (Seite 37 und 38):

    „Bulimie ist eine tragische Essstörung, die viel mit Selbstwahrnehmung und Außenwirkung zusammenhängt und bei der die Betroffenen viel essen, das Essen aber wieder erbrechen, bevor es verdaut werden kann. Ich hatte die geistliche Variante, bei der ich meine Andachten las, alle neuen christlichen Bücher verschlang und mir die christlichen Filme ansah und dann die Informationen über Freunde, Kleingruppen und Pastoren erbrach. (…) Ich wurde vom Christsein erstickt – und dabei dürstete ich nach Gott.“

    Bei diesem Absatz musste ich sofort an Jesus junge Garde denken musste – hier kommen mir die Christen bestenfalls Hirn amputiert vor. Sorry, aber wenn sich die Führer von „The Call mit Hitler und Scientology vergleichen und dafür sind, die Religionsfreiheit aufzuheben, kann man sich in meinen Augen nur an den Kopf fassen. Christliche Bulimie eben. 😉

    Claiborne bringt es eben im ersten Kapitel auf den Punkt: Die einzig logische Frage die sich ergibt ist: Wie lebt man denn nun eigentlich als Christ? Wie sollte man als Christ leben?

    In dem restlichen Buch versucht er genau diesen Weg herauszufinden und das größte Gebot (Mt 22,36-40) umzusetzen. Das Buch beschreibt den radikalen Weg eines Christen.

    Gleich im zweiten Kapitel zeigt er die Erkenntnis, dass Jesus selbst Obachlos war. Er beschreibt die Erfahrung, die er gemacht hat, als Obdachlose aus einer Kriche vertrieben werden sollten. Draußen an der Kriche war ein Banner, auf dem geschrieben stand:

    „Wie können wir Sonntags einen Obdachlosen anbeten und ihn Montags abweisen?“

    Dies bekräftigt meinen Entschluss, mich nach meinen Studium im Rahmen von gemeinnütziger Arbeit mich für eben diese Obdachlose einzusetzen – denn in jeden von diesen ist ein Jesus. Da stimme ich Claiborne vollkommen zu. Der zentrale Punkt ist, dass unsere Gesellschaft an sich kaputt ist und einfach generell soziale manieren benötigt und hier kann jeder Christ etwas tun.

    Wie viel sollte jeder Christ machen? Lukas 12,33 gibt eine ganz klare Antwort. Clairborne ist nach Kalkutta zu Mama T geflogen um Christen kennen zu lernen, die ganz genau so radikal sind, dass sie diese Stelle in der Bibel wortwörtlich ausgelegt haben und daraufhin ihre Existenz aufgegeben haben, denn: Matthäus 19,16-26.

    Ich denke, das Claiborne definitiv einen sehr radikalen Weg geht. Er kümmert sich um die Menschen, die weniger haben als er und dies letztendlich nur aus Nächstenliebe.

    Ich frage mich nur eines:
    Wenn alle Menschen in Deutschland Christen wären und so radikal wie Claiborne und ihre Existenz aufgeben würden nur um den Armen zu helfen und die Gute Nachricht zu verbreiten, dann wäre bald die ganze Welt voll von Pastoren und niemand würde mehr einen anderen Beruf nachgehen. Das ist der Grund, weshalb ich seine Radikalität zwar gut nachvollziehen kann, aber auch denke, dass jeder seinen eigenen Weg gehen sollte. Armut ist nicht nur in der dritten Welt, in Kalkutta oder in anderen Ländern zu finden, sondern überall in jedem Ort in Deutschland. Hier eine Familie mit finanziellen Schwierigkeiten, dort ein Obdachloser, in dem Altersheim eine Frau die keine Angehörigen mehr hat…

    Ich denke, alle Menschen sollten daher einen Abend in der Woche gemeinnützig Arbeiten und sich um derartige Menschen kümmern und Nächstenliebe praktisch Leben. Wie weit man hier geht, muss jeder für sich entscheiden. Das Buch hat also meine Entscheidung, dass ich gerne gemeinnützig anderen Menschen helfen möchte, bekräftigt. Eine Aufgabe meines Berufes kommt für mich dennoch nicht in Frage: Ob Arm oder Reich – Menschen brauchen Textilien und es ist meine Aufgabe dafür zu Sorgen dass sie sie bekommen und zwar ohne chemische Kampfstoffe (woher wohl die vielen Allergien in den letzten Jahren kommen?). Und so hat jeder Berufstätige Weltweit eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und das ist nichts anderes als Nächstenliebe.

