Römer 11, 1-10: Glaube – Geschenk der Gnade

Paulus versucht den gegenwärtigen Unglaubens Israel von der Schrift her zu deuten und zu verstehen. Schon im Alten Testament gab es Situationen, in denen sich Israel von Gott abgewandt hat und nur ein kleiner Rest sich treu zu Gott bekannt hat. So sieht es Paulus auch in seiner Zeit. Die Abkehr der Mehrheit hat aber damals, wie auch zur Zeit des Paulus nicht bedeutet, dass Gott seine Verheißung an Israel zurück genommen hat.

Spannend ist die Frage, warum manche treu bleiben und viele andere nicht. Oder für heute gefragt: warum manche in Jesus Christus ihren Retter erkennen und manche nicht. Paulus sagt, dass dies eine Wahl der Gnade ist. Nicht die besonders Frommen verdienen oder erarbeiten sich irgendwie den Glauben, sondern es ist reine Gnade (V.6). Wir können uns darauf nichts einbilden. Nach menschlicher Logik ist das eine gefährliche Schlussfolgerung, denn wenn man dann den logischen Umkehrschluss zieht, ist Gott selbst am Unglauben der vielen Schuld – er könnte ja allen die Gnade des Glaubens schenken. Paulus nimmt diese Gefahr in Kauf, weil er die Gnade Gottes so sehr betonen möchte.

In den Versen 7-10 zieht er die logische Konsequenz: Gott selbst verstockt Menschen, so dass sie Gott nicht erkennen können. Das ist für uns nicht wirklich nachvollziehbar, denn Gott möchte doch, dass alle Menschen errettet werden und dass alle Menschen zum Glauben finden. Und in der Bibel werden Menschen ja zu allen Zeiten immer wieder zur Umkehr und zum Glauben an Gott aufgerufen. Man darf diese zugespitzte Aussage des Paulus an dieser Stelle nicht für sich nehmen, sondern muss sie im gesamtbiblischen Zeugnis sehen. Der Ruf zum Glauben und die Antwort des Menschen ist wichtig. Und jeder ist für seine Antwort verantwortlich. Aber zugleich macht Paulus deutlich, dass wir Glauben nicht selbst machen und hervorrufen können, sondern dass es letztendlich immer ein Geschenk der Gnade ist.

| Bibeltext |

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