Sacharja 1, 7-17 Erneute Erwählung

In diesem Abschnitt bin ich vor allem an V.17 hängen geblieben. Gott spricht durch den Propheten davon, dass er Jerusalem wieder erwählen wird. Vom Zusammenhang her geht es darum, dass nach dem Babylonischen Exil, sich Gott wieder der Stadt Jerusalem und seinen Einwohnern zuwendet. Spannend ist, dass hier das Stichwort „Erwählung“ auftaucht. Offensichtlich bedeutet Erwählung im biblischen Sinn nicht eine ein für allemal vorherbestimmte Festlegung. Jerusalem wurde von Gott erwählt, hat dann diesen Status durch seine Abkehr von Gott verloren und nun wird es von Gott neu erwählt.

In der Theologiegeschichte wurde viel über Erwählung diskutiert und auch gestritten. Erwählung betont das Gnadenhandeln Gottes. Es ist nicht ein Verdienst oder eine Leistung des Menschen, dass er von Gott erwählt wird – es ist reine Gnade. Wenn man diesen Gedanken aber strikt durchzieht, bekommt man Probleme mit der menschlichen Freiheit und mit der Gerechtigkeit Gottes. Warum erwählt Gott manche Menschen und mache nicht? Was kann ein Mensch dafür, ob er erwählt ist oder nicht? Und wie kann ein Mensch, der nicht erwählt ist, dann von Gott für seinen fehlenden Glauben bestraft werden?

Die Bibel zeigt sich hier weniger dogmatisch. Erwählung ist auf jeden Fall Gnadenhandeln Gottes. Aber sie hängt auch mit menschlichem Handeln zusammen. Die Erwählung Jerusalems lässt Freiräume für menschliche Abkehr von Gott und erneute Zuwendung zu Gott. Erwählung ist somit keine festgelegte Vorherbestimmung zum Heil oder Unheil.

| Bibeltext |

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