    Das bisherige Fazit von Claiborne ist in Kapitel 6 auf Seite 154 zu finden:

    „Wenn wir wirklich und wahrhaftig Liebe entdecken, wird Kapitalismus nicht mehr möglich und Marxismus nicht mehr nötig sein“

    Dem stimme ich zu. Wenn man sich die Finanzkrise anschaut, so stellt man fest, dass diese ausgelöst wurde, nur weil sich ein paar Bänker bereichern wollten, denen die Gesellschaft scheiß egal war. Und so führt die Finanzkrise die Antwort zu Tage, dass der Kapitalismus auch nur begrenzt funktioniert – die Bibel hat eine bessere Antwort: Nächstenliebe.

    Aus diesem Grund finde ich die Kapitel 5 und 6 schwerer zu lesen als die vorherigen, da sich hier Clairborne über eine alternative Kirche, eine alternative Staatsform und über ein alternatives Leben an sich auslässt. Ich finde diese beiden Kapitel etwas übertrieben, denn auch der Kapitalismus würde tadellos funktionieren, wenn die Menschen einfach nur mehr Nächstenliebe hätten… Hierzu ein Zitat von windhauch:

    „Diese Gedanken begeistern mich und zugleich macht mich das Buch auch mutlos und deprimiert. Wenn man sich nur eine ganz normale deutsche Gemeinde oder christliche Gruppierung mit all ihren Problemchen und Streitigkeiten anschaut – dann muss man ernüchtert feststellen: Das wird nie was! Vielleicht gibt es vereinzelt ein paar Verrückte, die stark genug sind so radikal zu leben. Aber die große Mehrheit (einschließlich mir selbst) wird gar nicht den Mut, den Ehrgeiz, das Vertrauen und die Stärke haben, solch einen radikalen Glauben zu leben. Sind das dann Christen zweiter Klasse? Mitläufer, die eigentlich gar nicht richtig dazu gehören?“

    Ich denke, das ist kein grund mutlos zu sein. Ich finde, jeder sollte ein klein wenig den Armen und den Bedürftigen helfen. Jeder so wie er kann und dafür eben alle. Dann müsste auch niemand mehr, wie Claiborne, seine Existenz auflösen um zu helfen – einfach weil die Allgemeinheit eh genügend hat. Wie kann es sein, dass Menschen Essen weg werfen, wenn Arme Menschen nicht einmal zu Essen haben?

    Hierzu auch eine ganz persönliche Geschichte:
    Vor sieben Jahren bin ich bei eisiger Kälte in der Weihnachtszeit durch die Innenstadt von Hannover gelaufen. Es war schon dunkel und die Läden waren kurz vor dem schließen – das Thermometer einer Apotheke zeigte -23°C an. Ich sah einen Obdachlosen am Straßenrand sitzen, der mit einem Kaffeebecher bettelte. Alle Menschen (und das waren echt viele Menschen) gingen vorüber. Als ich näher kam, sah ich, dass seine Finger blau vor Kälte waren und er am ganzen Körper zitterte. Was macht man in einer solchen Situation? Geld geben? Wenn er ein Alkoholiker ist, kauft er sich Fusel. Ich bin als allererstes zu Mc Donald’s gelaufen und habe den größten Kaffee gekauft, den man kriegen konnte, den ich dem Obachlosen in die Hand gedrückt habe, dass er nicht friert. Ich werde niemals in meinem Leben die Dankbarkeit in seinen Augen vergessen. Was ist das für eine Gesellschaft, die den Geburtstag von Jesus Christus (einem Obdachlosen) feiert, tonnenweise Geschenke einkauft und einen Obdachlosen am Straßenrand sitzen lässt? Das war das Weihnachten, welches meine Familie nie vergessen wird, denn das war das Jahr, in dem niemand in meiner Familie auch nur ein Geschenk bekam. Heute sitze ich hier und frage mich, weshalb ich dem Mann auf der Straße nur einen Kaffee gekauft habe und nicht das Geld für die Geschenke in einen Schlafsack investiert habe. Das sind die Momente, in dem man eine Sünde begeht…

