Sacharja 6, 9-15 Unerfüllte Verheißung?

Noch einmal tauchen hier zwei künftige Heilsfiguren auf. Mit „Spross“ (V.12) bezeichnen die Propheten den Messias. Neben ihm soll einen Priester geben und die beiden werden einmütig und in Frieden (V.13) Gottes Volk anführen. Auffällig ist, dass hier zwar der Name des damaligen Hohenpriesters Jeschua fällt – dieser wird jetzt schon zeichenhaft gekrönt – dass aber der Name Serubbabel nicht mehr erwähnt wird. In Sach. 4,6-10 wird er noch als derjenige angekündigt, der den Tempelbau vollenden wird. Jetzt wird ein zukünftiger „Spross“ erwartet, der den Tempel bauen wird (V.13).

Offensichtlich hat sich die messianische Erwartung an Serubbabel so nicht erfüllt. Nicht Serubbabel ist der zukünftige Messias, sondern Sacharja wartet auf jemand Anderes. Hier zeigt sich innerhalb eines biblischen Buches, dass Prophezeiungen nicht immer ihre automatische Erfüllung nach sich ziehen. Oder hat sich Sacharja geirrt? Aber dann hätte man die ursprüngliche Erwartung an Serubbabel ja konsequenterweise aus dem Buch gestrichen und verschwiegen. Nein, in Serubbabel hat sich die Verheißung des Wiederaufbau des Tempels ansatzweise erfüllt, aber noch nicht vollendet. Nun wartet Sacharja auf einen Anderen, einen Größeren (das Neue Testament spricht von einem, der Gottes Tempel in drei Tagen auf eine andere Weise wieder aufbaut…).

Sacharja selbst sagt zu dieser neuen Erwartung: „Das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn“ (V.15). Er selbst macht deutlich, dass Gott seine Verheißungen nicht automatisch und unabhängig von unseren menschlichen Reaktionen erfüllt. Göttliche Verheißungen schließen unsere menschliche Reaktion nicht aus, sondern sie schließen sie ein. Wenn Gott handelt, heißt das nicht, dass wir nicht handeln brauchen…

| Bibeltext |

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