Römer 1, 18-32 – Gottes Zorn

Ein Text der normalerweise vor allem dafür „verwendet“ wird, um mit einem stichhaltigen biblischen Text den Homosexuellen ihre Sündhaftigkeit vorzuhalten. Bei genauerem Hinsehen gibt der Text aber gar nicht so viel her, wie manche vielleicht denken. Zu allererst muss man betonen, dass dieses Thema in dem Text nur beiläufig erwähnt wird. Paulus spricht davon, dass wir Menschen uns von Gott abgewandt haben und Gott uns nun ausliefert an unserer „schändlichen Leidenschaften“ und unseren „verkehrten Sinn“. D.h. dass die eigentliche Sünde die Gottlosigkeit ist und alles andere nur eine Folge dieser Sünde.

Dann ist die Frage, wovon Paulus hier genau spricht. Klaus Douglass meint z.B., dass Paulus nicht von Homosexualität als Veranlagung oder von homosexueller Liebe spricht, sondern „damals durchaus übliche homosexuelle Praktiken an sich heterosexueller, verheirateter Menschen“  (S.61) als „Verirrung“ bezeichnet.

Schließlich muss man auch nach der Gewichtung fragen. Paulus zählt noch weitere Folgen der einen Grundsünde auf: Ungerechtigkeit, Niedertracht, Habgier, Bosheit, Neid, …, Hochmut, Arroganz, Hinterhältigkeit, …, Unvernunft, Untreue, Härte und Unbarmherzigkeit. Warum richten sich manche evangelikale Christen nicht mit der gleichen Vehemenz gegen all diese Dinge, wie sie sich gegen Homosexualität wenden?

Tja, und nun bin ich auch wieder dabei, bei diesem Text nur dieses eine Thema zu sehen – ein Thema bei dem sich wunderbar streiten, verurteilen und richten lässt… Was eigentlich viel wichtiger und beeindruckender in diesem Text ist, ist das Verständnis von Gottes Zorn. Paulus macht deutlich, dass Gottes Zorn nicht heißt, dass er uns zusätzliche Strafen für unsere Sünden auferlegt, sondern dass er uns ganz einfach nur den Folgen unseres Tuns und Denkens überlässt. Gottes Zorn bedeutet, dass er uns die Konsequenzen unseres Tuns spüren lässt.

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