    Mal sehen, wie die restlichen Kapitel so sind. Bis jetzt kann ich das Buch nur zum Lesen empfehlen.

    1. Vielen Dank für deine Eindrücke von dem Buch. Auch an deinen Gedanken sieht man, dass das Buch auf jeden Fall provoziert und zur eigenen Stellungnahme herausfordert. Das ist gut! Schon allein deswegen verdient das Buch so viele Leser wie möglich! Also an alle: Unbedingt LESEN dieses Buch.
      Natürlich geht Claiborne einen sehr extremen Weg und ich denke, ihm ist klar, dass nicht jeder die Radikalität der Nachfolge in gleicher Weise leben kann. Aber wenn jeder Leser auch nur ein klein wenig von dem Buch mitnimmt, dann verändert sich insgesamt schon einiges. 🙂

  9. hallo,ich kenne dieses buch nicht kämpfe aber auf der gleichen front wie ihr,aber wir sollten aber nicht vergessen das wir aus gnade und liebe erettet worden sind(ALS IHR NOCH BITTERBÖSE WARD HABE ICH EUCH ERWÄHLT) und nicht weil wir alle so tolle menschen sind und so gute leistungen bringen und das gesetz auf punkt und beistrich befolgen,jesus ist für sünder,schwache und kranke gekommen und ich glaube das er mitleid hat mit unseren schwachheiten,aber es ist richtig voll und ganz jesus nachzufolgen,aber nicht aus eigener kraft(OHNE MICH KÖNNT IHR NICHTS TUN oder IHR KÖNNT NUR DIE WERKE TUN DIE ICH VORHER BEREITET HABE,mit ich und mich ist natürlich jesus gemeint)dennoch glaube ich nicht das jeder dazu bestimmt ist vor 20000 leuten zu predigen oder mutter theresa bei der krankenpflege zu helfen oder in afganistan zu evangelisieren,der anfang passiert immer in der kleinsten zelle,nun was heisst das,ganz einfach,ich muss jesus bitten mein leben zu verändern,mich von aller ungerechtigkeit zu reinigen,von sünden zu befreien,niemand kann das von sich aus,manche menschen mögen einen starken willen haben, dadurch ist es ihnen möglich die sünde zu unterdrücken aber deswegen sind sie nicht frei davon,nur jesus kann frei machen und seien wir ehrlich ich kenne niemanden(AUSSER JESUS) der frei von sünde ist,aber um auf den punkt zu kommen,fangen wir an einander zu vergeben,zu lieben,zu achten,zusammenzuhalten,und in der umgebung in der wir leben gottes dienst zu tun,das heisst für mich z.b am arbeitsplatz menschen das evangelium zu verkündigen wenn es sich ergibt,oder einen freund und glaubensbruder aus der not zu helfen,sei es seelisch oder z.b finanzell,einfach versuchen den geraden weg zu gehen,jesus weiss das uns das natürlich nicht immer gelingt aber seine liebe und gnade ist ist nicht davon abhängig,er liebt uns egal ob wir versagen oder nicht,wenn jesus uns nicht seine gnade schenken würde,uns beschützen würde,glaubt mir wir hätten nicht die geringste chance,mfg jessehelmuth

