Psalm 88 – In der Finsternis

Was für ein Psalm! Ein einziger Schrei der Klage und Verzweiflung. Normalerweise leuchtet auch in den bittersten Klagepsalmen ein Funken Hoffnung auf, oder die Gewissheit, dass Gott hört und irgendwie eingreift. In diesem Psalm bleibt alles dunkel. Es gibt nur die Klage und die Erfahrung der Ferne Gottes. Im hebräischen Original endet der Psalm mit dem Wort „Finsternis“ (welches auch für das Grab stehen kann).

Der Psalm ist – Gott sei Dank! – recht weit von meinem Leben entfernt. Und bei seinen verzweifelten Fragen „Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken?“ (V.11) möchte ich dazwischen schreien: Ja! Ja! Ja! Er tut Wunder an den Toten und durch Christus werden die Verstorbenen aufstehen und Gott danken!

Aber wer schon mal in depressiven Phasen steckte und von dunklen Gefühlen gefangen war, der ist dankbar, dass auch solche Psalmen ihren Platz in der Heiligen Schrift haben. Der Psalm drückt genau die Gefühle aus, wie es einem geht, wenn man sich von Gott verlassen fühlt. Es ist gut zu wissen, dass auch diese Gefühle ihren Platz vor Gott haben dürfen und dass wir nicht jedes Gebet einfach aus Prinzip mit Halleluja abschließen müssen.
Bibeltext

Psalm 88 – In der Finsternis
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