Sandra Hoffmann: Den Himmel zu Füssen

Das Buch hat mich weder begeistert noch enttäuscht. Die Autorin erzählt aus der Kindheit und der Pubertät von Enni. Das Mädchen wächst in einer ganz normalen Mittelschichtfamilie auf. Der Vater meditiert mit Buddha im Keller, die Großmutter lebt einen verklemmten Glauben an Christus, die Mutter steht mitten im Leben und will möglichst viel erleben, und der kleine Bruder leidet an einer Hautkrankheit und zieht die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich.

Enni ist verträumt, lebt naturnah, tanzt gerne. In ihrer Kindheit lebt sie in einer magischen Welt. Langsam steigern sich die Eindrücke aus der Familie und die magische Sicht der Welt in den Wahn einer Magersucht.

Manches an dem Buch wirkt zu gewollt und konstruiert. Die Familiensituation ist das klassische Paradigma für ein Mädchen, das in die Magersucht gerät. Hier werden kräftig Klischees bedient und zumindest als Hintergrund für die Erkrankung aufgezeigt. Was ich allerdings gut finde ist, dass auch das irrationale der Krankheit deutlich wird. Die Umstände können den Weg in die Sucht nicht wirklich erklären.

Ich empfand in dem Buch auch nach zwei Dritteln einen Bruch. Zuerst ist der Roman sehr poetisch. Nicht ganz einfach zu lesen, aber doch ein eigener Stil, der teilweise sehr schöne Bilder hervorbringt. Dann kommt plötzlich die Magersucht ins Zentrum. Das Buch wird spannender zu lesen, verliert aber etwas von seinem ursprünglich poetischen Charakter. Für mein Empfinden bleibt die Geschichte der Magersucht dann zu platt und zu schnell erzählt. Ist es nun ein Problembuch zum Thema Magersucht? Oder ist es ein poetische Annäherung an dieses schwierige Thema?

Aber trotzdem: Ein schönes Buch mit einem eigenwilligen poetischen Erzählstil (der nicht jedem liegen wird), das ein wichtiges Thema aufgreift. Schade allerdings, dass der christliche Glaube nur klischeehaft dargestellt wird.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.