  10. Hi Windhauch, ich habe das Buch nicht gelesen, aber einen Artikel auf englisch über den Autor. Sehr beeindruckend. Ich persönlich würde sofort so zu leben anfangen – wenn ich 2-3 Mitstreiter/Innen finden würde!! Sogar der Bischof konnte mir bis heute (vor 1 Jahr angefragt) nicht mal 1 Namen in der ganzen Diözese von jemandem nennen, der auch so annähernd (nicht so extrem natürlich) leben möchte! Und ja, was soll man allein anfangen? Geht sich ja schon finanziell net aus, denn ich bin alleinstehend und von was muss man leben. Nur 2-3 Leute die es Ernst meinen – und ich wäre dabei. P.S.: komme aus Österreich

    1. Hallo Elfe!
      Ich weiß nicht, ob Shane Claiborne glücklich damit wäre, wenn Leute versuchen genau so zu leben wie er. Ich denke es ist wichtiger, dass jeder selbst in seinem Leben versucht, auf radikale Weise Jesus nachzufolgen. Für Shane sieht das sicher anders aus als für mich oder für dich…
      Zu deinem Kommentar ist mir Astrid Eichler eingefallen. Sie startete die Initiative: Es muss was Anderes geben. Es geht ihr um ein gemeinsames christliches Leben von Singles, ohne dass man gleich einem Orden oder einer Kommunität beitritt. Weiß aber nicht, ob es da in Österreich auch Netzwerke gibt.
      Liebe Grüße und Gottes Segen vom windhauch

      1. „Ich denke es ist wichtiger, dass jeder selbst in seinem Leben versucht, auf radikale Weise Jesus nachzufolgen. Für Shane sieht das sicher anders aus als für mich oder für dich…“

        Die Aussage gefällt mir 😉

    2. ich habe das Buch nicht gelesen

      Ich halte es für Sinnvoll, bevor man sein ganzes Leben über den Haufen wirft und eine Person nachmacht, erst mal sein Buch zu lesen. 😉 Im Ernst: Lies das Buch bevor du irgendetwas in deinem Leben komplett veränderst. 🙂

  11. Ich bin von deiner Buchvorstellung echt begeistert. Du hast eine kraftvolle Art zu schreiben und die Zeilen sind wirklich treffend.

    Und nochmehr bin ich von Gott begeistert, der uns Vorbilder wie Shane schenkt und uns aus unserer Bequemlichkeit rausschmeißt.

    Eigentlich ist es ein bisschen traurig, dass Shane für uns ein Vorbild ist. Denn er tut einfach nur das, was Jesus uns in der Bibel sagt. Aber genau das ist es, was wir teilweise so erschütternd finden: dass im ERNST jemand SO lebt. Weil für uns die biblische Art zu leben so in die Ferne gerückt ist.

    Und ich bin Shane echt dankbar, dass er mir das deutlich gemacht hat (obwohl ich an vielen Stellen des Buches dachte „Oh Scheiße. Und ich nenn mich Christ.“) Aber ich glaube gerade DAS ist der Moment, wo man umdenken sollte. Und nicht so:“Ja…aber bei MIR ist das ja alles viel komplizierter.“ Das ist es nicht. Es ist kinderleicht. Vielleicht nicht für mich, aber ganz bestimmt für Gott.

    Und nach diesem Buch habe ich Gott gesagt: „Vielleicht ist es verrückt und vielleicht sehe ich keinen Weg, wie ich das umsetzen kann. Aber ich bin dein Kind. Und DU siehst einen Weg. Ich vertrauendir und lege mein Leben in DEINE Hand.“

    Und es ist faszinierend, wie Gott nicht sofort mein ganzes Leben umgehauen hat, sondern anfing, mein Denken zu verändern. Und daraufhin veränderte sich natürlich auch das Handeln.

    Und hey, wenn Shane es mit Gottes Hilfe geschafft hat, dann schaffe ich das auch. Und du genauso.

    Und ich WERDE losgehen.

    Und ich freue mich, dass Gott mir den Anfang eines wunderbaren Weges gezeigt hat.

    Love&Blessings

    Mel

    1. Danke für die Rückmeldung. 🙂 Ja, es tut uns gut, wenn wir uns immer wieder von Gott aufrütteln lassen und uns mit ihm auf den Weg machen!
      Grüße und Segen vom windhauch!

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