Römer 3, 1-8: Berechtigte Anfragen

Auch wenn der Römerbrief ein eher allgemeines Vorstellungsschreiben des Paulus ist, in welchem er seine Theologie darlegt, geht er doch in dialogischer Form auf Anfragen an seine Verkündigung ein. Wenn Paulus hier schon direkt auf mögliche Anfragen eingeht, dann kann man davon ausgehen, dass seine Botschaft regelmäßig auf Kritik und Ablehnung gestoßen ist. Die Theologie des Paulus ist pointiert und zugespitzt und reizt geradezu zur Auseinandersetzung.

Die Anfragen, auf die  er hier kurz eingeht betreffen die Vorzugsstellung des jüdischen Volkes (gilt das dann nicht mehr, wenn sie genauso wie die Heiden vor Gott schuldig sind?) und die Frage, ob die Betonung von Gottes Gnade nicht zu einem bequemen Verharren in der Sünde führt, weil Gott ja sowieso vergibt und durch diese Vergebung Gottes Gnade sogar noch mehr verherrlicht wird. Beides weist Paulus scharf zurück. Auf die Frage nach dem Volk Gottes geht er später in den Kapiteln 9-11 ausführlich ein. Auf die Frage nach dem neuen Leben in der Gnade geht er in Kapitel 6 ein.

Gerade den zweiten Einwand kann ich gut nachvollziehen. Wenn ich trotz aller religiösen und moralischen Anstrengungen vor Gott sowieso schuldig bin und Gott trotzdem treu und gnädig ist, warum sollte ich mich dann überhaupt noch um ein gutes Leben bemühen? Ja, rein logisch gesehen bringt mir das nichts. Aber wer diesem gnädigen Gott vertraut, der will trotzdem versuchen, seinem Willen zu gehorchen. Nicht aus Angst vor Strafe, sondern aus Liebe zu Gott und unseren Nächsten.

| Bibeltext |

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.