Psalm 89 – Ehrfurcht und Respektlosigkeit

Interessant fand ich bei diesem Psalm, wie mit Gott argumentiert wird. Da wird zunächst mal Gott gelobt und groß gemacht. Dann wird Gottes Bund mit David beschrieben und betont wie treu und gnädig Gott ist. Und selbst wenn die Nachkommen Davids Gottes Gesetz verlassen (V.31), so wird Gott doch treu bleiben und seinen Bund mit dem Haus David nicht aufgeben (V.34f). Es folgt die Beschreibung, dass es nun doch so aussieht, als ob Gott diesen Bund gebrochen hat (V.40) – wahrscheinlich hat wohl ein israelitischer König eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Das ganze gipfelt in der Klage, dass Gott sich doch bitte wieder zeigen soll und sich an seine Gnade und Treue erinnern soll (V.50).

Ich find’s cool, dass wir vor Gott nicht einfach in Ehrfurcht erstarren müssen und es gar nicht wagen dürfen auch nur andeutungsweise sein Handeln in Frage zu stellen. Der Psalm bekennt sich ganz klar zu Gottes Größe und Majestät. Aber zugleich fängt er an mit Gott zu diskutieren und will ihn förmlich zum Handeln überreden: „He Gott, du hast da doch mal versprochen, dass du David und seine Nachkommen beschützen willst! Wie sieht das jetzt aus? Warum verbirgst du dich? Ich weiß: Wir haben auch Mist gebaut – aber du bist doch schließlich Gott. Könntest wenigstens du deine Versprechen einhalten?“ Schön, wie sich hier Ehrfurcht und Respektlosigkeit mischen.
Bibeltext

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